Und wieder ein Adventskalender - 2013

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

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Watashi
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Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

Liebe Forumsgemeinde,

es ist der 1. Dezember und ich habe euch nicht vergessen, ich war nur etwas faul bisher. Aber natürlich will ich euch auch dieses Jahr nicht ohne Japan-Adventskalender stehen oder sitzen lassen. Also für alle, die sich neben Sumo auch für Japan interessieren, werde ich wieder versuchen, 24 Tage lang über japanische Sehenswürdigkeiten oder andere Dinge aus dem Land der aufgehenden Sonne zu berichten. Ich hoffe, ihr habt euren Spaß daran.

Und hier ist die Karte, wenn alles geklappt hat (naja, ich arbeite daran).

Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

1. Okinawa Monorail - Yui Rail

Wir beginnen dieses Jahr mal ganz woanders, nämlich tief im Süden, so weit im Süden, wie wir noch nie waren, nämlich auf Okinawa. Der Grund ist einfach: Ich war dieses Jahr erstmals auf Okinawa und habe so einige mögliche neue Türchen zu schreiben. Also macht euch schon einmal auf einen mehrtägigen Aufenthalt gefasst.

Okinawa ist sowohl der Name der Präfektur als auch der Hauptinsel der Präfektur. Nur die Hauptstadt heißt anders, nämlich Naha. Hier beginnen wir am Flughafen, über den man in der Regel auf der Insel ankommt (es gibt natürlich auch noch Häfen und andere Flughäfen) und hier werden wir etwas Ungewöhnliches machen: Wir werden alle Schienenkilometer, die es auf Okinawa gibt, in einem Rutsch abfahren. Das ist deshalb so einfach, weil Okinawa die einzige Präfektur ohne S-, U-, Straßen- oder normaler Bahn ist. Das einzige Schienenfahrzeug, das Okinawa zu bieten hat, ist die Okinawa Monorail, auch als Yui Rail bekannt. Diese startet am Flughafen und endet nach 12,84 km und 15 Stationen (es ist eine Verlängerung um 4,1 km geplant, aber das wird vor 2019 nichts). Also steigen wir ein und fahren los.
1 Monorail Rail.jpg
Bis zum zweiten Weltkrieg hatte Okinawa drei richtige Bahnstrecken (OK, sehr schmale Schmalspurbahnen, aber immerhin). Diese wurden allerdings in der Schlacht um Okinawa im Sommer 1945 komplett zerstört, wie ein Großteil der Insel auch. Und so ist Okinawa heute die einzige Präfektur, deren Verkehr fast ausschießlich über das Auto abgewickelt wird.

Aber zurück zur Monorail: Diese fährt quer durch die Stadt auf Stelzen, so dass darunter Straßen, Fußwege oder Flüsse Platz haben. Das hat auch den Vorteil, dass die Monorail-Strecke von vielen Punkten der Innenstadt aus gesehen werden kann, so dass ein Richtungslegasteniker wie ich sich daran orientieren kann.
1 Monorail von unten.jpg
Von der Monorail sieht man die Innenstadt von Naha und stellt fest, dass es so auf den ersten Blick keinen großen Unterschied zu anderen japanischen Städten gibt. Die Palmen, die immer wieder zu sehen sind, sind jedoch ein Hinweis darauf, dass wir uns nicht mehr auf dem japanischen "Festland", sondern auf den subtropischen südlichen Inselgruppen befinden.
1 Monorail Bahnhof.jpg
Und morgen sehen wir uns an, wo die Monorail uns hingebracht hat.
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Metzinowaka
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Metzinowaka »

Es gibt Traditionen, die sind einfach nur richtig gut. Der "japanische" Adventskalender ist eine davon.

Vielen, vielen Dank im voraus an Watashi hierfür.

mischashimaru
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von mischashimaru »

:Chinese :applaus
mischashimaru

Heute ist nicht alle Tage - ich komm' wieder, keine Frage!

Konosato
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Konosato »

Ich habe mein Abonnement wieder eingelöst und warte interessiert auf die Fortsetzung.

Profomisakari
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Profomisakari »

Einmal mehr: Danke, Anke!

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tainosen
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von tainosen »

schön schön!!!
Wo Elefanten sich bekämpfen, hat das Gras den Schaden.

Tsubame
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Tsubame »

Bitte mehr! :D :applaus

Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

2. Shuri-jo - Japanische Burg einmal anders

Die Endstation der Yui Rail ist Shuri. Heute ist Shuri ein Teil der Stadt Naha, früher waren Naha und Shuri hingegen zwei unterschiedliche Städte. Naha war die Hafenstadt, in der die Kaufleute lebten, und Shuri die Burgstadt und Regierungssitz des Königreichs Ryukyu. Bis 1872 war Okinawa nämlich ein (mehr oder weniger) unabhängiges Königreich, Ryukyu, und wurde erst dann zum Teil des japanischen Kaiserreichs als Präfektur Okinawa.
1896 wurde Shuri dann zum Stadtteil von Naha, nunmehr die Hauptstadt der Präfektur Okinawa, 1921 wurden beide wieder getrennt, 1954 schließlich endgültig zu Naha verschmolzen. Heute ist Shuri eine Haltestelle der Yui Rail und der Stadtteil mit der höchsten Weltkulturerbedichte auf Okinawa. Seit 2000 gehören die gusuku (okinawanische Burgen) und damit zusammenhängende Stätten zum UNESCO-Weltkulturerbe, darunter Shuri-jo (die Burg von Shuri), Tamaudun (Grabmal der Ryukyu-Könige) und Sonohyan-utaki Ishimon, das Steintor eines alten Heiligtums, alle im Gebiet von Shuri. Wir sehen uns heute Shuri-jo, die Burg, an.

Shuri-jo wurde erstmals im 13. oder 14. Jahrhundert errichtet, mehrfach zerstört, wiederauf- und umgebaut. Im Zweiten Weltkrieg verlegte die japanische Armee ihr Hauptquartier in die Burg, was mit der fast vollständigen Zerstörung der Burg endete. Nur ein paar kleinere Burgtore konnte man überhaupt noch als solche identifizieren. Der Rest war komplett platt.
2 Shurijo Tor alt.jpg
Erst 1992, lange nach Ende des Krieges und etwa 20 Jahre nachdem Okinawa von den US-Besatzern an Japan zurückgegeben wurde, begann man mit dem Wiederaufbau der Burg nach alten Plänen, Bildern und Erinnerungen von Leuten, die die alte Burg noch kannten. Deshalb steht dort heute eine vollständige, umfassend verzierte Burg mit vielen Toren, Zugängen und Nebengebäuden. Auch unser Burgtor erstahlt in neuem Glanz.
2 Shurijo Tor neu.jpg
Den Mittelpunkt der Burg bildet ein Platz mit dem Hauptgebäude und zwei Nebengebäuden. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zu den normalen japanischen Burgen: Das Hauptgebäude ist knallrot gestrichen mit elaborierten mehrfarbigen Verzierungen, ein deutlicher Unterschied zu den sonst eher schlichten japanischen Burgen. Hier zeigt sich, dass Ryukyu ein ursprünglich unabhängiges Königreich war, das nicht nur japanischen EInflüssen, sondern mindestens so stark chinesischen EInflüssen ausgesetzt war. So war Ryukyu dem chinesischen Thron gegenüber lange Zeit tributpflichtig. Das Gebäude auf der rechten Seite zeigt hingegegen, dass Ryukyu ab dem 17. Jahrhundert von der japanischen Provinz Satsuma erobert wurde und jetzt auch zu Japan gehörte. Dieses Gebäude ist aus schlichtem, umlackierten Holz und wurde für japanische Zeremonien wie Neujahr genutzt. Chinesische Zeremonien hingegen wurden in dem Gebäude auf der linken Seite durchgeführt, das wie das Hauptgebäude knallrot gestrichen war und ansonsten auch als Verwaltungsgebäude diente.
2 Shurijo.jpg
Shuri-jo ist ein Zeichen der typischen Ryukyu-Kultur, die Einflüsse aus China und Japan aufgreift und zu einem eigenen Stil verschmilzt. Das zeigt sich nicht nur an der Burg, sondern auch sonst an vielen Ecken. Und dazu kommen noch Charakteristika, die typisch für Okinawa sind und sich in der Form weder in Japan noch in China finden.
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Jakusotsu
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Jakusotsu »

Wo ist der "Like" Button, wenn man ihn ausnahmsweise mal bräuchte?
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

3. Shisa - Aberglaube auf Okinawanisch

Dem geneigten Mitteleuropäer erscheinen Ostasiaten gerne sehr abergläubisch, so ziemlich alles kann Glück (oder Pech) bringen, jeder Tempel verkauft Glücksbringer und jede Gegend hat ihre eigenen Legenden. (Wobei ich vermute, dass mitteleuropäische Heiligenverehrung oder ähnliches den Ostasiaten vielleicht aus eher befremdlich vorkommt.)

Heute sehen wir uns so eine Legende an: Shisa (oder richtig: shiisaa, beide Vokale sind lang). Das sind Fabeltiere auf Okinawa, die irgendwo zwischen Löwe und Hund angesiedelt sind. Diese finden sich traditionell auf den Dächern, häufig über dem Eingang, von Häusern auf Okinawa, um Pech fern und/oder Glück im Haus zu halten. Häufig treten sie als Paar auf, einer weiblich, einer männlich. Einer hat das Maul geöffnet, einer geschlossen. Welcher dabei weiblich und welcher männlich ist, ließ sich für mich nicht endgültig klären, weil ich von unterschiedlichen Quellen unterschiedliche Aussagen zu dem Thema bekommen habe. Sicher ist wohl nur, dass es keine gleichgeschlechtlichen Paare zu geben scheint.
Den klassischen shisa kann man erst einmal in Freilichtmuseen oder über alten Häusern sehen. Ein gutes Beispiel findet sich beim Nakamura-ke, dem alten Haus der Familie Nakamura, das heute ein Museumshaus ist, wo man sich die traditionelle Bauweise und Ausstattung der Häuser gut situierter Bauern auf Okinawa ansehen kann.
3 Shisa klassisch.jpg
Die Familie Nakamura musste übrigens eine Sondergenehmigung beantragen, um überhaupt ein Ziegeldach bauen zu können (auf das sie dann den shisa setzen konnten). Normale Bauernhäuser hatten Reetdächer, Ziegeln waren nur den Reichen vorbehalten und mussten beantragt werden.
Bei den Nakamuras steht auch noch der alte shisa, der früher auf dem Dach war. Es gibt shisa also wirklich schon seit einer ganzen Zeit.
3 Shisa historisch.jpg
Doch die shisa sind keine rein historische Fußnote, vielmehr gibt es sie noch heute. Wenn man durch die Straßen von Städten oder Dörfern auf Okinawa geht, begegnen einem zum Teil auch auf modernen Häusern shisa. Auch wenn man vielleicht nicht mehr richtig daran glaubt, kann es nie schaden, auf Nummer Sicher zu gehen. Und schlecht sieht es ja auch nicht unbedingt aus.
3 Shisa modern.jpg
Und nicht nur auf den Dächern finden sich bis heute shisa. Auch an Eingängen oder Toren kann man die Viecher finden. Und einige scheinen nicht der klassischen Form zu entsprechen, sondern eher der Kreativität (und Geschicklichkeit) der Bewohner zu entstammen.
3 DIY Shisa.jpg
Ich wollte mir ja auch einen töpfern, aber die wollten ihn mir nicht nach Deutschland schicken, wenn er fertig getrocknet und gebrannt war. Deshalb habe ich es bei der Glasbläserei belassen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

4. Naval Underground Headquarters

Wir haben schon ein wenig von der Schlacht von Okinawa gehört, als es um die Zerstörung von Shuri-jo ging. Diese Schlacht war die letzte große Schlacht der Zweiten Weltkriegs. Okinawa war strategisch sehr wichtig für die US-Truppen als Stützpunkt für die potenzielle Invasion des japanischen Festlandes und für die Japaner als Verteidigungsbollwerk. Am Ende dauerten die Kämpfe drei Monate und endeten mit 12.500 Toten auf Seiten der Allierten, an die 100.000 Toten der japanische Truppen und mindestens noch einmal so viele Zivilisten (wobei die Grenze zwischen Soldaten und Zivilisten nicht immer eindeutig war). Nebenbei wurde die ganze Insel bombardiert und fast komplett zerstört und ganze Landstriche "umgestaltet". Und am Ende haben die Japanener natürlich verloren.

Insgesamt zeigen Museen etc. auf Okinawa eine eher realistische Einschätzung dieser Kämpfe. Die Rolle der Japaner wird durchaus negativ gesehen (vermutlich hilft es, dass die Einwohner von Okinawa sich von den Festlandsjapanern bevormudet und gezwungen fühlten) und es gibt keine übertriebende Heldenverehrung (Stichwort: ehrenhafter Selbstmord).
Dabei gibt es jedoch eine für den modernen MItteleuropäer eher unrühmliche Ausnahme: Das ehemalige Untergrundhauptquartier der Kaiserlichen Marine in einem Vorort von Naha. Hier ist der "japanische Geist" stark, der Selbstmord des Kommandanten wird gerühmt und auch sonst die Rolle des japanischen Militärs sehr positiv bewertet. Es wird beispielsweise nicht hinterfragt, ob die Japaner mit dem langen und blutigen Widerstand tatsächlich etwas gewonnen haben.

Wenn man dann aber in die alten Tunnel des in dern Felsen betriebenen Hauptquartiers hinabsteigt, merkt man schon, dass das ganze so rühmlich wohl nicht war, sondern eher sehr bedrückend. Und das schon, ohne dass in den Gängen wo immer möglich verletzte und ausgezehrte Soldaten sitzen.
4 Naval Underground Tunnel.jpg
Der einzige, der es halbwegs gut getroffen hatte, war der Kommandant. Der hatte sein eigenes "Zimmer", sogar mit Möbeln (und einem eigenen MIni-Schrein). Dort konnte er es relativ lange aushalten, um am Ende Selbstmord zu begehen, nachdem er noch ein etwas verstörendes Telegramm abgesetzt hatte.
4 Naval Underground Kommandant.jpg
Überhaupt wird Selbsttötung hier ganz groß geschrieben. In einem Raum, der von normalen Offizieren genutzt wurde, sieht man heute noch die Splitter einer Handgranate, mit der sich ein Offizier hier kurz vor Ende des Krieges selbst getötet hat. Natürlich ist das Teil der japanischen Geschichte, aber aus meiner Sicht hätte man das etwas differenzierter aufbereiten können.
4 Naval Underground Granate.jpg
Richtig verzockt hatten sowieso die normalen Soldaten, die im Flur sitzen mussten, aber auch Unteroffizieren, die sich zusammen in ziemlich kleine Ecken quetschen mussten. Zum Teil war es wohl so end, dass die armen Kerle nur noch stehend in die Nischen passten und so auch zu schlafen versuchen mussten.
4 Naval Underground Unteroffiziere.jpg
Insgesamt bin ich ganz froh, dass ich mir das ganze nur als Tourist ansehen konnte. Es ist ein interessanter Teil der japanischen Geschichte, aber einer, den man etwas differenzierter und neutraler aufbereiten könnte, aber so etwas wollte ich auch einmal vorstellen.
Und morgen wird es wieder netter. Versprochen.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

5. Im Zentrum der Aufmerksamkeit

Heute verlassen wir Okinawa oder besser, wir arbeiten daran. Auf dem Flughafen möchte ich euch nämlich noch etwas zeigen: Im März und im August findet man unverhofft auf Regionalflughäfen wahre Menschen- und Presseaufläufe.
5 Menschenauflauf am Flughafen.jpg
Und wer sind diejenigen, die in der Mitte der Menschenmenge stehen? Nein, es ist nicht die japanische Nationalmannschaft im Fußball, Baseball, Volleyball oder auch nur Rugby (letztere übrigens bekannt als die "Cherry Blossoms", also die Kirschblüten). Es ist nicht mal eine der Jugendnationalmannschaften. Es ist "nur" das lokalen High School Baseball Team, das die Präfektur bei den nationalen High School Baseball Meisterschaften, die zweimal im Jahr im legendären Koshien Stadium (Präfektur Hyogo) stattfinden, vertritt. Diese werden jeden Tag live bei NHK (oder NHK Education) übertragen und tatsächlich im ganzen Land aufmerksam verfolgt. Es gibt ganze Zeitschriften, die sich nur mit High School Baseball beschäftigen, die Spieler sind in ihren Regionen Stars, die besten gehen später direkt in die japanische Profiliga (und das ist, allen Fußballfanatikern zum Trotz, immer noch das Nonplusultra der japanischen Sportligen). Und so stehen eben auch auf Okinawa die Spieler der jeweils auf Präfekturlevel siegreichen Mannschaft im Fokus der Aufmerksamkeit.
5 Grund des Menschenauflaufs.jpg
Und dann verabschieden wir uns von Okinawa, den alten Traditionen, den Gebäuden, den Palmen, dem Meer und dem guten Wetter (seufz). Wir steigen ins Flugzeug und machen uns auf in Richtung japanisches Festland, aber wir werden nächstes Jahr wieder kommen, ich habe noch genug für mindestens drei Jahre (falls ich nicht wegen konsequent unzureichender Kampfauswahl als gyoji aus dem Forum fliege).
5 Und auf und davon.jpg
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

6. Von Bergholländern und anderen Ausländern

Der moderen Deutsche hat es einfach, nach Japan einzureisen: hinfliegen (oder mit dem Schiff hinfahren), aus dem Flieger (oder Schiff) steigen und 90 Tage-Einreiseerlaubnis in den Pass kleben lassen. Fertig. Und das geht an vielen Häfen und Flughäfen über das ganze Land verteilt (und es werden eher mehr).

Vor 200 Jahren war das schon bedeutend schwieriger, denn Ausländer waren in Japan weitgehend verboten. Eigentlich durften nur Niederländer ins Land, wobei "ins Land" relativ ist. Unter normalen Umständen durften nämlich auch diese Niederländer nur auf einer winzigen künstlichen Insel in der Bucht von Nagasaki wohnen, auf Dejima (ja, schreibt sich wie der ehemalige Ozeki).
Heute ist Dejima schon lange keine Insel mehr, die Stadt hat sie langsam umschlossen. Und so liegt das Dejima-Museum mitten in Nagasaki und kann bequem mit der Straßenbahn erreicht werden. Und heute können alle Touristen, unabhängig von der Staatsangehörigkeit, durch die wenig japanisch anmutende Hauptstraße bummeln.
6 Ausländerviertel - Hauptstraße.jpg
Niederländer galten als unverdächtlich, was christliche Missionstätigkeit angeht, eine Nebenbeschäftigung, die Spanier und Portugiesen die Aufenthaltserlaubnis gekostet hat. Trotzdem durften die Niederländern selbst auf Dejima eine kleine Kirche haben und Gottesdienste feiern. Dafür wurden aber die Japaner, die auf die Insel durften, streng kontrolliert, um auf Nummer Sicher zu gehen.
6 Ausländerviertel - komplett mit Kirche.jpg
Von Deutschen war eigentlich nie die Rede. Es gab aber ein paar Deutsche, die es trotzdem geschafft haben, nämlich als Angestellte in Diensten der Niederländer. Die Japaner konnten offenbar nicht zwischen den unterschiedlichen Mitteleuropäern unterscheiden und so konnten sich ein paar deutsche Ärzte über die Jahrzehnte und Jahrhunderte einschleichen. Einer von ihnen war der Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold aus Würzburg. Als dieser auf seinen merkwürdigen Akzent, den er im NIederländischen hatte (der gute Mann kam schließlich aus Bayern), angesprochen wurde, antwortete er, es sei eben Bergholländer (und meinte damit keine Windmühle). Von mitteleuropäischer Geographie verstanden die Japaner damals offenbar glücklicherweise auch nichts.

Aber damit die Niederländer (oder diejenigen, die sich dafür ausgaben) bei all dem nicht vergaßen, wo sie waren, gab es auf der Insel einen kleinen Garten mit japanischen Pflanzen. Damit könnte der Naturforscher Siebold seine Aufzeichnungen über die japanische Tier- und Pflanzenwelt begonnen haben, für die er berühmt wurde.
6 Ausländerviertel - Japanischer Garten.jpg
Später durfte Siebold zum Shogun nach Edo reisen und nutzte diese Reisen, um weitere Aufzeichnungen zu machen. Leider sammelte er aber nicht nur Flora und Fauna, sondern auch Landkarten, was Ausländern streng verboten war, und so wurde er schließlich 1829 auf Lebenszeit aus Japan verbannt, was ihn nicht daran hinderte nach Öffnung des Landes 1859 wiederzukommen. Zäh, diese Bergholländer.
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

7. Auf dem Rücken der Schildkröte

Wir bleiben noch einen Tag in Nagasaki und machen mal wieder was richtig Japanisches und besuchen einen Tempel. Und der Tempel des Tages ist der Fukusai-ji. Dieser wurde ursprünglich 1628 erbaut (allerdings noch in anderer Form) und stand dann auf den Hängen von Nagasaki bis 1945. Dann hatte Nagasaki echtes Pech und wurde durch die Atombombe zerstört, die eigentlich für Kokura (oder sogar Niigata) bestimmt war. Und dann erwischte man wegen der vielen Wolken auch nicht die Schiffswerften, die das eigentlich Ziel sein sollten, sondern einen Teil der Innenstadt. Dabei wurde auch der Fukusai-ji durch das Feuer der Bombe zerstört und blieb erst einmal in Schutt und Asche liegen.

Erst 1979 wurde der Tempel wieder neu aufgebaut. Am Eingang hängt jetzt ein große Glocke, die jeden Tag um 11.02 Uhr geschlagen wird, weil das die Zeit ist, zu der die Atombombe über der Stadt explodierte.
7 Fukusaiji Eingang.jpg
Das ist aber nicht das ungewöhnlichste am Fukusai-ji. Es gibt viele Tempel mit Glocken (wobei der Elefant schon irgendwie selten ist). Und auch das Tempelhaus, wo normalerweise der Priester lebt, ist nicht unbedingt ungewöhnlich. Aber es sieht zumindest sehr japanisch aus und hat eine schöne Palme, die uns zeigt, wie weit wir im Süden sind.
7 Fukusaiji Tempelhaus.jpg
Was den Fukusai-ji besonders macht ist zum einen das riesige Foucaultsches Pendel, das im Inneren hängt (aber leider eine Auszeit nahm, als wir da waren) und zum anderen das Tempelgebäude selbst. Aber seht selbst:
7 Fukusaiji die Schildkröte.jpg
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

8. Beppu - Hauptstadt der Onsen

Wir bleiben auf Kyushu, reisen aber vom Westen in den Osten nach Beppu, eine sehr beliebte Touristenstadt, insbesondere bei Japanern. Dabei hat Beppu weder tolle Tempel wie in Kyoto noch einen großen Buddha wie in Nara oder auch nur viele Museen wie in Tokyo. Nein, Beppu hat nur Heiße Quellen, die sogenannen onsen, dafür aber unendlich viele onsen.

Der Legende nach grub ein Gott eine lange Leitung zur Dogo Onsen in Matsuyama, um einem Kollegen die Genesung von einer Krankheit zu ermöglichen. Historisch überliefert ist zumindest, dass im 13. Jahrhundert Krieger, die im Kampf gegen die Mongolen (mehr dazu in einem späteren Posting) verwundet wurden, hier ihre Verletzungen kurrierten. Richtig Fortschritt als Kurort machte Beppu aber erst in der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, als mit neuen Bohrungen immer mehr onsen erschlossen wurden und parallel dazu der Ort für den (Massen)Tourismus ausgebaut wurde.

Heute gibt es Heiße Quellen an allen Ecken und Enden und wenn man über die Stadt blickt, sieht man überall die Dampfschwaden hängen, die aus den onsen austreten.
8 All überall Onsen.jpg
An manchen Ecken sieht man die Stadt vor lauter Dampfwolken nicht.
8 Durch den Dampf.jpg
Und daher hat natürlich jedes noch so kleine oder billige Hotel oder Hostel in Beppu sein eigenes onsen-Bad. In der Regel sind das nach Geschlechtern getrennte Bäder, die allen Gästen des Hotels offen stehen. Bei kleineren zum Teil ein Bad, das Frauen und Männer zeitlich getrennt nutzen können. Bei größeren gibt es auch Familienbäder, die man für eine bestimmte Zeit mieten kann, um unter sich zu sein. Und wenn man genug Geld investiert (oder ziemlich viel Glück bei der Buchung hat), hat man sogar sein eigenes Bad mit onsen-Zugang im eigenen Zimmer, um nach Herzenslust baden (und fotografieren) zu können.
8 Mein kleines Onsen.jpg
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

9. Genko - Mongolen vor den Toren

Gestern hatten wir ja schon einen, kurzen Hinweis darauf, worum es heute gehen soll: Um die Mongolen in Japan oder besser den Versuch einer (oder genauer: zweier) Mongoleninvasionen, die 元寇 genkô.

GEN - sind die Mongolen
- ist die Invasion (oder der Feind, der Hass oder der Niedergang), der Begriff spricht also für sich selbst.

Nachdem Kublai Khan, der Enkel von Dschigis Khan, schon das chinesische Reich erobert hatte, dachte er sich, Japan würde sich auch ganz gut in seinem Portfolio machen, und baute eine Invasionsflotte. Nun sind Mongolen als Reitervolk nicht unbedingt hochseetüchtig und so mussten die eroberten Chinesen und Koreaner ihnen 1274 erst einmal die Schiffe bauen und dann auch noch einen Großteil der Truppen stellen. Aufgrund des Zeitdrucks und vielleicht auch der fehlenden Motivation waren die Schiffe allerdings qualitätiv minderwertig, ein Problem, das sich später noch rächen sollte.
Die mongolische Flotte fuhr also los und erreichte Japan auch recht zügig. Die Mongolen gingen in der Bucht von Hakata (dem heutigen Fukuoka) an Land und waren den Japanern nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem auch strategisch und taktisch deutlich überlegen. So kämpften die Mongolen in Schlachtordnung und auf Pferden, während die Japaner noch auf ehrenhaften Mann gegen Mann-Kampf eingestellt waren. Jedoch hatten die Mongolen Probleme mit dem Nachschub, weswegen sie sich nach ersten Gewinnen wieder zurückzogen und schließlich zog auch noch ein fieser Taifun auf, der einen nicht unerheblichen Teil der mongolischen Leichtbauflotte vernichete. Daraufhin zogen die Mongolen sich erst einmal wieder aufs Festland zurück.

Die Japaner aber trauten dem Frieden nicht und begannen, sich auf eine neuerliche Invasionen einzustellen. Dazu bauten sie einen 20 km langen Schutzwall entlang der Bucht von Hakata, updateten ihre strategischen Fähigkeiten und zogen Truppen zusammen.
Der Schutzwall, der 元寇防塁 genkô bôrui, ist heute nur noch an wenigen Ecken erhalten geblieben. MIt 2 m Höhe war er nicht unbedingt riesig hoch, erschwerte es aber den Mongolen, ins Landesinnere vorzudringen.
9 Genkoborui von vorne.jpg
Auf der Innenseite war der Wall nicht so hoch, sondern war so gebaut, dass die Verteidiger sich dahinter aufbauen konnten und bot so den Japanern eine erhöhte Position, um sich gegen die anrückenden Mongolen zur Wehr zu setzen.
9 Genkoborui von hinten.jpg
Und die Mongolen taten den Japanern den "Gefallen" und kamen 1281 wieder, so dass sich die ganzen Vorbereitungen auch gelohnt hatten. Die Mongolen lndeten also erneut, diesmal sogar mit zwei Invasionsflotten aus China und Korea. Die Japaner schafften es jedoch, so lange die Stellung zu halten, bis ein Taifun über die Gegend zog und einen nicht unerheblichen Teil der mongolischen Invasionstruppe zerstörte. Der Rest zog sich am Ende wieder aus Japan zurück und hinterließ nur ein paar alte Helme und Rüstungen.
9 Genko Helme von vorne.jpg
Und die Japaner? Die hatten gewonnen und... waren aufgrund der hohen Verteidigungsausgaben pleite. Dumm gelaufen, bei so einer Verteidigungsschlacht gibt es schließlich kein Land zu gewinnen, das man später an die siegreichen Krieger hätte verteilen können.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Jakusotsu »

Fazit: Ohne den Klimawandel im 13ten Jahrhundert wäre Japan heute mongolisch. Immerhin glückt dem Reitervolk nun die nachträgliche Invasion im Sumo. 8)
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von gernobono »

Jakusotsu hat geschrieben:Fazit: Ohne den Klimawandel im 13ten Jahrhundert wäre Japan heute mongolisch. Immerhin glückt dem Reitervolk nun die nachträgliche Invasion im Sumo. 8)
und die japaner hätten 2 yokozuna im mongolischen ringen ;-)

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Ganryu
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Ganryu »

gernobono hat geschrieben:und die japaner hätten 2 yokozuna im mongolischen ringen
Ähm . . . wen denn? 8)

Ganryu :Chinese

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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Jakusotsu »

Ganryu hat geschrieben:
gernobono hat geschrieben:und die japaner hätten 2 yokozuna im mongolischen ringen
Ähm . . . wen denn? 8)
Kaio und Otsukasa natürlich.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

Ich musste ja bei der Mongolenstory immer an die Piraten aus Asterix denken. Bei denen war das Endergebnis auch immer dasselbe...

Anway, back on topic:

11. Yanagawa - Eine Flussfahrt, die ist lustig

Nach der kleinen Geschichtsstunde machen wir heute wieder was richtig Touristisches, allerdings auch wieder mit historischen Anstrich. Wir fahren nämlich in die ehemalige Burgstadt Yanagawa und machen eine Bootstour durch die alten Kanäle, die schon vor der Burgstadt zur Bewässerung der Felder da waren und dann einfach beim Bau der Stadt übernommen wurde und bis heute existieren.

Heute kann man dieses Kanäle mit freundlichen Booten und freundlichen Bootsführern befahren. Besonders nett ist dies, wenn die Bäume entlang des Weges blühen, um dem ganzen noch ein gewisses Extra zu geben.
10 Boote für alle.jpg
Dann schippert man entspannt die Kanäle hinunter. Zwischen blühenden Bäumen und mehr oder weniger historischen Gebäuden entlang, unter tiefen Brücken, wo man den Kopf einziehen muss, hindurch und durch mehr oder weniger enge Wasserwege.
10 Kanal für alle.jpg
Und wie immer war die japanische Tourismusindustrie vor uns da. Und da man am oder sogar auf dem Wasser keine Getränkeautomaten aufstellen kann (nein, nicht einmal Japaner haben das hier geschafft, auch wenn es schockierend ist), gibt es unterwegs einen Stopp, bei dem man heißen Kaffe, aber auch kühles Bier oder auch Eiscreme gibt. Kurzer Zuruf genügt.
10 Snacks für alle (die wollen).jpg
Und so fährt man weiter. Die Tour macht wirklich Spaß, der Bootsführer erzählt (leider nur auf Japanisch, man kann ja nicht alles haben) und bei Regen bekommt man auch noch einen kleidsamen Regenponcho geliehen. Der ist für größere Ausländer auch nur minimal zu klein, um bequem darauf und darin zu sitzen.
10 Bootsführer für alle.jpg
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

11. Frische Fische, wirklich frische Fische

Und wir steigen schon wieder auf ein Boot, dieses Mal allerdings, um tatsächlich die Insel zu wechseln. Es gibt zwar viele andere Wege von Kyushu nach Honshu hinüber zu kommen (über die Brücke, durch den Tunnel), aber das Boot ist auch nicht schlecht.
11 Schon wieder ein Boot.jpg
Wir starten in Moji auf Kyushu und landen in Shimonoseki auf Honshu. Hier waren wir schon einmal und haben auch schon die Vorliebe der Leute in Shimonoseki für den Kugelfisch kennengelernt. Heute lernen wir den Kugelfisch kennen. Zuerst müssen wir uns aber Richtung Fischmarkt orientieren. Das ist nicht weiter schwierig, da der Bootsanleger direkt am Fischmarkt ist.
11 Fischmarkt von außen.jpg
Im Fischmarkt gibt es viele Fische (naturgemäß), die meisten sind tot, aber wir finden auch ihn: den Kugelfisch. Und das sogar lebend. Leider sieht der Kugelfisch im Normalzustand eher unscheinbar aus, jedenfalls weder kugelig noch hochgiftig. Nur bei Gefahr pumpt er sich auf und ich sah wohl nicht gefährlich genug aus.
11 Kugelfisch ohne Kugel.jpg
Auf dem Fischmarkt von Shimonoseki kann man die Kugelfisch aber nicht nur sehen, sondern auch essen. Und dann sitzt man mit seinem Kugelfisch (oder einem anderen Fisch) im Fischmarkt zwischen den kleinen Marktständen und isst. Dort gibt es den guten übrigens nicht nur als das übliche Sashimi oder Sushi, sondern auch frittiert oder paniert oder... Er ist sehr vielseitig, der Kugelfisch.
11 Guten Appetit.jpg
PS: Kugelfisch schmeckt ein wenig fischig und ansonsten nach fast nichts. Und umgebracht hat er mich auch nicht.
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

12. Hiroshima-ji - Es gibt ein Leben vor der Atombombe

Kein Adventskalender ohne (richtig) japanische Burg, jedenfalls vorerst nicht. Und so fahren wir heute nach Hiroshima um den Beweis anzutreten, dass die Stadt auch schon lange vor der Atombombe von Bedeutung war. Sie war nämlich schon Burgstadt und damit auch Provinzhauptstadt seit Ende des 16. Jahrhunderts.

Und zum Beweis sehen wir uns heute die Burg von HIroshima, Hiroshima-jō, an (der eine oder andere hat inzwischen vielleicht gemerkt, dass -jō die "Burg" ist). Diese ist auch als Ri-jō, Karpfenburg, bekannt (wir kennen auch schon Karasu-jō, die Krähenburg (Okayama-jō), und Shirasagi-jō, die Weiße Reiherburg (Himeji-jō). Irgendwie haben es die Japaner mit den Spitznamen.
Zugegeben die heutige Version ist natürlich ein Produkt der Nach-Atombomben-Zeit, wurde das Original doch von der Bombe zerstört, aber es ist ein (zumindest äußerlich) originalgetreuer Neubau von 1958, in der sich ein Museum für die Stadtgeschichte vor 1945 befindet.
12 Hiroshimajo.jpg
Außerdem hat man sich in Hiroshima den Luxus gegönnt, nicht nur einen einsamen Burgturm wieder aufzubauen, sondern auch noch ein bisschen Umgebung dazu zu geben. So gibt es auch ein Eingangstor und einen Teil der Burggräben.
12 Eingang Hiroshimajo.jpg
Und natürlich kann man auch hier wieder in den Turm steigen, um sich von oben einen Überblick zu verschaffen. Und so kann man sich das ganze Gelände entspannt ansehen und sehen, dass HIroshima wirklich mehr war (und ist) als nur die Stadt mit der Atombombe. Man muss nur richtig hinsehen.
12 Hiroshima von oben.jpg
PS: Halbzeit, ab jetzt sind wir schon fast auf der Zielgerade nach Weihnachten!
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

13. Izumo taisha, die ewige Nummer zwei

Heute wollen wir mal wieder auf die Rückseite Japans fahren und uns einen sehr wichtigen Schrein des Shinto ansehen, den Izumo taisha. Zum großen Leidwesen der Einwohner ist das jedoch nur der zweitwichtigste. Wir waren schon einmal ganz nah dran, als wir am Ufer der Shinji-ko unterwegs waren. Heute fahren wir jedoch direkt ins Herz des Schreins, oder besser so nah man an dieses Herz herankommen kann.
Es ist nämlich eine Unart japanischer Schreine, dass sie ihr Herzstück, das Heiligtum oder wie auch immer man es nennen will, meistens hinter hohen Zäunen verstecken. Und so können wir in Izumo nur um das Allerheiligste herumschleichen und das sehen (und fotografieren), was über den Zaun schaut.
13 Izumo taisha ganz weit innen.JPG
Um die erste Jahrtausendwende (also um 1000 n.Chr.) wäre das bedeutend einfacher gewesen, weil der Schrein auf Holzsäulen stand und insgesamt etwa 48 m hoch gewesen sein soll. Wobei, wahrscheinlich wären wir gar nicht nah genug herangekommen. Ich vermute stark, die japanische Tourismusindustrie war damals noch nicht so gut aufgestellt wie heute.

Wenn wir schon nicht das Hauptgebäude sehen können, so können wir uns doch wenigstens das große Eingangsgebäude ansehen, das ein wirklich beeindruckendes shimenawa (Strohseil) aufzuweisen hat.
13 Izumo taisha.JPG
Der Izumo taisha ist zwar nur die Nummer 2, hat aber etwas, was kein anderer Schrein in Japan hat: kami (also Shinto-Götter) Mitte Oktober. Der Legende nach treffen sich nämlich alle kami einmal im Jahr zum großen Familientreffen und das eben in Izumo. Deshalb heißt der Oktober im Rest des Landes
神無月 - kaminatsuki, der Monat ohne Götter (wörtlich: Götter-nicht-Monat), während er nur in Izumo
神有月 - kamiaritsuki, der Monat, in dem die Götter da sind (wörtlich Götter-da-Monat), heißt.
Und wenn die Götter dann da sind, brauchen sie natürlich auch ein Dach über dem Kopf. Und das sieht so aus:
13 Izumo taisha Gotteswohnung.jpg
Könnte eng werden, aber die kami sind offenbar sehr flexibel, was ihre Unterkunft angeht.
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

14. Kotohira-gû aka Kompira-san

Wir verlassen noch einmal Honshu für einen Tripp nach Shikoku. Dort fahren wir in die Stadt Kotohira, wo wir bisher noch nicht waren und wollen uns den Kotohira-gu, den lokalen Tempel ansehen. Dieser wird allgemein Kompira-san genannt, das macht für uns aber keinen Unterschied, der Name ist nicht unser Problem.

Das Problem sind die hunderte von Treppenstufen zwischen uns und dem Schrein. Deshalb fragen Japaner gerne, wenn man erzählt, dass man den Kompira-san besucht hat, ob man wirklich zu Fuß hoch gestiegen ist. Leider gibt es aber keine Seilbahn, Bergbahn, Bus oder sonstiges Massentransportmittel, die Alternative zum Laufen ist das Getragen werden, verschiedene Träger bieten am Fuße der Stufen ihre Dienste an. Das brauchen wir natürlich nicht, sondern maschieren los.

Nach 785 Stufen erreichen wir den Hauptschrein, der schon was her macht.
14 Kotohiragu.JPG
Innen gibt es viele Bilder von Gläubigen, die hier für ihr Glück gebetet haben. Ihr könnt ja mal raten, wofür der Schrein (unter anderem) zuständig ist.
14 Kotohiragu innen.JPG
Leider gibt es hinter dem Hauptschrein mehr Treppen und einen Wegweiser Richtung "Inneren Schrein" und nun wollen wir den irgendwie auch noch sehen. Also steigen wir weiter.

Nach nur 583 weiteren Stufen erreichen wir den Inneren Schrein. Dieser ist kleiner, dafür aber wenigstens quietschrot.
14 Innerer Schrein.JPG
Und, um uns klar zu machen, was wir heute geleistet haben, gibt es hier auch ein Schild mit der Stufenanzahl:
785 Stufen bis zum Hauptschrein
583 Stufen ab dem Hauptschrein
insgesamt 1368 Stufen
Höhe ü.N.N. 421 Meter
14 Treppen.JPG
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

15. Ein Portugiese in Tokushima

Wir haben schon von Niederländern und Deutschen in Japan gehört, nach der Öffnung des Landes kamen aber auch andere Nationalitäten nach Japan. Ein Beispiel dafür ist der Portugiese Wenceslau de Moraes, der zuerst aufgrund seiner schriftstellerischen Tätigkeit kam (er schrieb ein Buch über Siam, China und Japan) und 1899 schließlich zum ersten portugiesischen Konsul in Osaka und Kobe wurde.
In Japan heiratete er seine zweite Frau (die erst ließ er mit den gemeinsamen Kindern in Macao zurück - zu seiner Ehrenrettung: die beiden waren wohl schon zuvor getrennt). Nachdem die zweite Frau überraschend 1912 gestorben war, zog er in ihre Heimat, die Stadt Tokushima auf Shikoku und verbrachte dort den Rest seines Lebens in zunehmender Einsamkeit, bis er praktisch als Einsiedler starb.

Nun gibt es nicht so viele auch nur halbwegs wichtige ausländische Einwohner, die längere Zeit in Tokushima lebten und so gibt es dort ein kleines Wenceslau de Moraes-Museum. Dieses befindet sich, wie es sich für einen Einsiedler gehört, nicht mitten im Ort, sondern auf dem Berg Bizan, zu dem es dankenswerterweise eine Seilbahn gibt (die aber wohl nicht wegen dieses kleinen Museums gebaut wurde). In dem Museum kann man sehen, dass der Mann nicht nur in Japan lebte, sondern auch auf japanische Möbel stand.
15 Hier hauste der Portugiese.JPG
Sein Schlafanzug hingegen sah eher wenig japanisch aus. Wobei ich das total nachvollziehen kann. Ich habe im Hotel auch schon versucht, im vorbereiteten yukata (Baumwoll-kimono) zu schlafen, aber so richtig glücklich bin ich damit nie geworden.
15 So schlief der Portugiese.JPG
Und er selbst hatte wohl auch eher Schwierigkeiten, in der lokalen Bevölkerung unterzutauchen.
15 Der Portugiese.JPG
Aber als Einsiedler braucht man das ja auch nicht.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

16. Asuka - ein Ort und mehr

Zuerst ein kleines Quiz: Asuka ist...
a) ein Ort
b) eine Periode der japanischen Geschichte
c) ein Asteroid
d) ein weiblicher Vorname
e) alles vorangegangene

Die Antwort ist natürlich e). Asuka ist multifunktional, wobei die Asuka-Zeit natürlich irgendwie mit dem Ort Asuka zusammenhängt, auch wenn Asuka (der Ort) heute eher ein verschlafenes Kaff ist. Und wenn ich nicht in Japan an der Uni einen Kurs über japanische Archäologie belegt hätte (komplett mit eigener altsteinzeitlicher Ausgrabungsstätte auf dem Uni-Campus), wäre ich vielleicht nie nach Asuka gekommen. So aber habe ich im Unterricht von den vielen kofun, den Hügelgräbern, in Asuka gehört. Die meisten davon stehen unter dem Schutz der Kaiserlichen Haushofamts, weil sie als Gräber diverser Tenno gelten. Böse Zungen behaupten allerdings, dass die darin enthaltenen Grabbemahlungen und -beigaben belegen würden, dass die japanische Kaiserfamilie aus Korea kam und somit wohl nicht von der Sonnengöttin Amaterasu abstammt, was das Kaiserliche Haushofamt tunlichst verhindern möchte.
Und das bringt uns zurück nach Asuka. Denn hier ist das Takamatsuzuka kofun eines Tages in sich zusammengebrochen und dabei kamen Grabbemalungen zutage, die - nun ja - irgendwie koreanisch beeinflusst erscheinen. Nachdem diese Werke nun schon ans Licht der Öffentlichkeit (und das Sonnenlicht) kamen, wurden umfangreiche Restaurationsarbeiten eingeleitet, um die Bilder zu bewahren. Und da ich über dieses Grab ein Referat halten musste, wollte ich es dann auch irgendwann sehen. Leider wurde gerade gegraben.
16 Takamatsuzuka kofun - Realität.jpg
Daneben hatten mitfühlende Menschen aber ein Foto aufgestellt, wie ich mir das Grab ohne Bauarbeiten vorzustellen habe.
16 Takamatsuzuka kofun - Bild.jpg
Rein hätte man ohnehin nicht dürfen. Da war man auf Fotos oder Nachbildungen angewiesen.
Rein durfte man ins Ishibutai kofun. Das ist kein offizielles Tenno-Grab, wurde aber auch schon früher komplett geplündert und bis auf die steinerne Grabkammer weitgehend zerstört.
16 Ishibuta kofun von außen.jpg
Aber wer schon immer wissen wollte, wie man sich in der Grabkammer von so einem Hügelgrab fühlt, hat hier die Chance. Interessant ist es auf jeden Fall.
16 Ishibutai kofun von innen.jpg
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von tsunamiko »

und wie jedes jahr wieder warte ich gespannt auf das nächste türchen....
...there are so many different ways that lead to the gods
so many ways that lead to enlightment


but only one way that leads to the next gucci boutique...........


nadja maleh - flugangsthasen

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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

17. Hakui - Mein Strand, mein Schrein

Heute fahren wir an die Küste des Japanischen Meeres (japanische Westküste), genauer gesagt, auf die Noto-hantō. 半島 Hantō ist eine Halbinsel, tatsächlich auch wörtlich:
han - halb
- Insel.

Auf der Noto-hantō gibt es eine Reihe von Orten, ich bin aber nicht so weit hineingefahren, sondern nur bis Hakui gekommen, weil ich mir dort einen Schrein ansehen wollte. Zuerst bin ich an einem Strand vorbeigekommen, der (zumindest damals) menschenleer war. Es ist im Hochsommer aber auch schon morgens um kurz nach 9 Uhr ziemlich heiß, insofern habe auch ich es nicht sehr lange ausgehalten. Schön war er aber trotzdem, so ein "Privatstrand".
17 Hakui Strand.jpg
Dann bin ich zum eigentlichen Ziel meiner Reise, dem Keta taisha, einem Schrein, der einer Liebesgottheit gewidmet ist. Deshalb kommen wohl vor allem Frauen, die für eine stabile Ehe beten wollen. Als ich da war, war es aber widerum ziemlich menschenleer. Schon cool, so ein "Privatschrein".
17 Keta taisha innen.jpg
Beim Keta taisha gibt es auch wieder ein "Allerheiligstes", das unsereiner nicht von Nahem sehen kann. Hier kommt aber noch mehr Gebiet dazu, dass wir Normalsterblichen nicht betreten dürfen: Hinter dem Schrein erhebt sich ein Wald, den nur die Schreinpriester und der Tennō betreten dürfen.
17 Keta taisha.jpg
Das alles hat mir der Oberpriester persönlich erzählt, der sich so gefreut hat, einen japanischsprachigen Ausländer zu treffen, dass er mich in sein Haus eingeladen hat und mir vom Schrein und vom Besuch des Shōwa Tennō erzählt hat (also der Vorgänger vom jetzigen Tennō). Er hat mir auch eine Kalligrafie gezeigt, die der alte Tennō persönlich zum Anlass dieses Besuchs angefertigt haben soll. Und auch der Oberpriester selbst war ein Kalligrafiemeister und hat mir voller Begeisterung von den verschiedenen Stilen erzählt, mir unterschiedliche Bilder gezeigt und ich... habe maximal die Hälfte verstanden. Ich habe aber immer nett genickt und zustimmende Äußerungen von mir gegeben, so dass der gute Mann vermutlich der festen Überzeugung ist, dass ich das meiste verstanden habe. Naja, ich habe was gelernt und er hat sich gefreut, insofern ein Gewinn für beide.
Und dann hat er mir eine eigene Kalligrafie angefertigt und mitgegeben. Dabei habe ich zwar den Bus verpasst und musste zu Fuß zum nächsten Bahnhof laufen, aber das war es mir wert. Wirklich begeisternd, so eine "Privatkalligrafie".
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von tainosen »

Solche Privataudienzen sind etwas ganz besonderes - ist mir auch schon mal passiert, als ich zum Glück meinen Dolmetscher mit dabei hatte - 2 STunden Teeaudienz beim Priester - unvergesslich solche Momente ...
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

18. Großer Buddha mal anders

Heute sind wir in Gifu, das ist die Nachbarpräfektur von Aichi (Hauptstadt: Nagoya), lässt sich also leicht mal als Tagesausflug vom Nagoya basho aus machen (man muss natürlich einen Tag aufs basho verzichten). In der Hauptstadt Gifu (ja, sehr kreativ) gibt es etwas, was wir uns heute ansehen wollen.

Wir marschieren eine Straße hinunter und am Ende der Straße sehen wir das, wo wir hinwollen. Oder besser: Das Haus, wo das, wo wir hinwollen, drin ist.
18 Halle von daibutsu.jpg
Wir nähern uns und gehen um die Halle herum und sehen erst einmal einen schönen, kleinen Garten. Wir wollen nicht so sein und nehmen auch den Anblick gerne noch mit. Das ist das Schöne an japanischen Sehenswürdigkeiten: Sie haben häufig etwas für jeden Geschmack. Und die meisten haben Minimum einen Zierkirschbaum, aber das ist hier nicht das Thema (und auch nicht das Foto).
18 Garten vor daibutsu.jpg
All dies, Garten und Halle und weitere Gebäude gehört zu einem Tempel, dem Shōhō-ji. Die Hauptattraktion hier ist ein Großer Buddha, der 岐阜大仏 Gifu daibutsu. Daibutsu heißt übrigens 大 DAI (groß) und 仏 BUTSU (Buddha), also leicht zu verstehen.
18 Gifu daibutsu.jpg
Nein, der Buddha ist nicht komplett aus Gold, sondern aus vergoldetem und lackiertem Pappmaché über einem Gerüst aus Bambus und Lehm. Und das Pappmaché besteht komplett aus buddhistischen Sutras. Um das Ding Anfang des 19. Jahrhunderts fertig zu bekommen, hat es auch nur 38 Jahre und einen Oberpriester gekostet.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

19. Der nicht ganz so glückliche Drache Nr. 5

Wir wissen schon, dass die Japaner mit der Atombombe keine guten Erfahrungen gemacht haben. Wasserstoffbomben wurden zwar keine über dem Land abgeworfen, aber trotzdem haben es Japaner geschafft, damit in unangenehmen Kontakt zu kommen. Die wenig beneidenswerten Jungs waren die Besatzung des japanischen Thunfischfischerboots Dai-go Fukuryu-maru. Der Schiffsname bedeutet übersetzt "Glücklicher Drache Nr. 5", was sich nicht wirklich als gutes Omen herausgestellt hat.

Die Dai-go Fukuryu-maru war am 1. März 1954 in der Nähe des US-amerikanischen Testgebiets für Wasserstoffbomben auf dem Bikini-Atoll unterwegs, als dort die stärkste Wasserstoffbombe, die die US-Amerikaner jemals getestet haben, explodierte. Obwohl sich die Dai-go Fukuryu-maru außerhalb der, offenbar viel zu eng bemessenen, Sperrzone befand, sah die Mannschaft den Blitz und hörte den Donner der Explosion und war wenige Stunden später dem nuklearen Fallout ausgesetzt. Als sie zwei Wochen später wieder in Japan eintrafen, litt die Mannschaft an den Symptomen einer akuten Strahlenvergiftung und der Funker starb noch 1954 an den Folgen. Die anderen wurden mehr oder weniger gesund, diejenigen, die danach gestroben sind, sind aber fast alle an Krebs erkrankt (einer starb durch einen Autounfall). In der Folge begannen die Japaner den Thunfisch, der aus dem Gebiet um die Bikinis kam, auf Radioaktivität zu testen und stellten fest, dass es weitreichende Kontaminationen über den (un)glücklichen Drachen hinaus gegeben hatte. Damit brach im Land eine Thunfischpanik aus und keiner wollte mehr den Fisch haben. Daher kamen Thunfischwürstchen in Mode, warum die als unbelastet galten, bleibt wohl ein japanisches Geheimnis.

Die Dai-go Fukuryu-maru wurde später gesäubert, repariert und umbenannt. Dann wurde sie an eine Fischereischule verkauft, was nicht so gut ankam, als die Sache schließlich aufflog. Danach wurde das Schiff ausgemustert und rottete auf einer Müllkippe in der Bucht von Tokyo vor sich hin, bis sie schließlich wiederentdeckt wurde, als die Müllkippe per Landaufschüttung in eine neue Insel verwandelt wurde. Das Schiff wurde dann restauriert und wird heute in einer schicken Halle auf der Insel, wo es wiedergefunden wurde, ausgestellt.
19 Museum des Glücklichen Drachen.jpg
Und so kann man vor dem Schiff stehen und sich vorstellen, wie es damals auf Fischfang ging. Und es ist beeindruckend, dass es damals schon zu den kleinsten Thunfischschiffen gehörte.
19 Der Nicht-so-glückliche Drache.jpg
Auf das Deck darf man nicht drauf, aber die Leute schwören, dass es heute ungefährlich ist. Wollen wir es mal glauben.
19 Ein schicksalhaftes Deck.jpg
PS: Wo wir bei euphemistischen Namen sind: Die Insel, die aus der ehemaligen Müllkippe entstanden ist, heißt heute Yume-no-shima, die Insel der Träume.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

20. Große und kleine Straßen

Heute sehen wir uns keine wirklich großen Sehenswürdigkeiten an, sondern lernen ein bisschen was über die regionalen Unterschiede in Japan. So kehren wir mal kurz nach Okinawa zurück und reisen ansonsten in die weniger bekannte Stadt Mitaka in der Präfektur Tokyo. Mitaka hat es in diesen Adventskalender geschafft, weil ich da mal gewohnt habe und deshalb ein paar Fotos aus einer ganz normalen Wohnvorstadt von Tokyo habe.

Wenn die Japaner eines nicht haben, dann ist er Platz, insbesondere in den großen Metropolregionen um Tokyo, Osaka oder auch Nagoya. Platz für breite Straßen gibt es jedenfalls in den Wohnbezirken nicht beliebig viel. Lieber baut man ein Wohnhaus oder ein Apartmentgebäude mehr. So bleibt das Auto meistens in der Garage (und wird vor allem am Wochenende für den Familieneinkauf benutzt) und die Fahrt zur Arbeit wird mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Um überhaupt ein Auto in der Präfektur Tokyo anmelden zu dürfen, muss man erst einmal einen Stellplatz nachweisen.
Wenn man sich die kleine Straße in Mitaka, die um die Ecke von dem kleinen Apartmenthaus, wo ich gewohnt habe, so ansieht, kann man sich vorstellen, dass sie nicht für den täglichen Pendlerverkehr ausgelegt ist.
20 Mitaka - kleine Straße.jpg
Ganz anders ist das in der Peripherie, wo die Entfernungen größer, die Züge seltener und die Busverbindungen weniger häufig sind. Dort ist ein Auto unverzichtbar und es gibt viel mehr Straßen, Garagen und Parkplätze. Am auffälligsten ist das auf Okinawa, wo es überhaupt keine richtige Bahn gibt und der öffentliche Verkehr fast nur über Busse abgewickelt wird. Auf Okinawa fährt praktisch jeder Auto, selbst vor kleinsten Convenience Stores gibt es ausreichend Parkplätze und Sightseeing nur mit dem Bus ist zumindest eine Herausforderung. Und abends sind die Ein- und Ausfallstraßen so überfüllt, dass der Bus gerne mal eine Stunde und mehr Verspätung hat (ich habe mich immer gefragt, warum die jeden Abend auftretene Verspätung nicht irgendwie im Fahrplan berücksichtigt wird).
Und auf Okinawa sehen selbst innerstädtische Straßen etwas größer aus. OK, das hier ist die bekannte Kokusai dori, aber das Prinzip stimmt.
20 Okinawa - größere Straße.jpg
Und zurück in Mitaka werfen wir noch einen kurzen Blick auf das Apartmenthaus, wo ich ein Jahr lang gewohnt habe. Mein Zimmer war im zweiten Stock (das ist in Deutschland der erste Stock), das vierte von links. Damals war das Haus allerdings noch pink gestrichen. Daher auch der Name: Sakura Heights (Sakura sind die Zierkirschen).
20 Sakura Heights.jpg
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

21. Hiraizumi mit dem Rad

Heute fahren wir (wieder) nach Hiraizumi. Diesmal bleiben wir aber nicht in der Stadt, sondern besuchen einen Tempel, der ein ganzes Stück außerhalb liegt. Da die öffentlichen Verkehrsanbindungen hier in der Peripherie von Tohoku nicht so unbedingt gut sind, habe ich mich damals eines Mietfahrrades bedient. Die kann man ganz bequem am Bahnhof leihen und sich dann die Stadt und die umliegenden Sehenswürdigkeiten ansehen. Leider war mein Rad eher was für Japaner und deshalb war es ein wenig zu klein eingestellt für mich, aber ich habe überlebt.
21 Rad in Hiraizumi.jpg
Mit dem Rad kann man zum einen die Sehenswürdigkeiten in der Stadt schneller ansehen als zu Fuß, zum anderen kann man aber auch größere Strecken zurücklegen. Solche Mieträder gibt es in vielen japanischen Touristenstädten, meistens gegen eine relativ geringe Gebühr, ab und zu kann man sie sogar kostenfrei leihen.
In Hiraizumi hatte ich das Rad, um mir einen Tempel aus dem 9. Jahrhundert anzusehen, den ich zu Fuß nicht geschafft hätte. Dorthin bin ich also hochmotiviert durch die Felder gestrampelt und war der festen Überzeugung, die Strecke wäre leicht abschüssig, obwohl ich ziemlich arbeiten musste (sie war natürlich leicht ansteigend und auf dem Rückweg musste ich fast gar nichts tun, wenn ich das gewusst hätte...). Am Ende des Weges steht der Tempel Takkoku no Iwaya Bishamon-do, der in den Berg hineingebaut worden ist. Und so geht man eine Treppe zu einem halben Tempel hinauf, der Rest ist im Inneren in einer Höhle.
21 Takkoku no Iwaya Bishamon-do.jpg
Und neben dem Höhlentempel ist noch ein alter Buddha in den Stein geschnitzt. Heute ist allerdings nur noch das Gesicht halbwegs zu erkennen.
21 Großer Stein Buddha.jpg
Und dann habe ich mich wieder auf mein Fahrrad gesetzt und bin ganz entspannt zurückgefahren. Immer leicht den Berg hinunter.
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

22. Akita Kanto matsuri - Ein Sommerfestival

Im Sommer gibt es in Tohoku, dem Nordosten der Insel Honshu eine Reihe von großen Festivals. Wir kennen schon das Nebuta matsuri in Aomori und das Neputa matsuri in Hirosaki. Dieses Mal sehen wir uns das Kanto matsuri in Akita an, das heißt nicht nur ganz anders als die anderen beiden, es sieht auch ganz anders aus.
Das Kanto matsuri ist enstanden als Festival zur Bitte um eine gute Ernte. Da die Präfektur Akita so etwas wie die Kornkammer Japans ist und insofern vor allem Reis angebaut wird, bedeutet das also, dass beim Kanto matsuri vor allem um eine gute Reisernte gebeten wird. Deshalb werden hohe Bambuskonstruktionen mit Lampions daran durch die Straßen getragen, die wie riesige Reisähren aussehen.
22 Kanto matsuri.jpg
Aber nur Tragen und Feiern ist den Jungs (und es sind in erster Linie Jungs, weil die "Ähren" bis zu 50 kg wiegen) nicht genug. Deshalb werden die Ähren nicht nur getragen, sondern auf verschiedenen mehr oder weniger sinnvollen Körperteilen balanciert:
22 auf der Stirn.jpg
22 auf der Schulter.jpg
22 auf der Hüfte.jpg
Und jetzt versucht das mal zu Hause...
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von tainosen »

Watashi hat geschrieben:Und jetzt versucht das mal zu Hause...
:roll: Hmm eine Reisähre habe ich keine zur Hand - nehme ich eben den Weihnachtsbaum :lol: .
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

23. Real Life Winter Games

Diejenige, die mal einen C64 zu Hause hatten, werden sich vielleicht noch an die Spiele Summer Games und Winter Games erinnern, die (in meinem Freundeskreis zumindest) ganze Heerscharen von Joysticks zerstört haben. Heute werden wir uns so etwas wie die Real Life Version der Winter Games ansehen (für alle anderen: wir gehen ins Winter Sport Museum in Sapporo).

Sapporo war 1972 Gastgeber der Olympischen Winterspiele. Das hat dem Ort nicht nur eine breite unterirdische Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt gebracht, sondern unter anderem die Skisprungschanze auf dem Okurayama, die wir uns vielleicht später mal bei Gelegenheit ansehen werden. Wir gehen dafür ins Sapporo Winter Sports Museum, das neben der Schanze liegt.

Das obere Stockwerk zeigt die Geschichte der Olympischen Winterspiele im Allgemeinen und natürich der in Sapporo im Besonderen. Das ist nicht uninteressant, aber auch nicht unbedingt umwerfend spannend, zumal vor allem auf Japanisch beschriftet.
Spannender wird es im Stockwerk darunter, denn hier kann man sich in verschiedenen Trainings- und Simulatorversionen diverser Wintersportarten versuchen. Ich weiß jetzt also, dass ich weder zum Eishockeytorhüter noch zum Eisschnellläufer geboren wurde. Beim Skisprungabsprungsimulator bin ich beim ersten Versuch von der Schanze gefallen, statt zu springen...
Andere Stationen sind z.B.
23 Bobfahren für Anfänger.jpg
23 Skispringen ganz gefahrlos.jpg
Etwas, wo ich viel zu kompliziert gedacht habe, war der Langlaufsimulator. Ich habe doch tatsächlich versucht, etwas zu produzieren, was im Entferntesten wirklich an Langlauf erinnert hat. Damit bin ich mehr schlecht als recht um den virtuellen Kurs gekommen und meine Zeit war nicht Bestenlisten-würdig. Nach mir kamen zwei Japaner, die das um die Wette gemacht haben, und die hatten den Bogen wohl raus: Nicht Technik oder Schönheit zählt, sondern derjenige gewinnt, der seine Beine am schnellsten vor und zurück bewegen kann. Das zerstört zwar keinen Joystick, die Beine sind danach aber sicherlich auch erst einmal nur eingeschränkt zu gebrauchen.
23 Real Life Winter Games.jpg
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Watashi
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Watashi »

24. Schneefest - oder in diesem Fall Eisfest

Unser letzter Eintrag führt uns noch einmal nach Sapporo, dieses Mal auf das Schneefest. Das waren wir zwar letztes Jahr schon (mehrfach), aber bisher immer auf dem größten Festplatz, dem Odori koen. Dieses Jahr besuchen wir einen Nebenschauplatz, der erst später zum Schneefest hinzugestoßen sind, die Susukino Straße. Hier sind keine Schneeskulpturen, wie sie im Odori koen vorherrschen, sondern nur Eisskulpturen. Ein paar Nummern kleiner als das Eis-Palastmuseum, das wir letztes Jahr gesehen haben, aber dafür zahlreicher. Und wenn man einen Tag vor der offiziellen Eröffnung kommt, kann man sehen, wie die Figuren fertig gemacht werden.
24 Schneefest im Aufbau.jpg
Viele der Eisskulpturen sind etwas schwer zu fotografieren, insofern biete ich euch mal etwas anderes: die verspielte Seite der Japaner schlägt auch auf dem Schneefest durch und so gibt es beispielsweise ein Eisauto, in das man sich setzen und (selbstverständlich) fotografieren kann.
24 Schneefest verspielt.jpg
Und hier, in Susukino, finden wir auch den deutschen Beitrag zum Schneefest (zumindest 2012): ein Eiskunstwerk, gesponsort von und hergestellt mit Produkten des Unternehmens Stihl.
24 Schneefest oh so deutsch.jpg
Und damit beende ich den diesjährigen Adventskalender. Ich bedanke mich für all die Beiträge und Kommentare (natürlich auch, die die ich per Mail bekommen habe) und hoffe, dass ihr auch im nächsten Jahr wieder mit von der Partie seid. Noch gehen mir die Bilder nicht aus.
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Cayman
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Cayman »

Herzlichen Dank für die tollen, interessanten und humorvollen Berichte - das war doch was, worauf ich mich jeden Abend freuen konnte. Schöne Feiertage und guten Rutsch an alle hier!

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tainosen
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von tainosen »

Eine schöne Tradition - der Adventskalender im Sumoforum. Danke Anke
Wo Elefanten sich bekämpfen, hat das Gras den Schaden.

Tsubame
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Tsubame »

Danke auch von mir nochmal für die wirklich gut geschriebenen und kurzweiligen Beiträge. :applaus

Profomisakari
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Profomisakari »

Nochmals danke, Anke!
Es war wieder ein schönes Geburtstagsgeschenk.

Profo

Shinkansen
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Shinkansen »

Bevor ich es vergesse: Auch von mir einen herzlichen Dank.
Es erspart einem die Reise.........
Das kann doch alles nicht wahr sein.

Mikadofuji
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Re: Und wieder ein Adventskalender - 2013

Beitrag von Mikadofuji »

Vielen Dank, Anke.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014. Nehmt euch nicht zuviel vor, denn wie heißt es doch in Japan? "Sobald man davon spricht, was im nächsten Jahr geschehen wird, lacht der Teufel."

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