2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

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Watashi
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2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

Hallo lieber Forumsmitglieder,

ein herzliches Willkommen an alle, die auch dieses Jahr wieder zum Sumoforum Adventskalender gefunden haben. Ein besonderes Hallo auch an eventuelle Neueinsteiger. The more the merrier. Kommentare und Wünsche sind immer Willkommen, stilles Lesen (und Genießen) aber selbstverständlich auch.

Was erwartet euch dieses Jahr? Ich war im Oktober mit meinen Eltern in Aizu Wakamatsu und Tokyo unterwegs, wir haben viel gesehen, viel unternommen, viel gegessen. Und ich mische natürlich auch mal ein Türchen aus einem der vergangenen Jahre hinzu. Bezüge zum Sumo sind möglich, aber nicht versprochen. Ich plane nicht alle 24 Türchen im Voraus, daher kann ich auch gerne Input von eurer Seite aufgreifen, wenn ich etwas Passendes haben sollte.

In meinen letzten drei Bench Sumo gyoji-Tagen habe ich schon ein paar Teaser verteilt, also Themen, die in diesem Adventskalender tiefergehend vorgestellt werden. Ich mache jetzt nicht gleich alle drei am Anfang, aber gleich beginnen wir mit dem Thema, das ich am Ende meines letzten gyoji-Tages in der makushita angedeutet habe.

Haltet euch bereit, in Kürze gehen wir Sushi essen.

Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

1. Sushi auf der Schnellstraße

Wir gehen traditionell immer mindestens einmal in eine Sushi-Bar und dahin werde ich euch jetzt mitnehmen. Und ja, wir waren letztes Jahr erst Sushi essen, aber dieses Jahr is(s)t noch einmal anders, versprochen.

Auf dem Weg vom Hotel zum nächstgelegenen Bahnhof, sind wir immer durch eine Straße mit Restaurants, Cafes und Vergnügungseinrichtungen (z.B. Karaoke) gelaufen. Dort gab es ein Schild von einem Sushi-Laden, der sich rühmte das "schnellste Sushi-Band" der Stadt zu haben. Da haben wir dann überlegt, wie schnell so ein Förderband sein kann, bevor die Sushi aus der Kurve fliegen. Und um dieses Mysterium nicht ungelöst zu lassen, sind wir dann irgendwann einfach reingegangen.

1a_Gatten Sushi.jpg

Innen sieht man dann, dass es nicht das übliche kaiten sushi ist, das wir letztes Jahr angesehen haben, sondern dass es kein Förderband gibt, von dem man sich die gewünschten sushi aussucht. Vielmehr gibt es ein Tablet, mit dem man die sushi passgenau bestellen kann. Und das Tablet kann sogar Englisch. Damit sind dann auch individuelle Preise für alle Angebote möglich, man bekommt am Ende eine Rechnung mit dem Bestellten, niemand muss mehr Teller zählen (irgendwie auch ein bisschen schade). Es gibt auch noch eine Karte auf dem Tisch, die ist dann aber Japanisch.
Neben dem Tablet ist der Hahn für heißes Wasser und natürlich gibt es auch die nötigen Teebecher, grünen Tee, Sojasoße, Stäbchen und was man so für ein gelungenes Sushi-Essen braucht. Abgesehen von Bestellung und Anlieferung ist es dann auch wieder nicht so anders.

1b_mit Tablet.jpg


Also, was ist jetzt mit dem schnellsten Sushi-Band der Stadt? Vom Tisch läuft ein mysteriöses Regal bis hinter die Wand zur Küche. Das ist kein klassisches Sushi-Band, das sehen wir gleich, aber hier werden nach der Bestellung die Sushi geliefert.

1c_und Lieferweg.jpg


Und das funktioniert so: Nach der Bestellung dauert es kurz, dann beginnt eines der beiden roten Lämpchen neben dem Wasserhahn zu blinken. Und dann kommt das bestellte Sushi auf einem kleinen Schlitten (wenn man es so nennen will) angefahren. Bis zu vier Bestellungen gleichzeitig kommen so aus der Küche gefahren. Und das wirklich deutlich schneller als auf dem klassischen Förderband.

1d_Sushi auf Schlitten.jpg

Ist der Schlitten zur Ruhe gekommen, nimmt man die Lieferung herunter und sendet den Schlitten mit dem roten Lämpchen, das jetzt nicht mehr blinkt, sondern durchgehend leuchtet, in die Küche zurück. Einfach drauf drücken und der Schlitten flitzt zurück. Es gibt zwei Lämpchen, weil es zwei Etagen gibt. Blinkt die obere Leuchte, kommt das Bestellte auf der oberen Etage, blinkt die untere, kommt es unten wie auf dem letzten Bild.

Und was kann man jetzt so essen? Natürlich die üblichen Standard-Sushi (z.B. Thunfisch, Lachs, Garnele...) und die gleich in diversen Varianten. Darüber hinaus gibt es aber auch viele mir nicht bekannte Fische, Muscheln, komplexere Kompositionen und sogar Fischsuppe. Eine kleine Auswahl habe ich mal zusammengestellt:

1e_eine Auswahl.jpg


Am Ende schnappt man sich dann ein Klemmbrett mit der Tischnummer und geht zum Ausgang zur Kasse, um zu bezahlen. Und zurück bleibt ein Tisch voller Überreste eines wirklich sehr leckeren Mahls.

1f_abschließender Überblick.jpg


Und für diejenigen, die wie ich auch mal allein in die Sushi-Bar gehen, gibt es das ganze auch mit einer Theke statt mit einem Tisch für vier Personen.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

2. Tsuruga-jō

Das Sushi zum Einstieg scheint ja nicht so gemundet zu haben, angesicht mauer Klickzahlen und großer Stille. Versuchen wir heute also wieder eine klassische japanische Sehenswürdigkeit. Wer genau hinsieht, kann sie schon von sehr weit weg sehen (es gab extra ein Schild, das einem die richtige Richtung wies).

2a_ganz weit weg.jpg


Eine Busfahrt und einen sehr kurzen Fußmarsch später erreichen wir die Ausläufer unsere heutigen Ziels. Erfahrene Japanreisende oder Japanfotobetrachtende können schon an den ersten Anzeichen erkennen, was für eine Art Sehenswürdigkeit wir uns heute ansehen. Gehört ihr dazu?

2b_schon näher.jpg


Ja, es geht zu einer japanischen Burg. Dieses Mal die Burg in Aizu Wakamatsu, bekannt als Tsuruga-jō (鶴ヶ城), die Kranichburg.
鶴 - tsuru, das ist der "Kranich"
ヶ- ga ist eine Partikel zur Verbindung der Worte (witzigerweise geschrieben mit einem kleinen katakana "ke", nicht "ga")
城 - , die Burg
Also "Kranichburg" oder vielleicht "Burg des Kranichs" oder "Burg der Kraniche".

Die Burg wurde leider 1874 abgerissen, heute exitiert nur noch eine moderne Rekonstruktion des Hauptturms. Und den sehen wir jetzt schon durch die Bäume hindurch.

2c_fast da.jpg


Oben auf dem Burgplatz können wir dann sagen: Da ist sie! Auch noch schick eingerahmt von ein paar Kiefern.

2d_da ist sie.jpg


Und wenn wir jetzt ganz nah drunter stehen, können wir eindeutig sehen, dass man nicht nur in die Burg rein, sondern auch noch auf die Burg drauf kann. Welchen Sinn hätte so ein Turm auch, wenn man den Touristen nicht gleich noch einen Überblick über die Stadt bieten würde?

2e_ganz nah dran.jpg


Also dann, kaufen wir uns ein Ticket an der Kasse rechts unterhalb des Turms und rein in die gute Stube.

2f_und rein.jpg

Und natürlich rauf auf die gute Stube. Aber das machen wir dann morgen.
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Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

A little late to the party.
Of course you know my diet so I won't comment a lot about sushis, the restaurant system is very interesting though. :)
As for the castle the waiting is unbearable till next post !

Thanks for this new calendar !

Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

3. Aizu Wakamatsu von oben

Wie gestern schon angekündigt, steigen wir heute der Burg von Aizu Wakamatsu aufs Dach, naja, auf die Aussichtsplattform. Die Burg selbst enthält ein Museum mit der Geschichte der Burg und der Stadt, aber dort herrscht Fotoverbot, daher kann ich euch das leider nicht vorstellen. Aber etwas Ähnliches gibt es in vielen Burgen, von daher hoffe ich, dass ihr mir das nachseht. Ich habe vermutlich schon einmal irgendwo eine alte Samurai-Rüstung gepostet. Und wenn nicht, suche ich mal irgendwann eine raus.

Also, wenn wir schon nicht in die Burg hineinsehen können, können wir doch hoffentlich von der Burg heruntersehen. Dort stand zwar nicht explizit, dass man Fotos machen darf, aber da wirklich jeder Fotos machte und niemand gestoppt wurde, denke ich, Fotos waren OK.

Wir steigen also bis ins oberste Stockwerk und gehen auf die außen umlaufende Aussichtsplattform. Und was sehen wir? Dass wir gar nicht weit von der Stadt weg sind. Man hat im Burgpark gar nicht so das Gefühl, mitten in einer modernen Großstadt zu sein, aber von oben kann man die Illusion nicht lange aufrecht erhalten.

3a_hinter dem Tor.jpg


Bei genauerem Hinsehen sieht man aber auch, dass Aizu Wakamatsu zwar eine japanische Großstadt ist (etwa 110.000 Einwohner), aber eben doch eine eher ländliche und beschauliche japanische Großstadt.
Zum einen gibt es keine Wolkenkratzer oder andere sehr hohe Gebäude. Unser Hotel am Bahnhof hatte 9 Stockwerke (plus Erdgeschoss) und war schon eines der höchsten Gebäude in der Umgebung. Damit käme man in Tokyo, Osaka oder Nagoya nicht weit.
Zum anderen kann man in Aizu Wakamatsu vom Stadtzentrum aus schon landwirtschaftliche Nutzflächen zwischen den Häusern sehen. Versucht das mal in Tokyo. Da gibt es zwar Parks und große Gärten, aber Felder? Eher nicht.
Und schließlich sieht man, dass die Hochebene, auf der Aizu Wakamatsu liegt, deutlich kleiner ist als die Kanto-Ebene, in der Tokyo liegt. Die Stadt ist also auf jeden Fall stärker größenbegrenzt als die Großstädte an den Küsten. Aber bei 110.000 Einwohnern ist dann doch noch eine Menge Platz.

3b_Stadt.jpg


Von der Burg selbst sieht man nicht viel, weil ja in erster Linie nur der Hauptturm wieder aufgebaut wurde. Und auf dem stehen wir drauf. Von hier führt eine Reihe Gebäude über ein Tor zu einem vorgelagerten Turm, mehr wurde nicht rekonstruiert. Aber man bekommt einen ersten Eindruck für den Aufbau japanischer Burgen.

3c_neu.jpg


Das sind natürlich die modernen Nachbauten. Man kann von oben aber auch noch einige alte Fundamente, auf denen früher Mauern oder Nebentürme standen, sehen. Heute sind diese jedoch bewachsen und von oben fast schwerer zu erkennen als von unten. Wenn man daran vorbei läuft, sieht man die hohen Grundmauern noch, von oben muss man genauer hinsehen.

3d_alt.jpg


Und abschließend sehen wir uns den Vorplatz der Burg an und die nahen Berge. Und hier sehen wir auch schon einen Hinweis, was ich euch morgen präsentieren werde. Aber das sage ich euch morgen.

3e_Berge.jpg
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

4. Eine rote Kuh (die vielleicht gar nicht so rot war)

Und hat sich jemand Gedanken gemacht, auf was ich gestern beim letzten Bild hinaus wollte? Nein? Kein Problem, ich sage es euch ja jetzt: Links unten in der Ecke kann man zwei rote Flecken erkennen. Das wird unser heutiges Thema.

Dafür sollten wir uns die beiden aber wohl doch erst einmal aus der Nähe ansehen:

4a_akabeko.jpg

Das sind zwei Akabeko-Statuen. Akabeko heißt im lokalen Dialekt so viel wie "rote Kuh" und ist ein bekanntes Souvenir aus der Region Aizu. Man sieht die Kühe, wie wir gleich sehen werden, überall in der Region in allen möglichen Rollen. Aber zuvor: Was ist denn nun eine akabeko? Wo kommt sie her?

Es gibt verschiedene Geschichten über die rote Kuh, aber die häufigste ist wohl, dass sie beim Aufbau oder wohl eher Wiederaufbau eines Tempels names Enzōji in der Stadt Yanaizu geholfen hat. Dieser wurde im 17. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört und die Materialien mussten auf einem beschwerlichen Weg zum Tempel transportiert werden. Selbst gestandene Bullen hatten Probleme die schweren Stämme zum Tempel zu ziehen. Da erschien aus dem Nichts eine rote Kuh und half tatkräftig dabei, alles zum Tempel zu schaffen. Nach getaner Arbeit verschwand sie dann wieder (oder auch nicht, es gibt da verschiedene Versionen).
Aus dieser roten Kuh wurde dann ein lokales Spielzeug. Bei einer Pockenepidemie sollen dann Kinder, die eine akabeko besaßen, verschont worden sein. Selbstverständlich gilt die akabeko seitdem als Glücksbringer, insbesondere in Gesundheitsfragen.
Fun fact: Das japanische Wort für "rot" (aka) wurde damals für braun verwendet. Es kann also sein, dass es sich in der Geschichte eigentlich um eine schlichte braune Kuh gehandelt hat. Aber das hat die Spielzeug- und Souvenirindustrie natürlich nicht davon abgehalten eine rote Kuh daraus zu machen.

Heute findet man die Kuh in rot an allen möglichen Ecken, z.B. auf dem Halteknopf des Ringbuses, mit dem der geneigte Tourist alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Aizu Wakamatsu besuchen kann:

4b_im Bus.jpg

Oder auch als reguläre Baustellenabsperrung (das war keine touristisch relevante Baustelle):

4c_auf der Baustelle.jpg

Die sind bei Touristen offenbar so beliebt, dass sie nicht nur überall fotografiert werden können, sondern im offiziellen Touristenshop sogar zum Kauf angeboten werden. In Originalgröße, leider nicht in Miniatur, die hätte ich genommen. Akabeko-Socken gab es auch nicht in Herrengröße (meine Füße haben in Japan leider Herrengröße). Ich musste mich mit meinen Fotos begnügen.

Selbst der Briefkasten auf einer der Hauptstraßen ist als akabeko verkleidet:

4d_am Briefkasten.jpg

Zum Glück sind Briefkästen in Japan standardmäßig ohnehin rot.

Und schließlich findet man die akabeko nicht nur in Aizu Wakamatsu selbst, sondern in der ganzen Umgebung (eben der ganzen Region Aizu). An Zügen, in Bahnhöfen, zum Anlocken von Touristen, als Figur, als Bild oder im DIY-Stil:

4e_am Bahnhof.jpg


Nur den akabeko-Bus in Aizu Wakamatsu habe ich nicht gesehen. Es gibt zwei Ringlinien, eine fährt mit dem Uhrzeigersinn, eine dagegen. Eine heißt akabeko, eine haikara-san. Eine ist rot, eine blau. Für beide gibt es spezielle Busse, die unter tags fahren. Zu den Spitzenzeiten, wenn die Busse auch als normale Stadtbusse genutzt werden, fahren hingegen normale Busse, weil dort deutlich mehr Passagiere reinpassen. Und als wir akabeko gefahren sind, war wohl die morgentliche Rush Hour (oder was in Aizu Wakamatsu als Rush Hour durchgeht). Deshalb kann ich euch als Bonusbus nur den haikara-san bieten:
4f_Bonusbus.jpg
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Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

I am curious, are you planning your advent calendar during your trips already or depending on all the material (photos) you have when you come back you create the calendar afterwards?

The question also stands for the Bench gyoji duties by the way.

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Jakusotsu
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Jakusotsu »

Watashi hat geschrieben:
4. Dez 2025 21:54
Und hat sich jemand Gedanken gemacht, auf was ich gestern beim letzten Bild hinaus wollte? Nein?
Doch! Lange habe ich auf das leere Wimmelbild geschaut und gegrübelt. Golfplatz? Gartenkolonie? Dubiose Bretterhütten links? Aber auf die roten Flecken bin ich natürlich nicht gekommen.

Ob man mit dem leicht abgewandelten Schlager vom Roten Pferd dort einen Hit landen könnte?
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

5. On the track again

Wir verlassen die Region Aizu fürs erste einmal, aber keine Angst, wir kommen diesen Adventskalender noch einmal wieder (mindestens). Jetzt setzen wir uns in einen japanischen Regionalzug, der gar nicht so klein ist und Aizu Wakamatsu mit dem Shinkansen-Bahnhof in Kōriyama verbindet. Von dort fahren wir dann weiter nach Tōkyō, wo wir uns morgen unser erstes Hauptstadt-Türchen ansehen. Aber erst einmal zurück zu unserem Regionalzug.

5a_größerer Zug.jpg

Diese Züge fahren natürlich nicht im selben Takt wie die Regionalzüge in der Region um Tōkyō. Man sollte also vorher den Fahrplan studieren, sonst kann man mitten am Tag mit Pech über eine Stunde am Bahnhof rumstehen. Aber wir sitzen ja nun drin. In Aizu Wakamatsu funktioniert der Zug auch wie die Züge in und um Tōkyō, man kauft am Bahnhof ein Ticket am Automaten, zieht dieses durch die automatische Ticketsperre und setzt sich in den Zug. An den kleineren Bahnhöfen entlang der Strecke funktioniert der Zug aber nach dem Prinzip One Man Car (ワンマンカー), das wir auf dem Weg nach Ichijōdani schon einmal kurz betrachtet haben. Damals war es aber wirklich nur ein kleiner Triebwagen und ich hatte keine Fotos aus dem Inneren des Zugs. Das hole ich jetzt nach.

5b_OneMan.jpg

Spaßigerweise war unser One Man Car bei Abfahrt in Aizu Wakamatsu mit zwei Männern im Führerstand besetzt, aber einer ist bald ausgestiegen. Aber wie funktioniert denn nun unser One Man Betrieb?

An den kleinen Bahnhöfen gibt es weder Fahrkartenautomaten noch Ticketsperren, sondern die Fahrgäste gehen einfach auf den Bahnsteig und steigen in den Zug. Also im Prinzip so, wie wir das in Deutschland immer machen. Der Unterschied ist, beim Einsteigen ziehen sie ein Ticket, auf dem eine Nummer aufgedruckt ist. Mit dieser kann man dann vorne auf einer Anzeige sehen, wie viel ich zu zahlen habe, wenn ich beim nächsten Bahnhof aussteigen will.

5c_Preise.jpg

Will ich also in Higashi-Nagahara (東長原) aussteigen und bin bei Nummer 14 Hirota (広田) eingestiegen, beträgt der Fahrpreis 150 Yen. Das ist ja auch nur eine Station (auf der Fahrt von Aizu Wakamatsu nach Kōriyama läuft es rückwärts). Und warum gibt es so viele Stationen? Weil die Fahrpreise nicht ab Aizu Wakamatsu (Nr. 15) angezeigt werden, sondern ab Kitakata (Nr. 21), für Umsteiger aus einem anderen One Man Car.

Wenn ich also jetzt bei meiner Station angekommen bin, gehe ich nach vorne und unterhalb der Preisübersicht ist ein etwas kompliziert wirkender Automat, der mich um mein Geld bringen soll.

5d_zahlen.jpg

Was muss ich also machen? Habe ich eine Fahrkarte aus dem Automaten (weil ich z.B. aus Aizu Wakamatsu komme), werfe ich sie in die rote Öffnung oben rechts (wo der Pfeil im roten Bereich draufzeigt). Habe ich so ein Ticket mit Nummer, kommt das auch in dieselbe rote Öffnung, dann muss ich aber auch das Geld dazu werfen. Habe ich es passend, kommt es direkt mit in die rote Öffnung, aber Achtung, dieser Teil des Automaten wechselt nicht.
Habe ich das Geld nicht passend, muss ich es passend machen. Dafür ist der blaue Teil links. Ganz links kommen Scheine rein, in das große Loch rechts im blauen Bereich kommen die Münzen, die ich wechseln will. Und aus dem kleinen Loch unten in der Mitte im blauen Teil kommt dann Kleingeld raus. Und das mache ich so lange, bis ich das passende Kleingeld für den Fahrpreis habe, und werfe das Geld dann mit meinem Nummernticket in die rote Öffnung rechts oben (wobei die Automaten eine ziemliche Mischung ausgeben, meistens passt das für den benötigten Fahrpreis schon beim ersten Mal). Damit ich nicht den ganzen Verkehr aufhalte (im wörtlichen Sinne), mache ich das normalerweise bevor der Bahnhof erreicht ist oder achte gleich darauf, dass ich es passend habe. Was der Automat leider nicht kann, sind elektronische Prepaid-Karten oder Handykarten.

Und was mache ich jetzt, wenn ich im One Man Betrieb einsteige und in Kōriyama, wo es natürlich wieder automatische Ticketsperren gibt, aussteige? Jeder Ausgang hat neben den automatischen Ticketsperren auch eine personalbesetzte Ticketsperre. Dort lege ich mein Nummernticket vor und zahle den Fahrpreis.

Und wie stellen sie sicher, dass die Leute an den kleinen Bahnhöfen nicht aus dem Zug springen, ohne zu bezahlen? Es öffnet sich ausschließlich die vorderste Tür, sowohl zum Aus- wie auch zum Einsteigen. An den Bahnhöfen mit automatischen oder rein personalbesetzten Ticketsperren (auch die gibt es noch) hingegen öffnen sich alle Türen.

Aber da wir ganz entspannt von Aizu Wakamatsu mit automatischer Ticketsperre nach Kōriyama mit automatischer Ticketsperre fahren, ist das ganze One Man Thema für uns eher akademischer Natur. Wir konnten einsteigen, wo wir wollten, und werden aussteigen können, wo wir wollen. Und dazwischen können wir uns eine Bahnstrecke in einem definitiv ländlichen Teil Japans ansehen. Da war auch der zweite Mann verschwunden.

5e_fahren.jpg
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

Athenayama hat geschrieben:
4. Dez 2025 23:23
I am curious, are you planning your advent calendar during your trips already or depending on all the material (photos) you have when you come back you create the calendar afterwards?

The question also stands for the Bench gyoji duties by the way.
I don't have a set plan when I start writing the advent calender every year. When I'm travelling I watch out for topics that might be interesting for the calender but whatever plan I make beforehand usually doesn't survive until December 3rd. Right now I have some days planned due to outside influences like a trip where I cannot post one evening and have to do a quick post in the morning. But I am far from knowing what I will write about most days.

Bench gyoji topics is similar. I have a few topics left, but often I rely on something that comes up shortly before the basho to use as my topic of the basho. And then I make up the contents for each day mostly on the fly. The only exception was this year's "Your shikona" basho where I planned some parts ahead of time (like the shikona pictures) because they really took a lot of time generating.

Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

6. Auf zum Fuji (so mehr oder weniger)

Heute steigen wir auf den Fuji, schließlich soll auch das selbstverständlich Glück bringen. Ich höre euch denken: Du hast gesagt, heute machen wir was in Tōkyō. Also, was denn jetzt: Fuji oder Tōkyō? Und die Antwort ist ein glasklares Ja! Ich habe ja noch gar nicht gesagt, was für einen Fuji wir heute besteigen werden.

Nein, wir steigen nicht auf den höchsten Berg Japans, schließlich habe ich das selbst noch nie gemacht. Und außerdem wäre das mehr als nur ein Türchen, selbst wenn Nikolaus ist. Nein, heute steigen wir auf eine sehr kleine Version des Fuji, sagen wir auf einen Mini-Fuji. Solche Miniaturversionen gab es früher in Tōkyō mehrere, für Leute, die es aus finanziellen, zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht schafften, auf das Original zu steigen. Für diese soll das Besteigen des Mini-Fuji dieselben spirituellen Vorteile haben wie das Besteigen des großen Fuji.

Am Shinagawa Jinja hat sich ein solcher Mini-Fuji erhalten. Er wurde zwischen 1869 und 1872 aus Originalgestein des Fuji erbaut. Also, auf geht's.

6a_Shinagawa Jinja Eingang.jpg

Das ist noch nicht der Eingang zum Mini-Fuji, sondern der Eingang zur Treppe rauf zum Shinagawa Jinja. Auf halber Höhe der Treppe zweigt dann der Weg auf den Mini-Fuji ab. Und das machen wir dann auch.

6b_Einstieg zum Fuji.jpg

Der Aufstieg auf den Mini-Fuji ist natürlich nicht nur deutlich kürzer als auf den richtigen Fuji, sondern auch sehr viel bequemer, schließlich gibt es bis oben Treppen, auch wenn die im oberen Bereich schmal, steil und ohne Treppengeländer sind (es gibt nur eine Kette). Aber wie beim richtigen Fuji ist der Aufstieg in Stationen eingeteilt. Hier die vierte Station.

6c_vierte Station.jpg

Jedenfalls ist man natürlich in ein paar Minuten oben. Wenn man von ganz oben runter sieht, erkennt man zum einen, dass wir doch schon deutlich oberhalb des Straßenniveaus sind, auf dem wir gestartet sind, und zum anderen, dass es auf der fünften Station einen umlaufenden Weg gibt, für diejenigen, die es selbst beim Mini-Fuji nicht bis oben schaffen. Und für alle, die aus allen Richtungen Fotos machen wollen. Und auch das passt zum Original: Beim Fuji ist die fünfte Station die letzte, zu der noch Busse fahren dürfen. Danach muss man zwangsläufig laufen und es wird steil.

6d_oben angekommen.jpg

Blickt man hingegen von oben geradeaus, sieht man, dass man eben nicht am Fuji in der Natur ist, sondern mitten in Tōkyō. Und man sieht, dass selbst in Tōkyō nicht nur höchste Hochhäuser stehen, sondern ein buntes Gewimmel von hohen Häusern und deutlich kleineren Häusern. Und dass manche Fastfoodanbieter wirklich überall sind.

6e_Ausblick.jpg

Runter geht man dann auf einem anderen Weg, der ist deutlich kürzer, weil man am Ende wieder auf der Höhe der fünften Station landet. Das ist die Höhe, auf der der Hauptschrein des Shinagawa Jinja steht. Wir werfen aber erst noch einmal einen Blick auf den Mini-Fuji, auf dem wir gerade gestanden haben. Von hier sieht er gar nicht so hoch aus.

6f_unten.jpg

Und dann kann man sich umdrehen, weitergehen und sich den Shinagawa Jinja ansehen. Der sieht auch ziemlich schick aus.

6g_Shinagawa Jinja Hauptgebäude.jpg
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

7. Asien oder Japan?

Diese Frage stelle ich mir wie üblich an einem Sonntag. Soll ich also mal wieder einen Ausflug ins ostasiatische Ausland machen oder doch lieber noch ein paar Fotos von meinem letzten Japan-Trip verarbeiten? Nach langem Überlegen habe ich mich klar für "sowohl als auch" entschieden, so mehr oder weniger.

Also, was machen wir heute? Wir bleiben in Tōkyō und fahren nach Shin-Ōkubo, denn hier soll sich die Koreatown von Tōkyō befinden (oder auf Koreanisch: 도쿄 한인촌).

Wir steigen aus dem Zug, verlassen den Bahnhof und sehen uns um. Aber Matsumoto Kiyoshi? Ein Soba-Restaurant? Yoshinoya? Hier sieht es erst einmal erstaunlich japanisch aus, also dafür, dass hier irgendwo Koreatown sein soll.

7a_doch japanisch.jpg

Sind wir hier falsch? Hm, nein, man muss nur genauer hinsehen, dann klappt es auch mit den ausländischen Geschäften.

7b_chinesisch.jpg

Obwohl, Moment, das ist ein chinesischer Imbiss, kein koreanischer. Aber möchte jemand chinesisches Fastfood? (Ich habe es allerdings nicht probiert.)

Nächster Versuch.

7c_auch chinesisch.jpg

Aber dieser Schönheitssalon ist auch chinesisch, nicht koreanisch. Und auch nicht japanisch, auch wenn die Zeichen natürlich auch in Japan verwendet werden. Eine Transkription, die "Zhao" wäre, gibt es im Japanischen nicht.

Bin ich jetzt hier in Chinatown und habe es nicht gemerkt? Aber eine Straße weiter finde ich das:

7d_pakistanisch.jpg

Auch nicht koreanisch, aber definitiv auch nicht chinesisch. Nicht mal ostasiatisch, sondern pakistanisch. Der Laden verkauft Halal Food für die muslimische Diaspora, muss schließlich auch sein.

Wir sind also zumindest nicht in Chinatown. Aber Koreatown? Der nächste Fund macht die Sache auch nicht eindeutiger:

7e_vietnamesisch.jpg

Ein vietnamesischer Supermarkt, was sonst. Und was bitte bedeutet "Asian Foods" in Japan? Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, war Japan noch in Asien.

Sind wir also in Asiatown? Die Wahrheit ist, wir sind gleich um die Ecke von Koreatown. Hier haben sich zuerst koreanische Auswanderer niedergelassen, dann haben sich Läden angesiedelt, die diese Koreaner mit allem versorgen, was sie in Japan vermissen könnten. Und dann haben sich in der Nähe der Koreaner andere asiatische Einwanderer niedergelassen, die dann wiederum ihrerseits angefangen haben, Länden zu eröffnen. Was übrigens auch erklärt, warum es in diesem Bereich eine enorm hohe Dichte an Sprachschulen, die Japanisch lehren, gibt. Hier scheint Bedarf zu sein.
Und so gibt es zwar auf der einen Seite einen Bereich, der von koreanischen Läden dominiert wird, auf der anderen Seite vom Bahnhof Shin-Ōkubo aber auch Straßen, die ein eher uneinheitliches Bild mit einem wilden Gemisch asiatischer Läden abgeben. Und weil das alles auch Japaner und Touristen anzieht, haben sich natürlich auch viele japanische Ketten hier niedergelassen.

Und morgen tauchen wir dann unter den Bahnschienen bei Shin-Ōkubo hindurch und sehen uns den Kern von Koreatown an, mit koreanischen Läden. Versprochen.
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Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

lol I tried to react to your answer but definitely messed it up.... I'm still far away from being able to use this forum correctly.

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Jakusotsu
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Jakusotsu »

Athenayama hat geschrieben:
7. Dez 2025 21:40
lol I tried to react to your answer but definitely messed it up.... I'm still far away from being able to use this forum correctly.
Quite simple: you can't react to posts other than answering with a emoji 8)
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

8. Jetzt aber Koreatown

Nachdem wir gestern alles außer koreanisch gesehen haben, haben wir jetzt die richtige Ecke gefunden. An der Kreuzung hinter dem Bahnhof Shin-Ōkubo sehen wir die ersten Hinweise, zumindest wenn man weiß, wonach man zu suchen hat.

8a_erster Blick.jpg

Die riesige rosa Bierwerbung? Blackpink. Und das orange Schild rechts unten? K-Foods. Und ja, da steht auch "Paris", aber das kann einem sowohl in Japan als auch in Korea passieren, ohne dass es einen wirklichen Bezug zu Frankreich hat.

Aber wenn man die Straße weitergeht, wird es offensichtlicher. Auch wenn man sich vielleicht nicht "wie in Seoul" fühlt, wie im Reiseführer versprochen. Dazu sieht man dann doch noch jede Menge Japanisch. Die Kundschaft soll ja auch verstehen, was es zu kaufen gibt und nur von Koreaner leben die Läden dann doch nicht.

8b_mehr Blicke.jpg

Koreatown wird übrigens unter anderem für folgendes empfohlen: Korean Barbeque (das Haus mit den leuchtenden Elementen links), Kosmetik (das Haus rechts davon), Cafes (zwei weiter rechts) und all things K-Pop (oben an dem rechten Hochhaus). Man findet also alles wichtige auf einem Haufen. Und auch koreanische Schriftzeichen werden häufiger.

Für diejenigen, die Hangul nicht von Kanji unterscheiden können, gibt es grafische Hinweise: K Plaza 1 mit koreanischen Farben im Logo. Das K ist natürlich auch ein subtiler Hinweis.

8c_Korea in Japan.jpg

Bei Uncle Ddung's House ist es dann einfacher, Englisch zwischen den koreanischen Schriftzeichen zu finden als Japanisch. Wobei die Bezeichnung der angebotenen Speise dann doch wieder auf Japanisch erfolgt. Alle anderen müssen sich die Bilder ansehen.

8d_koreanisch.jpg

Und in den Nebenstraßen ist dann sogar die Werbung an den Strommasten auf Koreanisch. Nur der Hinweis auf das Abstellverbot für Fahrräder samt Information wo eingesammelte Fahrräder ausgelöst werden können, der ist auf Japanisch. Das ist ja auch eine offizielle Information des japanischen Bezirks. Ein illegal geparktes Fahrrad auszulösen kostet übrigens 3000 Yen.

8e_Nebenstraße.jpg

Und für den Ausländer, der immer noch unsicher ist, gibt es dann den ultimativen Hinweis:

8f_offensichtlich.jpg

Warum das Schild für die koreanische Kosmetik (韓国コスメ) als einziges auf japanisch ist, erschließt sich mir nicht so ganz. Aber vielleicht kaufen das wirklich nur Japaner(innen).
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

9. Schnelles Essen

Bevor wir uns wieder ins Touristengedrängel stürzen, gehen wir erst einmal etwas essen. Und weil es schnell gehen muss, ist schließlich schon spät, essen wir Fastfood. Da trifft es sich gut, dass wir im Bahnhofsviertel von Ikebukuro sind, hier gibt es gefühlt für fast jeden Geschmack etwas Essbares.

9a_Fastfood.jpg

Und was wird unser Fastfood sein? Burger? Pommes? Chicken Nuggets?

9b_Fastfish.jpg

Gegrillter Fisch. Klar, was sonst. Und bevor sich jemand beschwert, dass ich dem Essen unrecht tue, wenn ich es als Fastfood bezeichne, das tut das Unternehmen selbst auf seiner Homepage. Dort steht wörtlich 炭火焼干物食堂のファーストフード. Was das heißt?
炭火焼 - sumibiyaki (auf dem Holzkohlegrill gegrillt)
干物 - himono (getrockneter Fisch)
食堂 - shokudō (Restaurant, Kantine)
の - no (besitzanzeigende oder verbindende Partikel)
ファーストフード - faasutofuudo (Katakana-Englisch für Fastfood)
Also "Fastfood-Restaurant für auf dem Holzkohlegrill gegrillten Trockenfisch"

Na dann, rein mit uns:

9c_Fastentry.jpg

Innen sieht es tatsächlich nach einer Kreuzung aus Fastfood und Restaurant aus: Viele Plätze an der Theke für den schnellen Einzelgänger und hinten ein paar Tische für Gruppen, die mit mehr als zwei Personen unterwegs sind. Wobei der Platz nicht groß ist. Fürs Forumstreffen würde es nicht reichen, für die fünf Leser, die dieser Adventskalender noch hat, schon.

9d_Fastseating.jpg

Bestellt wird wieder per Tablet und das Essen ist wirklich schnell auf dem Tisch. Und schnell wieder weg.

9e_Fasttable.jpg

Und was gab es nun? Es wird euch überraschen, dass wir gegrillten Fisch hatten, wobei die Auswahl erstaunlich groß war. Das Fast im Fastfood wird vor allem dadurch erreicht, dass die Beilagen immer dieselben sind, die alle auf Vorrat vorbereitet werden können, und alle Fische parallel gegrillt werden. Die Beilangen sind immer Reis, Misosuppe, eingelegte Gurken und geriebener Rettich. Die Fische variieren.

9f_Fastfertig.jpg
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tainosen
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Beitrag von tainosen »

oishi desu!! kulinarisch wie textlich!
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

10. Gedrängel von oben

Ich habe es schon angedeutet: Wir stürzen uns zurück zwischen all die anderen Touristen und fahren nach Shibuya. Und hier drängen wir erst einmal über die nun schon hinlänglich bekannte Kreuzung. Haben wir letztes Jahr schon getan? Stimmt, aber heute machen wir anders weiter.

10a_back in Shibuya.jpg

Denn heute sehen wir uns die berühmte Kreuzung von oben an. Das habe ich selbst vorher noch nie gemacht, daher bin ich ziemlich sicher, dass ich es noch nicht im Adventskalender hatte. Es gibt ganze Seiten im Internet, die verschiedene Möglichkeiten beschreiben, sich die Shibuya Crossing von oben anzusehen. Von kostenlos bis ein kleines bisschen teuer. Der einfachste und vermutlich auch beste Weg ist natürlich der teurere, aber wer sehen will, muss leiden. Oder dessen Portemonnaie muss leiden. Wobei bei den aktuellen Wechselkursen die Preise nicht so ins Gewicht fallen.

Auf dem Foto oben ist am rechten Rand ein Gebäude zu erkennen (das mit der Pokemonwerbung daran). Das ist das Kaufhaus MAGNET by SHIBUYA109, von Stockwerk B1 bis 7 ist es ein Kaufhaus. Aber im 8. Stock (das wäre in Deutschland der 7. Stock), gibt es die CROSSING VIEW & ROOFTOP LOUNGE MAG8. Eintritt 1800 Yen, incl. eines Getränks. Also vielleicht 500 Yen für (in unserem Fall) einen Kaffee oder Tee und 1300 Yen für den Blick, denn hier gibt es den Shibuyacrossing View.

10b_über Shibuya.jpg

Links kann man sehen, dass fast alle wegen des Blick kommen, in der Mitte, dass das aber offenbar nicht alle begeistert. 1800 Yen waren übrigens nur gut 10 Euro (aktuell wären es weniger als 10 Euro).

Also, raus auf die Aussichtsplattform und wirklich, von hier oben hat man eine gute Aussicht, viel näher an die Kreuzung kommt man von oben nicht dran. Und erst einmal stehen alle und Fahrzeuge fahren über die Kreuzung (sonst wäre es ja keine).

10c_Stillstand.jpg


Dann wechselt die Ampel und alle Fußgänger laufen auf einmal los. Und nichts passiert, keine Zusammenstöße, keine Konflikte. Fast schon langweilig. Irgendwie sieht es von oben auch nicht ganz so voll aus wie von unten.

10d_und los.jpg

Und wer genau hingesehen hat, wird feststellen, dass wir uns nicht den perfekten Tag ausgesucht haben, da eine der Zufahrten zur Kreuzung gesperrt ist und die Fußgänger an der Seite unabhängig von den Ampelphasen über die Straße gehen können. Was ist da nun los? Das habe ich leider auch bei genauem Hinsehen nicht ganz verstanden.

10e_was ist das.jpg
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

11. Wärme für den Körper

Da ich heute Abend nicht zu Hause sein werde, gibt es das heutige Türchen schon jetzt. Und da über Nacht keiner meinen Post von gestern gesehen hat, bedeutet das wohl ein Doppeltürchen für alle. Morgen komme ich erst gegen Abend zurück, da kommt der Post dann wieder eher zur bekannten Zeit. Wie auch immer, Zeit ist knapp, daher gibt es heute ein schnelles Türchen.

Also, was machen wir jetzt? Wir sehen uns eine Variante von etwas an, was wir in der Vergangenheit schon einmal betrachtet haben. Ein erster Blick geht schon in die richtige Richtung, aber wir sprechen nicht von historischen Räumen oder Gebäuden. Wir wollen etwas kleineres, aber in Japan wichtiges.

11a_was wird das.jpg

Wir gehen durch den Raum und sehen den mysteriösen Stein, den man schon durch die Tür hindurch erahnen konnte. Und wir sehen in den mysteriösen Stein. Irgendwelche Ideen, was das ist?

11b_Badewanne.jpg

Eine Badewanne. Eine sehr kleine Badewanne, aber eine, in der das Wasser direkt erhitzt werden kann, so dass es nicht nach kurzer Zeit auskühlte. Ein Teil des Raumes in der Wanne war durch ein Holdbrett oder ähnliches abgetrennt, dahinter verlief ein Rohr, durch das heiße Luft geleitet wurde, die dann das Bad erhitzte. Als ich in Japan studiert habe, hatte ich auch eine Vorrichtung in der Badewanne, die das schon eingelassene Wasser wieder erhitzen konnte, wenn es zu kalt wurde. Allerdings auf eine andere Art. Das ist nötig, weil traditionell nicht nur eine Person in das Wasser stieg, sondern mehrere Personen hintereinander. Und da kann man das Wasser wieder erhitzen, alternativ gibt es Abdeckungen, damit es nicht zu schnell auskühlt. (Hinweis: Man wäscht sich in Japan komplett ab, bevor man ins Badewasser steigt, also sind die Leute schon sauber und hinterlassen nicht ihren Schmutz im Badewasser.)

11c_Anleitung.jpg

Der Begriff 石風呂 ishi-buro ist übrigens einfach eine Beschreibung des Bades:
石 - ishi (Stein, Fels)
風呂 - furo/-buro (Bad)
Also ein Steinbad oder eine Steinbadewanne.

Und wer sich gefragt hat, wie in die relativ kleine Badewanne ein Badender passt, der wird sich bei unserem letzten Foto heute erst recht fragen.

11d_Alternative.jpg

Das ist ein 小風呂 koburo, ein "kleines Bad". Der Begriff kann allerdings verschiedene Dinge bedeuten, es ist möglich, dass diese sehr kleine Badewanne dann nur noch für Kinder war oder Wasser für ein Dampfbad gespeichert hat. Diese Badewanne hatte keine Erklärung.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

12. Ein kleiner Ausflug

Unsere Badewannen von gestern haben uns wieder zurück nach Aizu Wakamatsu gebracht. Und wo wir schon hier sind, bleiben wir gleich hier. Oder präziser: Wir machen einen Ausflug in der Region Aizu zu einem Ausflugsziel, das ich vor diesem Jahr auch noch nicht kannte.

Heute beschäftigen wir uns aber erst einmal mit der Anreise, morgen sehen uns wir uns an, wo wir gelandet sind, und übermorgen sehen wir, was wir dort gegessen haben. Eine Trilogie, sozusagen. Also, was war jetzt das Spezielle an der Anreise? Man konnte nicht einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinfahren, oder zumindest war das unser Eindruck. Der Anfang ist noch relativ einfach: Man steigt in Aizu Wakamatsu in den Zug einer kleinen Privatbahn (Aizu tetsudō).

12a_mit einem kleinen Zug.jpg

Und mit dieser fährt man nach Yunokami Onsen. Soweit, so problemlos. Yunokami Onsen ist ein wirklich kleiner Bahnhof in einem kleinen Ort, aber sehr schön gestaltet. Ein Bahnhofsgebäude im historischen Stil und ein warmes Fußbad daneben mit einem Dach darüber, wenn das Wetter nicht mitspielt

12b_zu einem kleinen Bahnhof.jpg

Das ist wahrscheinlich keine schlechte Idee, denn in Yunokami Onsen heißt es erst einmal warten. Aus irgendeinem Grund sind die Bahnen nicht mit unserem nächsten Verkehrsmittel koordiniert. Also haben wir Zeit, uns umzusehen. Nehmen wir mal den Bahnhof aus der anderen Seite unter die Lupe. Wir sehen einen schicken Uhrenturm, ein Reetdach und, wer genau hinsieht, einen historisch anmutenden Briefkasten (die rote Säule vor dem Bahnhofsgebäude). Das Wetter könnte besser sein, aber so lange müssen wir dann auch nicht warten.

12c_mit einem kleinen Uhrenturm.jpg

Und worauf warten wir? Hier wird es jetzt irgendwie ein wenig komplizierter. Auf der Homepage des Tourismusvereins von dem Ort, wo wir eigentlich hin wollen, steht, dass es einen fahrplanmäßigen Verkehr gibt. Dort ist auch ein Link zum Betreiber "Hirota Taxi" (dessen Homepage die url london-taxi.jp hat). Dort kann man einen Platz im zeitlich passenden Bus oder Taxi buchen. Leider steht nirgendwo, wie groß der Bus oder das Taxi ist und ob die Reservierung notwendig ist. Also habe ich am Tag zuvor über das Online-Formular Plätze jeweils für Hin- und Rückfahrt gebucht. Daraufhin bekam ich eine automatische Antwort, die in einem obskuren japanischen Zeichensatz formatiert war, den das Mailprogramm auf meinem Handy nicht lesen konnte (charset="iso-2022-jp"). Der Webmailer meines Anbieters auch nicht. Ich konnte aus der (lesbaren) Betreffzeile schließen, dass dies nur die Bestätigung war, dass ich etwas abgeschickt habe, aber den Inhalt konnte ich nur anhand der Zahlen (die lesbar waren) erraten. Im Anschluss habe ich den ganzen Tag Panik geschoben, was passiert, wenn ich die Antwort (also Zu- oder Absage) auch nicht lesen kann. Aber zum Glück wurde die von einer realen Person mit einem vernünftigen Mailprogramm geschrieben, jedenfalls war sie lesbar. Mit einer positiven Antwort. Wir waren also vorbereitet. (Das Mailprogramm auf meinem Laptop hat kein Problem mit diesem Zeichensatz, aber der stand im Hotel und ich war unterwegs.)

Also zurück nach Yunokami Onsen: Irgendwann kam ein kleiner Bus und wir stellten uns in die unvermeidliche Schlage. Es war aber schon klar, dass alle aus der Schlange auch in den Bus passen würden. Dann kam eine Schaffnerin (Reiseleiterin?), die zuerst die aufrief, die Plätze gebucht hatten. Also wir und ein weiteres Pärchen, wir durften als erste einsteigen und im Bus waren sogar Plätze reserviert. Und ja, es sind alle locker mitgekommen.

12d_mit einem kleinen Bus.jpg

Mit dem kleinen Bus sind wir dann über kleine Straßen und steile Straßen über einen Berg zu unserem Ziel gefahren. Und das sieht von der Bushaltestelle erst einmal wie einer von hunderten von kleinen Orten in Japan aus. Was wir hier wollen, das zeige ich euch morgen.

12e_zu einem kleinen Ort.jpg

Und hier habe ich mir auch gratuliert, dass ich keinen Mietwagen genommen hatte. Ich hatte das in Betracht gezogen, aber wenn es einen Weg mit (halb)öffentlichen Verkehrsmitteln gibt, nehme ich den lieber. In diesem Fall war das gut, denn der offizielle Parkplatz war vor allem zu klein. Als wir mit dem zweiten Bus des Tages ankamen, war er schon überfüllt.
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Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

Jakusotsu hat geschrieben:
8. Dez 2025 08:37
Athenayama hat geschrieben:
7. Dez 2025 21:40
lol I tried to react to your answer but definitely messed it up.... I'm still far away from being able to use this forum correctly.
Quite simple: you can't react to posts other than answering with a emoji 8)
No emoji for "thumbs up" ? That would have been my reaction to Watashi and to you ! :aetsch

Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

Hey Lady,
not even one sunny day durng that trip ? ?
You need to like clouds to go to Japan !
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

13. Vergessen und wiederentdeckt

Nachdem wir gestern aus dem Bus gestiegen sind, gehen wir jetzt zwischen den eher modernen Häusern hindurch und stehen auf der Hauptstraße unseres Ziels und die sieht dann gar nicht mehr modern aus:

13a_Hauptstraße.jpg

Das ist Ōuchijuku, eine ehemalige Poststation auf einem der großen Überlandwege, die Japan während der Edo-Zeit durchzogen. Ōuchijuku lag am Shimotsuke kaidō, der Shimotsuke Landstraße, die das ländliche Aizu mit dem Straßennetz Richtung Edo (heute Tōkyō) verband. Hier gab es Übernachtungsmöglichkeiten für die Reisenden, man konnte eine Rast einlegen oder seine Pferde tränken. Bei Nikkō traf die Straße dann auf den Nikkō kaidō, der eine der fünf großen Straßen nach Edo war.

Ōuchijuku verlor seine Funktion praktisch von einem auf den anderen Tag, als nach der Öffnung Japans und dem Ende der Tokugawa-Regierung 1884 der Nikkō kaidō verlängert wurde. Die Einwohner von Ōuchijuku hatten in der folgenden Zeit nicht die Mittel, um ihre Stadt angemessen zu modernisieren, neue Häuser zu bauen oder umzuziehen. So blieb der zentrale Teil der Stadt in Ermangelung von Alternativen in seinem Zustand aus dem 19. Jahrhundert weitgehen erhalten. Als der Tourismus immer mehr an Bedeutung gewann und das Interesse an historischen Stätten zunahm, erwies sich das als Glücksfall, weil die Hauptstraße restauriert werden konnte und 1981 wurde die Stadt als "Wichtiges traditionelles Architektur-Ensemble des Landes" ausgezeichnet. Inzwischen ist es eine wichtige Sehenswürdigkeit der Gegend, was wir schon daran sehen, dass selbst im Herbst der Parkplatz nicht ausreicht. Hier haben wir auch tatsächlich ein paar andere Ausländer gesehen. Die sind sonst in der Region Aizu nicht so häufig. Mindestens eine war sogar Deutsche, die sich freute, weil sie seit Wochen kaum deutsch gesprochen hatte.

Sehen wir uns also eines der traditionellen Häuser etwas genauer an:

13b_traditionelles Haus.jpg

Kennzeichnend für Ōuchijuku sind die reetgedeckten Dächer der Häuser. Falls ihr euch fragt, ob da noch jemand wohnt und im Dunkeln sitzt, weil nach vorne alles dicht ist, nein, hier wohnt niemand mehr. Die Häuser dienen heute fast alle dem Tourismus, Richtung Straße gibt es meistens einen Souvenirshop und an der Seite ein Restaurant. Wir sind hier nur etwas zu früh, die Shops und Restaurants sind gerade erst dabei aufzumachen.

Das sieht beim nächsten Haus auch nicht anders aus. Man kann rechts aber sehen, dass es hier ein Dach gibt, unter dem später Tische für die Gäste stehen können. Auch sieht man im Vordergrund blühende Blumen. Das erschien mir eher ungewöhnlich, weil blühende Blumen in Japan eigentlich in den Frühling gehören. Der Herbst gehört den leuchtend roten Ahornblättern, für die wir in der Natur leider ein bisschen zu früh waren. Das kann man leider nicht so genau vorhersagen, wenn man die Tickets bucht.

13c_mit Blumen.jpg

Aber da wir ja noch etwas früh sind, gehen wir erst einmal bis zum Ende der Hauptstraße, wo wir einen Weg den Berg hinauf sehen. Das ist so etwas wie die Hauptattraktion von Ōuchijuku, denn von oben soll man den richtigen Blick auf den Ort haben. Also, rauf da.

13d_hinauf.jpg

Und nachdem wir uns zwischen den anderen Touristen einen Platz erkämpft haben, sehen wir ihn: den ultimativen Ōuchijuku-Ausblick. Den findet man auf Postkarten, in Reiseführern, auf Internetseiten und auf dem Fernseher in unserem Hotel, der immer, wenn man ins Zimmer kam, anging und neben Informationen über das Hotel die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Gegend zeigte (wir haben alle gesehen). Und jetzt haben wir ihn auch gesehen und fotografiert. Ich frage mich allerdings, wie das laufen soll, wenn es Sommer ist oder Kirschblüte oder so. Dann wird es hier oben vermutlich sehr, sehr voll. Ob der Parkplatz deshalb so klein ist?

13e_Postkartenblick.jpg

Wieder unten sehen wir links ein Haus, das anders aussieht als all die anderen: Es hat kein Reetdach. Das konnte man von oben auch schon sehen, wenn man drauf geachtet hat. Was hat es damit auf sich? Nachdem die Stadt in der Bedeutungslosigkeit abgerutscht war, waren wohl irgendwann alle Dächer mit Metall abgedeckt, um das Reet nicht regelmäßig erneuern zu müssen. Da das nicht in wenigen Tagen erledigt ist, wurden die Häuser nach und nach restauriert, das Metalldach abgenommen, das Reet ausgetauscht und in seinen historischen Zustand zurückversetzt. Ich weiß nur nicht, ob dieses Haus als letztes noch dran ist oder ob sie es so erhalten, um den Zwischenzustand zu dokumentieren.

13f_one of these is not like the others.jpg

Alle anderen sehen jedenfalls ziemlich ähnlich aus. Und das ist Absicht. Ōuchijuku wurde als Poststation erbaut, alle Grundstücke mit wenigen Ausnahmen (Haus des Ortsältesten, Sitze der Ortsverwaltung) waren gleich groß und auch die Häuser, die darauf gebaut wurden, waren gleich groß. Ein Grundstück hatte etwa 314 m², ein Haus etwa 150 m². Es war also so geplant, dass alle Häuser zumindest von außen gleich aussahen. Wie viel Flexibilität die Bewohner im Innern hatten, weiß ich nicht.

Wie wir auf der rechten Seite auf dem Foto oben sehen, machen jetzt auch die Souvenirgeschäfte auf und mit ihnen auch die Restaurants. Und jetzt gibt es auch das jahreszeitlich passende Herbstlaub, wenn auch vorerst nur im Blumenkübel.

13g_offen.jpg

Und was wir in diesem Restaurant gegessen haben, zeige ich euch morgen.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

Athenayama hat geschrieben:
13. Dez 2025 20:13
Hey Lady,
not even one sunny day durng that trip ? ?
You need to like clouds to go to Japan !
As for the rest, it is always a pleasure to read you.
It was fall, not the best season if you like it sunny. Japan is in the way of a lot of typhoons and even if they don't hit the islands directly, they bring a lot of clouds, wind and rain. We were quite lucky that it didn't rain a lot actually. If you go to the end of October it usually gets more sunny as the storms end, but it also gets colder.

If you go in the summer, it's mostly cloudless, though the temperatures make you desperately wish for clouds. That's unless my brother visits, then even in summer, it's a lot less sunny. Someone seems to like him, he hates the heat.

I checked and in Tokyo there were some sunny days. After we visited the restaurant tomorrow, I will pick something with more sun. Promise.

Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

14. Regionale Küche

Also, was gibt es denn nun so zu essen, in Ōuchijuku? Diejenigen, die sich auskennen oder hiragana lesen können, haben schon den subtilen Hinweis am Eingang gesehen, alle anderen betreten erst einmal das Restaurant.

14a_irrashaimase.jpg

Im Hausinneren konnte man auch auf Tatamimatten an niedrigen Tischen auf dem Boden sitzen, aber das ist nichts mehr für meine Eltern, also haben wir uns einen Tisch unter dem Dach gesucht.

Und da ich Japanisch lesen kann, wussten wir auch schon, was es gibt, denn am Eingang gab es eine Karte. Auf dem Platz gab es aber selbstverständlich auch eine, damit man sich genau aussuchen kann, was man will. Dann geht bestellen und bekommen in Japan meistens schnell. Was gab es also? Wie am Eingang auf dem Schild zu sehen, ist die Spezialität der Gegend そば soba, Nudeln aus Buchweizen. Meine Eltern waren aber nicht auf Experimente aus und sind nicht so die soba-Fans, deshalb mussten wir ein Restaurant haben, das auch うどん udon, dicke Nudeln aus Weizen, hatte. Das stand nicht auf dem Schild am Eingang, aber auf der Karte am Eingang.

Mein Vater hat sich für die sicherste, weil am wenigsten regionale Version entschieden: 天ぷらうどん tempura udon, also udon mit in Teig frittierten Gemüsen in diesem Fall. Meistens gibt es auch Garnelen oder Fisch, aber hier war es wirklich nur Gemüse und ich würde vermuten, dass das auch regionale Gemüse waren. In der schnellen Küche liegen die tempura meistens auf den udon und damit in der Suppe, aber hier gab es sie extra. Dadurch bleiben sie natürlich länger knusprig.

14b_tempura udon.jpg

Meine Mutter war etwas experimentierfreudiger und wählte 山菜うどん sansai udon, Udon mit Wildgemüse (oder in wörtlicher Übersetzung: Berggemüse). Ich kann euch leider nicht sagen, was dort genau auf den Udon lag, aber es war auf jeden Fall Gemüse, das ich dort noch nicht gesehen hatte. Also für uns eine Neuigkeit.

14c_sansai udon.jpg

Und da ja nun irgendwer die regionale Spezialität probieren musste, habe ich mich todesmutig entschlossen, nicht nur die lokalen soba zu bestellen, sondern die besonders empfohlenen ねぎそば negi soba, soba mit Frühlingszwiebel. Angesichts des Wetters allerdings die heiße Variante, wenn auch die kalte die ganz spezielle Empfehlung gewesen wäre. Ich bin allerdings nicht drauf gekommen, dass die Frühlingszwiebel praktisch vollständig oben auf den soba liegt.

14d_negi soba.jpg

Ich hatte das bei anderen Restaurants (offenbar verkaufen alle mehr oder weniger das gleiche) schon auf Schildern gesehen, aber irgendwie hatte ich angenommen, dass das nur klarstellen sollte, dass es mit Frühlingszwiebel ist, die dann brav kleingeschnitten wird. Wurde sie nicht.

Zum Glück bekam ich bei der Lieferung des Essens eine Einweisung, wie ich mit der Frühlingszwiebel umgehen solle. Sonst wäre das vermutlich sehr spaßig geworden. Zumindest für alle Zuschauer. Also: Zuerst tunkt man die Frühlingszwiebel in die Suppe.

14e_jaa ne.jpg

Und dann steckt man sie in den Mund und saugt die aufgesogene Suppe heraus. Und dann beißt man ab. Man sollte also Frühlingszwiebel mögen, sonst ist es nicht zu empfehlen.

14f_itadakimasu.jpg

Es war auf jeden Fall eine Erfahrung und ich fand die soba sehr lecker. Die udon waren wohl auch sehr gut, wurde mir berichtet und meine Mutter fand das Berggemüse auch super. Die Tempura waren ohnehin gut.
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Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

Watashi hat geschrieben:
13. Dez 2025 21:31
Athenayama hat geschrieben:
13. Dez 2025 20:13
Hey Lady,
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If you go in the summer, it's mostly cloudless, though the temperatures make you desperately wish for clouds. That's unless my brother visits, then even in summer, it's a lot less sunny. Someone seems to like him, he hates the heat.

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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

14. Regionale Küche

haha eating in Japan can be gymnastics !

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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

15. Ein Tag im Museum - mit Sonne

Ich habe ja versprochen, dass wir heute etwas mit besserem Wetter machen. Einer unserer Tage in Tōkyō war sehr sommerlich: Kaum Wolken, viel blauer Himmel und T-Shirt-Temperaturen. Also sehen wir uns heute etwas an, was wir an diesem Tag gemacht haben.

Auf dem Hinweg können wir auf jeden Fall das Wetter genießen. Und was ist unser Ziel? Ein großes, schlankes, weißes Gebäude fast ohne Fenster. Und das am besten Tag der Reise.

15a_großes weißes Gebäude mit gutem Wetter.jpg

Und was ist das jetzt für ein Gebäude? Wohl kaum ein Wohnhaus. Es ist ein Museum, ein Kunstmuseum, um genau zu sein. Das ist sprachlich tatsächlich wichtig, weil es in Japan verschiedene Begriffe gibt, die wir einfach mit "Museum" übersetzen würden.

博物館 (hakubutsukan) - wird für die meisten Museen verwendet, meistens aber eher mit naturwissenschaftlichem oder geschichtlichem Hintergrund (hakubutsu ist "breites Wissen", -kan bedeutet "großes Gebäude", auch bekannt aus Kokugikan)
美術館 (bijutsukan) - Kunstmuseum (bijutsu ist "Kunst, schöne Künste")
資料館 (shiryōkan) - meistens etwas historisches (shiryō ist "Material, Unterlagen), z.B. das Peace Memorial Museum in Hiroshima (平和記念資料館)
記念館 (kin'enkan) - wörtlich Erinnerungshalle, wird häufig für kleine Museen benutzt, hatten wir schon: Yokozuna Chiyonoyama Chiyonofuji Kinen-kan

Und noch mehr bei spezifischen Fällen.

Jedenfalls gehen wir ins Yayoi Kusama Museum. Und da Yayoi Kusama Künstlerin ist, ist es auf Japanisch das 草間彌生美術館 (Kusama Yayoi Bijutsukan). Und warum machen wir das bei bestem Wetter? Weil man die Karten Wochen im Voraus kaufen muss und da konnten wir das Wetter nicht vorhersehen.

15b_ah Museum.jpg

Innen kann ich euch gar nicht so viel zeigen. Im Erdgeschoss gab es eine Videoinstallation von einer Kunstaktion, die sie vor Jahrzehnten in den USA durchgeführt hatte.

15c_Kunst.jpg

Danach kann ich euch leider erst einmal nur das Treppenhaus zeigen, denn auf den Etagen 2 und 3 war Fotografierverbot. Sehr schade, denn dort konnte man einige wirklich spannende Kunstwerke sehen. Sagen wir es so: Heute ist sie für ihre Punkte bekannt, damals waren es nicht nur Punkte.

15d_Treppe.jpg

Auf der 4. Etage gibt es dann einen Raum, in dem eine Lichtinstallation steht. Die darf man dann wieder fotografieren. Und die hat dann auch die charakteristischen Punkte. Man kann komplett um die Installation herumgehen, man muss nur aufpassen, im Dunkeln nicht zu stolpern.

15e_Lichtkunst.jpg

Zum Schluss kam man auf dem Dach an. Hier haben wir nun beides: Kunst und gutes Wetter. Hat sich also doch gelohnt, heute ins Museum zu gehen. Bei Regen hätte das bestimmt nicht so gut ausgesehen und wir hätten gesehen, dass wir schnell wieder runter kommen. So aber konnten wir das riesige Kunstwerk auf dem Dach ausgiebig fotografieren.

15f_Dachkunst.jpg

Außerdem hat man vom Dach aus eine super Aussicht auf die Umgebung. Leider nur durch eine Glasscheibe hindurch, aber man kann ja nicht alles haben. Und so hat sich das Museum am Ende gerade bei gutem Wetter definitiv gelohnt.

15g_gutes Wetter.jpg
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

16. Ein Stück Kuchen ohne Wolken

Nachdem ich heute matcha Cookies gebacken habe, dachte ich, heute muss es Gebäck sein. Also, heute geht es ins Cafe. Und was essen wir? Also ich hatte Schokotorte:

16a_Schokokuchen.jpg

Und meine Eltern hatten Crepetorte, da werde einzelne Crepe im Wechsel mit Sahnecreme gestapelt, so dass am Ende eine Torte draus wird:

16b_Crepekuchen.jpg

Und natürlich kann man auch noch ein Getränk dazu haben, da sehen wir aber auch schon, dass wir nicht im Cafe um die Ecke sind, sondern irgendwo, wo es weniger förmlich ist. Pappbecher, Pappteller und Einwegbesteck (ja, das darf in Japan noch verkauft werden, auch aus Plastik; muss man auf dem Foto nur nach suchen):

16c_Cafe.jpg

Wir sind an einem Ort, wo wir letztes Jahr auch schon waren, aber damals natürlich nicht zur Herbstzeit. Deshalb sehen wir heute die typische Dekoration, die japanische Sehenswürdigkeiten, aber auch Kaufhäuser oder Restaurants gerne zur Herbstzeit auspacken: rote Blätter. In Japan bevorzugt Ahornbäume mit kleinen sehr bunten Blättern. Und wenn man beim besten Willen keinen echten Baum am Leben halten kann, weil Wasser, Licht und Luft fehlen, wie mitten in einem Gebäude, müssen es eben Plastikbäume mit Plastikblättern sein. Die haben auch den Vorteil, dass sie immer rot sind und man nicht warten muss, bis die Natur sich dazu durchringen kann, die Blätter bunt zu färben:

16d_Herbst.jpg

Wo sind wir jetz also? Unser nächstes Foto verrät, dass wir offenbar irgendwo hoch über Tōkyō sind. Und das Wetter ist immer noch super (ist derselbe Tag wie das Türchen von gestern), der Ausblick auch. Und der Ausblick ist natürlich auch im Herbstlook, wo käme man denn hin, wenn man einfach nur aus dem Fenster sehen würde. Zumindest bei diesem Fenster hier:

16e_Herbstausblick.jpg

Wir sind im Aussichtsstockwerk des Sunshine 60 in Ikebukuro, wo wir letztes Jahr schon extensiv runter gesehen haben. Aber heute ist das Wetter noch besser, außerdem kann man meiner Meinung nach nicht oft genug über Tōkyō blicken. Die Stadt ist viel zu groß, um alles in einem (oder zwei oder drei) Besuchen zu erfassen.

16f_Ausblick.jpg
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

17. Schreinfest, part 3

Moment, denkt ihr vielleicht, wo waren denn bitte die ersten beiden Teile des Schreinfests? Habe ich was verpasst? Das ist möglich, aber wenn dann in den letzten beiden Jahren. Damit ihr mir im Herbst nicht einfriert, besuchen wir heute das Wajima Taisai, da waren wir 2023 und 2024 schon zweimal. Und das war im Sommer, es war sehr warm, selbst in den Nachtstunden.

Heute sehen wir uns an, was passierte, nachdem wir das letzte Mal das Festival verlassen hatten. Also, wo waren wir? Ah, ja der mikoshi (Trageschrein) hatte das Schreingelände verlassen. Und er wird von den kiriko (riesige Laternen, die getragen werden) in einer langen Prozession verfolgt. Und obwohl die Strecke nicht so lang war, hat das gefühlt ewig gedauert, weil sowohl Schrein als auch Laternen immer wieder abgesetzt wurden.

17a_mikoshi und kiriko.jpg

Gut, mikoshi und kiriko kennen wir schon. Aber was sind die beiden langen dicken Strohtaue, die hinten brennen, die auch in der Prozession mitgeschleppt werden? Im wahrsten Sinne des Wortes. Die verlieren während der Prozession sukzessive an Länge, weil sie langsam herunterbrennen.

17b_aber was ist das.jpg

Am heutigen Festplatz angekommen sehen wir diese Konstruktion mit viel Stroh, die von weiteren Strohtauen an ihrem Platz gehalten wird? Und wieso liegen die brennenden Taue jetzt einfach in der Gegend herum? Am Ende der drei Haltetaue sitzt übrigens jeweils ein Mann auf einem erhöhten Platz und hält das Tau und damit die Konstruktion an ihrem Platz, das ist tatsächlich relevant.

17c_und was ist das.jpg

Schließlich werden die brennenden Taue verwendet, um die Strohkonstruktion von unter heraus in Brand zu setzen. Und während das fröhlich vor sich hin brennt und die Gegend erleuchtet, wird der mikoshi (unser Trageschrein) im Laufschritt um die brennende Riesenfackel getragen, gerade links davon zu sehen. Und da rennende Träger und Nachtfotografie nicht so gut zusammenpassen, ist der mikoshi auf meinen anderen Fotos noch schlechter zu sehen.

17d_Feuer!.jpg

Nachdem die Träger mit dem mikoshi fertig sind, wird dieser zur Seite getragen und dort abgestellt. Und dann kommen die Männer ins Spiel, die unsere Riesenfackel aufrecht halten, diese lassen jetzt gleichzeitig die Taue los und in der Theorie fällt die Fackel jetzt in eine Richtung zu Boden und brennt dort aus. In der Praxis hat sie sich diese Nacht aber geweigert, umzufallen, sondern blieb einfach schief stehen. Selbst mit Dagegentreten und später Draufherumhüpfen war sie nicht davon zu überzeugen umzukippen. Das ist dumm, denn am Ende des Rituals sollte die Fackel liegen und die Leute über das Feuer springen. Das bringt selbstverständlich Glück. Außerdem ist es eigentlich wichtig, in welche Richtung die Fackel fällt, aber ich weiß nicht, was es heißt, wenn sie nicht fällt.

17e_widerspenstiges Feuer.jpg

Die kiriko stehen derweil am Festplatz aufgereiht und die ganze Zeit hört man die Trommeln am Fuß der Laternen lautstark über den Platz hallen. Auch nach dem Ende der Riesenfackel bleiben diese noch und man kann sich das mehr aus der Nähe ansehen, bevor sie sich dann langsam auf den Rückweg machen.

17f_kiriko-Aufmarsch.jpg

Und das machen wir jetzt auch. Ich war noch einen zweiten Tag da, mit einer zweiten Riesenfackel. Aber ob da alles wie geplant gelaufen ist, sehen wir in einem der Folgejahre, falls dann noch jemand diesen Adventskalender liest.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

18. Immer am Wasser entlang

Und, schon wieder aufgetaut oder gibt es immer noch Bedarf nach Bildern aus der Wärme? OK, ich habe beschlossen, dass wir noch einen Tag im japanischen Sommer verbringen. Und wir werden sogar wandern gehen. Wenn das mal gut geht.

Wir steigen also in Hamura aus dem Zug und gehen zum Start unseres heutigen Weges. Und wir sehen schon, dass wir im japanschen Sommer zumindest eine Menge Wasser haben werden. Nur reinspringen dürfen wir nicht.

18a_es beginnt.jpg

Hinter der Sperre fließt der Tamagawa, ein Fluss, der die Kantō-Ebene durchfließt. Er fließt allerdings an Tōkyō vorbei und mündet am Ende bei Kawasaki in die Bucht von Tōkyō. Damit war er allerdings im 17. Jahrhundert, als aus einem kleinen Fischerdorf der japanische Regierungssitz Edo wurde, nicht geeignet, um die Wasserversorgung der stark wachsenden Stadt und ihre Umlandes sicherzustellen. Daher wurde 1653-54 ein Kanal Richtung Edo (heute Tōkyō) gebaut, der Wasser aus dem Tamagawa für Edo nutzbar machte. Diesen Kanal, das Tamagawa Aquädukt (Tamagawa jōsui), gibt es bis heute und er startet an dieser Sperre.

Der Kanal wurde von zwei Brüdern, Shōemon und Seiemon, im Auftrag des Shogunats gebaut. Die beiden stammten aus dem Bauernstand, daher hatten sie keine Nachnamen. Nachdem sie aber erfolgreich den Kanal geplant und umgesetzt hatten, bekamen sie vom Shogun einen Nachnamen verliehen: Tamagawa. Und heute haben sie eine Statue am Beginn des Kanals.

18b_sie waren es.jpg

Wir wollen aber nicht nur ein bisschen sehen, sondern auch ein bisschen mehr laufen. Also, auf geht's entlang des Kanals. Der Oberlauf dient noch heute der Wasserversorgung von Tōkyō und wurde in den letzten Jahrzehnten renaturiert, so dass man nicht nur an einem Kanal mit Betonwänden entlangläuft, sondern durchaus im Grünen unterwegs ist.

18c_auf gehen wir.jpg

Während ich im japanischen Hochsommer am Kanal entlang lief, kam irgendwann über das japanische Notfalllautsprechersystem eine Warnung: "Achtung, heute ist ein Tag mit sehr hohen Temperaturen. Bleiben sie nach Möglichkeit in klimatisierten Räumen und vermeiden sie Anstregungen im Freien." Ups, sie meint aber nicht wandern am Tamagawa jōsui, oder? Zum Glück laufen lange Teile immer wieder durch Gebiete mit dichten Bäumen. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt auch vor der japanischen Sommersonne.

18d_natürlich.jpg

Man läuft aber auch immer wieder durch Orte. Das hat den Nachteil, dass die Bäume seltener werden und der Kanal wieder mehr nach Kanal aussieht, aber den Vorteil, dass man an Getränkeautomaten, Convenience Stores und Supermärkten vorbeikommt. Dort kann man dann wirklich kalte Getränke kaufen. Auch das hat die Stimme aus dem Lautsprecher empfohlen.

18e_weniger natürlich.jpg

Und was macht man, wenn man zwischendurch mal ein dringendes Bedürfnis hat? Kein Problem, denn in Japan ist das nächste öffentliche WC nie weit weg. Auch am Wanderweg am Kanal entlang gibt es mehrere.

18f_wenn die Natur ruft.jpg

Man muss also nicht hinter einem Baum verschwinden. Aber vielleicht in einem WC-Häuschen, das wie ein Baumstamm aussieht.

18g_nie ohne ein WC.jpg

Das gesamte Tamagawa Aquädukt ist etwas 43 km lang, ich habe aber nur etwa 16 km geschafft. Wer weiß, vielleicht kehre ich irgendwann noch mal zurück. Aber der Oberlauf soll ohnehin die schönste Strecke sein.

PS: Die Wetterwarnung zur großen Hitze kommt, wenn Temperaturen von mindestens 35°C erreicht werden. Daher hoffe ich, jetzt ist wirklich jedem wieder warm, denn morgen geht es wohl zurück in den Herbst.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

19. Eine Nudel in Ehren

Nachdem jetzt jeder wieder warm ist und wir uns gestern in der Hitze verausgabt haben, müssen wir uns heute erst einmal stärken. Dafür kehren wir noch ein letztes Mal in die Präfektur Fukushima, Region Aizu, zurück und fahren nach Kitakata. Da waren wir 2009 schon einmal und haben uns den lokalen Hang zum Speicherhaus angesehen. Heute wollen wir hier aber etwas anderes.

Kitakata ist nämlich nicht nur für eine hohe Dichte an Speicherhäusern bekannt, sondern auch für... sake. OK, das ist zwar korrekt, aber nicht das, weshalb ich euch heute herschleppe (sorry). Kitakata hat nämlich auch die höchste Dichte pro Einwohner an Ramen-Restaurants. Also, heute gibt es Kitakata Ramen. Und wir werden feststellen, dass nicht immer in japanischen Restaurants am Ausgang an der Kasse bezahlt wird. Es gibt noch eine andere Methode, die gerade bei Ramen-Restaurants relativ häufig ist.

Zuerst aber auf nach Kitakata. Es war gar nicht so einfach mittags am Dienstag nach einem Feiertag ein offenes Restaurant zu finden (geschlossene gab es jede Menge). Es waren aber auch nur sehr wenige potenzielle Kunden unterwegs. Aber wir wurden fündig, stilecht im traditionellen Ambiente. Muss man allerdings wissen oder lesen können, für den durchschnittlichen Ausländer eher schwer zu erkennen.

19a_Speicher.jpg

Also rein da. Es gibt mehrere kleine Tische und gegenüber der Tür kann man in die Küche sehen. Japanische Restaurants sind häufig ziemlich transparent hinsichtlich der Prozesse in der Küche, man kann häufig sehen, was dort läuft. Wenn man reinkommt, wird einem selbst hier ein Platz zugewiesen und es gibt selbstverständlich eine Kanne mit kaltem Wasser, die einem kostenfrei auf den Tisch gestellt wird.

19b_Speicher mit Inhalt.jpg

Und wie läuft das jetzt mit dem Bestellen und Bezahlen? Wenn man sich zur Tür dreht, sieht man rechts daneben einen Automaten, an dem man auf den ersten Blick nur das Wort "Ticket" lesen kann. Die Kanji oben links in gelb sagen im Prinzip dasselbe:
食券 - shokken, bestehend aus
食 - shoku oder shok- (Essen)
券 - -ken (Ticket)
also: Essensticket oder Essensmarke

19c_mit Automat.jpg

Hier bezahlt man also am Automaten und bekommt dann ein Ticket, das man dann der Bedienung gibt. Sehen wir uns das also aus der Nähe an, um festzustellen, was wir denn nun haben können und was es kostet.

19d_Automat für Nudeln.jpg

Es gibt also Ramen in den Geschmacksrichtungen "soy sauce" (Sojasoße), "salt" (Salz) und "soybean paste" (Sojabohnenpasta aka Miso) oder auf Japanisch shōyu, shio und miso. Und was will uns der Rest der Knöpfe sagen? Von oben nach unten gibt es: Ramen (Standard), Ramen (große Portion), Ramen (mit extra Fleisch) und Ramen (große Portion mit extra Fleisch). Und das dann eben in der jeweils drüber stehenden Geschmacksrichtung (das bezieht sich immer auf die Suppe). Die vierte Spalte sind Tanmen (Nudeln mit gebratenem Gemüse) und unten Menma Ramen (mit Bambussprossen). In der rechten Spalte gibt es alles als Set (mit Reis, siehe Bild oben rechts), ansonsten gibt es noch Reis und Bier. Fertig. Und zumindest die Preise können wir auch so lesen.

Wir haben also Tickets für dreimal Ramen und einmal Bier aus dem Automaten gezogen und der Bedienung gegeben. Jedes Essen oder Getränk ist dabei ein Ticket, bezahlt werden kann hier dann nur mit Bargeld. Der Automat nimmt 500/100/50/10 Yen-Stücke und 1000 Yen-Scheine (das Restaurant wechselt aber 10000 und 5000 Yen-Scheine in 1000er). Dann haben wir uns hingesetzt und erst einmal kostenloses Wasser getrunken. Das Bier kam auch schnell. Wir mussten aber auch nicht lange auf die Speisen warten, weil die Suppen natürlich fertig waren und nur noch die Nudeln fertig gekocht werden mussten. Damit hat man nach wenigen Minuten dann auch das Essen. Und was hatten wir jetzt?

Einmal Shio Ramen (Ramen mit Suppe auf Salzbasis):

19e_Shio Ramen.jpg

Und zweimal Shōyu Ramen (Ramen mit Suppe auf Sojasoßenbasis):

19f_Shoyu Ramen.jpg

Ich habe es ja versucht, aber keiner meiner Eltern wollte sich zu Miso Ramen (mit Suppe auf Misobasis) überreden lassen. Die Suppe ist etwas rötlicher und etwas schärfer, aber ich kann sie euch leider nicht zeigen, weil zweimal Ramen für mich dann doch zu viel gewesen wären.
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Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

Japan is definitely beautiful. Maybe I'll visit in my next life ...

Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

20. Ein bisschen Sumo für Zwischendurch

Für alle, die bisher fleißig durchgehalten haben, gibt es heute einen kleinen, unerwarteten Beitrag mit Sumobezug. Ich bin auch zufällig drüber gestolpert, also darf es euch heute genauso gehen. Eigentlicht wollten wir nur ins Fukagawa Edo Museum, da waren wir 2011 schon, daher bin ich nicht davon ausgegangen, dass sich dort Adventskalenderwürdiges finden lassen würde, aber schon am Eingang gab es einen Hinweis, dass sich etwas geändert hatte.

20a_Museum plus.jpg

Das grüne Banner links ist für das Fukagawa Edo Museum (oder: 深川江戸資料館, Fukagawa Edo Shiryōkan). Da wollten wir hin. Und das blaue Banner rechts kündigt das Yokozuna TAIHO Celebrated Corner an (in unnachahmlicher Englischübersetzung, auf die vermutlich kein Engländer kommen würde). Was also steht auf Japanisch? 横綱大鵬顕彰コーナー - Yokozuna Taihō kenshō koonaa. Yokozuna Taihō ist selbsterklärend und koonaa ist katakana-Englisch für Corner. Und kenshō? Sind hier nicht die Umschläge mit Geld von Sponsoren (das schreibt sich auch anders), sondern bedeutet Würdigung, öffentliche Auszeichnung. Foglich die Yokozuna Taihō Würdigungsecke. Also, rein da.

In der sumorelevanten Ecke sieht man auch gleich, um wen es hier geht. In voller Lebensgröße, damit man sich korrekt mit ihm fotografieren lassen kann. Steht auf dem Schild rechts unten. Man kann ihn aber auch einfach so vor seiner Ecke fotografieren.

20b_plus Taiho.jpg

Und was gibt es nun? Was so zu erwarten war: Vor allem viele Memorabilia und lange, überwiegend japanische Texte zu seinem Werdegang und seinen Erfolgen. Ich bleibe hier mal bei den dinglichen Ausstellungsstücken.

20c_Erinnerungsstücke.jpg

Und wer schon immer den mage sehen wollte, der Taihō bei seiner danpatsushiki am 2.10.1971 abgeschnitten wurde, der liegt auch da.

20d_ab mit dem Zopf.jpg

Daneben gibt es aber auch Erinnnerungen an ihn als shisho wie das Originalschild des Taihō-beya (das sich leider aus keiner Richtung ohne Spiegelung fotografieren ließ).

20e_Schild mit Hindernissen.jpg

Man kann sich aber nicht nur größenmäßig mit dem großen Meister messen, sondern auch seine Hand mit der von Taihō vergleichen. Laut Beschreibung ist das tegata in Originalgröße. Meine Hand hingegen ist etwas unterdimensioniert.

20f_Hand on Hand.jpg

Und wenn man dann ein paar Schritte zurücktritt, um sich die Ecke mit etwas Abstand anzusehen, schiebt sich jemand anders ins Bild. Das ist dann wohl die Abteilung Taihō als Familienvater oder in diesem Fall eher als Familiengroßvater. Auf der Banzuke sind übrigens alle drei Enkel von Taihō, die im Ōzumo unterwegs sind, markiert.

20g_Klein aber Oho.jpg

Warum Taihō jetzt ausgerechnet hier eine Würdigungsecke bekommen hat, schließlich wurde er nicht gerade um die Ecke geboren? Weil sein Heya um die Ecke war. Damit ist er natürlich praktisch ein Eingebohrener.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

21. Eine Fahrt zum Ende des Regenbogens

Willkommen im Endspurt auf Weihnachten und willkommen zum ersten Teil der Rainbow Trilogie, die ich heute beginnen werde. Was das heißen soll? Das sehen wir später.

Zunächst sind wir in Asakusa und warten auf den Bus, nicht irgendeinen Bus, sondern den Wasserbus auf dem Sumidagawa. Und das Schiff, das wir heute nehmen werden, ist kein ordinärer Wasserbus, sondern eines, das man am besten vorbucht, denn sowohl Schiff als auch Strecke werden nicht sehr oft am Tag gefahren. Denn heute fahren wir nicht die Standardstrecke Asakusa - Hama Rikyuen, sondern wir fahren deutlich weiter bis in die Bucht von Tōkyō. Doch erst einmal zu unserem Schiff, denn das befindet sich gerade in der Anfahrt zum Anleger in Asakusa und es sieht irgendwie futuristisch aus. Dieses Schiff, die Emeraldas, genauso wie sein Schwesterschiff, wurde nämlich von einem japanischen Manga-Künstler, Leiji Matsumoto, designed.

21a_Wasserbus mal anders.jpg

Und wenn ihr euch fragt, was das für eine Platte oben drauf ist, dazu kommen wir später.

Erst einmal steigen wir ein und sehen, dass das Schiff auch innen wenig mit einem Bus zu tun hat. Die klassischen Wasserbus-Schiffe haben Bänke, hier haben wir Stühle und nur wenige Tische. Dafür hinten eine Bar, die auf dem Foto aber nicht zu erkennen ist.

21b_wenn das kein Bus ist.jpg

Wir sitzen an der Seite und sehen daher weniger von unten die Brücken, sondern sehen durch die Fenster zur Seite raus. Wir konzentrieren uns heute also mehr auf die Ufer des Sumida. Und hier sehen wir mal wieder, dass Tōkyō nicht nur aus Wolkenkratzern und anderen Hochhäusern besteht, sondern aus Häusern aller Größen und Architekturstilen. Da steht das moderne, superschmale Einfamilienhaus direkt vor dem zehnstöckigen Mietshaus. Hier wird gebaut, wo es geht.

21c_klein bis groß.jpg

Und dann lernen wir, was die Platte oben auf unserem Schiff ist, denn irgendwann wird im hinteren Ende des Schiffes eine Treppe geöffnet und schon steht man oben auf einer Aussichtsplattform auf dem Schiff. Und plötzlich klappt es auch wieder mit den Brücken, aber wenn man auf der Plattform herumgeht, kann man bequem in jede Richtung sehen.

21d_oben auf.jpg

Aber am Ende des Tages oder eher kurz vor Ende der Reise sind wir dann in der Bucht von Tōkyō, fast schon unterhalb der Rainbow Bridge, die unserer Trilogie ihren Namen gegeben hat. Wir werden also in den folgenden Tagen noch mehr von dieser Brücke sehen.

21e_der Regenbogen.jpg


Die Rainbow Bridge in Tōkyō (es gibt weltweit noch mehr Rainbow Bridges) überspannt die ersten Ausläufer der Bucht von Tōkyō, kurz nach der Mündung des Sumidagawa in die Bucht. Sie verbindet das Festland von Tōkyō mit der künstlichen Insel Odaiba, aber dazu werden wir morgen mehr lernen. Heute drehen wir uns noch einmal um und sehen die Skyline von Tōkyō, bevor wir unter einem Ausläufer der Rainbow Bridge hindurchfahren.

21f_Tokyo mal klein.jpg

Und was uns auf der anderen Seite erwartet, das sehen wir morgen im zweiten Teil der Rainbow Trilogie.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

22. Am Kanonenstand

Und wo hat uns unser Manga-Schiff nun hingebracht? Lasst uns noch einmal von der Aussichtsplattform sehen, nachdem wir unter der Rainbow Bridge hindurch sind. Ist schließlich Teil 2 der Rainbow Trilogie. Das ist unser Ziel: die künstliche Insel Odaiba.

22a_fast da.jpg

Auf der rechten Seite erhebt sich das Hilton Tokyo Odaiba und direkt dahinter das Grand Nikko Tokyo Daiba (beides Hotels). In der Mitte, das Gebäude mit der Kugel, ist der Sitz von Fuji TV, einem japanischen Fernsehsender. Und der Turm links gehört zu Joypolis, einem Indoorfreizeitpark mit Einkaufsmöglichkeiten. Was sagt uns das alles? Odaiba ist heute ein Entertainmentzentrum. Es gibt aber auch Museen wie die Miraikan, wörtlich die Zukunftshalle, Japans Nationales Museum für Zukunftsforschung und Innovation. Also alles, was man für ein Tagesausflug so braucht.

Die Geschichte von Odaiba und auch der Name haben ihren Ursprung jedoch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, nach der erzwungenen Öffnung Japans durch die US-Amerikaner. Daiba (台場) ist ein Kanonenstand und das Tokugawa-Shogunat baute eine Reihe von künstlichen Inseln mit Kanonenständen in der Bucht von Tōkyō. Nach dem Abschluss eines Freundschaftsvertrages mit den USA waren die Kanonenstände hinfällig und die noch ausstehenden Bauarbeiten wurde eingestellt (außerdem war das deutlich kostengünstiger). Die meisten der künstlichen Inseln wurden im Laufe der Zeit eingestampft, bis in die 1970er waren nur noch zwei von fünf fertiggestellten Inseln übrig und eine wurde mit einer anderen, deutlich größeren Aufschüttung verbunden und das Ergebnis Odaiba genannt. Dieses wurde in den 1980ern als Businessviertel entwickelt, mit der Wirtschaftskrise Anfang der 1990er hatte sich das aber erledigt und die 10 Mrd. Doller für die Entwicklung waren erst einmal in den Sand gesetzt. Ab 1996 wurde die Insel dann für Entertainment eröffnet und damit begann die Entwicklung für das, was wir heute sehen.

Die Rainbow Bridge verbindet Odaiba mit dem Festland von Tōkyō und ist auf dieser Seite der Insel natürlich prominent zu sehen.

22b_Regenbogen des Tages.jpg

Odaiba hat auch den einzigen Strand auf dem Stadtgebiet von Tōkyō. Man darf dort allerdings nicht schwimmen, aber zumindest gibt es Sand und man kann wohl Beach Volleyball spielen. Also im Sommer, als wir da waren eher nicht.

Man darf auf Odaiba zwar nicht im Meer schwimmen, aber im Meer angeln ist OK. Solange man sich an die abgesteckten Bereiche hält.

22c_aber nicht den Fischen sagen.jpg

Jetzt müssen wir nur hoffen, dass die Fische das nicht mitbekommen. Oder dass sie es mitbekommen, je nachdem, auf wessen Seite ihr seid.

Odaiba hat aber neben dem einzigen Stadtstrand in Tōkyō auch die einzige Freiheitsstatue in Tōkyō. Das Foto mit Freiheitsstatue und der Rainbow Bridge hatten wir schon einmal 2010, aber doppelt hält ja bekanntlich besser.

22d_wirklich Tokyo.jpg

Wir laufen etwas weiter über Odaiba und sehen, dass hier tatsächlich mal Platz ist. Sonst ist Tōkyō ja eher ziemlich eng bebaut. Außerdem gibt es obskure Kunst am Weg und moderne Architektur. Und über allem kann man die Flugzeuge aus Haneda starten sehen.

22e_Kunst.jpg

Als letztes heute werfen wir noch einen Blick von der Seite auf das Fuji TV Gebäude, die vermutlich bekannteste Architektur auf der Insel. Von vorne bekommt man es nur vom Wasser her, sonst steht Aqua City, eine Mall, davor.

22f_fast weg.jpg

Irgendwann muss ich mal früher nach Odaiba kommen und hier mal das ein oder andere Gebäude von innen besichtigen, aber für heute bereiten wir uns auf den Rückweg vor. Auf dem letzten Foto konnte man schon sehen, wie wir das machen, wenn man es richtig interpretiert. Für alle anderen sehen wir das morgen im letzten Teil der Rainbow Trilogie.
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Watashi
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

23. Über den Regenbogen

Nachdem wir jetzt die Rainbow Bridge von der einen Seite gesehen haben, drunter durch gefahren sind und sie von der anderen Seite betrachtet haben, was fehlt jetzt noch? Zum Abschluss unserer Rainbow Trilogie fahren wir über die Rainbow Bridge. Man kann tatsächlich auch zu Fuß darüber gehen, aber das war mit meinen Eltern nicht machbar. Das werde ich wohl in den nächsten Jahren mal nachholen.

Wenn wir nicht laufen, wie fahren wir dann? Auto? Bus? Nein, wir nehmen die Lachmöwe. In anderen Worten, wir steigen auf Odaiba in einen Zug der Yurikamome Line. Und yurikamome heißt Lachmöwe, der Präfekturvogel von Tōkyō. Wobei der formale Name 東京臨海新交通臨海線 (Tōkyō Rinkai Shinkōtsū Rinkai-sen) ist, auf englisch: Tokyo Waterfront New Transit Waterfront Line. Also, steigen wir ein. Die Strecke konnte man gestern auf dem letzten Foto schon von rechts durchs Bild laufen sehen.

23a_Hello Yurikamome.jpg

Die Yurikamome Line wurde 1995 eröffnet, als die Befürchtung war, dass Odaiba niemals wirklich genutzt werden würde. Und damit wäre die Yurikamome Line nur eine weitere milliardenschwerde Fehlinvestition. Aber mit der Umwidmung von Odaiba als Entertainment-Bezirk hat sich auch die Auslastung der Zuglinie positiv entwickelt, so dass die Strecke in der Folge sogar verlängert wurde.

Und in was für einem Zug sitzen (oder stehen) wir jetzt? Sehen wir uns die Strecke etwas genauer an.

23b_auf die Straße.jpg

Und wir sehen, das wir nichts sehen, zumindest keine Schienen. Die Yurikamome ist kein Schienenfahrzeug, sondern läuft auf Reifen und wir durch die Außenwände in der Spur gehalten. Und mit dieser Strecke fahren wir jetzt auf die Rainbow Bridge. Doch zuvor sagen wir noch schnell Auf Wiedersehen zu Odaiba. Ich werde zurückkommen. Und wenn ihr nicht lautstark protestiert, ihr dann irgendwann vielleicht auch. Zumindest im Adventskalender.

23c_Goodbye Odaiba.jpg

Mitten auf der Rainbow Bridge begegenen wir eine Bahn aus der Gegenrichtung und können sehen, dass wir uns unsere Etage der Brücke außerdem mit einer Straße teilen. Und hinter der Straße ist dann der Fußweg, den man auch gehen kann. Über uns ist eine weitere Etage, auf der eine Schnellstraße läuft. Das Schnellstraßensystem ist mautpflichtig, die Straße auf unserer Ebene ist mautfrei.

23d_Hello Rainbow Bridge.jpg

Hinter der Brücke macht die Strecke eine 270° Kurve, so dass wir wieder an der Rainbow Bridge vorbeifahren und uns angemessen von der namensgebenden Brücke der letzten drei Tage verabschieden können.

23e_Goodbye Rainbow Bridge.jpg

Und am Ende laufen wir in die Endhaltestelle in Shimbashi ein, wo wir dann in die JR Yamanote Line umsteigen können.

23f_Goodbye Yurikamome.jpg

Und hier sehen wir auch etwas, was meinen Eltern gar nicht aufgefallen ist, denn: Wer ist eigentlich der Fahrer? Die Frau, die links steht, der Mann, der rechts einfach sitzt, ohne irgendwas zu steuern? Nein, die Yurikamome ist vollautomatisch und fährt ohne Fahrer.
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Watashi »

24. Ein Weihnachtsbaum in Ehren, oder auch mehrere

Und mit diesem Posting geht unser diesjähriger Adventskalender schon wieder zu Ende. Was wird es sein? Leider konnte ich keinen großen, eindrucksvollen Weihnachtsbaum finden, deshalb musste ich etwas downsizen.

Wir gehen heute zu Francfranc (lies: franfran), ein japanisches Unternehmen, das Möbel und Dekoartikel verkauft. Und das ist schon im Oktober voll auf Weihnachten getrimmt. Zum Glück für den Abschluss meines Adventskalenders. Wir fangen erst einmal klein an, mit drei kleinen, definitiv künstlichen Weihnachtsbäumen unter einem Weihnachtsplakat des Unternehmens vor dem Geschäft.

24a_kleine Bäume.jpg

Wem die drei zu klein sind, für den habe ich fast das gleiche Set, nur eine oder zwei Nummern größer: Und für Ausländer u.U. sogar Tax Free (es gibt einen Mindesteinkaufswert, ab dem das Unternehmen Tax Free Shopping anbietet, steht nur der eine Baum davor).

24b_größere Bäume.jpg

Und wenn die Bäume euch immer noch zu klein sind, können wir noch einmal upgraden. Es wird grüner, aber nicht weniger künstlich. Dafür mit einer beeindruckenden Baumspitze.

24c_großer Baum.jpg

Ihr wollt es eher skurril? Wie wäre es mit einer Weihnachtsmütze oder einem Weihnachtsbaum, die Musik spielen und laufen?

24d_Musik und Bewegung.jpg

Ansonsten könnt ihr gerne einmal selbst über den Shop sehen, was es sonst noch so gibt. Aber vorsicht: Wer auf Kitsch allergisch reagiert, braucht vielleicht einen virtuellen Epipen.

24e_Panorama.jpg

Das Geschäft ist übrigens in Ikebukuro im Erdgeschoss (oder auf japanisch 1. Stock) von Sunshine City.

Und damit verabschiede ich mich von meinen Lesern. Ich wünsche euch noch schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Wir sehen uns hoffentlich im Januar zum nächsten Tippspiel.
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Jakusotsu »

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Konosato
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Konosato »

Sehr unterhaltsamer Kalender, danke Anke :D

Athenayama
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von Athenayama »

Thank you for another nice journey Lady !

One more question. Do you know why it is forbidden to bathe on the island ? Too polluted ? Too dangerous ? Other ?

Thanks !

tainosen
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Re: 2025 - Ihr wollt einen Adventskalender?

Beitrag von tainosen »

wie immer kurzweilig und heimelig - sehr schön.
Wo Elefanten sich bekämpfen, hat das Gras den Schaden.

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