Diesen Monat werden wir uns mal mit ein paar Wörtern aus der Sprachwissenschaft beschäftigen. Keine Angst, ich will euch nicht in die Tiefen der Interpretation japanischer Schriften führen, sondern nur ein paar Arten von Wörtern vorstellen, wie Fremdwörter oder Sprichwörter.
Beginnen wir mit etwas, was uns schon verschiedentlich begegnet ist:
外来語 gairai-go – Fremd- oder Lehnwörter aus Fremdsprachen;
外 GAI – außen, außerhalb, draußen
来 RAI – kommen
語 GO – Wort, Rede, Sprache
外来語 gairai-go ist also ein Wort, dass von außen kommt, ein Fremdwort also.
Wir hatten ja schon jede Menge Lehnwörter, vor allem aus dem Englischen. Diese zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie in Katakana geschrieben werden, mit denen die Laute der Fremdsprache nachgebildet werden, im Zweifelsfall allerdings stark verkürzt (z.B. デパート depaato für department store).
Das wohl bekannteste Lehnwort aus dem Deutschen ist
アルバイト arubaito von deutsch „Arbeit“ (das zeigt wohl, was die Japaner über die Deutschen denken
Andere deutsche Worte sind beispielsweise in der Medizin zu finden, weil hier bis zum Zweiten Weltkrieg Deutschland führend und Vorbild für Japan war. Damals lernten viele Ärzte sogar Deutsch, Beispiele sind:
ノイローゼ noirooze – Neurose
ヨード yoodo – Jod
Daneben beispielsweise Begriffe aus dem Wintersport, da Deutsche das Skifahren nach Japan gebracht haben sollen:
ゲレンデ gerende – von Gelände, in Japan: Skihang
スキー sukii – Ski, Skifahren ist allerdings aus dem Englischen
Eine kleine Übersicht über gairai-go in Katakana könnt ihr hierfinden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder überprüfte Richtigkeit selbstverständlich). Von oben nach unten: Portugiesisch, Holländisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch, Französisch, Chinesisch, Russisch.
Die ersten Fremdwörter (außer den chinesischen, die heute wie normale japanische Begriffe aussehen) kamen aus Portugal (erster Kontakt mit Japan 1543) und danach den Niederlanden (die einzigen, die während der Abschließungsphase Anfang 17. Jahrhundert bis 1854 mit Japan offiziell Handel treiben durften).
Heute werden alle Lehnwörter in Katakana geschrieben. Fremdworte, die ihren Weg ins Japanische allerdings schon vor Jahrhunderten gefunden haben, bekamen Kanji verpasst oder werden in Hiragana geschrieben, ein bekanntes Beispiel ist
天麩羅 (in Kanji)
天ぷら (gemischt, Kanji und Hiragana)
てんぷら (oder nur in Hiragana)
tempura – das sind Meerestiere wie Garnelen oder Gemüse durch Teig gezogen und frittiert, die die Japaner sich wohl von portugiesischen Missionaren abguckten, allerdings in veränderter Form (Meerestiere und Gemüse passten hervorragend zum japanischen Speiseplan). Es ist umstritten, von welchem Begriff tempura wirklich kommt, aber eine Erklärung besagt, dass es von „tempora“, kurz für Fastenzeit, kommt, weil die Dinger ursprünglich eine Fastenmahlzeit waren.