Hoffnungslos überschätzt, wenn ihr mich fragt
Zu meiner ersten Party war ich eingeladen – Takanohana Beya. Wo fand sie statt? Natürlich im Imperial Hotel in Tokyo. Gut, dass ich mich im letzten Moment doch noch dazu entschieden hatte, mich ein wenig in Schale zu werfen. Kein Sekitori im Heya, aber das Imperial Hotel. Aber man trägt ja schliesslich einen großen Namen und da scheint man es den Sponsoren auch schuldig zu sein.
Das Publikum … lauter größere Sponsoren, wie mir schien und Mitglieder des Kouenkai (der Gruppierung, die den Heya unterstützt), ca. 150 Personen schätze ich. Netterweise bekam ich einen Platz an einem Tisch zugewiesen, wo es mindestens einen Menschen gab, der auch ein wenig englisch sprach, so war ich dann nicht ganz hilflos
Der Ausdruck „Party“ für diese Feiern ist ein wenig euphemistisch. Bei Takanohana spielt es sich in der Regel folgendermaßen ab: Takanohana hält eine Rede, die Riskishi mit Kachikoshi bekommen einen Umschlag mit Geld, der Vorsitzende des Kouenkai hält eine Rede, alles stürzt zum Buffet, bei Hintergrundmusik von Mitgliedern des philharmonischen Orchesters wird gegessen, Takanohana kommt an jeden Tisch und spricht 2 Worte mit jedem, Takanohana, seine Frau und Takanonami stehen für Bilder zur Verfügung und stehen dann an der Tür, um sich zu verabschieden …. gähn… Die Rikishi bekommt man nur mit ein wenig Glück zu fassen, die müssen meistens im Hintergrund stehen und dürfen die Lose aus der Trommel ziehen und die Preise überreichen, die von den Sponsoren gestiftet werden – die Verlosung hatte ich doch glatt vergessen … Alles das gepresst in 1 ½ -2 Stunden, ein strenger Ablauf, da wird nichts dem Zufall überlassen. Als Ausländerin hat man den „Vorteil“ dass einen jeder mit Takanohana und sich selbst im Bild festhalten will. Ich bin nicht wirklich ein Fan von Bildern, wo ich Arm in Arm mit einem Rikishi abgebildet bin aber selbst der Versuch meinen Takanohana Lieblingsringer Takakiho oder Takanonami alleine abzulichten, scheiterte und ich wurde gezwungen mich neben sie zu stellen, damit ich mit auf’s Bild komme. Inwischen fotografiere ich jetzt aus dem Hinterhalt
Meine nächste Party war bei Tomozuna Beya. Die erste dort fand auch noch im Hotel statt, inwischen ist man dazu übergegangen, die Feier im Heya zu veranstalten. Der Ablauf ist eigentlich derselbe, die Atmospäre aber wesentlich lockerer. Keine Verlosung und keine Philharmonie, dafür ein Comedianpaar, deren Witze ich genauso wenig verstehe, wie die einiger deutscher Comedians. Und beim letzten Basho gab es ein wirklich superleckeres Chankonabe, dauernd wurde Bier nachgeschüttet und ein Wasserglas voll Sake musste ich auch noch trinken …. Hoffnungsvoll wurde ich gefragt, ob ich jetzt betrunken sei … haaaaaaaa, wenn diese Japaner glauben, sie könnten mich unter den Tisch trinken …. der Versuch ging weiter als ein Japaner meine Freundin und mich noch zum Sushiessen einlud.
Die Riskishi bei Tomozuna dürfen sich gegen Ende der Party auch unters Volk mischen und man hat die Chance ein wenig mit ihnen zu reden. Auch das Publikum bei Tomozuna ist vollkommen anders strukturiert. Nur einige wenige größere Sponsoren, der Rest auch Mitglieder des kouenkai, die aber vielmehr den Eindruck von Sumofans vermitteln als es bei der Takanohana Party der Fall ist.
Last but not least Izutsu beya. Für Izutsu Oyakata scheint es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit zu sein, daß ich auf seiner Party erscheine, da ja schliesslich Spatzl 1 Spatzl 1 ist
Nicht wirklich aufregend also diese Partys, wie ihr seht. Wenn man Glück hat, kann man ein bischen mit einem Riskishi, dem Oyakata oder der Okamisan reden aber da man ja nicht alleine dort ist, sind das auch nur wenige Minuten. Aber neben dem Keiko immerhin eine der wenigen Gelegenheiten überhaupt. Seit 2 Jahren bin ich auch immer bei Sadogatake eingeladen und würde dort auch gerne hingehen aber … Inzwischen habe ich der Okamisan gesagt, ich käme, wenn Shoki Ozeki wird oder wenn er ein Yusho holt, vorzugsweise das Makuuchi Yusho

