so, jetzt erstmal den Text auf der Seite der deutschen Botschaft posten
<<Die Botschaft empfiehlt, die japanischen Medien aufmerksam zu verfolgen.
Sie empfiehlt den Deutsche im Krisengebiet und im Großraum Tokyo/Yokohama ferner zu prüfen, ob Ihre Anwesenheit in Japan derzeit erforderlich ist, und, wenn dies nicht der Fall sein sollte, ihre Ausreise aus dem Land in Erwägung zu ziehen. Dies gilt insbesondere für Familien mit kleinen Kindern>>.
Ist grade ein Basho in Tokyo ?? Nein ! Der Tokyo-Marathon ist auch vorbei und Fussball-Weltmeisterschaft war 2002.
Daher bin ich fest davon ueberzeugt, dass meine Anwesenheit im Grossraum Tokyo/Yokohama NICHT dringend erforderlich ist ! Auch unser monatlicher Skatabend war schon am 10.Maerz und den hab ich eh wegen Fieber verpasst. Es kleines Kind namens Amika Sophie und chokoryu (eine mittelgrosse, sehr huebsche, aber oft noergelnde Eherfrau) hab ich auch, daher ist meine Ausreise doch durchaus gerechtfertigt, oder ?? Ist ja nichtmal Ausland, sondern NUR Kyushu, auch wenn das weiterweg liegt als Wlasdiwostok oder die nordkoreanische Kueste.
Seit ca. 3 Stunden laeuft im TV nur noch Berichterstattung ueber das AKW Fukushima 福島(heisst uebrigens nach den Schriftzeichen Gluecksinsel..., das trifft heute allerdings nur auf die Aktionaere von Baufirmen zu).
Vorher lief 90% Bilder von der Katastrophe und Lokalreporter aus den noerdlichen Katastrophengebieten.
Heisst also, sie haben endlich kapiert, dass die moegliche Strahlung ein Problem darstellen koennte. Ein US-Militaerhubschrauber mit 17 Navy-Soldaten drin, ist ueber das AKW druebergeflogen und danach wurden Strahlenwerte in Hoehe von etwa einem Monatswert der natuerlichen Strahlung von Sonne und Erdboden festgestellt. Also nicht dramatisch... gruendlich abwaschen, etwas Jod essen und gut ist, aber es nun bewiesen, dass Radioaktivitaet ausgetreten ist. Woher weht der Wind ?? Meistens aufs Meer raus (das war auch ein Grund, das AKW an diesen Standort zu bauen), aber <meistens> beruhigt mich nicht wirklich.
An der Pazifikkueste noerdlich von Tokyo, die ca 450km hoch nach Hokkaido verlaeuft, sind 6 Atomkraftwerke plaziert. Von Dreien weiss man, dass es Probleme gibt (Tokaimura, Fukushima und Onodera). In jedem davon gibt es mehrere Reaktoren mit diversen Einheiten. Fukushima 1 wurde 1971 errichtet, oder in Betrieb genommen, bin nicht sicher. Gelesen habe ich aber, dass dieser Reaktor erst letzten Monat geprueft und fuer weitere 10 Jahre Betriebszeit als gut befunden worden ist....
Ich bin 1970 geboren und spuere bereits den Zahn der Zeit an mir nagen (manchmal nagt auch Amika).
Auch wenn es einige Jahre dauert, so ein AKW genehmigt zu bekommen und zu bauen, finde ich 40 Jahre dann doch wirklich zu alt, um nochmal zu verlaengern, selbst van der Sar hoert doch jetzt endlich auf, oder ?
Grundsaetzlich gehoeren AKWs nicht in Erdbebengebiete ! Das sollte den Japanern genauso klar sein, wie die Regel, dass sie keine Frauen in den Dohyo lassen und ein verschobener Kampf in Makuuchi mindestens 500.000 Yen kostet. Aber leider glauben Japaner an Ihre Regeln und Ihre Medien. Die Regel sagt, dass AKWs Erdbeben einer Staerke von 8.2 aushalten muessen. soweit ich gelesen habe, war das staerkste Beben in Japan bisher 7.9 !
Allerdings gab es auf unserem Planeten bereits einmal 9.5 und einige mehr ueber 9.0 sind schon vorgekommen. Das vom Samstag war 8.9, damit das fuenftstaerkste der Weltgeschichte und das groesste Japans. Wenn man seine Bevoelkerung wirklich schuetzen will, muss man eben vom Maximum ausgehen und zwar global ! Frage ist, ob man ueberhaupt AKWs bauen kann, die 9.5 aushalten... und die Flutwelle danach. Heute stand in der Lokalzeitung in Kyushu, dass die Bevoelkerung das Vertrauen in die Atomkraft verloren habe. Bisher hab es immer nur vereinzelt Proteste gegen AKW-Bauten, auch jetzt sind gerade 2 neue Reaktoren im Bau. Von einer GRUENEN Partei, hab ich auch in Japan noch nie was gehoert. Greenpeace kuemmert sich eher um die Wale.
... da hab ich neulich einen Spruch auf einem shirt gesehen : RETTET DIE WALE - ESST MEHR JAPANER
aber das fuehrt uns vom Thema ab. Der momentane Lebensstandard in Japan ist ohne Atomkraft leider undenkbar. Kaum Rohstoffe, 126 Mio Leute, sehr viel Industrie und eine konsumorientierte Industrie. Bis man alternative Energien wirklich in einer solchen Menge bereitstellen kann, werden Jahrzehnte vergehen, schaetze ich. Mir tun die vielen Japaner leid, denen das jetzt bewusst wird, aber hier wohnen und nicht so einfach abhauen koennen wie die Auslaender. Wenigstens wird jetzt hoffentlich jedes einzelne AKW weltweit genau geprueft und sicherer gemacht. Und erstmal keine Neuen genehmigt.... das schaedigt allerdings wieder Toshiba und Mitsubishi Heavy und Japan Steel Works, die know-how und Material ins Ausland verkaufen.
Positiv koennte sich die Stromrationierung auf die Demographie in Japan auswirken... kein Licht, kein TV, wenig zu Essen, also geht man ins Bett und haelt sich gegenseitig warm. Ob das stimmt, zeigen dann die Statistiken in 9 Monaten
Abschliessend - ich moechte in ca 10 Tagen wieder nach Tokyo, falls dann klar sein sollte, dass keine Gefahr der Radioaktivitaet mehr besteht. Und dann innerhalb von 3-5 Monaten wegziehen, oder zumindestens erstmal wieder nach Kyushu fuer ein paar Monate. In Tokyo ist kein Gebaeude umgefallen, keine Risse in der Strasse und auch die Tunnels werden kurz geprueft und dann wieder als ok erklaert. Trotzdem wird es in der Stadt fuer die naechsten paar Jahre nicht mehr so sein wie zuvor. Der Schock sitzt tief und das Stromsparen muss andauern. Der Tokyo Tower, der sonst im Lichtermeer strahlt, ist ausgeschaltet. Auch der neue Sky Tree, der 634m hoch werden soll (schon fast erreicht), wird wohl im April eroeffnet, aber ohne die geplante riesige Lichterfeier. Am 7.Juli 2005 war ich in London im Buero, als der Terroristenanschlag stattfand. Die Stimmung in der Stadt war danach anders.
Schwer zu beschreiben, aber anders... Seit 20.Sep 2005 lebe ich in Tokyo. Wohl nicht mehr allzulange.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ich beim Forumstreffen im August dabei bin, ist deutlich gestiegen.
An dieser Stelle noch mein tief empfundenes Beileid an alle, die bei der Katastrophe Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, Brieffreunde etc verloren haben - auch an die rikishi moechte ich denken, die aus der Gegend kommen.
Zuendet eine Kerze bei Euch an und vielleicht habt ihr auch etwas Kohle fuer die Hilfsaktionen uebrig.
Alles Gute und falls mein Sarkasmus und meine mangelnde Sachkenntnis der vielen erwaehnten Themen beim Lesen bei Euch Unbehagen erzeugt, moechte ich um Verzeihung bitten.
Ich wuensche mir einen Mai-basho, bei dem jeglicher Yen von Sponsoren und Eintrittsgeldern an die Hilfsopfer geht, damit unsere lieben Ringer gar nicht in Versuchung geraten, jemals wieder mit yaocho anzufangen.
Amen