Das Wort der Woche

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

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Watashi
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Das Wort der Woche

Beitrag von Watashi »

In diesem Thread werde ich jede Woche ein anderes japanisches Wort auswählen und vorstellen (so zumindest der Plan). Die Auswahl wird wohl nicht logisch oder thematisch sein, sondern ich nehme das, was mir gerade so einfällt. Eine Verbindung zum Sumo ist, wenn überhaupt vorhanden, zufällig, da in diesem Forum (fast) alle sumobezogenen Wörter schon von anderer Seite kompetent erklärt wurden.
Ich werde (hoffentlich) zum Wort der Woche Erklärungen, Schriftzeichen oder kleine Stories schreiben. Ich übernehme aber keine Garantie für hundertprozentige Richtigkeit, da es oft unterschiedliche Erklärungen oder Geschichten gibt und ich nicht alles lange nachprüfen werde.
Für Korrekturen oder Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen bin ich jederzeit dankbar. Falls es euch zu langweilig oder blöd wird, meldet euch. Ich bin auch nicht böse, wenn ich das Experiment wieder einstellen soll.

Ich hoffe, das neue Wort immer sonntags posten zu können, bitte aber schon einmal um Verzeihung, wenn ich es einmal vergesse oder erst später machen kann. Ich muss mal sehen wie es sich entwickelt. Falls der Thread (etwa durch viele Anmerkungen) zu lang wird, eröffne ich einen neuen, aber ich will nicht für jedes Wort einen neuen aufmachen.

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1. Nihon - Japan

Beitrag von Watashi »

Zum Einstieg etwas Leichtes, das wahrscheinlich (fast) alle schon gehört haben – zumindest in Nihon Sumō Kyōkai.

日本 Nihon (oder Nippon)…
… bedeutet Japan. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Schriftzeichen für
日 ni: Sonne (oder Tag)
本 hon: Ursprung (oder Wurzel).

Damit kommt der Begriff „Land der aufgehenden Sonne“ dem japanischen Verständnis am nächsten.
Die heute gebräuchlichere Lesung ist Nihon (wie in Nihon Sumō Kyōkai – NSK, oder Nihon Hōsō Kyōkai – NHK). Nippon ist die ältere Version, die aber vor allem in manchen Firmennamen noch aktuell ist (z. B. Nippon Kūkō – JAL, oder Nippon Bikutaa – JVC).

Mit Nihon wird allgemein Japan gemeint, in Zusammenhang mit verschiedenen Suffixen können andere japanbezogene Worte gebildet werden:

日本国 Nihon-koku: offizieller Landesname Japan
日本人 Nihon-jin: Japaner
日本語 Nihon-go: Japanische Sprache
日本史 Nihon-shi: Japanische Geschichte
日本海 Nihon-kai: Japanisches Meer (zwischen Japan, Korea und Russland; von den Koreanern allerdings ‚Östliches Meer’ genannt)

Übrigens: Der Begriff Japan stammt angeblich ursprünglich von einem Bericht Marco Polos ab, der von dem Inselreich Zipangu östlich von China erzählt, in dem alles aus Gold sei (natürlich war der gute Marco nie selbst da).

Watashi
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2. Kanji – die Schriftzeichen aus China

Beitrag von Watashi »

漢字 Kanji…
…sind die aus China importierten Schriftzeichen. Die Japaner hatten originär keine echte Schrift, deshalb übernahmen sie im 5./6. Jahrhundert die Schrift aus China (wie so vieles andere).

Der Begriff setzt sich zusammen aus den Schriftzeichen für
漢 KAN: das hier für China steht (von den chinesischen Han)
字 JI: das Zeichen oder der Buchstabe.

Kanji sind also streng genommen die Schriftzeichen der Han und im weiteren Sinne die Chinesischen Schriftzeichen

Es gibt nicht so viele Kanji in Japan wie in China, es reicht aber trotzdem, um Ausländer zu verwirren. Hinzu kommt, dass die meisten Zeichen in Japan mindestens zwei Lesungen haben, eine rein-japanische und eine sino-japanische (also aus dem Chinesischen kommende japanisierte) – oder auch mehrere einer Art.
Das Kanji für Tag 日 (s. Nihon) hat nicht nur die (sino-japanische) Lesung NI, sondern daneben sino-japanisch: NICHI, JITSU und rein-japanisch: hi, ka. Ich werde hier immer nur die relevanten Lesungen angeben. Sino-japanische Lesungen werde ich GROSS schreiben, rein-japanische klein.

Im Laufe der Zeit entwickelten die Japaner auch selbst ein paar Kanji und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine Schriftreform mit einigen Vereinfachungen, z.B. wurde das Zeichen für Geist, Seele KI zu 気. Die Festlandchinesen machten eine noch dramatischere Vereinfachung (气), während die Taiwanesen immer noch die alten Zeichen verwenden (氣), so dass sich die drei Schriftsysteme trotz gleicher Wurzeln inzwischen unterscheiden.

Übrigens: Kanji werden heute in erster Linie für die sinntragenden Worte und Wortbestandteile benutzt. Allein mit Kanji kommt das Japanische aber nicht aus und deshalb widme ich mich nächste Woche den Silbenschriften.

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3. Kana - die Silbenschriften

Beitrag von Watashi »

Im Laufe der Jahr(hundert)e stellten die Japaner fest, dass die chinesischen Kanji nicht richtig zur japanischen Sprache passten (insbesondere grammatikalisch). Zuerst wurde versucht, die grammatikalischen Teile durch einheitliche Kanji zu ersetzen, doch wurde das auf lange Sicht nervig. Deshalb wurden aus den Kanji vereinfachte Silbenzeichen entwickelt. Und da es langweilig gewesen wäre, sich auf eine einheitliche Silbenschrift zu einigen, entstanden zwei unterschiedliche Schriftsysteme, die

かな Kana (in Kanji: 仮名), aufgeteilt in:

ひらがな Hiragana (平仮名) und
カタカナ Katakana (片仮名).

Ursprünglich wurden tendentiell Hiragana von Frauen benutzt und Katakana von Männern. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg waren in offiziellen Dokumenten nur Kanji und Katakana zugelassen.
Über die Jahrhunderte veränderten sich die Kana, da einige Silben wegfielen, so dass beide heute je 47 Zeichen haben.

Heute sind auch die Rollen anders verteilt:

Hiragana werden für grammatikalische Dinge wie Partikel, Endungen von Verben oder Adjektiven verwendet. Darüber hinaus werden sie eingesetzt, wenn die betreffenden Kanji zu schwer oder sonst irgendwie unpassend wären.

Katakana werden für Lehnwörter aus dem Ausland und ausländische Namen benutzt. Daneben stellen sie auch so etwas wie Kursivschrift dar, dienen also der Hervorhebung (immer wieder gern in Manga zur Betonung von Bäng! und Bumm!).

Übrigens: In japanischen Artikeln in Zeitungen oder Zeitschriften werden neben Kanji (für sinntragende Worte und Wortteile), Hiragana und Katakana auch teilweise lateinische Buchstaben (für Abkürzungen) und arabische Ziffern benutzt. Also viel Spaß beim Lesen!

Watashi
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4. Watak(u)shi – ich

Beitrag von Watashi »

Nein, das ist keine (falschgeschriebene) Schleichwerbung für die Schreiberin, sondern ein Wort, das man tatsächlich regelmäßig gebrauchen kann.

私 watak(u)shi… (mit stummem u)
…bedeutet einfach nur „ich“ (also das Pronomen für die 1. Person Singular).
Da das Japanische Fälle nicht am Pronomen ausdrückt, kann es aber je nach Satzzusammenhang auch „mein“, „mir“ oder „mich“ heißen.

Watak(u)shi ist die Lesung, die im Wörterbuch steht. Sie ist eine formelle Art, „ich“ zu sagen. Daneben gibt es auch die Lesungen:
watashi…
… die umgangssprachlichere Variante desselben Zeichens (womit jetzt auch mein wenig kreativer Shikona erklärt wäre), im täglichen Gespräch ist dies sicherlich die häufigste Variante „ich“ zu sagen
atashi…
… eine etwas affektierte Art, die nur von Japanerinnen benutzt wird (und auch bei weitem nicht von allen)

Als Ausländer im Gespräch mit Japanern fährt man mit watashi wahrscheinlich am besten. In formelleren Situationen könnte auch watak(u)shi angemessen sein, aber in solchen Situationen war ich noch nicht.

Im Japanischen verwendet man Pronomen allgemein allerdings nicht so häufig wie im Deutschen. Ist aus dem Kontext eindeutig erkennbar, dass man von sich spricht, lässt man watashi etc. am besten ganz weg.

Obwohl das Japanische normalerweise keine Pluralformen kennt, wird hier eine Pluralsilbe angehängt:
私達 watashi-tachi; watak(u)shi-tachi heißt dann „wir“


Übrigens: Das Leben wäre langweilig, wenn es nur ein Kanji (mit mehreren Lesungen) für „ich“ gäbe, deshalb gibt es noch einige andere „ichs“ in der japanischen Sprache (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

僕 boku; wird in der Regel nur von Jungen im Gespräch mit Gleichaltrigen oder Jüngeren verwendet
俺 ore; wird in der Regel von Männern im Gespräch mit Gleichrangigen oder Untergebenen verwendet; gilt als grobe Ausdrucksweise, z. B. beim gemeinsamen Kneipenbesuch
我 ware; kann genialer Weise „ich“ oder „du“ meinen; eher veraltetes Wort;
wird in der japanischen Übersetzung von „ich denke also bin ich“ verwendet:
我思う、故に我あり; ware omou, yue ni ware ari
己 onore; auch „ich“ oder „du“; ebenfalls veraltet
我輩 wagahai; von Männern benutzt, aber wohl sehr selten, wirkt arrogant;
bekannt aus einem Roman von Natsume Sōseki: 我輩は猫である; Wagahai wa neko de aru (zu deutsch: Ich bin eine Katze)

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5. da/desu - sein

Beitrag von Watashi »

Heute widmen wir uns unserem ersten Verb (wenn auch kein Vollverb):

だ da; bedeutet „sein“ sowie alle Gegenwartsformen, also „bin“, „bist“, „ist“, „sind“, „seid“
da ist die höflichkeitsleere Form (nicht: unhöflich), die man gegenüber engen Freunden benutzt und in unpersönlichen Schriftstücken, beispielsweise wissenschaftlichen Abhandlungen, Zeitungsartikeln etc.; diese Form steht in der Regel auch im Wörterbuch (weshalb sie zuweilen auch als Wörterbuchform bezeichnet wird).

です des(u) (mit stummem u); ist die standardhöfliche Form von „sein“, die man Fremden oder entfernten Bekannten gegenüber benutzt.

Es gibt auch noch eine elaborierte Höflichkeitssprache, diese kann allerdings ziemlich kompliziert werden und wird von Ausländern nicht unbedingt erwartet. Viele Feinheiten können selbst moderne Japaner nicht mehr. Deshalb lasse ich diese Formen zumindest erst einmal außen vor.

Das Verb ist der wichtigste Bestandteil eines japanischen Satzes. Ein einzelnes Vollverb kann ein vollständiger Satz sein. Am Verb werden Dinge wie Zeit, Negation und anderes (wie „müssen“ oder „können“) ausgedrückt, für die wir Deutsche eigene Hilfsverben brauchen.

Da da und des(u) keine Vollverben sind, können sie auch nicht allein stehen. Durch ein Substantiv kann jedoch ein Satz daraus werden; und so können wir jetzt unseren ersten Satz bilden:

„Anke des(u)“ bedeutet „Ich bin Anke“.
Anke lässt sich selbstverständlich durch jeden beliebigen anderen Namen ersetzen und so kann man sich auf einfache Art vorstellen. Solange klar ist, dass man von sich selbst spricht, kann man auch das Pronomen „ich“ (s. letzte Woche) weglassen.

Will man klarstellen, dass man über sich selbst spricht, sagt man:
„Watashi ha (sprich hier: wa) Anke des(u)“.
Die Partikel ha zeigt das Thema des Satzes an. Nur im Fall der Partikel spricht man die Silbe ha aber wie wa aus!

PS: Ich werde gleich noch ein Posting zur allgemeinen Aussprache anfügen. Ich hoffe, es ist einigermaßen verständlich.

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Allgemeines zur Aussprache

Beitrag von Watashi »

Vokale werden sehr ähnlich dem Deutschen ausgesprochen. Mit der deutschen Aussprache liegt man in der Regel nicht falsch, zumal es regionale Unterschiede gibt.
Aber Achtung: kurze Vokale auch wirklich kurz aussprechen,
z. B.: a wie in „nass“, nicht wie in „Hase“

Lange Vokale wie ū (langes u; auch û geschrieben) sind prinzipiell doppelt so lang wie kurze Vokale, in Hiragana wird das lange ū durch ein zusätzliches u geschrieben
das gleiche gilt für das lange ō (wie in kyōkai; auch ô); in Hiragana gibt es zwei lange ō, durch einzusätzliches o oder (häufiger) durch ein angehängtes u (Ôzumô wird in Hiragana Oozumou geschrieben)
ei ist ein langes e (und kein ai-Laut)
ai wird wie das deutsche „Ei“ gesprochen (nicht a-i wie oft gehört!)

Konsonanten folgen eher der englischen Sprache:

k, s, t sind stimmlos
g, z, d sind die entsprechenden stimmhaften Laute

beachte besonders:
s ist ein scharfer Laut wie in „nass“, nicht wie in „Sand“
z ist der stimmhafte Laut wie in „Sand“, nicht wie in „Zeit“
ts ist der Laut wie in „Zeit“ (nur als Silbe tsu)

sh ist ein Laut wie das deutsche sch wie in „Schule“
ch klingt wie tsch wie in „Tschechien“
j ist ein stimmhaftes dsch wie im englischen „Jingle“

y ist wie das deutsche j in „Januar“

r ist eine Mischung aus l, r, d; ein einfaches l tut es aber auch

w (nur noch in wa) nicht wie im deutschen „Wand“, sondern wie das englische „wonder“ (nur mit a); also eher ein ua-Laut

Doppellaute wie in kyoku werden als ein Laut gesprochen, also in deutscher Umschrift: kjoku, nicht kijoku

Doppelte Konsonanten wie in „tsuppari“ führen dazu, dass statt des ersten Konsonanten eine kurze Pause gemacht wird, also etwa tsu•pari.

Ich könnte jetzt noch eine Abhandlung über Buchstaben, insbesondere Vokale, schreiben, die nicht gesprochen werden (wie in Kotomits(u)ki), aber diese werde ich einfach in Klammern setzen.

Watashi
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6. Ohayo gozaimas(u)

Beitrag von Watashi »

Heute widmen wir uns den alltäglichen Begrüßungen:

おはよう (ございます), Ohayō (gozaimas(u))
„Guten Morgen

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7. Hajimemash(i)te … yorosh(i)ku onegaishimas(u)

Beitrag von Watashi »

7. Hajimemash(i)te … yorosh(i)ku onegaishimas(u) - Es ist schön, Sie kennenzulernen

Wenn man jemandem vorher noch nicht begegnet ist, sagt man nicht schnöde „Konnichi ha“ (s. letzte Woche), sondern:

はじめまして;
Hajimemash(i)te (mit stummem i)…
die Begrüßungsformel, wenn man jemanden zum ersten Mal trifft.

Dann stellt man sich selbst vor.

Und danach endet man mit:

(どうぞ)よろしくお願いします; (Dōzo) yorosh(i)ku onegaishimas(u).
Formeller Ausdruck, gegenüber Höhergestellten. „Dōzō“ macht es noch etwas formeller.
どうぞよろしく; Dōzo yoroshiku.
Bei Gleichrangigen.
よろしく; Yorosh(i)ku.
Gegenüber Niederrangigen oder vielleicht unter Studenten etc.

Das bedeutet so viel wie: „Es freut mich, Sie kennen zu lernen.”

Ergo:
はじめまして。
アンケです。
よろしくお願いします。
„Hajimemash(i)te. Anke des(u). Yorosh(i)ku onegaishimas(u).”
(„Guten Tag! Ich bin Anke. Es freut mich, Sie kennen zu lernen.”)

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8. Sumimasen, gomen nasai, moshiwake gozaimasen

Beitrag von Watashi »

Entschuldigt, dass ich mich diese Woche etwas verspäte, aber ich habe gestern meine Magisterarbeit abgegeben und deshalb war das letzte Wochenende etwas sehr stressig. Das Wort der Woche musste da etwas zurückstehen.

Also:

すみません sumimasen, Entschuldigung…
… ist wohl einer der bekanntesten japanischen Ausdrücke,
sumimasen ist die Standard-Entschuldigungsformel, kann sowohl im Sinne von „Ich habe Mist gebaut, tut mir leid“, als auch „Entschuldigen Sie bitte, wie komme ich zu…“ benutzt werden;

aber Japaner wären nicht Japaner, wenn es nicht noch andere Entschuldigungsfloskeln gäbe:

ごめんなさい gomen nasai;
ist weniger höflich als sumimasen, benutzt man eher gegenüber Freunde und guten Bekannten, auch möglich:
ごめんね gomen ne;
ist noch etwas weniger höflich, also vor allem im Freundeskreis (etwa „Bin zu spät, tut mir leid“)

申し訳ございません mōshiwake gozaimasen;
wörtlich: „es gibt keine Ausrede“, das ist die höflichste Form, formuliert in „echter“ Höflichkeitssprache; zu benutzen gegenüber Höhergestellten, Unbekannten etc.;
wenn man jemanden auf der Straße anspricht, um nach dem Weg zu fragen, ist sumimasen eindeutig ausreichend (wenn es auch ein Unbekannter ist)

失礼しますshitsurei shimas(u);
wörtlich: „ich begehe eine Unhöflichkeit“; angebracht, wenn man beispielsweise das Zimmer seines Vorgesetzten oder Professors betritt

失礼しました shitsurei shimash(i)ta;
ist die Vergangenheitsform, also „ich beging eine Unhöflichkeit“; anzuwenden beispielsweise, wenn man zu spät zum Unterricht kommt oder wann man sich von einem Höherrangigen verabschiedet

Für den normalen Ausländer ist es allerdings erstmal ausreichend, nur sumimasen zu kennen. Es wird nicht erwartet, dass man alle Unterschiede kennt (auch ich bin mir regelmäßig nicht sicher).

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9. Doitsu-jin, Oos(u)toria-jin, … - Deutsche/r, Österreicher

Beitrag von Watashi »

Eine wichtige Information, die Japaner immer gern wissen möchten, ist die Nationalität. Europäisch/amerikanisch aussehende Ausländer landen in der Regel erst einmal in der Schublade „Amerikaner/in“. Die meisten Japaner freuen sich aber, wenn sie Ausländer treffen, die woanders herkommen (mir hat mal ein freudestrahlender Japaner erklärt, er habe sehr schöne deutsche Bleistifte, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich Deutsche bin).

Deshalb lernen wir heute:

ドイツ人; Doitsu-jin: der/die Deutsche/r
オーストリア人; Oos(u)toria-jin: der/die Österreicher/in
スイス人; Suisu-jin: der/die Schweizer/in
リヒテンシュタイン人; Lih(i)tensh(u)tain-jin: der/die Liechtensteiner/in (das hi kann man ruhig wie das ch in Liechtenstein aussprechen)

-人; -jin bedeutet also immer den Einwohner des Landes, das davor kommt (s. auch Nihon-jin in der ersten Woche).

Wir können jetzt also sagen:

はじめまして。
私はアンケです。ドイツ人です。
よろしくお願いします。
„Hajimemash(i)te. Watashi ha Anke des(u). Doitsu-jin des(u). Yorosh(i)ku onegaishimas(u).“ („Guten Tag. Ich bin Anke. Ich bin Deutsche. Es freut mich, Sie kennen zu lernen.“)

PS: Falls jemand weitere Länder wissen möchte, melde er/sie sich bitte.

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10. hai - ja (oder auch nicht)

Beitrag von Watashi »

はい hai…
…bedeutet erst einmal einfach „ja“,
nur leider ist ein einfaches „Ja“ im Japanischen noch lange kein einfaches „Ja“:

Stellt man einem Japaner eine Frage und er sagt „hai“, kann das bedeuten:

„Ja, ich habe gehört, dass du mich was fragst“
„Ja, ich habe Sie verstanden“
„Ja, ich denke darüber nach, was ich antworten soll“;

ohne weiteren Zusatz heißt es aber jedenfalls nicht einfach „Ja“.

Beispiel 1:
Japanologiestudenten im ersten Semester stellen ihrer japanischen Japanischlehrerin die (zugegeben naive) Frage:
„Dürfen wir in der Prüfung ein Lexikon benutzen?“
Lehrerin: „Hai…“
Studenten jubilieren; Lehrerin überlegt, schüttelt den Kopf und sagt:
„Nein, leider nicht“
Studenten gucken deprimiert.

Beispiel 2:
Ausländische Studentin in Japan wartet auf Lieferung; Lieferant ruft an:
„Wir kommen in zehn Minuten“,
Studentin: „Hai!“
Großes Schweigen;
Studentin: „Hai, wakarimash(i)ta“ (Ja, ich habe verstanden/weiß bescheid)
Lieferant (nunmehr beruhigt): „Auf Wiederhören“
Gespräch beendet.

Ergo: Ein einfaches „Hai“ besagt wenig, es ist nur ein Weg, dem Gegenüber zu signalisieren, dass man ihm aufmerksam zuhört. In der Regel muss das „hai“ ergänzt werden.

Neben „hai“ gibt es auch andere Wege, „ja“ zu sagen:
ええ (ee)… ist weniger höflich als hai
うん (un, aber mehr mh gesprochen)… ist am wenigsten höflich; vor allem im Freundes- oder Familienkreis zu benutzen;
keine Form bedeutet aber eindeutig „ja“;
außer vielleicht wenn einen im Geschäft die Bedienung fragt:
„Soll ich das Buch einpacken?“, dann kommt man auch nur mit „hai“ weiter…

Übrigens:
いいえ iie…
…bedeutet hingegen wirklich „nein“; das ist aber so direkt, dass man es allein eher vermeidet (sollte also auch ergänzt oder umschrieben werden).

Watashi
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11. Fujisan - das Ende eines Missverständnisses

Beitrag von Watashi »

Aus aktuellem Anlass (meine Mittwoch beginnende Japanreise), widme ich mich in den nächsten Wochen ein paar touristischen Highlights. Den Anfang macht dabei ein beliebtes Missverständnis im Westen:

Der höchste Berg Japans (3776 m) heißt entgegen der landläufigen Meinung im Westen NICHT Fujiyama, sondern
富士山 Fujisan;

富士 Fuji ist sozusagen der Eigenname und
-山 -san bedeutet Berg (gehört aber genauso zum Namen wie das Mount in Mount Everest oder das Mont in Mont Blanc);
Der Fujisan wurde über die Jahrhunderte mit vielen verschiedenen Kanji geschrieben, deshalb ist es schwierig in die einzelnen Kanji (außer das Berg) die ursprüngliche Herkunft des Namens hineinzuinterpretieren. Ich nehme den Namen einfach als gegeben hin.

山 SAN kann auch yama gelesen werden und es gibt Berge, in denen dasselbe Zeichen
-山 -yama gelesen wird, daher kommt wohl auch die falsche Lesung im Westen.

Im Deutschen sollte man also entweder „Fujisan“ sagen wie im Japanischen; oder aber man kann auch einfach „Fuji“ sagen (ist zwar teilweise umstritten, wird aber auch in Japanologenkreisen verwendet).

Übrigens: Der Fujisan ist auch nicht im westlichen Sinne „heilig“, sondern er ist wie viele andere Berge, Bäume und Ähnliches Sitz von kami (Göttern/Geistern), die im Shintō angebetet werden. Und da der Fujisan der höchste Berg Japans ist, hat er eben auch in diesem Sinne einen besonderen Status, das Wort „heilig“ hat im Deutschen aber in der Regel eine andere Konnotation, auch wenn es oft verwendet wird.

Bild unter:
http://www.japan-guide.com/g4/2172_01.jpg

PS: Man kann den Fujisan während der Sommermonate auch besteigen (zusammen mit Millionen anderer). Das ist zwar sehr japanisch und soll eine tolle Erfahrung sein, aber auch nur bedingt schön, unter anderem weil die himmlischen Heerscharen, die vor einem kamen, eine Unmenge an Müll hinterlassen. Deshalb gibt es in Japan ein Sprichwort: Der weise Mann besteigt den Fujisan. Aber nur ein Narr tut es ein zweites Mal.

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12. Nihon sankei - die drei schönsten Landschaften Japans

Beitrag von Watashi »

Die Japaner haben ein Faible für Rankings aller Art, so gibt es beispielsweise die drei schönsten Gärten Japans. Die bekanntesten touristischen Highlights sind jedoch:

日本三景 Nihon sankei...
...die drei schönsten Landschaften Japans.

日本 Nihon kennen wir ja schon, das ist Japan,
三 san ist drei,
景 kei wie in 景勝 keishō, was schöne Landschaft bedeutet.

Diese drei Landschaften sind:

- die Bucht von Matsushima im Nordosten Japans,

- die Landzunge von Amanohashidate, nördlich von Kyōto,

- und der Itsukushima-Schrein auf der Insel Miyajima in der Nähe von Hiroshima.

松島 Matsushima ist eine Bucht mit vielen Inseln (shima), die von Kiefern (matsu) bewachsen sind. Der Blick soll den berühmten Haiku-Dichter Bashō vor Begeisterung zu folgendem Ausspruch animiert haben: „Matsushima ya, aa Matsushima ya, Matsushima" (also etwa Matsushima oh Matsushima Matsushima).

Bild:
http://www.japan-guide.com/g4/5100_01.jpg

天橋立 Amanohashidate (wörtlich: Brücke in den Himmel) ist eine dünne bewaldete „Brücke" (hashi) aus Sand durch das Wasser. Der Witz daran ist, dass man sich an einem bestimmten Platz mit dem Rücken dazu hinstellen und dann die Landzunge auf dem Kopf stehend durch die Beine betrachten soll. Dann sieht sie angeblich wie eine Brücke in den Himmel aus.

Bild:
http://www.japan-guide.com/g4/3990_01.jpg

厳島神社 Itsukushima jinja (Itsukushima-Schrein) ist vor allem für das rote torii („Tor" vor einem Schrein) bekannt, das bei Flut vom Wasser umgeben ist. Das gehört bestimmt zu den 10 häufigsten Postkartenmotiven in Japan (noch kein „offizielles Ranking", denke ich). Der Schrein selbst ist auch sehr schön und die Insel Miyajima ist sicherlich insgesamt eine Reise wert, zumal sie von Hiroshima aus am besten zu erreichen ist, während Matsushima schon ziemlich weit weg von allem ist.

Bild:
http://www.japan-guide.com/g4/2250_03.jpg

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13. Hanami - Kirschblütenschau

Beitrag von Watashi »

花見 Hanami...
...bedeutet wörtlich Blütenschau.

花 hana ist Blüte oder Blume,
見 mi kommt von dem Verb 見る miru, was „sehen, (an)schauen" bedeutet.

In Japan spielen die verschiedenen Blüten, die im Laufe des Frühlings blühen, eine besondere Rolle. Das beginnt mit den Pflaumenblüten im Februar und erreicht seinen Höhepunkt ab Ende März und im April mit der Kirschblüte. Jedes japanische Touristenhighlight, das etwas auf sich hält, hat deshalb einige der berühmten japanischen Zierkirschen (桜 sakura). Die Kirschblüte gilt als besonders japanisch, da ihre Schönheit nur wenige Wochen hält und dann schnell verfällt, was Japaner (angeblich) sehr anspricht.

Während der Kirschblüte ist es Tradition, dass Firmen oder Clubs sich unter den blühenden Kirschen treffen und essen, trinken und Party machen. Das bezeichnet man dann als
花見 hanami, Blütenschau (wenn es auch mindestens so sehr um die Party geht wie um die Blüten).
Die jüngsten Mitglieder gehen dazu schon früh am Tag in die beliebtesten Parks etc. und müssen in großem Stil Plätze freihalten. Das wird dadurch erleichtert, dass für das Platzfreihalten eine große Plastikplane reicht, die ausgebreitet in Japan fast so wirksam ist, wie ein Schlägertrupp, der die Stelle verteidigt (ähnlich läuft es auch beispielsweise beim Anstehen vor Baseballspielen oder beim Platzfreihalten für die Feuerwerkfeste im Sommer).
Die beliebtesten Parks und ähnliches, die für eine besonders schöne Kirschblüte bekannt sind, sind deshalb Anfang April ab nachmittags überfüllt. Die Tōkyō ist das beispielsweise der Ueno Kōen (großer Park im Stadtteil Ueno), in Kyōto wandelt man gerne auf dem Philosophenweg. Für den Touristen ist das Treiben zuweilen etwas befremdlich, aber auch interessant, wobei die Kirschblüten als solche wirklich sehr schön aussehen.

Übrigens: Die japanischen Zierkirschen sind immer wieder ein beliebtes Geschenk der Japaner bei Staatsbesuchen im Ausland gewesen. Deshalb gibt es sie sowohl in Washington, D.C., als auch am Eiffelturm oder sogar in Glasgow. Wer also nur die Kirschblüte ohne hanami will, braucht nicht unbedingt nach Japan zu fliegen

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14. Jinja to tera –Schreine und Tempel

Beitrag von Watashi »

Bei offiziellen Befragungen zur Religion in Japan ergibt sich immer wieder, dass deutlich mehr als die Hälfte der Japaner sich dem Shintō zugehörig fühlen und noch mal so viele sich als Buddhisten sehen. Es ist offensichtlich also kein Problem, beides zu sein. Für den geneigten Ausländer hat das den Vorteil, dass beide Religionen in ganz Japan ihre Bauwerke verteilt haben, die man sich nun ansehen kann. Dabei gilt es zu beachten, dass

神社 jinja...
...“Schreine“ dem Shintō zugehörig

と to...
...“und“

寺 tera (oder 寺院 jiin)...
...“Tempel“ buddhistisch sind.

神 JIN, kami steht für die Götter/Geister des Shintō (als solche kami gelesen) und
社 SHA, JA wird für Gebäude, Firmen, etc. verwendet.

Die Namen von Schreinen enden oft direkt auf jinja, z.B. 靖国神社 Yasukuni jinja (Tōkyō), auf 大社 taisha (großer Schrein), wie in 出雲大社 Izumo taisha, oder 神宮 jingū (gū ist eine andere Be-zeichnung für Schreine), beispielsweise in 明治神宮 Meiji jingū (Tōkyō) oder 伊勢神宮 Ise jingū. Auch -宮 –gū allein ist möglich wie beim 鶴岡八幡宮 Tsurugaoka Hachimangū in Kamakura.
Der Ise jingū ist dabei der höchste Schrein im Shintō, da er der Sonnengöttin Amaterasu, der Urahnin des Tennō-Hauses, gewidmet ist.

寺 tera oder JI ist der Tempel,
院 IN wird für Institutionen etc. verwendet.

Tempelnamen erkennt man in der Regel dadurch, dass sie auf -ji enden (z.B. 東大寺 Tōdai-ji in Nara), in Ausnahmefällen auch auf –tera oder –dera (z.B. 清水寺 Kiyomizu-dera in Kyōto) oder auch auf –in (平等院 Byōdō-in, ebenfalls Kyōto).

Übrigens: Die Religionsbefragungen haben auch ergeben, dass die häufigste „religiöse“ Sitte der Weihnachtskuchen sei. Die Religionsdefinition und –nutzung ist also ziemlich frei, da nur etwa 1 % der Japaner auch wirklich Christen sind. Ähnlich geht es auch bei den Festen zu, so wird man als Kind im Schrein vorgestellt, heiratet oft „christlich“ und wird auf einem buddhistischen Friedhof begraben.

Watashi
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15. ichi, ni, san, … - eins, zwei drei, …

Beitrag von Watashi »

Heute nicht ein Wort, sondern die japanischen Zahlen:

一 ICHI; eins
二 NI; zwei
三 SAN; drei
四 SHI, yon; vier; die sino-japanische Lesung, die man normalerweise benutzen würde (SHI) wird häufig durch die rein-japanische (yon) ersetzt, weil das Zeichen für Tod (死) auch SHI gelesen wird (wie mehrere dutzend andere Kanji)
五 GO; fünf
六 ROKU; sechs
七 SHICHI, nana; sieben; auch hier wird statt sino-japanisch SHICHI oft rein-japanisch nana verwendet
八 HACHI; acht
九 KYŪ; neun
十 JŪ; zehn

Zahlen jenseits der zehn kann man einfach zusammenbasteln:

11 ist jū-ichi (十一); 12 ist jū-ni (十二)
20 ist ni-jū (二十); 21 ist ni-jū-ichi (二十一)

Für Zahlen jenseits der 99 gibt es neue Zeichen für hundert, tausend und zehntausend, die aber im Prinzip genauso zusammengebaut werden:

百 HYAKU, (BYAKU, PYAKU); hundert
千 SEN, (ZEN); tausend
万 MAN; zehntausend (hier sagt man nicht einfach 万 man für 10000, sondern 一万 ichi-man)

damit:

101 ist hyaku-ichi (百一); 210 ist ni-hyaku-jū (二百十)
12.345 ist ichi-man-ni-sen-san-byaku-yon-jū-go (一万二千三百四十五)

100.000 ist dann 十万 jū-man
1.000.000 ist 百万 hyaku-man
10.000.000 ist 千万 sen-man

für 100.000.000 gibt es wieder ein neues Wort:

億 OKU

und das geht alle 10.000 so weiter, aber mehr als 100.000.000.000 (千億 sen-oku) braucht man wohl eher selten

Watashi
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16. Domo arigato gozaimashita - Vielen Dank!

Beitrag von Watashi »

Erstmal danke, dass ihr so lange gewartet habt. Diese Woche war etwas stressig, weil ich eine Seminararbeit fertig machen musste, aber nun kommt es doch noch – das Wort der Woche!

Zum Dank fürs Warten lernen wir heute:

どうもありがとうございました dōmo arigatō gozaimash(i)ta, Vielen Dank!

Diese Form ist schon eine sehr höfliche, die man Fremden oder Höhergestellten gegenüber benutzt. Ähnlich wie wir das schon früher gesehen haben, gibt es hier aber auch weniger höfliche/formelle Formen.

どうも dōmo, am wenigsten höflich, im Freundeskreis (einfach „Danke“)
ありがとう arigatō, immer noch eher weniger höflich, aber etwas formeller
どうもありがとう dōmo arigatō, zusammengesetzt ist es stärker, auch höflicher („Vielen Dank“); in der Regel reicht das auch für Ausländer
どうもありがとうございました dōmo arigatō gozaimash(i)ta, die volle Höflichkeit, klingt aber etwas übertrieben, wenn man es überall einsetzt (z. B. Wechselgeld im Restaurant etc. wird zwar von einem Fremden übergeben, das ist jedoch dessen Aufgabe, deshalb braucht man im Zweifelsfall gar nichts zu sagen)
どうもすみません dōmo sumimasen, klingt erstmal wie eine Entschuldigungsfloskel, kommt einem „Danke“ aber näher (z. B. wenn jemand dir den Weg zeigt, deine Tasche trägt etc.)

Watashi
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17. suru - tun, machen

Beitrag von Watashi »

Heute widmen wir uns unserem zweiten Verb:
する suru…
…bedeutet „tun, machen“ und wird nicht mit Kanji geschrieben (schön, ne?).

する suru ist die höflichkeitsleere Form, die auch im Lexikon steht, man verwendet sie im engen Freundes- oder Familienkreis

します shimas(u) ist die standardhöfliche Form, die man sonst in der Regel benutzt (echte Höflichkeitssprache ausgenommen)

Beide Formen sind alle Formen der Gegenwart und Zukunft von „tun, machen“, allerdings nicht die Verlaufsformen, sondern nur, was man regelmäßig tut; es gibt keinen Unterschied zwischen Singular/Plural, auch können die Pronomen gleich mit ausgedrückt werden, falls klar ist, worüber gesprochen wird.

suru/shimas(u) kann also
ich tue/werde tun, du tust/wirst tun, er/sie/es tut/wird tun;
wir tun/werden tun, ihr tut/werdet tun, sie tun/werden tun
heißen (bezogen auf generelle Aussagen, nicht das Geschehen in diesem Augenblick).

suru/shimas(u) ist furchtbar praktisch, man kann viele Dinge wie Hobbys oder Berufe davor setzen und so ausdrücken, was man (gerne, regelmäßig) tut. Man muss nur ein を (w)o dazwischen bauen ((w)o ist die Akkusativpartikel, die anzeigt, dass das, was davor steht, das ist, was man tut).

z. B.:
相撲をする。 Sumō (w)o suru. – Ich betreibe Sumō.
料理をする。 Ryōri (w)o suru. – Ich koche (gerne). (ryōri = Essen)
花見をする。 Hanami (w)o suru. – Ich werde hanami machen (mir die Blüten ansehen).

Watashi
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18. Kaimono - Einkauf

Beitrag von Watashi »

Da ich in den letzten Wochen immer Probleme hatte, mich auf ein Wort festzulegen, habe ich beschlossen, die Begriffe jetzt thematisch zu sortieren. Jeden Monat stelle ich deshalb Worte aus einem anderen Bereich vor, das macht die Entscheidung einfacher für mich (ich hoffe, das macht es nicht zu langweilig).

Hiermit erkläre ich den Mai zum Monat des Einkaufens. Die nächsten Wochen haben somit mit dem Oberthema
買い物 kaimono – Einkauf zu tun.

買い kai kommt von dem Verb 買う kau, was (ein)kaufen bedeutet,

物 mono ist Sache;

kaimono ist wörtlich also die Einkaufssache,
kaimono ist aber nicht die eingekaufte Sache, sondern die Tätigkeit des Einkaufens. Es lässt sich prima mit unseren bisherigen Verben kombinieren:

Was ist dein Hobby? (Shumi ha (sprich: wa) nan des(u) ka?)
趣味は何ですか。
- 買い物です。
- Kaimono des(u). (Einkaufen/Shopping).

Was machst du nächstes Wochenende? (Konshūmatsu ha (sprich: wa) nani (w)o shimas(u) ka?)
今週末は何をしますか。
- 買い物をします。
- Kaimono (w)o shimas(u). (Einkaufen.)

„kaimono (w)o suru/shimas(u)“ bedeutet also „einkaufen“ als Verb

Watashi
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19. Depaato, suupaa, kombini - Einkaufsstätten in Japan

Beitrag von Watashi »

In Japan gibt es einen Haufen Geschäfte und es wäre ja langweilig, wenn nicht jede Art ihren eigenen Begriff hätte:

店 mise ist der normale japanische Begriff für „Laden, Geschäft“; das wird vor allem für normale, kleinere Geschäfte benutzt wie man sie überall finden kann.

Die meisten Geschäftsarten haben allerdings Namen, die aus dem Englischen stammen (und somit in katakana geschrieben werden). Ohne Hilfe ist die Herkunft teilweise aber schwer zu entdecken:

デパート depaato kommt vom englischen department store und bezeichnet somit die japanischen Kaufhäuser. Man darf aber nicht den Fehler machen und sich das typisch japanische Kaufhaus wie Karstadt vorstellen (obwohl es auch solche gibt). Die großen bekannten Kaufhausketten wie Mitsukoshi, Takashimaya oder Isetan ähneln eher dem KaDeWe oder den Galeries Lafayette in Paris mit Nobelklamotten und hochklassigen Waren (und unglaublichen Fressabteilungen). Der Begriff heißt eigentlich デパートメントストア depaatomento s(u)toa, da das aber unhandlich ist, benutzt man in aller Regel die Abkürzung depaato.
百貨店 hyakka-ten (wörtlich 'Hundertwarenlanden') ist der reinjapanische Begriff für Kaufhaus, mit depaato kommt man aber normalerweise immer aus (nur japanischsprachige Schilder sagen manchmal hyakka-ten, deshalb ist es praktisch, wenn man die Kanji erkennen kann).

スーパー suupaa kommt von supermarket und ist auch eine Abkürzung, da スーパーマーケット suupaa maaketto etwas lang ist. Es bezeichnet normale Supermärkte, ähnlich wie in Deutschland (tendenziell aber eher kleiner, Japan hat wenig Platz), mit der kleinen Ausnahme, dass sie oft längere Öffnungszeiten haben und es sogar 24 Stunden-Supermärkte gibt.

コンビニ kombini ist die Kurzform von コンビニエンスストア kombiniens(u) s(u)toa, convenience store. Das sind kleine Läden, die alles Lebensnotwenige haben, von Lebensmitteln über Zeitschriften zu Schreibwaren. Keine große Auswahl, aber dafür haben sie lange Öffnungszeiten, in den Großstädten in der Regel 24 Stunden. Etwa wie manche Tankstellenläden in Deutschland, nur viel praktischer, bequemer (convenient) gelegen und mit mehr Angebot. Auch gibt es sie in Großstädten fast an jeder Ecke, so dass man eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit was zu essen bekommen kann.

Diese Begriffe zeigen eine Tendenz der japanischen Sprache. Viele Begriffe, die aus dem Englischen übernommen werden, sind nach der katakana-Umschrift sehr lang und unhandlich, da es außer dem „n“ keine einzelnen Konsonanten gibt (vor b,p,m wird n wie m gesprochen, so wie in kombini, das in katakana 'konbini' geschrieben wird). Deshalb werden sie so lange abgekürzt bis ein englischkundiger Ausländer nur noch mit Glück die Herkunft erkennt.

Natürlich gibt es auch Begriffe wie Bäckerei oder Blumenladen. Diese werden in der Regel gebildet, indem an den Begriff für das, was verkauft wird, die Silbe -屋 -ya (für –laden) drangehängt wird.
Also:
パン屋 pan-ya (pan = Brot), also Bäckerei,
花屋 hana-ya, Blumenladen, Florist.

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20. O-kyaku-sama - der Kunde ist König

Beitrag von Watashi »

御客様(お客さま) O-kyaku-sama heißt so etwas wie „der/die ehrenwerte Herr/Frau Kunde/in“, wenn man es wörtlich übersetzen will.

御-(お-) O- (bei anderen Worten auch manchmal GO-) ist ein Höflichkeitspräfix, das eine besondere Höflichkeit des Satzes anzeigt (oft auch einfach in Hiragana geschrieben), im Deutschen wird es oft mit „der ehrenwerte…“ übersetzt (das klingt oft allerdings oft sehr unglücklich, finde ich),

客 KYAKU bedeutet „Kunde, Gast“,

-様(-さま) -sama ist die Höflichkeitsform von
-さん -san, was Herr/Frau … bedeutet.

O-kyaku-sama ist also eine sehr höfliche (ehrerbietige) Form für „Kunde“, die i. d. R. von Ladenbesitzern und Angestellten verwendet wird.
Von sich selbst als Kunden würde man allerdings niemals so sprechen! (Ehrerbietigkeit ist immer anderen vorbehalten.)

Die wahre Bedeutung von „Der Kunde ist König“ kennt man erst, wenn man einmal in Japan war . Selbst die Bedienung im kombini ist immer noch freundlich – und das auch mitten in der Nacht und die Kassiererinnen im suupaa entschuldigen sich, wenn man steht, weil vor einem zwei andere Kunden waren, und das auch, wenn alle Kassen besetzt sind.
Natürlich sind vieles „nur“ Floskeln, aber mir ist eine freundliche Floskel lieber als ein unfreundliches Gebrummel (wie es leider zuweilen hier im Supermarkt ist, kommt mir jedenfalls so vor). Jedenfalls ist mein größter Kulturschock immer beim Zurückkommen aus Japan an der Supermarktkasse.

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21. Irasshaimase – Kommen Sie (herein)!

Beitrag von Watashi »

Betritt man ein japanisches Geschäft, wird man oft mit einem (oftmals ziemlich lauten) „Irasshaimase!“ begrüßt. Auch wenn man nur durch den Supermarkt geht, kann es passieren, dass unversehens hinter einem ein Angestellter auftaucht und „Irasshaimase!“ ruft/sagt. Manchmal wird das soweit getrieben, dass es einem zuweilen auf die Nerven gehen kann.

いらっしゃいませ! „Irasshaimase!“ ist also eine der netten (nett-gemeinten) Floskeln, die ich schon letzte Woche angesprochen habe.

Es kommt von dem Verb

いらっしゃる irassharu, was der ehrerbietige Ausdruck für „kommen/gehen“ oder „sein“ ist (das entspringt der echten Höflichkeitssprache),

-ます -masu ist die normale, standardhöfliche Verbform (vgl. shimasu) und

-せ -se statt -す -su zeigt die Befehlsform an;

„Irasshaimase!“ heißt also „Kommen sie (herein)!“ oder so etwas.

Man muss das nicht unbedingt kennen/erkennen, es soll hier vor allem als Beispiel für eine ganze Reihe von Floskeln dienen und gehört zu einem echten japanischen Einkaufserlebnis einfach dazu.

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22. jido hambai-ki – (Verkaufs-)Automaten

Beitrag von Watashi »

Japan mag das Land der Aufgehenden Sonne sein oder das Land des Lächelns; es ist aber auf jeden Fall das Land der Automaten!

自 JI selbst; 動 DŌ Bewegung -> 自動 jidō automatisch

販 HAN verkaufen; 売 BAI verkaufen -> 販売 hambai verkaufen, Verkauf (Überraschung!)

機 KI Maschine

自動販売機 jidō hambai-ki ist also eine automatische Verkaufsmaschine; auf gut Deutsch also ein (Verkaufs-)Automat. Als Abkürzung wird übrigens auch
自販機 jihan-ki verwendet.

Automaten gibt es in Japan überall und für (fast) alles. Nicht nur Zigarettenautomaten wie bei uns (in Japan auch diese deutlich häufiger) oder ein gutes Duzend Fahrkartenautomaten im Shinjuku Bahnhof an nur einem Eingang, sondern auch Automaten für Fotoutensilien oder Blumen. Nur die immer wieder gern zitierten Automaten für gebrauchte Unterhosen habe ich noch nicht gefunden, ich bin wohl in den falschen Gegenden unterwegs.
Was einem allerdings wohl am meisten ins Auge fällt, sind Getränkeautomaten; in Großstädten gibt es sie an jeder Ecke – und nicht nur einzelne, sondern oftmals in Großgruppen. In Tōkyō habe ich mal 13 Getränkeautomaten nebeneinander gesehen. Bei 20-25 Getränken (teilweise warm und kalt) pro Automat ist das eine nicht zu unterschätzende Auswahl. In Kleinstädten gibt es sie nur an jeder dritten Ecke und auch mal alleine, aber der nächste ist nie besonders weit. Irgendwann ist man so weit, dass einen kein Getränkeautomat mehr schocken kann. Ich bin mal einen bergigen Wanderpfad entlang marschiert, kam auf eine Lichtung und sah einen kleinen, hölzernen Unterstand und – einen Getränkeautomaten. Auch die Tatsache, dass es auf den ersten Blick weder eine erkennbare Stromzufuhr noch eine sinnvolle Möglichkeit, die Getränke nachzufüllen, gab, hat mich nicht weiter irritiert (beides ließ sich dann aber doch noch entdecken). Merke also, wo auch immer du hinkommst, die Getränkeindustrie war schon da!

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23. Resutoran - Restaurant

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir im Mai unser Geld beim Shopping ausgegeben haben, wollen wir uns im Juni etwas ausruhen und etwas Essbares suchen (und mehr Geld ausgeben). Deshalb setze ich als Oberthema für Juni

レストラン res(u)toran – Restaurant an.

Wie man unschwer sieht ist res(u)toran ein Lehnwort. Deshalb schreibt man es auch in katakana.

Ursprünglich wurde das Lehnwort nur für Restaurants westlichen Stils verwendet, ist inzwischen aber auch weit darüber hinaus gebräuchlich. Es gibt aber auch andere Begriffe für Läden, wo man etwas essen kann:

料理店 ryōri-ten (wörtlich Essens-Geschäft); Oberbegriff,

食堂 shokudō – kann Restaurant, aber auch Speiseraum o. ä. heißen (wird in der Uni auch für die Mensa benutzt),

料亭 ryōtei – ein Restaurant in der Regel für japanisches Essen,

居酒屋 izakaya – verkauft auch Speisen, ist aber vor allem eine Kneipe (zaka ist das Sake-Kanji, bedeutet also alkoholische Getränke),

und dann kann man auch Restaurants wie andere Geschäfte mit angehängtem -屋 -ya bilden, z. B. ラーメン屋 Raamen-ya für ein Nudelsuppengeschäft,

… (und vieles mehr, denn sonst wäre Japanisch ja eine einfache Sprache, nicht wahr?)

Zum Einstieg ist res(u)toran aber sicherlich ausreichend.

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24. …o onegai shimas(u)/…o kudasai - Ich hätte gerne…

Beitrag von Watashi »

Vor dem erfolgreichen Essen im Restaurant steht die erfolgreiche Bestellung. Diese kann man relativ einfach aufgeben, ohne viel Japanisch zu können.

Entweder:

…を o ist die Akkusativpartikel, die anzeigt, was man haben möchte,

御-/お- o- ist das Höflichkeitspräfix,

願い negai kommt von dem Verb 願う negau, was „möchten, wollen, wünschen“ heißt,

します shimas(u) bedeutet „tun, machen“;

…をお願いします …(w)o o-negai shimas(u) bedeutet also „Ich möchte gerne…“ und kann sowohl im Restaurant als auch beim Shopping zum Bestellen benutzt werden.

Oder:

…を (w)o wie gehabt,

下さい kudasai ist die Aufforderungsform von dem Verb 下さる kudasaru, das ist die Höflichkeitsform für „jemand gibt mir“;

…を下さい …(w)o kudasai bedeutet also „Bitte geben Sie mir…“ und ist alternativ zu obiger Form anwendbar. Es gibt dabei keine zu bevorzugende Form, beide sind OK.

Vor das を (w)o kann man das gewünschte Gericht etc. setzen. Man muss nur hoffen, dass die Bedienung nicht noch was nachfragt...

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25. Sushi, Sashimi & Co. - alles Fisch oder was?

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir jetzt wissen, wie wir bestellen, sollten wir auch lernen, was wir bestellen können. Deshalb diese Woche eine ganz kleine Auswahl von in Japan immer wieder gern gefundenen und gegessenen Gerichten, sozusagen einmal die Speisekarte rauf und runter (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit). Falls jemand sich besonders dafür interessiert, sind alle weiteren Erläuterungen und Ergänzungen immer gern gesehen.

Abteilung „Roher Fisch“:
寿司(すし) sushi, bei uns wohl als das japanischste aller Lebensmittel empfunden; gibt es in zwei Arten:
握り寿司 nigiri sushi (ein Reisball mit Fisch, Fischeiern, aber auch Fleisch etc. oben drauf)
巻き寿司 maki sushi (in Seetang eingerollter Reis mit einem Stück Fisch oder Gemüse in der Mitte)

刺身 sashimi, der echte rohe Fisch sozusagen (nämlich nur dünne Scheiben rohen Fischs ohne Sushireis oder ähnlichem)

Abteilung „Nudelsuppe“:
ラーメン raamen (dünne, helle Nudeln, Suppe, die Fleisch, Seetang oder ähnliches enthält), in verschiedenen Suppen:
味噌ラーメン miso raamen (mit Suppe auf Miso-Basis, das ist eine Sojabohnenpaste)
醤油ラーメン shōyu raamen (mit Suppe auf Sojasoßenbasis)
塩味ラーメン shio-aji raamen o.ä. (mit Suppe mit Salzgeschmack)
豚骨ラーメン tonkotsu raamen (mit Suppe aus Schweineknochen);

うどん udon (dicke, helle Nudeln, in der Regel in Suppe), oft mit verschiedenen Sachen dazu:
かけうどん kake udon (nur Frühlingszwiebeln, sonst solo)
天ぷらうどん tempura udon (mit in Backteig frittierter Garnele/Gemüse)
肉うどん niku udon (mit dünnen Scheiben gekochtem Fleisch)
カレーうどん karee udon (mit Curry-Suppe);

そば soba (dünne, oft leicht graue Buchweizennudeln), oft in Suppe ähnlich udon, aber auch gekühlt mit extra Soße etc.

Abteilung „Selbstgekochtes“ (am Tisch vom Kunden selbst zuzubereiten):
焼肉 yakiniku (dünne Scheiben Fleisch (niku), aber auch Fisch oder Gemüse, die man am Tisch auf einem Grill selbst brät (yaku))
しゃぶしゃぶ shabushabu (dünne Scheiben Fleisch, Gemüse, Fisch, Tofu etc., die in Wasser am Tisch gekocht werden)
すき焼き sukiyaki (dünne Scheiben Fleisch, Gemüse, Fisch, Tofu etc., die in einer speziellen Suppe gekocht werden)
お好み焼き okonomiyaki (wörtlich: Gebratenes nach eigenem Geschmack; ein Gemisch aus Fleisch, Eiern, Käse, Gemüse etc., das man erst vermengt und dann auf einer heißen Platte brät)

und tausend andere Gerichte…

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26. kore, sore, are - dies hier, das da, das dort (hinten)

Beitrag von Watashi »

Auch wenn ich versucht habe, ein paar Dinge vorzustellen, die man in japanischen Restaurants bestellen kann, ist es natürlich nicht möglich, eine Liste von allem aufzustellen, was man so bekommen kann. Zum Glück kommen Restaurants in Japan dem unkundigen Ausländer da allerdings entgegen (nein, in der Regel gibt es keine englischen Speisekarten, das nur in Ausnahmefällen):
Vor den meisten Restaurants gibt es Schaukästen mit Plastikmustern (so genannte サンプル sampuru, von engl. sample) des Essens, das in dem Laden angeboten wird. Man kann sich also im Zweifelsfall die Bedienung unter den Arm klemmen,vor den Laden schleppen und auf das zeigen, was man haben will. Um das zu vereinfachen lernen wir heute:

これ kore; das bedeutet „das hier (bei mir)“

それ sore; „das dort (bei Ihnen)“

あれ are; „das dort hinten“ (also von beiden etwas entfernt).

Wenn man also auf so ein sampuru zeigt, kann man sagen:

これをお願いします。 Kore (w)o o-negai shimas(u). (Ich hätte gerne das hier.), wenn es näher bei einem selbst ist als bei der Bedienung.

それをお願いします。 Sore (w)o o-negai shimas(u). (Ich hätte gerne das da bei Ihnen.), wenn es deutlich näher bei der Bedieung ist, als bei einem selbst.

あれをお願いします。 Are (w)o o-negai shimas(u). (Ich hätte gerne das dort hinten.), wenn es etwas entfernt oder etwa gleichweit von beiden entfernt ist.

Selbstverständlich kann man alle Sätze auch mit …を下さい …(w)o kudasai bilden, auch beschränkt sich die Anwendung natürlich nicht auf Essen in Restaurants. Es kann auch beim Einkaufen etc. nützlich sein.

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27. s(u)poots(u) - Sport

Beitrag von Watashi »

Dieser Monat beschäftigt sich weniger mit einem Reisethema als mit etwas, dass im Zusammenhang mit Sumo ja auch nicht ganz unwichtig ist:

スポーツ s(u)poots(u) – Sport…
… ist ganz offensichtlich wieder ein Lehnwort und wird damit auch mit katakana geschrieben.

Will man ein japanisches Wort verwenden, kann man
運動 undō sagen, das bedeutet allerdings eher (sportliche) Bewegung im Allgemeinen;

運 UN kann „tragen“, „vorwärts kommen“, aber auch „Glück“ bedeuten (wobei letzteres sicherlich bei der Bildung von undō wohl nicht im Vordergrund stand),
動 DŌ ist „Bewegung“ im Allgemeinen (also auch von Autos etc.).

Wenn man von Sportarten oder ähnlichem spricht, trifft s(u)poots(u) allerdings eher den Punkt.

So kann man fragen:
スポーツをしますか? S(u)poots(u) (w)o shimas(u) ka? (Treiben Sie Sport?)

- はい、相撲をします。 Hai, sumō (w)o shimas(u). (Ja, ich mache Sumo.)

PS: Für jemanden wie mich, der im Fernsehen mit Vorliebe Sportsendungen sieht, gibt es in Japan rein mengenmäßig eine Menge zu sehen. Leider ist Sumo jedoch nicht die Nr. 1 unter den Sportarten in Japan und auch Fußball ist trotz eines allgemeinen Aufschwungs seit Einführung der J-League wohl nicht an der Spitze. Nein, für einen Europäer eher unverständlicherweise ist der Lieblingssport des Durchschnittjapaners wohl immer noch…
…野球 yakyū - Baseball.
野 YA ist Feld
球 KYŪ ist Ball, also in etwa „Feldball“.

Zwar ist auch Baseball in den letzten Jahren unter Druck geraten, aber trotzdem kann man in Tōkyō in der Woche etwa 6-10 Spiele aus dem japanischen Profibaseball sehen (und das bei nur 12 Teams). Dazu kommen Übertragungen aus der amerikanischen MLB (zumindest im Satellitenfernsehen), wo einige Japaner spielen, einige Universitätsspiele und zwei Mal im Jahr die gesamten Oberschulmeisterschaften (fast 2 Wochen lang live!).
Zum Glück gibt es aber eben vom Sumo auch alle basho live im Fernsehen. Im normalen NHK-Fernsehen gibt es i. d. R. zumindest die Makuuchi, oft auch noch die Jūryō, im Satellitenfernsehen sogar auch eine Reihe Makushita-Kämpfe (etwa ab 2 Uhr). Dazu kommen Zusammenfassungen in den wichtigsten Sportsendungen am Abend etc. Also im Vergleich mit Deutschland doch recht vorteilhaft.

Watashi
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28. taiikukan - Sporthalle

Beitrag von Watashi »

Das heutige Wort der Woche kennt der geneigte Sumofan natürlich. Denn schließlich findet das Nagoya basho gerade in der Achi-ken taiikukan statt. Heute gehen wir also folgendem Begriff nach:

体育館 taiikukan – Sporthalle.

体 TAI oder karada (wenn es allein steht) ist der „Körper“,
育 IKU bedeutet „erziehen, großziehen“,
zusammen bedeutet 体育 taiiku somit „körperliche Erziehung“, also so was wie Sport(unterricht);
in Japan gibt es sogar einen Tag des Sports (体育の日 taiiku no hi) als offiziellen Feiertag im Oktober, wo an den Schulen etc. große Sportfeste stattfinden (überhaupt hat Japan deutlich mehr Feiertage als Deutschland)

館 KAN ist die „Halle“,
womit 体育館 taiikukan dann die Halle für körperliche Erziehung wäre, also die Sporthalle oder Turnhalle.

Das Nagoya basho findet also schlicht in einer Sporthalle statt.

Und für denjenigen, der sich fragt, was der Rest des Namens bedeutet:

愛知県 Aichi-ken ist die Präfektur, deren Hauptstadt Nagoya ist (dabei ist 愛知 Aichi der Name und -県 –ken die Präfekturbezeichnung),
愛知県体育館 Aichi-ken taiikukan ist also die „Sporthalle der Präfektur Aichi“ (also: „Aichi Prefectural Gymnasium“)

Übrigens: Das haru basho findet zwar im „Osaka Prefectural Gymnasium“ statt, die japanische Übersetzung ist aber nicht ganz gleich:

大阪府立体育会館 Ōsaka-furitsu taiiku kaikan;

大阪府 Ōsaka-fu ist die Präfektur Ōsaka, da diese aber von der Stadt Ōsaka bestimmt wird, wird der Begriff –府 -fu (Stadtpräfektur, sonst nur noch für die Präfektur Kyōto) verwendet anstatt von –県 –ken (wie für Aichi-ken und die meisten anderen Präfekturen)
府立 furitsu bedeutet „der (Stadt)Präfektur gehörend“,

体育 taiiku wie oben,

会 KAI bedeutet „treffen“,
館 KAN ist wieder „Halle“;
会館 kaikan zusammen ist es also die „Halle zum Treffen“ oder einfach wieder nur „Halle“ oder „Saal“

und damit: „Halle zum Treffen für Sport, die der (Stadt)Präfektur Ōsaka gehört“ (OK, Osaka Prefectural Gymnasium klingt irgendwie schon schöner)

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29. senshu - Spieler, undo-ka - Sportler

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir jetzt wissen, was wir betreiben und wo wir es machen, klären wir heute die philosophische Frage: Wer sind wie eigentlich? Also die Frage nach dem japanischen Wort für Spieler oder Sportler.

Sportler allgemein kann
スポーツマン s(u)poots(u)man (von engl.: sportsman) oder
運動家 undō-ka heißen.

運動 undō ist sportliche Bewegung (s. 27.),
-家 -ka ist wörtlich das „Haus“, wird aber auch für die Bezeichnung von Menschen benutzt.

Will man von den Spielern oder Sportlern einer bestimmten Sportart sprechen, gibt es für die japanischen Sportarten i.d.R. eigene Worte wie
相撲取り sumōtori oder 力士 rikishi beim Sumō oder
柔道家 jūdō-ka beim Jūdō (-ka wird hier wie oben verwendet)

Bei den Spielern der meisten (insb. westlichen) Sportarten nimmt man
選手 senshu – wie z.B. ゴルフ選手 gor(u)f(u) senshu (Golfspieler), 野球選手 yakyū senshu (Baseballspieler) etc.

選 SEN bedeutet „wählen, aussuchen“
手 SHU, te ist die „Hand“ (hier aber auch wieder als Bezeichnung für Menschen);
選手 senshu ist also die „ausgewählte Hand“, der „ausgewählte Mensch“ für eine bestimmte Sportart; man kann aber jeden so nennen, der eine Sportart betreibt, auch wenn er/sie sich nicht benimmt, aber ob er/sie dazu auserwählt wäre (so wie ich im Moment im Tippspiel).

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30. taikai - Turnier

Beitrag von Watashi »

Erst einmal ein grosses SUMIMASEN an meine Stammleser, weil ich diese Woche so ewig spaet dran bin (nur 6 Tage). Es ist nicht so einfach in der japanischen Provinz ein Internet-Cafe zu finden (in Kanazawa - fast eine halbe Million Einwohner - wird es sicherlich irgendwo eines geben, aber ich habe es nicht gefunden).

Also, auf geht es:

Beim Sumō heißen die Turniere 場所 basho, das wissen wir ja, aber wie schon bei der Bezeichnung der Sportler ist das nicht die normale Bezeichnung für (sportliche) Turniere aller Art. Vielmehr spricht man in der Regel von
大会 taikai – Turnier.
(Das hat natürlich nichts mit 千代大海 Chiyotaikai zu tun.)

大 TAI, DAI, ō bedeutet „groß“ (das gleiche Zeichen wie in 大相撲 Ōzumō),
会 KAI ist „treffen“,
大会 taikai ist also das „große Treffen“, beim Sport also in der Regel ein Turnier.

So werden beispielsweise die Olympischen Spiele von Tōkyō als
東京オリンピック大会 Tōkyō orinpikku taikai bezeichnet.

Es muss aber nicht unbedingt im Zusammenhang mit Sport benutzt werden. Auch Redewettbewerbe oder ähnliches können unter den Begriff taikai fallen.
Des Weiteren muss das Treffen nicht immer kompetitiven Charakter haben. Auch Konferenzen oder ähnliches können unter taikai laufen (so sie denn groß genug sind).

Übrigens: 場所 basho bedeutet eigentlich nur „Ort, Stelle, Platz“ oder ähnliches, aber das ist hier wahrscheinlich auch allgemein bekannt.

Watashi
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31. s(u)paik(u), shooto, s(u)tamen, gatts(u) poozu – klingt

Beitrag von Watashi »

Heute werden wir uns am Beispiel von ein paar Sportwörtern ansehen, was in Japan so aus englischen oder englischartigen Worten werden kann. Das Japanische kennt verschiedene Möglichkeiten, mit Lehnwörtern umzugehen:

1. Das Wort wird in katakana übertragen, aber ansonsten weitgehend unverändert gelassen:
スパイク s(u)paik(u) – Spike (unter dem Schuh)

2. Das Wort ist nach der Übertragung in katakana zu lang und wird deshalb radikal gekürzt:
ショート shooto – Shortstop (Position im Baseball) [oder Kurzschluss (short circuit)]

3. Das Wort ist zu lang, es besteht aus zwei Originalwörtern und wird nicht einfach nur gekürzt, sondern es werden von beiden Wörtern die ersten beiden katakana-Silben zusammengesetzt:
スタメン s(u)tamen (von sutaatingu membaa) – die Spieler eines Teams, die bei Spielbeginn auf dem Platz stehen (starting member, im Englischen ist allerdings eher starters üblich)

4. Es gibt kein solches Wort im Englischen, es wird im Japanischen erfunden, sieht aber Englisch aus (bevor ihr lacht, das deutsche „Handy“ ist auch nicht radikal anders):
ガッツポーズ gatts(u) poozu (?guts pose?) – Spieler streckt nach einem gelungenen Spielzug etc. einen oder beide Arme zum Jubeln in die Luft (ein solches Wort sucht man im Englisch-Wörterbuch allerdings umsonst);
diese Art von Worten wird als
和製英語 wasei eigo bezeichnet
和 WA steht für Japan
製 SEI ist hergestellt
和製 wasei bedeutet also „in Japan hergestellt“

英 EI steht für England
語 GO bedeutet Sprache
英語 eigo ist also Englisch

和製英語 wasei eigo ist somit „in Japan hergestelltes Englisch“.

Watashi
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32. kotsu – Verkehr

Beitrag von Watashi »

Heute gibt es gleich zwei Worte zum Preis von einem (weil ich ja auch diese Woche schon wieder spät dran bin). Ich hoffe, ich bin ab diesem Sonntag wieder pünktlich.

Da ich gerade durch Japan gereist bin, gibt es diesem Monat etwas zum Thema
交通 kōtsū – Verkehr.

交 KŌ bedeutet „mischen, austauschen“
通 TSŪ ist „pendeln, verkehren, gehen; Straße“;
交通 kōtsū als kleinster gemeinsamer Nenner beider Kanji ist damit „Verkehr, Transport“ im allgemeinen Sinne.

Ein anderes Wort für Verkehr ist
通行 tsūkō im Sinne von „passieren, hindurchgehen“;

通 TSŪ wie oben
行 KŌ ist „gehen“.

通行 tsūkō wird für viele Begriffe im Straßenverkehr benötigt:

通行規則 tsūkō kisoku – Verkehrsregeln
一方通行 ippō tsūkō – Einbahnstraße

Für Japan ist vor allem wichtig zu wissen, dass auf den Straßen
左側通行 sasoku tsūkō – Linksverkehr gilt;

左 SA, hidari ist „links“
側 SOKU, gawa ist die „Seite“.

Man sollte aber auch
右側通行 usoku tsūkō – Rechtsverkehr kennen
(右 U, migi ist logischerweise „rechts“),

da in manchen Bahnhöfen und U-Bahnstationen nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite gelaufen werden soll (nicht, dass sich da jeder dran hält; es hilft aber, wenn man zumindest weiß kann, auf welche Seite bevorzugt gelaufen werden sollte; außerdem fühle ich mich viel besser, wenn ich weiß, dass ICH richtig gehe).

Watashi
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33. Densha, tetsudo; – die Bahn kommt (pünktlich)

Beitrag von Watashi »

Willkommen zurück Freunde und Fans des Wortes der Woche. Nach der technisch bedingten Zwangspause versuche ich jetzt wieder jede Woche ein (oder mehrere) japanische Worte vorzustellen. Bitte verzeiht im Voraus, wenn ich mal wieder hinterher hänge, aber ich bin voller guter Vorsätze.

Da ja nun einige Wochen kein Wort der Woche gelaufen ist, ist es hoffentlich OK, dass ich heute etwas mehr schreibe. Wir steigen da ein, wo wir gestoppt wurden und widmen uns heute (und in den nächsten Wochen) dem Öffentlichen Personen (Nah) Verkehr.
Während die Deutschen furchtbar (gerne) Auto fahren, läuft in Japan viel mehr Verkehr mit Bahnen, Bussen oder U-Bahnen. Das hat ganz praktische Gründe, denn wenn die Millionen Pendler, die täglich nach Tōkyō müssen, mit dem Auto kämen, würden sie wahrscheinlich den ganzen Tag im Stau stehen, anstatt zu arbeiten (Auto fahren in Tōkyō ist so schon eine Strafe).

Der wichtigste Teil des japanischen Verkehrs ist aller Wahrscheinlichkeit nach:
電車 densha – die Bahn, der Zug;
DEN bedeutet elektrisch
SHA ist der Wagen,
die Bahn ist also wörtlich der „Elektrowagen“ (daraus lässt sich sehen, dass Dieselloks eher nicht so häufig sind), das kann sowohl die normale Eisenbahn betreffen als auch S-Bahnen.

Die Eisenbahn(gesellschaft) ist:
鉄道 tetsudō;
TETSU - Eisen
– der Weg; also der Eisenweg (da die Schienen aus Eisen sind, wie im Deutschen: Eisenbahn).
Die bekannteste Eisenbahngesellschaft ist natürlich die ehemalige Staatsbahn JR (Japan Railways), die heute eigentlich aus 6 Regionalgesellschaften besteht (Hokkaidō, Ost, Tōkai, West, Shikoku, Kyūshū). Die Unterschiede merkt man aber als normaler Kunde weniger.

JR betreibt auch den
新幹線 Shinkansen, den ersten Hochgeschwindigkeitszug der Welt (erste Strecke Tōkyō-Ōsaka zur Olympiade 1964);
SHIN - neu
KAN - Stamm
SEN –Strecke ; also die „Neue Stammstrecke“ (?!) oder so.
Weil die japanischen Bahnen Schmalspurweite haben (aus England übernommen) und Hochgeschwindigkeitszüge darauf nicht fahren können, mussten für den Shinkansen völlig neue Trassen gebaut werden. Daher neue Strecke. Das hat auch den Vorteil, dass Unfälle auf Nahverkehrsstrecken sich nicht auf die Shinkansen auswirken.
Im Moment gibt es Shinkansen im Bereich von JR Ost, Tōkai, West und seit neuestem auch auf Kyūshū. Besonders JR Tōkai besteht überwiegend nur aus dem Tōkaidō-Shinkansen von Tōkyō nach Ōsaka und ist deshalb die profitabelste JR-Gesellschaft, da der Nahverkehr auch in Japan eher unprofitabel ist.

Neben den JR-Gesellschaften gibt es aber auch noch einen Haufen Privatbahnen, die nur bestimmte Strecken befahren, allein am Bahnhof Shinjuku (in Tōkyō) fahren neben JR Ost noch Keiō, Odakyū, Seibu und zwei U-Bahngesellschaften (im Großraum Tōkyō sind es mindestens 7 Privatbahnen plus U-Bahn).
Japanische Züge sind im Vergleich zu deutschen vor allem pünktlich (obwohl ältere Japaner sagen, dass sie in der guten alten Zeit noch viel pünktlicher waren). Wenn man drei Minuten Verspätung hat, entschuldigt sich der Zugführer für jede der drei Minuten (mehrfach). (Soviel zum Thema „Drei Minuten sind zuviel“.)
In den Ballungsgebieten (also vor allem Tōkyō, Ōsaka) fahren die Züge auch deutlich häufiger als in Deutschland. Auf der Chūō-sen (Linie, die Pendler von Westen nach Tōkyō bringt), in deren Nähe ich mal gewohnt habe, fuhr zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr morgens die Züge im 2 Minuten-Takt (da fallen auch eventuelle Verspätungen nicht wirklich auf). Hier gibt es dann auch die Männer mit den weißen Handschuhen, die Passagiere in die ohnehin überfüllten Züge quetschen (ich habe es vorgezogen, 20 Minuten und 10 Züge zu warten, ehe ich mich am äußersten Ende hineingezwängt habe).
Die Yamanote-sen (Ringlinie in Tōkyō) fährt tagsüber nie seltener als alle fünf Minuten. Deshalb schaut man in Tōkyō eigentlich nur auf den Fahrplan, um festzustellen, wann die erste und wann die letzte Bahn fährt (das sollte man wissen, da zwischen etwa 0.00 Uhr und 4.30 Uhr eine Lücke ist).

Ich könnte noch eine Ewigkeit weiter schreiben (ich bin ein Fan japanischer Bahnen), aber ich denke zum Einstieg reicht das erstmal. Also dann bis nächste Woche.
Zuletzt geändert von Watashi am 27. Nov 2005 11:03, insgesamt 1-mal geändert.

Watashi
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34. bas(u) – Bus

Beitrag von Watashi »

Während das Zugsystem oder die U-Bahn zumindest in Tōkyō und Ōsaka auch für Ausländer nach einer kurzen Einführung gut zu benutzen sind, stellt das Bussystem deutlich größere Ansprüche an den Passagier.
Sprachlich ist es erst einmal kein großes Problem:
バス bas(u) – Bus ist schließlich ein Lehnwort aus dem Englischen.

Aber schon Bushaltestelle kommt leider nicht von bus stop, sondern ist gemischt:
バス停 bas(u)-tei (Kurzform von バス停留所 bas(u) teiryū-jo).
TEI bedeutet erstaunlicherweise „anhalten“,
RYŪ bedeutet, hm, auch „anhalten“,
JO, SHO ist der „Platz“ (gleiches Kanji wie in baSHO).

Busse dienen in der Regel der Passagierbeförderung zwischen den Bahnhöfen, die nicht durch Zugverbindung direkt zu erreichen sind, und in Innenstädten und anderen Gegenden, die keine Bahnhöfe haben. Leider ist die Versorgung mit lateinischen Buchstaben beim Bussystem nicht sehr ausgeprägt (OK, in Kyōto ist im Bus eine Anzeige, die zuweilen die nächste Haltestelle auch auf Englisch anzeigt, aber in der Tōkyōter Gegend ist dem nicht immer so).

Es gibt Busse mit Einheitsfahrpreis, die meisten anderen funktionieren aber nicht so einfach. Dort steigt man hinten ein und nimmt ein
整理券 seiri-ken, ein Ticket mit einer Nummer drauf.
SEI heißt „vorbereiten, in Ordnung bringen“,
RI „Grund, Prinzip“, zusammen heißt seiri dann „aufräumen, in Ordnung bringen“
KEN ist das „Ticket“, die „Fahrkarte“; seiri-ken ist also das „Ordnungsticket“, das den Fahrpreis regelt;
vorne hat der Bus eine Anzeige mit den Nummern der seiri-ken und den jeweils aktuellen Fahrpreisen für jede Nummer, die mit der gefahrenen Strecke langsam (oder auch schneller) ansteigen. Beim Aussteigen wirft man dann seiri-ken und den gerade bei seiner Nummer angezeigten Fahrpreis beim Fahrer in eine Box, bevor man vorne aussteigt. (Jetzt muss man nur noch wissen, an welcher Haltestelle man aussteigen muss.)

Neben den Nahverkehrsbussen in bahnhoffreien Zonen gibt es auch noch
高速バス kōsoku bas(u) – Überlandbusse, die statt der nationalen Zugverbindungen (etwa den Shinkansen, aber auf weit mehr Strecken) benutzt werden können.
– hoch,
SOKU – Geschwindigkeit; also „Hochgeschwindigkeitsbusse“, die die Autobahnen benutzen. Diese brauchen deutlich länger als die Shinkansen, sind allerdings auch deutlich billiger und es gibt auch welche, die über Nacht fahren, so dass man eine Übernachtung sparen kann (das hat mich aber bisher noch nicht genug überzeugt, um mir das wirklich anzutun). Bei den Überlandbussen muss man in der Regel vorbestellen, insbesondere bei beliebten Strecken.

Insgesamt ist das Bussystem in Japan sicherlich nicht gerade schlecht ausgebaut, für Ausländer aber oft etwas (sehr) verwirrend. In Kyōto beispielsweise hat man aber kaum eine andere Wahl, da es keine S-Bahnen und nur zwei bedingt praktische U-Bahnlinien gibt.

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35. chikatets(u) – die U-Bahn

Beitrag von Watashi »

Obwohl jetzt schon Dezember und damit ein neuer Monat ist, bleibe ich noch eine Woche beim Thema Verkehr (durch die Unterbrechung haben sich meine Planungen etwas verschoben). Ich hoffe, dass ist OK.

Nachdem wir schon Bahn und Bus gefahren sind, fehlt nur noch ein Trip in der U-Bahn, um den ÖP(N)V zu vervollständigen. U-Bahnen gibt es dabei nur in den größten Städten, also etwa Tōkyō, Ōsaka oder Nagoya.

U-Bahn heißt 地下鉄 chikatets(u)
CHI - „Erde, Grund, Boden“
KA – „unten, unterhalb“
TETSU – „Eisen“ (wie in tetsudō, s. Eisenbahn);
地下鉄 chikatets(u) ist also das „Eisen, das unter der Erde ist“, übertragen also die „Untergrundbahn“.

Die meisten U-Bahnen werden von den Städten betrieben (beispielsweise Ōsaka, Kyōto), in Tōkyō gibt es eine städtische und eine privat betriebene U-Bahn. Die städtische ist die
都営地下鉄 toei chikatets(u);
TO – „Hauptstadtpräfektur“ (Präfekturbezeichnung, die nur für Tōkyō benutzt wird)
EI – „durchführen, planen, veranstalten“, also die „U-Bahn, die von der Präfektur Tōkyō betrieben wird“.
Die private hieß lange Eidan chikatets(u) (Eidan - der Betreiber), wurde aber vor ein paar Jahren umbenannt und heißt jetzt:
メトロ Metro, das ist leichter zu merken, ansonsten hat sich aber nichts verändert.
In Tōkyō muss man wegen der zwei Betreiber darauf achten, ob man von der städtischen U-Bahn zur Metro wechselt oder umgekehrt, weil dann der Fahrpreis steigt. Der Umstieg ist aber prinzipiell in der Regel problemlos möglich (die Systeme sind nicht baulich völlig getrennt).

Ein anderes Problem hat man in Kyōto: Immer, wenn man anfing zu buddeln, stieß man auf historisch wertvolle Gebäude (der Fluch von über 1000 Jahren Hauptstadt; ähnlich in Rom oder Athen), weshalb Kyōto bis heute nur zwei U-Bahnen hat (eine in Nord-Süd-Richtung und eine von Westen nach Osten). Diese sind aber für Touristen relativ nutzlos, weil die bekannten Touristen-Highlights eher in den Ecken der Stadt liegen, so dass man Bus fahren muss. Dem Straßenverkehr in Kyōto tut die beinahe U-Bahnlosigkeit auch nicht wirklich gut, so dass man für die Busstrecken auch noch etwas Zeit einplanen sollte.

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36. shukujits(u) – Feiertage (für Japan)

Beitrag von Watashi »

Da bei uns ja in den nächsten Wochen eine Reihe von Feiertagen anstehen, sollten wir uns doch einmal ansehen, was Japan an Feiertagen zu bieten hat:

Feiertag allgemein ist
祝日 shukujits(u);
SHUKU – feiern, gratulieren (auch als 祝する shuk(u) suru – „feiern“ zu verwenden)
JITSU, hi – Tag.

Die staatlichen Feiertage sind
国民の祝日 kokumin no shukujits(u);
KOKU – Land
MIN – Nation, Volk;
国民 kokumin bedeutet auch Nation, Volk;
国民の祝日 kokumin no shukujits(u) sind also die nationalen Feiertage, die in ganz Japan frei sind. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Läden aber an Feiertagen geöffnet, so dass sie sich hervorragend zum Einkaufen eignen.

Nun haben die meisten sicherlich schon gehört, dass japanische Arbeitnehmer relativ wenig Urlaub haben und den auch nicht ganz nehmen. Aber dafür haben sie 14 (!) Feiertage (nur die Kaufhausangestellten etc. haben wohl verloren):

元日 ganjits(u) – Neujahr (1.1.)
成人の日 seijin no hi – Tag der Jugend (2. Montag im Januar)
建国記念の日 kenkoku ki’nen no hi – Tag der Staatsgründung (11.2.)
春分の日 shunbun no hi – Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche (ungefähr 21.3.)
みどりの日 midori no hi – der grüne Tag (29.4.)
憲法記念日 kempō ki’nen-bi – Verfassungstag (3.5.)
こどもの日 kodomo no hi – Tag der Kinder (5.5.)
海の日 umi no hi – Tag des Meeres (3. Montag im Juli)
敬老の日 keirō no hi – Tag des Respekts vor den Alten (3. Montag im September)
秋分の日 shūbun no hi – Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche (ungefähr 23.9.)
体育の日 taiiku no hi – Tag des Sports (2. Montag im Oktober)
文化の日 bunka no hi – Tag der Kultur (3.11.)
勤労の日 kinrō kansha no hi – Tag des Dankes an die Arbeit (?) (23.11.)
天皇誕生日 tennō tanjō-bi – Tennō-Geburtstag (23.12.)

Und das Schöne daran ist, fällt ein Tag auf einen Sonntag, ist der folgende Montag frei, damit der Feiertag auch nicht vergessen wird. Deshalb wurden einige Tage inzwischen fest auf Montage gelegt (früher hatten fast alle Feiertage feste Daten).

Bevor man nach Japan reist, sollte man sich vorher informieren, welche Feiertage eventuell in die Zeit fallen, weil beispielsweise kleinere Postämter dann geschlossen sind. Außerdem haben viele Museen montags geschlossen, außer, wenn der Montag auf einen Feiertag fällt, dann ist der folgende Dienstag geschlossen. Darüber sollte man sich tunlichst vorher informieren (glaubt mir).

Watashi
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37. Golden Week – die „Goldene Woche“

Beitrag von Watashi »

Letzte Woche haben wir uns die Feiertage in Japan angesehen. Dem aufmerksamen Leser mag dabei aufgefallen sein, dass es eine gewisse Häufung Ende April Anfang Mai gibt (29.4., 3.5., 5.5.). Und da die Japaner praktisch veranlagt sind, werden Tage zwischen zwei Feiertagen, wie der 4.5., auch frei gemacht. Das nennt man dann

休日 kyūjitsu – freier Tag (kein nationaler Feiertag, aber trotzdem frei);
kyū – frei, Pause, Urlaub, ausruhen,
jitsu – Tag.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wird der 4.5. ab 2007 aber auch eine echter Feiertag; der 29.4. wird 昭和の日 Shōwa no hi – der Shōwa-Tag, weil es früher des Geburtstag des Shōwa-Tennō war (Vorgänger und Vater des jetzigen Tennō) und der 4.5. wird みどりの日 midori no hi – der grüne Tag.

Und wenn ohnehin schon drei Tage in der Woche frei sind, machen manche Unternehmen oder Angestellte die restlichen Tage der Woche auch frei und mit einem oder zwei Sonntagen entsteht so
連休 renkyū - eine Reihe von freien Tagen;
ren – miteinander verbunden, aufeinander folgen (wie in 連勝 renshō – Siege in Folge),
kyū – frei etc. wie oben.
Das funktioniert wie bei den Brückentagen in Deutschland.

In dieser einen Woche ist ganz Japan auf den Beinen (ganz Japan? – nein, eine kleine Gruppe unglücklicher Kaufhausangestellter, Supermarktkassierer etc. muss doch arbeiten) und reist durchs Land.
Das Ganze wird als
ゴールデンウィーク Gooruden Wiiku – Golden Week („Goldene Woche“) bezeichnet und als Ausländer mit etwas Zeit sollte man sich gut überlegen, ob man versucht, ebenfalls durchs Land zu reisen, da die meisten Shinkansen, Flugzeuge und Hotelzimmer ewig im Voraus ausgebucht sind oder die Preise dramatisch ansteigen.

Alle paar Jahre kann es jetzt auch vorkommen, dass im Herbst der Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche und der Tag des Respekts vor den Alten in eine Woche fallen (da beide nicht auf ein Datum festgelegt sind). Dann kann von Sonntag (ohnehin frei) über Montag (Feiertag), Dienstag (freier Tag, da eingeklemmt) und Mittwoch (wieder Feiertag) noch eine Reihe freier Tage entstehen, die auch als
秋のゴールデンウィーク aki no gooruden wiiku – Golden Week des Herbstes;
aki – Herbst,
no – Partikel, die Zugehörigkeit anzeigt (Genitiv),
ゴールデンウィーク gooruden wiiku – Golden Week,
bezeichnet wird. Das nächste (und aufgrund einer Gesetzesänderung erste) Mal wird dies 2009 der Fall sein.

Watashi
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38. merii k(u)risumas(u) – Frohe Weihnachten

Beitrag von Watashi »

Dieses Mal etwas zu früh, dafür nächstes Mal zu spät (erst ab 5.1.), tut mir leid, aber zwischendurch bin ich im Urlaub ;-).

Bei uns ist diese Woche Weihnachten, das ist kaum zu übersehen. Da Weihnachten aber nun entschieden christlichen Ursprungs ist, hat es sich in Japan nicht ganz so verbreitet wie bei uns, zumal nur etwa 1 % der Japaner Christen sind.

クリスマス k(u)risumas(u) kommt vom englischen „Christmas“, also
メリークリスマス merii k(u)risumas(u) ! – Merry Christmas! oder Frohe Weihnachten!

Weihnachten wird in Japan kaum gefeiert, aber das, was passiert, hat seine japanischen Eigenheiten:
- So gibt es in den Städten, Kaufhäusern oder Unis etc. durchaus Weihnachtsdekorationen, da Weihnachten jedoch zu nah an Neujahr liegt, was das wichtigste Familienfest in Japan ist, muss die Weihnachtsdeko ziemlich früh weichen. So wird sie in der Regel am 25. Dezember (also eigentlich zum Beginn der Weihnachtstage) abgenommen. Selbst an der Uni, an der ich studiert habe, obwohl das eine „christliche“ Universität war.
- Des Weiteren gilt Weihnachten vielen Japanern als „Fest der Liebe“ im wahrsten Sinne des Wortes, das man mit dem Freund/Freundin oder Ehepartner verbringt. Als Familienfest hingegen ist es eher unbedeutend.
- Japanische Kaufhäuser lassen sich nie eine Möglichkeit entgehen, einen Sonderverkauf mit Sonderangeboten zu machen.
セール seeru – Sonderverkauf kommt auch aus dem Englischen von „sale“.
So gibt es neben Neujahrs-Sales, Valentins-Sales, Frühlings-Sales, Golden Week-Sales, … eben auch „Christmas-Sales“.
- Bei einer Umfrage über religiöse Gebräuche in Japan wurde herausgefunden, dass der häufigste angeblich der „Weihnachtskuchen“ ist.
クリスマスケーキ k(u)risumas(u) keeki – Christmas cake oder Weihnachtskuchen,
das ist ein Sahne- oder Buttercremetorte mit Erdbeeren und Schokolade. Das hat zwar für die Japaner nicht wirklich einen religiösen Hintergrund, aber wer’s mag…

Und nun Freunde, Fans und versehentlich Leser des Wortes der Woche beschließe ich mein erstes Jahr und hoffe, euch alle im neuen Jahr wieder begrüßen zu dürfen, wenn wir weitermachen mit
39. shōgatsu - Neujahr.

Watashi
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39. shogatsu – Neujahr

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir im letzten Jahr gelernt haben, dass Weihnachten beileibe nicht das Familienfest ist, das es bei uns ist, lernen wir im neuen Jahr das japanische Äquivalent kennen:
das Neujahrsfest.

正月 shōgatsu – Neujahrszeit;
SHŌ – richtig, korrekt; mitten in; …,
GATSU – Monat;
正月 shōgatsu also „der richtige Monat“ (?), bedeutet jedenfalls „Januar“ oder eingegrenzter „Neujahr“, „Jahresanfang“.

Neujahr umfasst dabei nicht nur den 1.1., sondern ist mehrere Tage lang. Jedoch ist nur der 1.1. ein gesetzlicher Feiertag:
元日 ganjitsu;
GAN – Ursprung, Anfang,
JITSU – Tag;
also der „Tag des Anfangs“, der „erste Tag des Jahres“. Dieser Tag (und früher der 2.1. und 3.1.) ist so ziemlich die einzige Zeit im Jahr, zu der (fast) alle Geschäfte geschlossen haben. Inzwischen gibt es auch hier Ausnahmen, aber traditionell ergreift den Japaner kurz vor Jahresende die Panik, dass er über Neujahr verhungern könnte und er kauft wie wild Lebensmittel ein, die dann auch für zwei Wochen reichen würden. Deshalb sollte man Supermärkte am 30./31.12. nach Möglichkeit meiden (so wie bei uns vor den Weihnachtstagen).

Im Gegensatz zum Rest des Jahres (insbesondere) im Sommer gibt es an Neujahr kein Feuerwerk in Japan. Es ist eher eine beschauliche Sache. Man besucht die Familie, Freunde und Bekannte und isst und verteilt Geschenke namens
お年玉 o-toshidama;
おー o- – Höflichkeitspräfix
toshi – Jahr,
tama, dama – Kugel, Juwel;
das kommt daher, dass Kinder oft eine Münze zu Neujahr bekamen/bekommen. Und da der Japaner an sich keine Möglichkeit auslässt, Geschenke zu verteilen, tut er dies an Neujahr eben auch.

Außerdem verschickt man Neujahrkarten an Gott und die Welt und am 1.1. macht die japanische Post Überstunden, um sie alle pünktlich an den Mann zu bringen. Ab Dezember gibt es wegen der Wichtigkeit bei japanischen Briefkästen einen Schlitz, der nur für Neujahrspost da ist (sonst für internationale Post, Eilbriefe etc.). Diese Karten heißen
年賀状 nengajō;
NEN – Jahr,
GA – Gratulation, Glückwünsche,
– Brief;
also „Brief der Glückwünsche zum (neuen) Jahr“. Die Karten enthalten heute oft eine Nummer für die offizielle Neujahrslotterie der japanischen Post, so dass der Empfänger nicht nur eine Karte sondern auch ein Los bekommt, so dass das Neujahrsgeschenk gleich in der Karte mit eingebaut ist.

In der Neujahrsnacht geht man traditionell zu einem Schrein und stattet den kami (Göttern) seinen Antrittsbesuch ab. Das heißt
初詣 hatsumōde;
hatsu – erster (wie in hatsu basho),
mōde – Schreinbesuch (oder Tempelbesuch);
falls kein Schrein zur Hand ist, tut es aber auch ein Tempel. Diese Tradition wird nicht von allen Japanern befolgt (es geht ja auch nicht jeder Christ Weihnachten in die Kirche), aber es ist ziemlich weit verbreitet.

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40. shiki – die vier Jahreszeiten

Beitrag von Watashi »

Da 39. shōgatsu eigentlich am 1.1. veröffentlicht werden sollte und nur aufgrund meiner Reise und der Arbeit an einem Seminarvortrag verzögert wurde, hier gleich noch das Wort für Woche 2.

Nachdem Neujahr noch zum alten Thema „Feiertage“ gehörte, widme ich mich im Januar den „Zeiten“ wie Jahreszeiten, Monaten, Wochentagen oder Tageszeiten.

Heute also
四季 shiki – die vier Jahreszeiten;
SHI – vier,
KI – Saison, Jahreszeit.

Auch
季節 kisetsu – Jahreszeit;
KI – Saison, Jahreszeit,
SETSU – Jahreszeit, Saison; Zeit; Abschnitt; …;
überraschenderweise also „Jahreszeit“.

Drei von vier Jahreszeiten sind dem passionierten Sumofan bestens vertraut, da einige basho nach den jeweiligen Jahreszeiten benannt wurden (nur der Winter fehlt). Zum Einstieg ins neue Jahr also etwas Leichtes:

haru – Frühling
natsu – Sommer
aki – Herbst
fuyu – Winter.

In Japan gibt es in aller Regel einen jahreszeitlichen Wechsel des Klimas, wobei allerdings die Art und Weise je nach Gegend sehr unterschiedlich ist. In Tōkyō (und allgemein der Pazifikseite, wo alle großen Städte liegen) gibt es beispielsweise heiße, schwüle Sommer und trockene Winter, während die Japanmeerseite (wenig bekannte Großstädte) nicht ganz so heiße Sommer und schneereiche, kalte Winter hat.
Die meisten Japaner kennen sich mit dem Klima in Deutschland nicht sehr genau aus, deshalb ist eine häufig gestellte Frage, ob es auch in Deutschland Jahreszeiten gibt. Nicht blöd gucken, sondern freundlich antworten.

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41. hizuke – Datum

Beitrag von Watashi »

Wir arbeiten uns jetzt langsam von lang (Jahreszeiten) Richtung kurz voran und machen heute
日付 hizuke – das Datum;
hi – Tag,
付(ける) tsu(keru), hier: 付 zuke – versehen mit, anbringen (beim Eingeben in den Computer: duke);
man versieht also einen Tag mit einem Datum (?).

Ein anderer Begriff für Datum ist
年月日 nengappi;
NEN – das Jahr,
GATSU – der Monat,
hi – der Tag;
zusammen also das, was das Datum ausmacht: die Bezeichnung von Jahr, Monat und Tag.

Das Datum wird in Japan genau in dieser Reihenfolge angegeben:
Jahr/Monat/Tag (heute ist also 2006/01/15); also andersrum als in Deutschland.

Die Bezeichnung des Jahres erfolgt…
…entweder wie im Westen, dann schreibt man einfach:
2006年 2006-nen (sprich: ni-sen roku-nen)

…oder nach den Jahresdevisen des Tennō (heute praktischerweise eine Devise pro Tennō),
der jetzige Tennō hat die Devise
平成 heisei ausgegeben;
HEI – Frieden,
SEI – leben, werden;
das ist von einem längeren Ausspruch genommen und bedeutet soviel wie „Frieden überall“ (angeblich, ich kenne mich mit alten japanischen oder chinesischen Werken nicht so gut aus).

平成元年 Heisei gannen,
GAN – Ursprung, Anfang,
NEN – Jahr;
also das 1. Jahr Heisei war 1989, damit haben wird heute
平成18年 oder 平成十八年 Heisei 18-nen – das 18. Jahr Heisei.

Die Monate sind auch einfach zu merken:
一月 ichi-gatsu – Januar, 二月 ni-gatsu – Februar, 三月 san-gatsu – März, 四月 shi-gatsu – April, …
bis 十二月 jū-ni-gatsu – Dezember
werden einfach durchgezählt mit einem gatsu für „Monat“ dahinter.

Die Tage sind von den Kanji ähnlich aufregend, haben aber ein paar Aussprachebesonderheiten (die aber dem Sumofan aus den basho-Tagen überwiegend bekannt sein sollten):
1. 一日 tsuitachi, 2. 二日 futs(u)ka, 3. 三日 mikka, 4. 四日 yokka, 5. 五日 its(u)ka, 6. 六日 muika, 7. 七日 nanoka, 8. 八日 yōka, 9. kokonoka, 10. 十日 tōka, 11. 十一日 jū-ichi-nichi, ab hier regelmäßig mit –日–nichi gebildet außer:
14. 十四日 jū-yokka, 20. 二十日 hats(u)ka, 24. 二十四日 ni-jū-yokka

Heute ist also
平成十八年一月十五日 Heisei jū-hachi-nen ichi-gatsu jū-go-nichi,
15. Januar 2006.

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42. shu – die Woche

Beitrag von Watashi »

Nach Jahren, Monaten und Tagen, die wir zur Bestimmung des Datums brauchten, gehen wir jetzt einen Schritt zurück und widmen uns
shū – der Woche und
週日 shūjitsu – den Tagen der Woche;
SHŪ - Woche
JITSU – Tag.

Die Wochentage heißen auch
曜日 yōbi;
– Wochentag,
hi, bi – Tag;
das wird praktischerweise bei der Benennung der Wochentage auch gleich hinten drangehängt (nur wird hier nicht einfach durchnummeriert):

月曜日 getsu-yōbi – Montag;
GETSU – Mond, Monat

火曜日 ka-yōbi – Dienstag;
KA - Feuer

水曜日 sui-yōbi – Mittwoch;
SUI - Wasser

木曜日 moku-yōbi – Donnerstag;
MOKU - Baum

金曜日 kin-yōbi – Freitag;
KIN – Geld, Gold

土曜日 do-yōbi – Samstag;
DO – Erde, Boden

日曜日 nichi-yōbi – Sonntag;
NICHI – Sonne, Tag.

Verkürzt kann man das ー日 -bi am Ende auch weglassen und wird trotzdem verstanden.
Bei Öffnungszeiten werden in der Regel nur die jeweils ersten Zeichen verwendet:

土日10―20 do-nichi 10-20 wäre also Samstag und Sonntag von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Samstag und Sonntag zusammen sind auch in Japan
週末 shūmatsu – das Wochenende;
SHŪ – Woche
MATSU – Ende;
das heißt aber nicht, dass man nicht einkaufen könnte, denn ein Ladenschlussgesetz gibt es in Japan nicht so wie in Deutschland. Deshalb wird das Wochenende besonders gern zum Familieneinkauf genutzt, wenn endlich mal alle da sind (außer, einer arbeitet als Verkäufer).

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43. ima nan-ji? – Wie spät ist es?

Beitrag von Watashi »

Erst einmal muss ich mich entschuldigen, dass ich letzte Woche kein Wort der Woche gepostet habe. Mein Computer hatte am Sonntag eine Nahtoderfahrung und konnte nur mit List und Tücke davor bewahrt werden, in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Es hat jedoch eine Weile gedauert, bis alles wieder lief und dann war ich damit beschäftigt, zu testen, ob alle Programme wieder so funktionieren wie sie sollen (und zwischendurch musste ich auch noch in die Uni).

Daher jetzt erst einmal der letzte Teil unserer „Zeitreihe“ aus dem Januar, die Uhrzeit. Nebenbei lernen wir auch noch die Grundregeln der Fragestellung.

Zur Zeit des Schreibens war es:
二十一時十分 ni-jū-ichi-ji juppun – 21 Uhr 10;
二十一 ni-jū-ichi – 21 (kennen wir schon),
-時 -JI – Stunde, … Uhr,
JŪ, JU (mir folgendem Doppelkonsonanten) – zehn,
FUN, PUN (je nach vorhergehendem Buchstaben) – Minute.
Diese 24-Stunden-Bezeichnung ist allerdings in Japan nicht so üblich. Sie wird teilweise im Fernsehen verwendet, spaßigerweise zählen die Japaner teilweise sogar noch weiter. So ist 1 Uhr in der Nacht im japanischen Fernsehen zuweilen
二十五時 ni-jū-go-ji – 25 Uhr.

Die meisten Stunden- und Minuten werden regelmäßig gebildet, der Einfachheit halber schreibe ich sie aber alle auf:
一時 ichi-ji – ein Uhr
二時 ni-ji – zwei Uhr
三時 san-ji – drei Uhr
四時 yo-ji – vier Uhr
五時 go-ji – fünf Uhr
六時 roku-ji – sechs Uhr
七時 shichi-ji oder nana-ji – sieben Uhr
八時 hachi-ji – acht Uhr
九時 ku-ji – neun Uhr
十時 jū-ji – zehn Uhr
十一時 jū-ichi-ji – elf Uhr
十二時 jū-ni-ji – zwölf Uhr

In Japan werden die Uhrzeiten in der Regel nicht mit 24 Stunden angegeben, sondern in zwei 12 Stunden-Blöcken. Man ergänzt dann
午前 gozen – vormittags (wie am im Englischen)
午後 gogo – nachmittags (analog pm)

GO – Mittag,
ZEN – vorher,
GO – nachher.

一分 ip-pun – eine Minute
二分 ni-fun – zwei Minuten
三分 san-pun – drei Minuten
四分 yon-pun – vier Minuten
五分 go-fun – fünf Minuten
六分 rop-pun – sechs Minuten
七分 nana-fun – sieben Minuten
八分 hap-pun oder hachi-fun – acht Minuten
九分 kyū-fun – neun Minuten
十分 jip-pun oder jup-pun – zehn Minuten
十一分 jū-ip-pun – elf Minuten
Ab da einfach weiter basteln.

Will man wissen wie spät es ist, packt man vor das -時 –ji die Vorsilbe nan-, was allgemein auf eine Frage hindeutet.
今何時? Ima nan-ji? bedeutet dann „Wie spät ist es jetzt?“
ima – jetzt
何- nan- – Fragesilbe
-時 -ji – Uhr;
diese Frageform wird unter Freunden etc. verwendet.
Die standardhöfliche Form für weniger gut Bekannte oder Fremde, Höhergestellte etc. ist
今何時ですか? Ima nan-ji des(u) ka?
です des(u) – standardhöflich für „sein“
ka – Fragepartikel, die bei allen standardhöflichen Fragestellungen angehängt wird.

Das Wort dieser Woche folgt morgen, sumimasen.

Watashi
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44. tadaima – ich bin wieder da (und andere Phrasen)

Beitrag von Watashi »

Nachdem ich mich ja letzte Woche etwas verspätet habe (nur eine Woche), kommt das Wort für diese Woche nur etwa 24 Stunden zu spät (ist doch ein Fortschritt). Diesen Monat stelle ich ein paar sinnvolle Phrasen oder tägliche Begrifflichkeiten vor, die man in Japan so hören kann. Das ist nicht unbedingt sinnvoll gegliedert, sondern das, was mir so einfällt oder was ich bisher nicht unterbringen konnte.

Der erste Teil des Februars wurde inspiriert von unserem neu gegründeten Teamspiel-Team, dem ich jetzt angehöre. Ich erweitere es aber um andere Phrasen aus der gleichen Kontext.

Wir stellen uns folgende Szene vor: Fred Feuerstein kommt nach Hause, schmeißt die Tür auf und ruft: „Ich bin wieder da!“. Was könnte der Gute nun in Japanisch sagen?
Wer sich fürs Teamspiel interessiert, weiß es vielleicht schon, für alle anderen:

ただいま tadaima (in der Regel eher nicht in Kanji) – Ich bin wieder da.
tada – bloß, nur,
ima – jetzt;
also etwa „(ich bin) jetzt da“.
(Wobei ich nicht wirklich weiß, ob Fred das wirklich im Japanischen sagt).

Aber nicht nur Fred Feuerstein kann es sagen, sondern generell rufen Japaner, wenn sie nach Hause kommen, „tadaima“.

Die korrekte Antwort eines schon zu Hause befindlichen Familienmitgliedes/Mitbewohners ist:
お帰り(なさい) o-kaeri (nasai) – Willkommen zurück.
おー o- – Höflichkeitspräfix,
帰り kaeri – Form von 帰る kaeru „wiederkehren“
なさい nasai – Höflichkeitssprache, Aufforderung (kann auch weggelassen werden);
also: Bitte komme (wieder rein).

Aber, um wiederzukommen, muss man erst einmal das Haus verlassen. Der Gehende sagt dann:
行ってきます itte kimas(u) – Ich gehe dann;
行って itte – Form von 行く iku „gehen“,
きます kimas(u) – standardhöfliche Form von 来る kuru „kommen“;
also „ich gehe und komme (wieder).

Ist noch jemand zu Hause, entgegnet dieser:
行ってらっしゃい itte rasshai – Bis dann (sehr frei übersetzt);
行って itte – Form von „gehen“,
らっしゃい rasshai, (eigentlich いらっしゃい irasshai) – Form von いらっしゃる irassharu, Höflichkeitssprache für „kommen“, Aufforderungsform;
also „gehe und komme (wieder).

Watashi
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45. itadakimas(u) – Guten Appetit (sehr frei übersetzt)

Beitrag von Watashi »

Isst man in Japan, wünscht man nicht seinem Gegenüber wie bei uns „Guten Appetit!“, sondern sagt stattdessen:
いただきます itadakimas(u);
いただく itadaku ist Höflichkeitssprache (bescheiden) für „bekommen“ oder „essen/trinken“;
いただきます itadakimas(u) bedeutet also nur „ich esse“, es wird also nicht zum Gegenüber gesagt, sondern ist eine Aussage über sich selbst. Würde man über jemand anderen sprechen würde man nie bescheidene Höflichkeitssprache benutzen, sondern je nach Situation höflichkeitsleere (食べる taberu), standardhöfliche (食べます tabemas(u)) oder ehrerbietige (召し上がる meshiagaru/ 召し上がります meshiagarimas(u)) Sprache benutzen. Mit letzterem wäre man dann wieder in der Höflichkeitssprache.

Nach dem Essen beschließt man das Mahl dann mit
ご馳走様でした go-chisō-sama desh(i)ta – es hat gut geschmeckt (oder so ähnlich)
go – Höflichkeitspräfix,
CHI – rennen, galoppieren,
– rennen, laufen,
馳走 chisō – Bewirtung, gutes Essen (total logisch, bei den Kanji, ne?),
sama – Art und Weise, Zustand,
でした desh(i)ta – standardhöfliche Vergangenheitsform von です des(u), also "war";
also etwa „das war gut“ oder „ich habe gut gegessen“.

Wir sehen, dass es gerade bei diesen festen Phrasen die reine Übersetzung nicht immer weiterhilft. Da hat bei mir nur Auswendiglernen geholfen.

Watashi
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46. de ha mata ne – bis dann, wir sehen uns

Beitrag von Watashi »

Ein paar Begrüßungen hatten wir ja schon einmal, nun kommen wir auch mal zum Abschied.

Verabschiedet man sich von einem Freund oder Verwandten (ist also keine Höflichkeitssprache o. ä. geboten), sagt man:
ではまたね。 De ha mata ne. – Wir sehen uns. Bis bald. (ha sprich: wa);
では de ha (sprich: wa) – also,
また mata – wieder,
ne – nicht wahr, ne…

In noch informellen Situationen, zwischen guten Freunden, Studenten etc. sagt man auch
じゃまたね。Ja mata ne. – Wir sehen uns. Bis bald.
じゃ ja ist eine Verschleifung von では de ha, bedeutet aber das gleiche.

Man kann die Verabschiedung auch noch ausbauen, etwa:
ではまた明日ね。 De ha mata ash(i)ta ne. – Wir sehen uns morgen. Bis morgen.
明日 ash(i)ta – morgen

ではまた来週でね。 De ha mata raishū de ne. – Wir sehen uns nächste Woche. Bis nächste Woche.
RAI – kommend, nächste,
SHŪ – Woche,
de – Partikel, der die Zeit anzeigt (wann?)

ではまた後でね。 De ha mata ato de ne. – Wir sehen uns später. Bis später.
ato – später

Also:
ではまた来週でね。

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47. Omedeto gozaimas(u)! – Herzlichen Glückwunsch!

Beitrag von Watashi »

Ich habe mich mal wieder etwas verspätet, gomen ne!

Zum Abschluss der praktischen Wendungen im Februar lernen wir heute:

おめでとう omedetō – Herzlichen Glückwunsch (für Freunde, sehr gute Bekannte etc.),
von おめでたい omedetai – freudige Sache, glücklicher Umstand etc.
おめでとうございます omedetō gozaimas(u) – Herzlichen Glückwunsch (für Höhergestellte, weniger gut Bekannte etc.),
ございます gozaimas(u) – Höflichkeitssprache (ehrerbietig) für sein, vorhanden sein;
wörtlich also „es ist eine freudige Sache“ oder so, im Endeffekt also „Herzlichen Glückwunsch“.

おめでとう! Omedetō! lässt sich vielseitig zu verschiedenen Gelegenheiten einsetzen. Die Phrase lässt sich einfach durch die zu feiernde Gelegenheit erweitern, etwa:

お誕生日おめでとう! O-tanjō-bi omedetō! – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag,
おー o- – Höflichkeitspräfix,
誕生日 tanjō-bi – Geburtstag;

ご結婚おめでとう Go-kekkon omedetō! – Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit!,
ごー go- – Höflichkeitspräfix,
結婚 kekkon – Hochzeit;

ご成功おめでとう! Go-seikō omedetou! – Herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg!,
ごー go- – Höflichkeitspräfix,
成功 seikō – Erfolg;

明けましておめでとう! Akemash(i)te omedetō! – Frohes neues Jahr!,
明けまして akemash(i)te – wörtlich: es ist angebrochen (das neue Jahr);

auch:
クリスマスおめでとう! Kurisumasu omedetō! – Frohe Weihnachten!

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48. terebi – Fernsehen

Beitrag von Watashi »

Neuer Monat, neues Thema. Im März widme ich mich dem
テレビ terebi – Fernsehen.

Wie schon die Schreibweise in katakana zeigt, ist der Begriff ein Lehnwort. Wie wir es schon früher hatten, ist es eine verkürzte Form eines in katakana übertragenen englischen Wortes (wie beispielsweise depaato).
Terebi kommt vom englischen „television“, in katakana wäre das
テレビジョン terebijon, der Einfachheit halber wird das verkürzt eben zu
テレビ terebi.
Das zeigt auch eine Besonderheit bei der Umschrift ins Japanische: Das englische „v“ wird in der Regel zu „b“, weil dieser Laut unter den üblichen dem „v“ am nächsten kommt (aus japanischer Sicht). Es gibt in katakana zwar einen Weg auch „v“ zu schreiben, dieser wird jedoch nur bei Eigennamen verwendet, wird ein Wort hingegen japanisiert, mutiert englisch „v“ zu japanisch „b“.

Im Bereich des Fernsehens gibt es viele Begriffe, die aus dem Englischen übernommen wurden, z. B.
ビデオ bideo – Video
ステレオ s(u)tereo – stereo
アナウンサー anaunsaa – Ansager (von announcer)
プロデューサー p(u)rodyuusaa – Produzent
ドキュメンタリー dokyumentarii - Dokumentation

Hier zeigt sich auch die Vorliebe der Japaner, Worte zu rekombinieren.
テレビデオ terebideo – ein Fernsehgerät mit integriertem Videorekorder (kombiniert aus テレビ terebi und ビデオ bideo)
テレメンタリー terementarii – eine Fernsehdokumentation (kombiniert aus テレビ terebi und ドキュメンタリー dokyumentarii)

Über die Güte des japanschen Fernsehens kann man streiten. Für den geneigten Sumofan hat es natürlich den unbestreitbaren Vorteil, dass man zur basho-Zeit in der Regel ab der Juryo, zumindest aber die Makuuchi live im frei empfangbaren Fernsehen bekommt (außer der Premierminister besucht Russland oder Nord-Korea, die Kronprinzessin ist schwanger, es gab ein schweres Erdbeben...). Außer dem Sumo ist das japanische Fernsehen allerdings...
Näheres dazu beim nächsten Wort der Woche zum Thema "Programm".

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Re: 47. Omedeto gozaimas(u)! – Herzlichen Glückwunsch!

Beitrag von gernobono »

Watashi hat geschrieben: 誕生日 tanjō-bi – Geburtstag;
hat das wort tanjou irgendeine bedeutung wie geburt?
ich habe mich nämlich gefragt, ob dann der tag der geburt sowas wie tanjou no hi heisst.......

Watashi
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Re: 47. Omedeto gozaimas(u)! – Herzlichen Glückwunsch!

Beitrag von Watashi »

gernobono hat geschrieben:
Watashi hat geschrieben: 誕生日 tanjō-bi – Geburtstag;
hat das wort tanjou irgendeine bedeutung wie geburt?
ich habe mich nämlich gefragt, ob dann der tag der geburt sowas wie tanjou no hi heisst.......
Richtig, 誕生 tanjō bedeutet soviel wie Geburt.
TAN heißt "geboren werden, Geburt" (und "Lüge, Übertreibung, Unsinn")
JOU, SEI bedeutet "Geburt, Leben",
zusammen also erstaunlicherweise auch "Geburt".

Andersherum (生誕 seitan) heißt es übrigens auch "Geburt".

誕生日 tanjō-bi ist sowohl der Geburtstag (also der Tag, an dem man jährlich feiert) als auch der Tag, an dem man geboren wurde (falls du das mit "Tag der Geburt" gemeint hast).

Das Geburtsdatum ist
生年月日 sei-nengappi,
SEI - "Geburt, Leben"
NEN - "Jahr"
GATSU, GA... - "Monat"
HI, BI, ...PI - "Tag";
also Jahr, Monat und Tag der Geburt, das Geburtsdatum.

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49. bangumi – Programm

Beitrag von Watashi »

Heute widme ich mich einem Teil von Japan, mit dem ich mich nie so ganz anfreunden konnte, dem
テレビ番組 terebi bangumi – Fernsehprogramm
oder テレビプログラム terebi puroguramu (von engl.: television program).

BAN – Nummer, Reihenfolge, …
kumi, gumi – Gruppe, zusammenfügen,
番組 bangumi ist jedenfalls das Programm.


Dem normalen Ausländer kommt das japanische Fernsehprogramm oft etwas laut, schrill, bunt, überdreht und nur sehr bedingt witzig vor (ich bin da nicht allein, aber es gibt sicher auch Leute, die es toll finden, die kenne ich nur nicht). Ein besonderer Teil sind dabei die
笑い番組 warai bangumi;
笑い warai – lachen (vom Verb 笑う warau – lachen),
also Lachprogramm oder Comedysendung;
auch als
バラエティ番組 baraeti bangumi,
バラエティ baraeti (von engl.: variety) bekannt.
In diesen Sendungen treten (meiner Meinung nach) immer wieder dieselben Leute auf, die ich nicht witzig finde, und machen Ratespiele, Sportspiele, Talkshows etc. Aber Japaner vermissen genau diese Sendungen, wenn sie längere Zeit in Deutschland sind. Das Problem ist wahrscheinlich eine leicht unterschiedliche Vorstellung von Humor.

So wir hier lässt sich das Wort bangumi praktischerweise an viele Begriffe hängen:

スポーツ番組 supootsu bangumi – Sportprogramm;
für den geneigten Sumōfan natürlich sehr schön, da es alle basho-Tage live auf NHK gibt. Außer Sumō bedeutet Sport in Japan allerdings vor allem Baseball (Profibaseball etwa 6-8 Mal pro Woche, Highschool-baseball zwei Mal im Jahr für je mindestens zwei Wochen, Nationalmannschaftsbaseball wann immer sich eine Möglichkeit bietet…), Uni-Baseball und zunehmend auch Fußball (wobei ich mit dem japanischen Fußball nie richtig warm geworden bin).
Nun interessiere ich mich inzwischen sogar für Baseball, doch auch diese Übertragungen sind sehr japanisch. Die Spiele beginnen i.d.R. um 18.00 Uhr, die Übertragung um 19.00 Uhr (hey, wer will schon den Anfang sehen?). Die Spiele haben kein definitives Ende, die Übertragung endet entweder um 8.54 Uhr oder 9.24 Uhr, oft genug vor Ende des Spieles (aber hey, wer will schon das Ende sehen?).

クイズ番組 kuizu bangumi – Quizshow,
クイズ kuizu von engl.: quiz – Quiz, Ratespiel;
es gibt beispielsweise eine japanische Variante von „Wer wird Millionär?“ (da tauchen die ach so witzigen Leute übrigens auch wieder auf).

音楽番組 ongaku bangumi – Musiksendung,
音楽 ongaku – Musik,
ON – Ton, Geräusch
GAKU – Musik (Kanji aus 千秋楽 senshūraku bekannt, 楽 RAKU – gemütlich, bequem);
und da Japaner karaoke lieben, wird i.d.R. immer der Text zum Mitsingen unten eingeblendet, egal ob Popmusik oder japanische Volksmusik.

ニュース番組 nyuusu bangumi – Nachrichtensendung,
ニュース nyuusu (von engl.: news) – Nachrichten;

und so weiter…

Das Programm wird veröffentlich im
番組表 bangumi-hyō – Programm (im Sinne von Programmübersicht etc.),
HYŌ – Liste, Tabelle; Ausdruck, Außenseite
(dasselbe Kanji wird auch für die tägliche torikumi-Übersicht beim Sumō benutzt: 取組表 torikumi-hyō).

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50. NHK – öffentlich-rechtliches Fernsehen in Japan

Beitrag von Watashi »

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Japan heißt NHK, das ist ja relativ bekannt (und es bringt die Sumo-Liveübertragungen an den Mann/die Frau). Was aber steckt hinter diesem Akronym?

日本放送協会 Nippon hōsō kyōkai;
日本 Nippon – Japan,
放送 hōsō – Sendung, Übertragung (bei Rundfunk und Fernsehen)
mit:
– freilassen, abschießen, abfeuern
– schicken, entsenden, begleiten
協会 kyōkai – Versammlung, Gesellschaft
mit:
KYŌ – zusammenarbeiten,
KAI – Versammlung, Treffen

NHK ist also die japanische Gesellschaft zur (Funk- und Fernseh-) Übertragung.
Und wie alles gut japanische gibt es auch einen englischen Namen:
Japan Broadcasting Corporation (also eine direkte Übersetzung des japanischen Namen).

放送 hōsō – Übertragung, Sendung wird allgemein beim Fernsehen oder Rundfunk verwendet, wurde also nicht von NHK gepachtet.
協会 kyōkai – Versammlung Treffen kennen wird schon aus 日本相撲協会 Nihon sumō kyōkai.

Rechtlich ist es natürlich nicht völlig identisch mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland, aber relativ nah. Man kann also nicht das deutsche Rundfunkgesetz nehmen und analog auf NHK anwenden, aber die Beschreibung als öffentlich-rechtlich trifft den Punkt am besten, denke ich.

NHK betreibt zwei frei empfangbare Sender,
NHK総合 NHK sōgō („das Erste“)
総合 sōgō – allgemein;
NHK教育 NHK kyōiku (Bildungsfernsehen)
教育 kyōiku – Erziehung, Bildung
zwei Satellitenprogramme:
NHK衛星 NHK eisei 1 und 2
衛星 eisei – Satellit
sowie
NHKハイビジョン NHK hai bijon (HDTV)
ハイビジョン hai bijon (kurz von engl: high definition television)

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51. chukei – Übertragung

Beitrag von Watashi »

Entschuldigt die unendliche Verspaetung, aber ich war seit fast zwei Wochen nicht mehr im Internet. Hier also erstmal den Rest vom Maerz.

Sieht man sich eine Sumō-Übertragung im Fernsehen an, dann ist das:

大相撲中継 Ōzumō chūkei;
大相撲 Ōzumō – Profi-Sumō, also das, worüber wir hier im Großen und Ganzen reden,
中継 chūkei – Übertragung (von vor Ort),
mit:
CHŪ – Mitte, Zentrum
KEI – nachfolgen, verbinden;
also etwa „verbinden mit den Mitte“, also eine Übertragung von Ort des Geschehens.

Eine Live-Übertragung nennt man auch:
生中継 nama-chūkei;
nama bedeutet ursprünglich „roh“ (also roher Fisch, rohes Gemüse etc.), unbearbeitet, frisch,
生中継 nama-chūkei ist also eine frische, unbearbeitete Übertragung, also eine Live-Sendung (und die würden wir ja auch in Deutschland zu gerne sehen, nicht wahr?).

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52. bumpo – Grammatik

Beitrag von Watashi »

Im Monat April werde ich euch ein wenig mit Grammatik quälen, damit ich bei meinen Beispielen auch mal kurze Sätze verwenden kann. Keine Angst, das wird keine Japanisch-Stunde, sondern nur eine gaaaaanz kurze Einführung in verschiedene Wortarten.

文法 bumpō – Grammatik,
BUN – Satz
HŌ, PŌ – Gesetz, Regel,
文法 bumpō sind also die Regeln des Satzes, also die Grammatik.

Der Grundaufbau japanischer Sätze ist nicht so schwer zu verstehen:
Hinter steht immer das Verb (2. Aprilwoche) oder das Adjektiv (3. Aprilwoche),
davor stehen alle anderen Wortarten,
danach ausschließlich Partikeln, die Fragen oder Ausrufe anzeigen.
Hinter praktisch jedem Nomen kommt eine Partikel (4. Aprilwoche), die praktisch den Fall des Nomen ersetzt (japanische Nomen kennen keine Fälle, keinen Plural etc.).
Am Ende lernen wir noch, wie man daraus eine Frage macht (5. Aprilwoche).

Ein einfaches Beispiel:

私は家で熱い紅茶を飲んで、ケーキを食べている。
Watashi ha uchi de atsui kōcha o nonde, keeki o tabete iru.
Ich trinke gerade heißen Schwarzen Tee und esse Kuchen.

私は Watashi ha – Nomen „ich“ mit Themapartikel (also der ganze Satz dreht sich um mich)
家で uchi de – Nomen „zu Hause“ mit Partikel, die den Ort anzeigt (wo ich etwas tue)
熱い atsui – Adjektiv „heiß“ (das Nomen danach ist heiß)
紅茶を kōcha o – Nomen „Schwarzer Tee“ mit Akkusativpartikel (ich tue etwas mit dem Tee)
飲んで nonde – Verb „trinken“ in der Form, mit dem man zwei Sätze verbinden kann (ich trinke und…)
ケーキを keeki o – Nomen „Kuchen“ mit Akkusativpartikel (ich mache auch etwas mit dem Kuchen)
食べている tebete iru – Verb „essen“ in der Verlaufsform (ich esse gerade jetzt).

Diese Bestandteile werden wir in den nächsten Wochen etwas aufdröseln und erklären.

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53. nonde, taberu – essen und trinken (oder: Verben)

Beitrag von Watashi »

Das Verb ist das Herzstück des japanischen Satzes, ein einzelnes Verb kann ein ganzer Satz sein, der grammatikalisch vollständig ist.

Das Verb ist:
動詞 dōshi,
– Bewegung,
SHI – Wort,
also ein Bewegungswort.

Im Beispielsatz hatten wir
飲んで nonde
食べている tabete iru;

die Grundformen davon sind:
飲む nomu – trinken,
食べる taberu – essen.
Die Grundformen stehen aber nicht nur im Lexikon, sondern sind gleichzeitig auch die höflichkeitsleeren Formen.
食べる。 Taberu. bedeutet damit „Ich esse (gewöhlich).“ und ist damit ein vollständiger Satz.

Das japanische Verb ist multifunktionell, an der Verbform sieht man:
Höflichkeit, Zeit, Potential (kann…), Passiv, Verlauf (ich tue gerade), Befehle,…

z.B.:
食べる taberu – ich esse gewöhnlich (höflichkeitsleer) oder du/er/sie/es/wir/ihr/sie…
食べます tabemasu – ich esse gewöhnlich (standardhöflich)
食べている tabete iru – ich esse gerade (höflichkeitleer)
食べています tabete imasu – ich esse gerade (standardhöflich)
食べた tabeta – ich aß (höflichkeitsleer)
食べました tabemashita – ich aß (standardhöflich)
食べて tabete – ich esse und… (zur Satzverbindung)
食べられる taberareru – ich kann essen oder ich werde gegessen (höflichkeitsleer)
食べさせる tabesaseru – ich lasse (jemanden) essen (höflichkeitsleer)
食べてください tabete kudasai – bitte iss
食べなさい tabenasai – iss (Befehl an kleine Kinder oder so)
食べろ tabero – iss!!! (Befehl, gilt als sehr unhöflich)
食べれば tabereba – wenn/falls ich esse


Noch nicht verwirrt? Bitte:
飲む nomu – ich trinke (gewöhnlich)
飲みます nomimasu – ich trinke (gewöhnlich)
飲んでいる nonde iru – ich trinke (gerade)
飲んでいます nonde imasu – ich trinke (gerade)
飲んだ nonda – ich trank
飲みました nomimashita – ich trank
飲んで nonde – ich trinke und…
飲める nomeru – ich kann trinken (höflichkeitsleer)
飲まれる nomareru – ich werde getrunken (höflichkeitsleer)
飲ませる nomaseru – ich lasse (jemanden) trinken (höflichkeitsleer)
飲んでください nonde kudasai – bitte trinke
飲みなさい nominasai – trink
飲め nome – trink!!!
飲めれば nomereba – wenn ich trinke

Alle "ich" lassen sich natürlich immer durch "du/er/sie/es/wir/ihr/sie" ersetzen und die deutschen Formen dementsprechend anpassen.

Ihr müsst das natürlich nicht auswendig lernen, ich denke nur, ab und zu sollte ich auch mal Verben machen und deshalb wollte ich hier ein paar Grundlagen vorstellen. Die Formen, die wir später vielleicht mal brauchen, werde ich dann noch einmal aufgreifen.

Ginkgo
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Re: 53. nonde, taberu – essen und trinken (oder: Verben)

Beitrag von Ginkgo »

Watashi hat geschrieben: 食べられる taberareru – ich werde gegessen (höflichkeitsleer)
...gut zu wissen, dass selbst die oberhöflichen Japaner in gewissen Situationen gegenüber z. B. Hannibal Lector eher höflichkeitsleer reagieren...

Vielen Dank noch einmal für diese hochinteressante Rubrik, viele Grüße

Ginkgo

Watashi
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4. atsui – heiß (oder: Adjektive sind auch toll)

Beitrag von Watashi »

Letzte Woche haben wir gelernt, dass ein Verb ein ganzer Satz sein kann. Das gleiche gilt auch für ein Adjektiv:

熱い atsui – heiß
kann auch als Satz
熱い! Atsui! – Es ist heiß! bedeuten.

Wobei man aufpassen muss, weil es mehrer Kanji gibt, die man atsui liest:

熱い atsui – heiß (Gegenstände, Flüssigkeiten etc.)
暑い atsui – heiß (Wetter)
厚い atsui – dick (Bücher, Deckbett, Wand etc.)
篤い atsui – schwer (Krankheit)

暑い! Atsui! – Es ist heiß! (mit einem stöhnenden Unterton) ist einer der Lieblingssätze im japanischen Sommer, wenn man sich bei 35°C und übelster Luftfeuchtigkeit durch die Gegend schleppt.

Adjektive können nicht nur wie Verben stehen, es gibt auch Formen, um viele schöne Dinge auszudrücken:
熱い atsui – es ist heiß (höflichkeitsleer); hier ist immer eine Sache etc. gemeint, nicht das Wetter
熱いです atsui desu – es ist heiß (standardhöflich, wird bei allen Formen mit です desu angezeigt)
熱かった(です) atsukatta (desu) – es war heiß
熱ければ atsukereba – wenn es heiß ist

Das Adjektiv kann so das Verb in einem Satz ersetzten. Ein japanischer Satz kann also ohne Verb auskommen und trotzdem grammatikalisch korrekt sein.

Adjektive können aber auch direkt vor Nomen stehen:
熱い紅茶 atsui kōcha – heißer Schwarzer Tee
; – Scharlachrot
CHA – Tee
also eigentlich heißer „scharlachroter Tee“.

Watashi
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Re: 53. nonde, taberu – essen und trinken (oder: Verben)

Beitrag von Watashi »

Ginkgo hat geschrieben:
Watashi hat geschrieben: 食べられる taberareru – ich werde gegessen (höflichkeitsleer)
...gut zu wissen, dass selbst die oberhöflichen Japaner in gewissen Situationen gegenüber z. B. Hannibal Lector eher höflichkeitsleer reagieren...
Nachtrag zu den Verben:
Es gibt zu jeder höflichkeitsleeren Form auch eine standardhöfliche, ich wollte nur nicht noch mehr schreiben. Und all die schönen Verben kann man auch noch in echter Höflichkeitssprache ausdrücken, damit man Dr. Lector gegenüber auch angemessen reagieren kann.

Watashi
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55. ha, o, de… – Partikel (klein, aber gemein)

Beitrag von Watashi »

Mir fällt keine sinnvolle Ausrede ein, warum ich so hänge, also versuche ich es gar nicht erst. Hier erst einmal die beiden letzten Wörter aus dem April, der Rest folgt in den nächsten Tagen.

Wenn wir uns unseren Beispielssatz ansehen, kennen wir jetzt die meisten Teile schon:

私は家で熱い紅茶を飲んで、ケーキを食べている。
Watashi ha(sprich: wa) uchi de atsui kōcha (w)o nonde, keeki (w)o tabete iru.
Ich trinke gerade heißen Schwarzen Tee und esse Kuchen.

watashi – ich
uchi – (zu) Hause
紅茶 kōcha – Schwarzer Tee
ケーキ keeki – Kuchen…
…sind Nomen (davon hatten wir ja schon eine Menge).

飲む nomu – trinken
食べる taberu – essen…
…sind Verben.

熱い atsui – heiß…
…ist ein Adjektiv.

Man könnte also meinen, dass wir so gut wie durch sind. Aber erstens gibt es leider noch eine Reihe anderer Wortarten, die ich hier nicht vorstelle (Adverbien, Nominaladjektive, Adnominalia,…) und zweitens stehen zwischen den bekannten Teilen noch kleine, unscheinbare Silben, die noch nicht erklärt wurden.

ha (sprich: wa)
de
(w)o (in der Folge nur o)…
…sind Partikel und das Herzstück der japanischen Grammatik.

Partikel stehen hinter fast allen Nomen, können aber nach Verben, Adjektiven und allem, was sonst noch so in der japanischen Sprache vorkommt, folgen. Sie zeigen den Fall (also Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), das Thema oder eine Satzverbindung (z.B. weil, obwohl etc.) an.

Eine der häufigsten Partikel ist
ha (sprich: wa), sie zeigt das Thema des Satzes an,
in 私は watashi ha bin „ich“ das Thema des Satzes

ga ist der Nominativ, es wird oft durch は ha ersetzt, ist aber (leider) nicht überflüssig
(w)o ist der Akkusativ (also was man nimmt, was man isst…, ケーキを食べる keeki o taberu – Kuchen essen)
de ist der Dativ, die Art und Weise oder der Ort, wo etwas stattfindet (hier also: 家で uchi de – zu Hause)
ni ist der Ort, wo man hingeht (z.B. 家に uchi ni – nach Hause)
から kara ist der Ort, wo man losgeht („ab“) etc. (z.B. 家から uchi kara – von zu Hause)
no ist der Genitiv (z.B. 相撲のファン sumō no fan – Fan des Sumo, Sumofan)

Es gibt noch einige andere Partikel, aber für einen Überblick sollte es reichen ;-).

Watashi
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56. Nan des(u) ka? – Was ist das?...

Beitrag von Watashi »

…oder Fragen für Anfänger.

Bisher haben wir überwiegend Aussagesätze behandelt, aber ab und zu hat man ja auch mal eine Frage (erzählt man sich). Deshalb hier die Grundlagen der Fragenbildung im Japanischen.

Fragen sind im Japanischen sehr einfach zu erkennen, sie enden normalerweise auf
か ka – die Fragepartikel (in der höflichkeitsleeren Sprache eher nicht, aber das soll uns jetzt nicht interessieren).
Man kann die Fragepartikel einfach an Aussagesätze hängen und eine Frage daraus machen.

相撲のファンです。 Sumō no fan des(u). – Ich bin ein Sumofan.
相撲のファンですか? Sumō no fan des(u) ka? – Bist du ein Sumofan?

田中さんです。 Tanaka-san des(u). – Das ist Herr Tanaka.
田中さんですか? Tanaka-san des(u) ka? – Ist das Herr Tanaka? oder Sind Sie Herr Tanaka?

Will man fragen, was das ist, braucht man noch
nan oder nani – was? wie viel? etc.

何ですか? Nan des(u) ka? – Was ist das? ist also auch leicht gebildet.
何を食べていますか? Nani o tabete imas(u) ka? – Was essen Sie gerade?
今何時ですか? Ima nan-ji des(u) ka? – Wie spät ist es jetzt?

Will man die Fragen allerdings höflichkeitsleer stellen, lässt man die Fragepartikel in der Regel weg und zeigt die Frage durch Heben der Stimme am Ende des Satzes an:

何? Nani? (Stimme: na↑ni)– Was (ist das)?
何を食べている? Nani o tabete iru? (Stimme: hoch auf ru) – Was isst du gerade?
今何時? Ima nan-ji? (Stimme hoch auf ji) – Wie spät ist es jetzt?

Natürlich gibt es noch weitere Fragewörter:
なぜ?どうして?なんで? naze? dōshite? nande? –wieso? weshalb? warum? (なんで食べていますか? Nande tabete imas(u) ka? – Warum essen Sie?)
どこ? doko? – wo? (どこで食べていますか? Doko de tabete imas(u) ka? – Wo essen Sie?
どう? dō? – wie? (どうですか? Dō des(u) ka? – Wie ist das?
dare? – wer? (誰ですか? Dare des(u) ka? – Wer ist das?)

Das sollte für den Einstieg reichen.

Watashi
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57. hazukashii – peinlich (peinlich, peinlich…)

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir ja nun ins erste Untergeschoss der japanischen Grammatik hinab gestiegen sind (ich will nicht von Niederungen sprechen, denn es gibt noch viel übleres), will ich diesen Monat ein paar Adjektive vorstellen. Dabei werden wir auch gleich feststellen, dass es in der japanischen Sprache viele Worte gibt, die irgendwie ähnlich sind.

Anfangen tue ich mit
恥ずかしい hazukashii – beschämend, peinlich (ist es z.B., dass ich diesen Monat mit meinem Wort der Woche nicht vorankomme).

Das ist immer ganz praktisch, weil einem als Ausländer früher oder später immer irgendetwas passiert, was eindeutig in diese Kategorie fällt. In so einer Situation ist es immer vorteilhaft ein wenig Japanisch zu können und sei es nur:
すみません。恥ずかしいです。Sumimasen. Hazukashii des(u). – „Tut mir leid. Das ist mir peinlich.“

Damit zeigt man zumindest, dass man Interesse an Japan hat und der Sprung ins Fettnäpfchen nicht geschah, weil einem die japanischen Gebräuche egal wären. In der Regel freuen sich Japaner immer, wenn man etwas Japanisch kann und die Situation ist nicht mehr so schlimm.

Ein einfaches
すみません。 Sumimasen. – „Tut mir leid.“
tut es in der Regel aber auch erst mal.

Watashi
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58. muzukashii – schwierig

Beitrag von Watashi »

Als nächstes tauschen wir nur die erste Silbe aus und erhalten das nächste Adjektiv, das ab und an hilfreich sein kann:

難しい muzukashii – schwierig.

Schwierig ist z.B. die japanische Sprache (beispielsweise ein Haufen Adjektive, die alle auf -しい -shii enden). Viele Japaner hören gerne, dass ihre Sprache schwierig zu lernen ist. Wird man also nach der japanischen Sprache gefragt, antwortet man beispielsweise:
難しいです。 Muzukashii des(u). – „Sie ist schwierig.“ oder „Es ist schwierig.“

Im Japanischen tauscht man natürlich mehr als nur eine Silbe, sondern auch das kanji und hier auch die hiragana, die man nach dem kanji noch schreiben muss (hier also nur -しい -shii anstatt von -ずかしい -zukashii).

Diese zusätzlichen hiragana bezeichnet man als
送り仮名 okuri-gana.
送り- okuri- von 送る okuru - begleiten
仮名 kana, gana – Silbenschrift;
also die Silbenzeichen, die die kanji begleiten, um ein ganzes Wort zu erzeugen, diese treten auch bei Verben immer auf (wie das -る -ru in 送る okuru).

Marionoumi
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Beitrag von Marionoumi »

Im Umgang mit Japanern sollte man allerdings auch bedenken, dass Japaner oft "muzukashii" sagen, wenn sie nein meinen.

Warum sagen sie nicht einfach 'nein'? Nun, es ist in Japan unhoeflich sich direkt auszudruecken -- ganz besonders wenn die Zustimmung erwartet wird.

Z.B. "Koennte ich naechste Woche einmal vorbeischauen?", "Koennte ich mir das Buch ausleihen?" etc...

"muzukashii desu."

Vom westlichen Standpunkt aus, koennte es so verstanden werden, "dass es obwohl schwierig, moeglich sei", im Japanischen ist das allerdings ein absolutes 'nein'.


*nur eine kleine ergaenzung

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Heikotoriki
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Beitrag von Heikotoriki »

Beim Test-Länderspiel Deutschland gegen Japan wurde ja auch die japanische Nationalhymne gespielt. Der Reporter sagte, dass der Text ein altes japanisches Gedicht sei.

Wäre es möglich, den übersetzten Text hier hereinzustellen?

Oder hatten wir das schon?

Danke!

Heiko

Gefunden habe ich das hier:

http://web-japan.org/kidsweb/foreign/ge ... ional.html

Und jetzt habe ich doch noch was gefunden.

Offiziell gehißt am 08.08.1854. Weiß mit roter Sonnenscheibe. Banner mit Sonnen- oder Mondscheiben haben in Japan eine jahrhundertelange Tradition; schon im Nihongi, einer der aeltesten Chroniken, ist von solchen Flaggen im Jahr 697 n. Chr. die Rede. Weiß symbolisiert Rechtschaffenheit, Rot Mut.

Nationalhymne: Auf der Grundlage der Gedichtsammlung "Kokin-Waka-Shu" des Kaisers Diago (898 - 930) entstand der Text der Hymne. Die Melodie stammt von Hiromori Hayashi (1831-1896), in der heutigen Fassung von Franz Eckert (1852 - 1926); am 12.08.1893 als Nationalhymne anerkannt.

uebersetzter Text der 1. Strophe: "Bis zum Fels der Steine geworden, / uebergruent von Mossgeflecht, tausend, abertausend Jahre bluehe, / Kaiserliches Reich!"

Watashi
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59. tsuzuku – Fortsetzung folgt, es wird fortgesetzt

Beitrag von Watashi »

Auf Anregung einer einzelnen Dame (danke, Susi), habe ich mich entschlossen, es noch einmal mit dem Wort der Woche zu versuchen. Es ist also kein Fehler, dass dieser Thread plötzlich wieder Zulauf hat. Ich hoffe, das stört niemanden allzu sehr.

Da dies das erste posting nach einer laaangen Pause (für die ich keine sinnvolle Ausrede habe) ist, soll das erste Wort passenderweise

続く tsuzuku – es wird fortgesetzt, es geht weiter; andauern, fortgesetzt werden
sein.

Einigen ist das vielleicht schon einmal bei mehrteiligen Anime oder japanischen Filmen aufgefallen. Dort wo im Deutschen „Fortsetzung folgt“ und im Englischen „to be continued“ steht, kommt im Japanischen ein freundliches 続く tsuzuku oder つづく tsuzuku (in hiragana).
Am Ende der letzten Folge steht dann
owari oder
終り owari (mit einem angehängten hiragana) oder
終わり owari (mit zwei angehängten hiragana) oder
おわり owari (in hiragana) – das Ende (aber das ist nicht das Thema)

続く tsuzuku ist sowohl die Grundform „andauern, fortgesetzt werden“ als auch die höflichkeitsleere Gegenwartsform „es wird fortgesetzt“, auch mit Zukunftsbezug in der Bedeutung „es wird fortgesetzt werden“, wie es ja auch im Deutschen vorkommt.

Würde man die standardhöfliche Form im Umgang mit Fremden, Vorgesetzten, Älteren oder so benutzten, hieße es
続きます tsuzukimas(u) – es wird fortgesetzt

Im Freundeskreis also:
場所は続く basho ga tsuzuku – das basho wird fortgesetzt (höflichkeitsleer)

Unter weniger guten Bekannten:
場所は続きます basho ga tsuzukimas(u) – das basho wird fortgesetzt (standardhöflich)

Watashi
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60. natsu-jikan – Sommerzeit

Beitrag von Watashi »

Aus aktuellem Anlass heute ein Wort, mit dem man sich in Japan (zumindest im Moment) eigentlich nicht beschäftigen muss:

夏時間 natsu-jikan – die Sommerzeit; bestehend aus:
natsu – Sommer
JI – Uhrzeit, Zeit, Stunde
KAN – Zwischenraum, Zeit
時間 jikan – also: Zeit

Als jemand, der immer Probleme mit der Zeitumstellung hat, kann ich es nur begrüßen, dass es in Japan keine Sommerzeit gibt, die Uhren bleiben das ganze Jahr unberührt (na ja, wenn nicht die Batterie leer ist). Deshalb beginnen ab heute die Makuuchi-Kämpfe ja auch nach unserer Zeit wieder deutlich später.

Neben dem japanischen Begriff gibt es auch die aus dem englischen stammenden Lehnwörter:

サマータイム samaa taimu – von summer time (britischer Begriff)
デイライト・セービング・タイム deiraito seebingu taimu – von daylight saving time (amerikanischer Begriff)

Es gab in Japan die Sommerzeit für eine kurze Zeit unter amerikanischer Besatzung ab Ende der 1940er, damals unter dem Begriff

サンマータイム sanmaa taimu – eine andere Umschrift von summer time (wird sammaa taimu gesprochen)

Dazu gab es das
夏時刻法 natsu-jikoku-hō – das Gesetz über die Sommerzeit
natsu – wieder Sommer
JI – Zeit (wie oben)
KOKU – Zeit (unter anderem)
時刻 jikoku - hier also auch Zeit
– das Gesetz

Im April 1952 schafften sich die Japaner dieses Gesetz ziemlich schnell wieder vom Hals und haben seitdem keine Sommerzeit mehr. Es wird allerdings immer mal wieder diskutiert, insbesondere, um Energie zu sparen.
Und wie immer, wenn Japan diskutiert, gibt es erst einen Test und dann eine Umfrage zum Test. In diesem Fall ist das die so genannte:

北海道サマータイム Hokkaidō samaa taimu – die Hokkaidō summer time

Hierbei werden aber nicht die Uhren umgestellt. Da Hokkaidō die nördlichste Insel Japans ist, sind die Tage im Sommer deutlich länger. Um darauf reagieren zu können, gibt es im Sommer Versuche einer Art von Sommerzeit. So können Unternehmen, Behörden oder Geschäfte ihre Öffnungs- und Arbeitszeiten um ein oder zwei Stunden verschieben. Dies betrifft aber nicht alle und die Uhr wird eben auch nicht verstellt.
Das ganze ist der Test für eine spätere Einführung der wirklichen Sommerzeit zumindest für Hokkaidō. Hokkaidō ist besonders betroffen, weil es im Sommer um 4 Uhr hell ist und um 19 Uhr wieder dunkel, man verliert also zwei Stunden Sonnenlicht, die keiner nutzen kann.
Die Antworten auf die unumgängliche Umfrage nach drei Testläufen waren überwiegend positiv, aber durchgesetzt hat die Idee sich wohl noch nicht endgültig.

PS: Wusstet ihr, dass es in Deutschland mal eine Hochsommerzeit gab (d.h. zwei Stunden Zeitverschiebung in den Sommermonaten)?

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Ganryu
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Beitrag von Ganryu »

Tatsächlich, hier steht's: http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerzeit - kaum zu glauben, diese Hochsommerzeit. Im übrigen fiel mir das Aufstehen heute morgen nicht leicht. 8)

Viele Grüße,

Kana-san

PS:
sammaa taimu, and the living is easy . . .

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Beitrag von Profomisakari »

Watashi hat geschrieben:Wusstet ihr, dass es in Deutschland mal eine Hochsommerzeit gab (d.h. zwei Stunden Zeitverschiebung in den Sommermonaten)?
Ja, @Watashi, das habe ich als Kind erlebt und fand das ganz toll.
Schließlich wurde es am Abend viel später dunkel und wir durften dadurch auch viel länger draußen bleiben.

Es war aber - so dachte ich bisher - nur in der russischen Besatzungszone und müsste irgendwann zwischen 1946 und 1948 gewesen sein.

Profomisakari

Watashi
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Beitrag von Watashi »

Profomisakari hat geschrieben: Ja, @Watashi, das habe ich als Kind erlebt und fand das ganz toll.
Schließlich wurde es am Abend viel später dunkel und wir durften dadurch auch viel länger draußen bleiben.

Es war aber - so dachte ich bisher - nur in der russischen Besatzungszone und müsste irgendwann zwischen 1946 und 1948 gewesen sein.
Wow, ich hätte ja nicht gedacht, dass sich gleich ein Zeitzeuge meldet. Wobei ich gestehen muss, dass ich nicht genau weiß, wie es im "Osten" war, in den drei westlichen Zonen soll es 1947 gewesen sein.

Watashi
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61. Nihon no shima – die japanischen (Haupt)Inseln

Beitrag von Watashi »

Als neues Oberthema nach unserem Einstieg wähle ich die Geographie Japans. Keine Sorge, es geht nicht um schwerwiegende geographische Studien, nur ein paar Grundlagen, die Japanreisende und solche, die es werden wollen, hoffentlich interessieren (alle anderen dürfen natürlich auch weiterlesen). Zum Anfang:

日本の島 Nihon no shima – die japanischen Inseln

日本 Nihon – Japan
no – Verbindung zweier Nomen (Genitiv)
shima – Insel;
wörtlich also „die Inseln Japans“ oder „die Inseln von Japan“

Nun, Japan besteht aus tausenden von Inseln und es macht sicher keinen Sinn, alle lernen zu wollen (abgesehen davon, dass ich nicht vorhabe, alle nachzuschlagen). Deshalb beschränke ich mich auf die vier Hauptinseln:

北海道 Hokkaidō
本州 Honshū
四国 Shikoku
九州 Kyūshū

Von Norden nach Süden:

北海道 Hokkaidō
HOKU ist „der Norden“
KAI ist „das Meer“
ist wörtlich „der Weg“, wurde früher aber auch für „Provinz“ benutzt
Damit ist 北海道 Hokkaidō der „Weg (oder die Provinz) am nördlichen Meer“, also die nördlichste der Hauptinseln.

本州 Honshū
HON ist „Haupt-„
SHŪ sind „die Provinzen“,
本州 Honshū sind also „die Hauptprovinzen“, was nicht weiter verwundert, da alle wichtigen Orte wie Tōkyō, Ōsaka oder Nagoya auf Honshū liegen.

四国 Shikoku
SHI heißt „vier“
KOKU ist „das Land“
四国 Shikoku sind also die „Vier Länder“, da es früher vier Länder oder Provinzen umfasste (bis heute gibt es dort vier Präfekturen).

九州 Kyūshū
KYŪ ist „neun“
SHŪ sind wieder „die Provinzen“
九州 Kyūshū sind also „die neun Provinzen“, da früher neun Provinzen oder Länder auf Kyūshū lagen (heute sind es nur noch sieben Provinzen auf Kyūshū)

Ein Sonderfall ist Okinawa, das im Süden des japanischen Inselreichs liegt, es wird oft regional zu Kyūshū gerechnet, besteht aber aus eigenen Inseln.

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Jakusotsu
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Re: 61. Nihon no shima – die japanischen (Haupt)Inseln

Beitrag von Jakusotsu »

Watashi hat geschrieben:日本 Nihon – Japan
Was ich schon immer mal fragen wollte: Ist das geläufige "Nippon" völlig falsch, und wenn ja, weshalb ist es trotzdem bei uns so verbreitet?
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Andriko
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Re: 61. Nihon no shima – die japanischen (Haupt)Inseln

Beitrag von Andriko »

Jakusotsu hat geschrieben:Ist das geläufige "Nippon" völlig falsch, und wenn ja, weshalb ist es trotzdem bei uns so verbreitet?
Soweit ich weiß, gibt es im japanischen häufig mehrere Arten, ein Zeichen zu lesen und ich glaube in diesem Fall ist sowohl "Nihon" wie auch "Nippon" möglich bzw. korrekt. Aber Watashi kann dazu bestimmt Auskünfte geben, die mit mehr Wissen hinterlegt sind :)

Watashi
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Beitrag von Watashi »

Andriko hat recht, weder Nihon noch Nippon sind falsch. Ich habe aber gelernt, dass heute Nihon gebräuchlicher ist, während Nippon eher etwas altmodischer ist. Aber ich habe keine Erfahrungen darüber, ob das so stimmt.
In Texten sind ja in der Regel keine Lesungen dabei, insofern kann ich es da nicht sagen. Beim Sprechen habe ich nie so darauf geachtet, aber ich bin zumindest nie verbessert worden, wenn ich Nihon sage. Nippon ist in Japan wohl vor allem noch in bestimmten Unternehmensnamen oder ähnlichem gebräuchlich.

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62. Nihon no chiho – Regionen in Japan

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir die grobe Einteilung der Hauptinseln behandelt haben, wenden wir uns nun der nächsten Einteilung zu:

日本の地方 Nihon no chihō – die japanischen Regionen (hier ist eine nette Karte der Regionen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Regionen_japans.png)

日本 Nihon kennen wir, das bedeutet „Japan“
no ist die Partikel zur Verbindung zweier Nomen (Genitiv)
CHI heißt „Gegend, Boden“
ist „die Richtung“ (das ist übrigens dasselbe Zeichen wie bei 親方 oyakata am Ende, nur dort ist es die ehrerbietige Bezeichnung für eine Person)
地方 chihō ist damit „die Region“

Die Regionen sind keine verwaltungstechnischen Einheit Japans, aber spielen etwa bei der Einteilung von Unternehmen wie der JR (Japan Railways) etc. eine Rolle und sind ganz praktisch, um zu wissen, wo man hinfährt. Auch Reiseführer orientieren sich oft an den Regionen.

Jetzt können wir auf das zurückgreifen, was wir letzte Woche hatten, die vier Hauptinseln:
Hokkaidō, Shikoku und Kyūshū (incl. Okinawa) sind eigene Regionen. Nur Honshū wird auf Grund seiner Größe mehrfach unterteilt. Von Norden nach Süden:

東北 Tōhoku
関東 Kantō
中部 Chūbu
関西 Kansai (oder 近畿 Kinki)
中国 Chūgoku

東北 Tōhoku
– Osten
HOKU – Norden
東北 Tōhoku also der „Nordosten“, der Name ist selbsterklärend.

関東 Kantō
KAN – die Grenze oder Barriere
– wieder der Osten
関東 Kantō ist also „östliche der Barriere“. Die Barriere war eine Grenzanlage, die früher die zivilisierten westlichen Gebiete um die alten Hauptstädte Nara und Kyōto vom wilden Osten um das heutige Tōkyō abtrennte. Einen alten Grenzposten gibt es noch bei Hakone im Großraum Tōkyō.

中部 Chūbu
CHŪ – die Mitte
BU – der Teil
中部 Chūbu ist also der „Teil in der Mitte“, also die Region in der Mitte von Honshū. Dort liegt beispielsweise Nagoya.

関西 Kansai
KAN – wieder die Grenze
西 SAI – der Westen
関西 Kansai ist also „westlich der Barriere“, dort wo die zivilisierten, gebildeten Menschen wohnten. Die Region ist auch als
近畿 Kinki bekannt.
KIN – in der Nähe
KI – Hauptstadt, Gegend um die Hauptstadt
近畿 Kinki ist also die Region „in der Nähe der Hauptstadt“. Das bezieht sich natürlich nicht auf die heutige Hauptstadt Tōkyō, sondern auf die alten Haupstädte, erst Nara und dann vor allem Kyōto.

中国 Chūgoku
CHŪ – die Mitte
GOKU – das Land
中国 Chūgoku ist also das „Land der Mitte“, wohl weil es früher, als das Zentrum noch in Kinki lag, in der Mitte zwischen Kinki und Kyūshū lag, das damals noch deutlich wichtiger war.
Wem der Begriff „Land der Mitte“ bekannt vorkommt, ja, 中国 Chūgoku ist auch der japanische Begriff für China. Deshalb sagt man für das japanische Chūgoku eher 中国地方 Chūgoku chihō, also Region Chūgoku, um Verwechslungen zu vermeiden.

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Beitrag von Ganryu »

Interessant finde ich, daß Japan zwar in der Landessprache "Nippon" bzw. "Nihon" genannt wird, in der westlichen, hauptsächlich angelsächsischen Welt dagegen "Japan".

Ein Blick ins Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Japan) ergibt, daß das Wort "Japan" chinesische Wurzeln hat.

Obwohl nun Japaner und Chinesen nicht unbedingt als enge Freunde angesehen werden können, war wohl der chinesische Einfluß immer vorhanden, nicht nur politisch (300 v Chr bis 780 n Chr Kontakte zu China und China als Vorbild), sondern auch wirtschaftlich (besonders der Seidenhandel in der Edo-Epoche, 17. bis 19. Jahrhundert).

Vor dem Hintergrund der wechselvollen chinesisch-japanischen Geschichte und dem ausgeprägten Nationalgefühl der Japaner erstaunt mich aber, daß man sich dort mit der Bezeichnung "Japan" offenbar arrangiert hat. Oder liege ich da falsch, Teamkollegin?

Viele Grüße,

Kana-san

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Beitrag von Jakusotsu »

Brauchst Dir nur mal anzusehen, wie Deutschland woanders alles genannt wird...
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Beitrag von Ganryu »

Wie denn? :shock: Und hast Du Dich damit arrangiert? :?

Viele Grüße,

Kana-san

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Beitrag von Watashi »

Kana-san hat geschrieben: ...
Ein Blick ins Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Japan) ergibt, daß das Wort "Japan" chinesische Wurzeln hat.
...
Vor dem Hintergrund der wechselvollen chinesisch-japanischen Geschichte und dem ausgeprägten Nationalgefühl der Japaner erstaunt mich aber, daß man sich dort mit der Bezeichnung "Japan" offenbar arrangiert hat. Oder liege ich da falsch, Teamkollegin?
Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Japaner gesteigerte Probleme mit dem Begriff "Japan" haben. Es fragt sich natürlich, ob sie das so sagen würden (also zumindest, mir gegenüber). Mich stört es nicht, dass wir im Englischen Germans sind, aber ich würde es wohl auch nicht einem Engländer gegenüber sagen, wenn es mich stören würde.

Ein Hinweis könnte sind, dass manch eine Firma in Japan heute nicht mehr unbedingt 〇〇日本 Sowieso-Nihon heißt, sondern auch 〇〇ジャパン Sowieso-Japan (sprich: Dschapan, vom englischen Japan), z.B. 不動産ジャパン Fudōsan Japan (Immobilien Japan) oder エン・ジャパン en japan (eine private Arbeitsvermittlung, glaube ich). Zum Teil sind das Tochtergesellschaften ausländischer Firmen wie ノキア・ジャパン Nokia Japan, aber nicht alle. Die Japaner scheinen sich also wirklich damit arrangiert zu haben, im Ausland Japan oder ähnlich zu sein. Wobei ich nicht weiß, ob der normale Japaner weiß, wo der Begriff herkommt...

Watashi
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63. To-do-fu-ken – die Präfekturen

Beitrag von Watashi »

Der April schreitet voran und unsere geographischen Einheiten werden kleiner. Nach den Hauptinseln und den Regionen kommen wir nun zu den Präfekturen. Diese sind im Zentralstaat Japan eine verwaltungstechnische Untereinheit, die allerdings weit weniger Einfluss hat als beispielsweise die Bundesländer im föderalen Deutschland.

Japan hat 47 Präfekturen und vier verschiedene Bezeichnungen dafür.

Nur Tōkyō wird als
TO – Hauptstadtpräfektur (oder auch nur Hauptstadt) bezeichnet.
Man hängt das -to dann an den Städtenamen an:
東京都 Tōkyō-to – Präfektur Tōkyō. Tōkyō bedeutet übrigens „östliche Hauptstadt“ in Anlehnung an Peking (nördliche Hauptstadt) und Nanking (südliche Hauptstadt), mit
– Osten
KYŌ – Hauptstadt
 
Witzigerweise schreibt sich Ost-Kyōto genauso:
東京都 Higashi-Kyōto, böswillige (oder neidische) Einwohner von Kyōto witzeln deshalb gerne, dass Tōkyō eigentlich nur ein billiger Abklatsch oder ein „Vorort“ wäre.

Neben Tōkyō-to hat auch Hokkaidō seine eigene Bezeichnung:
– alte Bezeichnung für „Provinz“, auch „Weg“;
im Gegensatz zu den anderen Präfekturen wird die Präfekturbezeichung hier nicht angehängt, sondern ist Teil des Namens:
北海道 Hokkaidō, mit
HOKU – Norden
KAI – Meer; zusammen verkürzt zu 北海 Hokkai;
nur 北海 Hokkai sagt man im Gegensatz zu nur Tōkyō aber nicht (außer, man meint die europäische Nordsee oder einen chinesischen Ortsnamen).

Zwei Präfekturen sind so genannte
FU – „Stadtpräfekturen“, das sind
大阪府 Ōsaka-fu – Präfektur Ōsaka und
京都府 Kyōto-fu – Präfektur Kyōto.
Das kennen wir schon aus 大阪府立体育会館 Ōsaka-furitsu taiiku kaikan, dem Ōsaka Prefectural Gymnasium, wo im März das haru basho stattfand.

43 Präfekturen werden als
KEN bezeichnet. Dieses wird hinten an den jeweiligen Präfekturnamen angehängt, wie beispielsweise in
愛知県 Aichi-ken – Präfektur Aichi (Hauptstadt: Nagoya) wie in 愛知県体育館 Aichi-ken taiikukan (Aichi Prefectural Gymnasium) in Nagoya oder
福岡県 Fukuoka-ken – Präfektur Fukuoka (Hauptstadt: Fukuoka), um nur die basho-technisch interessanten zu nennen. Viele Präfekturen heißen wie ihre Hauptstädte wie bei Fukuoka, aber leider eben nicht alle, so dass man eine ganze Menge lernen kann. Deshalb spare ich es mir die restlichen 41 Präfekturen mit (teilweise) abweichenden Hauptstädten hier aufzuzählen… (bei bestimmten Fragen gebe ich aber natürlich gerne Auskunft)

Spricht man über alle Präfekturen oder zumindest mehrere, die nicht alle ken sind, werden die vier Silben einfach zu einem Wort zusammengefasst:
都道府県 To-dō-fu-ken – die Präfekturen.

Akezuma
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Kleine Geschichte am Rande...

Beitrag von Akezuma »

Kleine Geschichte am Rande...

Vor 10 Jahren hatte ich beim Studium zwei Vorlesungen (chinesisch, Südostasien-Marketing) bei einem chinesischen Gastprofessor. Der wusste einiges zu erzählen...

China und Japan hatten viele Jahre lang (5. bis 20. Jahrhundert) die gleiche Schrift (Kanji) mit der gleichen Bedeutung. Das kommt daher, dass die Einwanderer nach Japan, die nach den Ainu[s] (jap. Ureinwohner) die Inseln bevölkerten, aus ihrem Stammland (heutiges Korea) keine Schrift und eine wenig entwickelte Sprache mitbrachten. Zu einer Zeit, in der sich in Japan das Staatswesen entwickeln wollte, musste unbedingt eine Schrift her. Wahrscheinlich aufgrund der damaligen Handelsbeziehungen und der geographischen Nähe wurde die chinesische Schrift und deren Bedeutung übernommen (neudeutsch: raubkopiert :wink: ). Ihre Sprache behielten und entwickelten sie weiter. So konnten sich in alter Zeit Japaner und Chinesen besuchen und sich anhand von Schildern etc. zurechtfinden, ohne die jeweils andere Sprache sprechen zu können.

Das änderte sich vor ca. 40 Jahren, als die Chinesen eine Reform der Schriftzeichen vornahmen. Sie vereinfachten die Kanji, um weniger „malen“ zu müssen und führten die chinesische Lautschrift ein, damit es Ausländern besser ermöglicht wird, die Sprache (Mandarin) zu lernen (Kulturreform?). Seitdem (1968?) haben China und Japan unterschiedliche Kanji. Nur ältere Chinesen können sich heute noch in Japan ohne weiteres zurechtfinden, falls sie die Bedeutung der alten Kanji noch kennen...

Watashi
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Beitrag von Watashi »

Zum Thema Schriftreform:

Auch die Japaner haben 1946 ihre Schrift reformiert, d.h. für eine Reihe von Kanji wurden vereinfachte Formen eingeführt. Das sind aber andere Vereinfachungen als die chinesischen, weshalb die Schriftsysteme heute noch mehr variieren. Dummerweise haben die Taiwanesen keine Schriftreform mitgemacht, weshalb es bei manchen Zeichen heute drei verschiedene Varianten gibt.

z.B.:

Land, Staat:
國 kuni - alte Schreibweise (in Taiwan gebräuchlich)
国 kuni - neue Schreibweise (in Japan und der VR China)

Geist; Energie, Stimmung, Luft (auch das Qi aus der chinesischen Tradition):
氣 Ch'i - in Taiwan
気 KI - in Japan
气 Ch'i - in der VR China

testen, probieren:
驗 in Taiwan (traditionelles Zeichen)
験 in Japan (etwas vereinfacht)
验 in der VR China (stark vereinfacht)

Watashi
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64. Shi-cho-son – Städte, Dörfer und (andere) Gemeinden

Beitrag von Watashi »

Unterhalb der Präfekturen gibt eine weitere verwaltungstechnische Einheit, ähnlich unserer Städte, Dörfer und Gemeinden. Das nennt man dann in Japan

市町村 shi-chō-son;
das ist eine Zusammensetzung der verschiedenen Bezeichnungen wie bei den Präfekturen letzte Woche schon bei 都道府県 to-dō-fu-ken.

Es gibt
SHI – Stadt (oder Markt),
ich habe zum Beispiel mal in 三鷹市 Mitaka-shi, der Stadt Mitaka gewohnt

CHŌ – auch Stadt (wäre ja langweilig, wenn es nur eine Stadt gäbe)

SON – Dorf oder Weiler

Die Einteilung ist nicht eindeutig. 市 Shi sollten mindestens 50000 Einwohner haben und sich um einen Stadtkern gruppieren. 町 Chō müssen von der Präfekturregierung auf der Grundlage von präfekturalen Regelungen als solche anerkannt werden. 村 Son haben keine genauen Vorgaben.

Chō und 村 son werden nochmals in
gun – Bezirke zusammengefasst,
so umfasst der 西多摩郡 Nishi-Tama-gun in der Präfektur Tōkyō drei chō und ein son im Westen der Präfektur. Es gibt also nicht nur Städte in Tōkyō, sondern auch Dörfer (zumindest dem Namen nach)!

Die shi-chō-son sind die regulären Gemeinden, es gibt aber auch noch irreguläre Untereinteilungen, z.B.
特別区 tokubetsu-ku – die besonderen Bezirke, deren 23 in der Innenstadt von Tōkyō liegen.
特別 tokubetsu – besonders, außergewöhlich; mit:
TOKU – besonders, speziell
BETSU – speziell, verschieden
-区 -KU – Bezeichnung der Stadtbezirke
So heißt es zwar Mitaka-shi, aber
新宿区 Shinjuku-ku, obwohl beide in der Präfektur Tōkyō liegen.

Das ist aber immer noch nicht alles. Auf Hokkaidō gibt es beispielsweise Unterpräfekturen, weil Hokkaidō als einzelne Präfektur ziemlich groß geraten ist, aber mit Städten und Dörfern kommt man adressentechnisch relativ weit.

Watashi
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65. jusho – die Adresse

Beitrag von Watashi »

Nachdem wir uns jetzt durch die verschiedenen regionalen und lokalen Einteilungen Japans gearbeitet haben, ernten wir jetzt die Früchte unserer Arbeit. Wir steigen hinab in die (Un-)Tiefen der japanischen
住所 jūsho – Adresse;
– leben, wohnen
SHO – Ort, Platz (das gleiche wie in basho)
住所 jūsho ist also einfach „der Wohnort“, die Adresse.

Das japanische Adresssystem unterscheidet sich vom deutschen zum Teil deutlich. Es gibt zwar einzelne Orte mit Straßennamen und Adressen, die unseren sehr ähnlich sehen, aber in der Regel ist es nicht so einfach.

Auf Japanisch schreibt man Adressen generell von den großen Einheiten zu den kleinen. Man beginnt mit der Präfektur, dann kommen die Stadt oder der Bezirk (wie in der Innenstadt von Tōkyō) und dann die lokale Adresse. Es läuft also andersrum als in Deutschland, wo wir erst den Straßennamen und dann den Ort schreiben.

Ich habe zum Beispiel mal in:
東京都三鷹市大沢一丁目十二番地三十六号
第二さくらハイツ二二四号室gewohnt. Danach käme dann der Name.
Aufgeschlüsselt heißt das:
東京都 Tōkyō-to – Präfektur Tōykō
三鷹市 Mitaka-shi – Stadt Mitaka
大沢 Ōzawa – (Stadtteil) Ōzawa
一丁目 1-chō-me – 1. Abschnitt
十二番地 12-banchi – Block 12
三十六号 36- – Hausnummer 36
oder kurz: 1-12-36 (sprich: ichi no jū-ni no san-jū-roku)
第二さくらハイツ Dai-ni Sakura Heights – zweites Gebäude der Anlage Sakura Heights
二二四号室 224-gō-shitsu – Zimmernr. 224 (nein, es gab keine 224 Zimmer, sondern das heißt zweites Gebäude, zweites Stockwerk, viertes Zimmer)
Das Verwirrende daran ist, dass die einzelnen Abschnitte und Blöcke nicht unbedingt logisch angeordnet sind. So war 1-12 unter anderem neben 1-1. Das macht auch das Suchen einer Adresse in Japan sehr schwierig. Es ist anzuraten, sich eine Wegbeschreibung, Karte oder einen Stadtplan, der die Abschnitte, Blöcke und nach Möglichkeit Hausnummern verzeichnet, zu besorgen.
Wie bei uns gibt es auch Postleitzahlen (aber ich habe meine vergessen). Diese werden in Japan der Adresse vorangestellt oder schräg an der Seite des Umschlags vermerkt. Das Zeichen für die Post und die Postleitzahl ist dabei: 〒 (das ist kein Kanji).

In der Innenstadt von Tōkyō werden die Adressen nach dem gleichen Muster gebildet, nur dass statt Mitaka-shi irgendein –ku benutzt wird. Obwohl einige größere Straßen Namen haben, werden diese in der Regel nicht zur Adressangabe verwendet, sondern die Blocknummern benutzt.

Dies ist zum Beispiel die Adresse des Kokugikan:
〒130-0015 東京都墨田区横網1-3-28
Postleitzahl: 130-0015
東京都 Tōkyō-to – Präfektur Tōkyō
墨田区 Sumida-ku – Bezirk Sumida
横網1-3-28 Yokoami 1-3-28 – Bezirksteil Yokoami, 1. Abschnitt, 3. Block, Hausnummer 28

Schreibt man die Adresse in lateinischer Schrift auf den Umschlag, kann man sowohl die japanische Reihenfolge (Präfektur, Stadt, Stadtteil) oder die westliche (Stadtteil, Stadt, Präfektur) verwenden. Da man im Westen den Namen in der Regel an den Anfang stellt, ist auch eine westliche Reihenfolge üblich, aber ich habe schon Adressen mit allen möglichen und unmöglichen Reihenfolgen aufgeschrieben bekommen. Solange alles nötige drauf ist, findet die japanische Post den Weg.
Bei richtiger Postleitzahl kann man sogar auf Präfektur- und Stadtangabe ganz verzichten, aber mir wurde gesagt, dass die Post es lieber sieht, wenn man es drauf schreibt. Die Angabe des Stadtteils hingegen ist nach wie vor notwendig (wobei ich fast vermute, dass ein Schreiben an den Ryōgoku Kokugikan auch ziemlich ohne Adresse auskommt).

Ist die Adresse hingegen nicht zur Postbeförderung, sondern zum Suchen und Finden gedacht, ist jede zusätzlich Angabe hilfreich. Das können dann auch eventuelle Straßennamen, große Straßen in der Nähe, auffällige Gebäude, Parks oder der gleichen sein. Wer sich einmal in Tōkyō verlaufen hat, weiß wie schön eine genaue Beschreibung oder Karte ist.

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66. rekishi – Geschichte

Beitrag von Watashi »

Nach dem Ausflug in die geografische Einteilung Japans widmen wir uns einem anderen Thema, das ich mal studieren musste:

歴史 rekishi – die Geschichte.
REKI – Abfolge, Aufeinanderfolgen, Geschichte
SHI – Geschichte, Chronik;
zusammen also erstaunlicherweise auch „Geschichte“ (im Sinne von „Geschichtsschreibung“, nicht im Sinne von „Story“)

Außerdem lernen wir, was man alles Schönes mit zwei Kanji anfangen kann, denn 歴 reki und 史 shi sind erstaunlich vielseitig einsetzbar.

Erstens kann man das Wort 歴史 rekishi mit anderen Kanji kombinieren, um andere Worte aus dem Bereich „Geschichte“ zu bekommen:

歴史学 rekishi-gaku –Geschichtswissenschaft;
GAKU – Wissenschaft, Studium, lernen

歴史的 rekishi-teki – geschichtlich
-的 -TEKI – Suffix zur Bildung eines Attributs

歴史劇 rekishi-geki – historisches Drama
GEKI – Theaterstück

Zweitens kann man die Wörter auch einzeln nutzen:

歴歴 rekireki – VIP, Person von Rang und Namen (mit viel Geschichte, sozusagen)

学歴 gakureki – Bildungsgrad, schulische und universitäre Ausbildung

病歴 byōreki – Krankengeschichte
BYŌ – Krankheit, Leiden

und:

史学 shigaku – Geschichtswissenschaft

-史 -shi – Geschichte von …

日本史 Nihon-shi – Japanische Geschichte

国史 kokushi – Geschichte eines Landes
KOKU – Land, Staat

世界史 sekai-shi – Weltgeschichte
世界 sekai – Welt
SE – Gesellschaft, Welt
KAI – Grenze, Kreis, Sphäre, Welt

Und so kann man über das Rekombinieren von wenigen Kanji eine ganze Reihe von Worten bilden. Und mit den hier genannten ist natürlich nicht Schluss, sie sollen nur als Beispiel dienen. Insbesondere mit dem Suffix -史 -shi kann man noch alles Mögliche bilden, was „Geschichte von…“ bedeutet.
Außerdem stellen wir fest, dass es für die meisten Dinge mehrere Worte gibt. Aber wenn dem nicht so wäre, wäre Japanisch wohl nicht Japanisch.

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67. jidai – das Zeitalter

Beitrag von Watashi »

Die japanische Geschichte lässt sich (wie die Geschichte jeden Landes) in unterschiedliche Zeitalter einteilen. Deshalb behandeln wir heute
時代 jidai – Zeitalter, Periode, Epoche, Ära;
JI – Zeit, Uhrzeit, Stunde
DAI – Generation; Zeitalter, Ära;
zusammen „Zeitalter, Epoche…“.

Damit lassen sich die offiziellen Geschichtsepochen einteilen, aber auch kleinere Abschnitte oder weniger fest umrissene Epochen. Beispielsweise kann man sagen:

デジタル時代 dejitaru jidai – das Digitalzeitalter
デジタル dejitaru (von engl: digital) – digital

私の時代 watashi no jidai – meine Zeit (etwa: zu meiner Zeit…)
watashi – ich
no – Genitivpartikel

高校時代 kōkō jidai – High School Zeit (als ich damals in der Schule war)
– hoch
– Schule
高校 kōkō – High School (Kurzform für 高等学校 kōtō gakkō)

朝青龍時代 Asashōryū jidai – die Asashōryū-Ära (wird vielleicht nicht von jedem benutzt, ist aber möglich)

Auch schön:
時代が変わる jidai ga kawaru – die Zeiten ändern sich

Und für die kleinen Streber unter uns dann doch noch die Epochen der japanischen Geschichte:

旧石器時代 kyūsekki jidai – Paläolithikum
縄文時代 jōmon jidai (12000 – ca. 500 v. Chr.) – Jungsteinzeit, benannt nach Schnurmusterkeramik
弥生時代 yayoi jidai (ca. 500 v. Chr. – 300 n. Chr.) – die Japaner lassen sich von den Koreanern und/oder Chinesen den Reisanbau aufschwatzen und werden endgültig sesshaft
古墳時代 kofun jidai (300 – Anfang 7. Jhd.) – benannt nach plötzlich auftretenden immer größer werdenden Hügelgräbern, deren archäologische Untersuchung vom kaiserlichen Hofamt bis heute weitgehend erfolgreich verhindert wird (angebliche Tennō-Gräber, die nicht geöffnet werden dürfen)
飛鳥時代 Asuka jidai (Ende 6. Jhd. – 710) – benannt nach der ersten halbwegs festen Hauptstadt des jungen Staates in Asuka
奈良時代 Nara jidai (710 – 794) – benannt nach der brandneuen, selbstgebauten Hauptstadt, die allerdings schon 784 wegen Konflikten mit buddhistischen Tempeln verlassen wird (die Chinesen haben bei ähnlichen Problemen die Buddhisten rausgeschmissen, nicht die Regierung)
平安時代 Heian jidai (794 – 1185) – benannt nach der zweiten brandneuen, selbstgebauten Hauptstadt, heute bekannt als Kyōto (bleibt übrigens Hauptstadt bis 1868, aber nur sporadisch Regierungssitz)
鎌倉時代 Kamakura jidai (1185 – 1333) – benannt nach dem erstmals in der Kantō-Ebene (wenig südlich des heutigen Tōkyō) befindlichen Regierungssitz, Beginn der Samurai-Regierungen
室町時代 Muromachi jidai (1333 – 1573) – benannt nach dem Stadtteil von Kyōto, in dem die neue Regierung saß
戦国時代 sengoku jidai (1468 – 1568) – „Zeit der streitenden Reiche“, zweite Hälfte der Muromachi jidai; wird abgetrennt, weil viele Provinzfürsten gegeneinander kämpften und die Zentralregierung in Muromachi kaum noch Macht hatte
安土桃山時代 Azuchi Momoyama jidai (1573 – 1600) – benannt nach den Hauptburgen von Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi, den ersten beiden Reichseinigern, die sich daran machten, Japan wieder zu vereinen
江戸時代 Edo jidai (1600 – 1868) – benannt nach dem neuen Regierungssitz des dritten Reicheinigers Tokugawa Ieyasu; deshalb auch als 徳川時代 Tokugawa jidai bekannt, weil die Tokugawa bis 1868 regierten; Edo ist das heutige Tōkyō
明治時代 Meiji jidai (1868 – 1912) – ab jetzt werden die Zeitalter nach den Tennō benannt, die sich am Anfang ihrer Regierungszeit eine Parole geben; Meiji heißt „erleuchtete Regierung“ und die Meiji-Zeit markiert das Ende der Samurai-Regierung im Besonderen und der Samurai im Allgemeinen
大正時代 Taishō jidai (1912 – 1926) – benannt nach der Regierungsdevise des zweiten Tennō der post-Samurai-Zeit
昭和時代 Shōwa jidai (1926 – 1989) – der Shōwa-Tennō, während seiner Lebenszeit als Hirohito bekannt, war ewig japanischer Tennō, wäre beinahe am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten beseitigt worden, hat aber alles überlebt (als Tennō, versteht sich)
平成時代 Heisei jidai (1989 – heute) – Akihito, der aktuelle Tennō wird nach seinem Tod als Heisei-Tennō bekannt sein, deshalb heißt die aktuelle Zeit Heisei jidai

PS: Alle Angaben ohne Gewähr. Viele Daten sind debattierbar. Auch gab es schon vor der Moderne die Regierungsdevisen der Tennō, die jedoch nach Lust und Laune und vor allem Aberglaube (z.B. nach Missernten oder Naturkatastrophen etc.) geändert wurden (erinnert entfernt an shikona, nicht wahr?), teilweise mehrfach binnen weniger Jahre, so dass sie sich zur Epocheneinteilung nicht eignen.

Watashi
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68. shi-no-ko-sho – ein Ständesystem für Edo-Japan

Beitrag von Watashi »

Während der Edo-Zeit (1600-1868) wurde das japanische Gesellschaftssystem immer stärker verfestigt. Aufbauend auf konfuzianischen Vorstellungen entwickelte sich ein Vier-Stände-System, in dem die großen Gruppen der Bevölkerung einsortiert wurden. Dieses wurde als
士農工商 shi-nō-kō-shō bezeichnet.
Dieser Name setzt sich aus je einem Kanji der Bezeichnungen für die vier Stände zusammen:
SHI – Samurai, Krieger; oberster Stand, da sie den Staat führten (japanische Modifikation, im Konfuzianismus waren es eher die Beamten, aber in der Edo-Zeit hatten viele Samurai ohnehin eher Verwaltungs- als Kriegsaufgaben)
– Bauern; zweiter Stand, da sie diejenigen waren, die produktiv tätig waren und den Wohlstand der Nation erarbeiteten
– Handwerker; dritter Stand, nicht originär produktiv tätig, verarbeitete aber die Produkte der Bauern weiter
SHŌ – Händler; unterster Stand, da sie fertig produzierte Waren und Geld nur verteilten, ohne selbst zum Wohlstand der Nation beizutragen
Zusammen ergibt das als das Vier-Stände-System 士農工商 shi-nō-kō-shō.

Leider war die Praxis aber nicht so einfach wie die Theorie:

1. Das System war unvollständig, einige Gruppen der Gesellschaft fehlten:
Über den Ständen gab es den Hofadel um den Tennō in Kyōto, die so genannten
公家 kuge – Hofadligen.
KU – Behörde, Regierung, Staat, Gesellschaft
KE, GE – Haus, Familie
Früher also mal die „Familien, die den Staat führen“ oder die „öffentlichen Familien“.

Nebengeordnet waren Berufe wie Ärzte, Gelehrte, Mönche, Theologen etc. Sie passten in keinen der Stände wirklich hinein, waren aber weder über- noch untergeordnet aufgrund ihres Berufs.

Unterhalb der vier Stände gab es zwei Gruppen
穢多 eta – „Unreine“, sie verarbeiteten Fleisch, betrieben die Lederproduktion, waren die Totengräber, alles Tätigkeiten, die nach buddhistischer Überzeugung als „unrein“ galten
E – verunreinigen, besudeln; verunreinigt werden
TA – viele
穢多 eta also „viele Verunreinigte“
非人 hinin – Nicht-Menschen wie Kriminelle, fahrendes Volk und ähnliches
Als eta wurde man geboren, es war praktisch unmöglich aus dem Stand herauszukommen. Hinin hingegen konnte man auch per Gerichtsurteil und sogar auf Zeit werden.
HI– nicht
NIN – Mensch
非人 hinin also wirklich wörtlich „Nicht-Menschen“

2. Das System stand ökonomisch auf dem Kopf. Im Laufe der Zeit waren es die Händler, die zunehmend Reichtum anhäuften und bei denen sich die Samurai oftmals schwer verschuldeten. Die wirklich Not leidenden waren in der Regel die Bauern, denen hohe Steuern auferlegt wurden und die von dem nationalen Reichtum, den sie angeblich erwirtschafteten, selbst am wenigsten hatten.
Und die kuge waren seit Jahrhunderten von den Gaben der Samurai abhängig und so weder ökonomisch noch politisch einflussreich. Über den System hin oder her.

3. Das System war nicht so undurchlässig wie gedacht. Gerade zum Ende der Edo-Zeit hin kam es immer wieder vor, dass beispielsweise reiche Kaufleute sich selbst oder ihre Söhne von armen Samurai adoptieren ließen, um in den offiziell regierenden Stand aufzusteigen. Dazu trug eine Tradition in Japan bei, dass söhnelose Familien den Ehemann der ältesten Tochter adoptieren, um damit ihre eigene Familienlinie fortsetzen zu können. Das heißt
婿養子 muko-yōshi – adoptierter Schwiegersohn
婿 muko – Schwiegersohn, Bräutigam
– aufziehen, adoptieren
SHI - Kind
養子 yōshi - Adoptivkind

Watashi
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69. Samurai, bushi, buke – Samurai

Beitrag von Watashi »

Für den geneigten Ausländer besteht die japanische Geschichte vor allem aus
侍 Samurai,
den traditionellen japanischen Kriegern. Dieser Begriff kommt ursprünglich von dem Wort saburai, was Diener oder Begleiter bedeutet.

Der Begriff Samurai hat sich in westlichen Sprachen für den japanischen Kriegeradel durchgesetzt, in Japan wird jedoch auch oft von
武士 bushi – Kriegern, Samurai
gesprochen. Dieser Begriff wurde vor allem in der Edo-Zeit vorgezogen.
BU – Militär
SHI –Samurai, auch: Bürokrat, Gelehrter oder Mann (von Rang); das ist das gleiche wie in
力士 rikishi – etwa „starker Mann“
武士 bushi ist also der Krieger, der Mann im Militär, der Samurai.

Den Begriff bushi kennen viele Leute auch bei uns im Zusammenhang mit dem Ehrenkodex der Samurai
武士道 bushi-dō – der „Weg des Kriegers“
– Weg.
武士道 bushi-dō schreibt vor, was die Krieger tun und lassen dürfen. Wobei fraglich ist, wann das zum ersten Mal niedergeschrieben wurde. Es ging lange Zeit eher wohl um mündliche Tradierung. Insofern ist fraglich wie einheitlich diese Vorstellungen wirklich waren.

Ein anderer Kriegerbegriff ist
武家 buke – Krieger oder Kriegerklasse, Samurai
BU – Militär wie oben
KE – Haus, Familie
武家 buke sind also wörtlich die Militärfamilien oder –häuser; der Begriff wird oft als Sammelbegriff für den Samuraistand verwendet. Insbesondere in der Zeit, in der die Samurai Herrscher über Japan waren, also von der Kamakura-Zeit bis Ende der Edo-Zeit, sprach man von buke als Samuraistand.

In der Kamakura-Zeit wechselt die Macht von den
公家 kuge – Hofadligen (s. auch letzte Woche) zu den
武家 buke – Kriegern über.

Die neue Regierung heißt
幕府 bakufu,
BAKU – Vorhang, Shogunat
FU – Regierung
幕府 bakufu etwa „Regierung hinter dem Vorhang“, weil die ersten Samurairegierungen in Feldlagern hinter „Vorhängen“ arbeiteten. Wer schon einmal einen Samuraifilm gesehen hat, kann sich das vielleicht vorstellen.

Führer des bakufu ist der
将軍 shōgun, noch ein Begriff, der sich im Westen durchgesetzt hat.
SHŌ – General, Kommandeur
GUN – Armee, Heer; Krieg
将軍 shōgun also wörtlich der „Heereskommandant“. Der Shōgun war aber nicht immer gleich stark. Obwohl formell oberster Führer aller Samurai und damit Herrscher von Japan, gab es oftmals Regenten aus anderen Familien oder lauter zerstrittene Territorien, die die Oberherrschaft nicht wirklich anerkannten oder den Anweisungen kaum Folge leisteten.

Watashi
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70. daigaku – Universität

Beitrag von Watashi »

Zuerst ein Wort in eigener Sache: Tut mir leid, dass ich euch letzte Woche sträflich vernachlässigt habe. Ich musste am Freitag, also vorgestern, meine Diplomarbeit abgeben und da war die Zeit etwas knapp. Das sollte jetzt erst einmal nicht wieder vorkommen.

Und weil ich meine letzte Großtat an der Uni (hoffentlich) nun vollbracht habe, war der Weg zum Thema dieses Monats nicht mehr weit:

大学 daigaku
die Universität.

DAI – groß
GAKU – lernen, Studium, Wissenschaft
大学 daigaku ist also das „große Studium“ oder große Schule.

Die Universität dauert in Japan in der Regel vier Jahre, danach schließt man mit einem
学士 gakushi – Bachelor-Abschluss ab.
GAKU – s. o.
SHI – Gelehrter, Mann von Rank; auch: Samurai (siehe letztes Wort der Woche).

Will man einen Master oder Doktor machen, muss man sich „weiterverpflichten“ und zum
大学院 daigaku-in – Gradutate School
gehen.
大学 daigaku – wie oben
IN – Suffix für Institutionen, Schulen

An den englischen Übersetzungen merkt man übrigens auch, dass das moderne japanische Universitätssystem vom US-System abstammt.

Neben der klassischen Universität gibt es aber auch noch die Möglichkeit, für nur zwei Jahre auf die
短期大学 tanki daigaku – Kurzuniversität zu gehen.
TAN – kurz
KI – Periode, Zeit;
短期大学 tanki daigaku also die „Kurzzeituniversität“.

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Jakusotsu
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Re: 70. daigaku – Universität

Beitrag von Jakusotsu »

Watashi hat geschrieben:Und weil ich meine letzte Großtat an der Uni (hoffentlich) nun vollbracht habe, ...
Wie? Keine Doktorarbeit? :wink:
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Beitrag von Profomisakari »

Das ist dann sicher das Nächste, Klaus!

Aber ich denke, es ist schon einen kleinen Glückwunsch wert, das Du die Arbeit abgegeben hast - wie ich verstehe: termingerecht.

Den großen Glückwunsch werden wir nachreichen, wenn Du positivew Gutachten hast und die Arbeit auch noch verteidigen konntest.

Immerhin werte ich unter den Umständen der Diplomarbeit Dein Engagement für das Tippspiel und (nicht ohne Eigennutz) für den SMS-/Generatordienst noch eine Ebene höher, Watashi!

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Beitrag von Watashi »

Vielen Dank für die Blumen, naja, Gratulationen.

Im Moment kann ich mir eine Doktorarbeit nicht wirklich vorstellen, ich würde lieber "normal" irgendwo arbeiten und der Uni den Rücken kehren. Schließlich habe ich endlich alles hinter mich gebracht (eine Diplomarbeit muss man nicht verteidigen, man schreibt sie nur, die Prüfer machen sich darüber her, man bekommt sein Ergebnis und fertig).

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71. nyugaku shiken – Zulassungstest

Beitrag von Watashi »

Und hier noch das Wort, das eigentlich diese Woche dran war, damit wir wieder auf den aktuellen Stand kommen:

Im japanischen Schul- und Universitätssystem ist weniger der Abschluss entscheidend als vielmehr der

入学試験 nyūgaku shiken – Zulassungstest.

NYŪ – betreten, eintreten, hineingehen
GAKU – lernen, Studium, Wissenschaft; auch: Schule
入学 nyūgaku – Eintritt ins Studium, Zulassung zur Schule/Universität
SHI – versuchen, probieren
KEN – probieren, testen
試験 shiken – Test, Prüfung, Examen; auch: Experiment
入学試験 nyūgaku shiken ist also der Test, um ins Studium eintreten zu dürfen; also: der Zulassungstest zu Universität oder auch Schule.

Der Begriff
試験 shiken – Test wird genauso auch während des Studiums für Semesterabschlusstests etc. verwendet.
Dabei gibt es

筆記試験 hikki shiken – schriftliche Prüfung, schriftliches Examen
HITSU – Schreibpinsel, Schreiben
KI – niederschreiben, notieren;
zusammen: 筆記 hikki – Notiz, Aufzeichnung

口頭試問 kōtō shimon – mündliche Prüfungen
– Mund
– Kopf
口頭 kōtō – mündlich, verbal
SHI – versuchen, probieren (wie oben)
MON – Frage, Problem
試問 shimon – Prüfung, Examen

Und nächste Woche wenden wir uns den angenehmeren Seiten des Studentenlebens zu.

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Beitrag von Jakusotsu »

Off-topic Alarm:
Watashi hat geschrieben:(eine Diplomarbeit muss man nicht verteidigen, man schreibt sie nur, die Prüfer machen sich darüber her, man bekommt sein Ergebnis und fertig).
War bei uns nicht ganz so. Ich musste meine Diplomarbeit einem institusfremden Professor (=Zweitprüfer) vorlegen, d.h.: eine halbe Stunde erzählen und eine weitere halbe Stunde "verteidigen". Große Lust auf eine Doktorbarbeit hatte ich danach aber auch nicht mehr... 8)
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Re: 71. nyugaku shiken – Zulassungstest

Beitrag von Jakusotsu »

Watashi hat geschrieben:NYŪ – betreten, eintreten, hineingehen
Um auch mal wieder was zum eigentlichen Thema zu schreiben, und gleichzeitig einen Brückenschlag zum Sumo zu bilden:
Ist dies das gleiche nyu wie im Begriff shin-nyumaku (Makuuchi-Neuling)? Sinn würde es ja machen...
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Re: 71. nyugaku shiken – Zulassungstest

Beitrag von Watashi »

Jakusotsu hat geschrieben:
Watashi hat geschrieben:NYŪ – betreten, eintreten, hineingehen
Ist dies das gleiche nyu wie im Begriff shin-nyumaku (Makuuchi-Neuling)? Sinn würde es ja machen...
Ja, in der Tat, das ist dasselbe Kanji:

新入幕 shin-nyūmaku
SHIN - neu
NYŪ - betreten, eintreten, hineingehen
MAKU - Vorhang, erstes Kanji von 幕内 makuuchi
also ein Rikishi, der neu in die Makuuchi eintritt

再入幕 sai-nyūmaku
SAI - wieder, erneut, Re-
入幕 nyūmaku wie oben
also ein Rikishi, der wieder in die Makuuchi eintritt

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72. gakusei seikatsu – Studentenleben

Beitrag von Watashi »

Ich bin etwas spät? Och, die sechs Tage... (mein Bruder zieht demnächst um, deshalb habe ich schon einmal bei den Vorarbeiten geholfen; wenn ich demnächst wieder zu spät bin, liegt es wahrscheinlich am Umzug)

Nachdem es der japanische Student durch den Zulassungstest auf die Universität geschafft hat, beginnt das ruhige Leben. Studenten der besten Universitäten verbringen ihr Leben bis zum Eintritt in die Hochschule oft überwiegend mit dem Lernen für den nächsten Zulassungstest (das beginnt zum Teil schon im Kindergarten). Einmal auf der Uni, beginnt die einzige Zeit, in der man tun kann, was man will (abgesehen von den Bewerbungen im dritten und/oder vierten Jahr).

Auch im hektischen Japan gelten Studenten also als feier- und trinkfreudig und, nun ja, unterbeschäftigt (was nicht bedeutet, dass alle das sind, genauso wenig wie das in Deutschland zutrifft). Es gibt also in Japan auch so etwas wie

学生生活 gakusei seikatsu – das Studentenleben.
GAKU - lernen, Studium, Wissenschaft
SEI – Leben, (Alltags)leben; hier: Suffix für Schüler oder Studenten
学生 gakusei ist damit der Student
SEI – Leben, (Alltags)leben
KATSU – Leben, Aktivität; voller Leben sein/Aktivitäten stecken
生活 seikatsu also Existenz, Leben, Alltagsleben

Den Begriff seikatsu kann man auch in anderen Zusammenhängen benutzen:
公生活 kō-seikatsu – öffentliches Leben
– öffentlich

私生活 shi-seikatsu – privates Leben
SHI – privat (dasselbe Zeichen wie „ich“)

食生活 shoku-seikatsu – Essgewohnheiten
SHOKU – essen

新生活 shin-seikatsu – neues Leben
SHIN – neu (wie in Shinkansen)

日常生活 nichijō seikatsu – (all)tägliches Leben
NICHI – Tag
– normal, immer, für gewöhnlich
日常 nichijō – alltäglich, normal

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73. sotsugyo – der Abschluss

Beitrag von Watashi »

Am Ende der Universität und am Ende des Themas für Juni steht

卒業 sotsugyō – der Abschluss.
SOTSU – Schul-/Universitätsabschluss (oder gemeiner Soldat)
GYŌ – Arbeit, Beruf, Dienst; Industrie, Unternehmen; Gelehrsamkeit, Studium

Dabei bekommt man dann
学位 gakui – einen akademischen Grad (wie Diplom oder Magister im traditionellen deutschen Universitätssystem).
GAKU – kennen wir ja inzwischen
I – Platz, Rang

Der normale Abschluss nach vier Jahren Uni in Japan ist
学士 gakushi – der Bachelor (wie schon in der ersten Woche angemerkt)
GAKU – schon wieder dasselbe
SHI – Gelehrter, Mann von Rank
学士 gakushi ist also ein Gelehrter mit Studium oder so.

Dieser ist jedoch nicht so wichtig, hat man den Zulassungstest bestanden und investiert ein Mindestmaß an Zeit ins Studium, ist der Bachelor fast garantiert. Ich habe da zumindest einige Stories gehört, die dafür sprechen, und wir hatten an der Uni in Japan auch so Spezialisten, die zu spät kamen und zu früh gingen und trotzdem den Kurs bestanden (gut, das geht in Deutschland sicher auch, aber ich hatte den Eindruck, dass es in Japan noch einfacher war).

Strebt man eine akademische Karriere an, dann geht man weiter auf das
大学院 daigaku-in – Graduate School (siehe auch Wort der Woche Nr. 70).

Dort kann man dann seinen
修士 shūshi – Master
SHŪ – erlernen, beherrschen, meistern
SHI – wie oben
Als 修士 shūshi kann man also einen Gelehrten bezeichnen, der zusätzliches Wissen erlernt hat oder mehr beherrscht als ein einfacher 学士 gakushi.

oder den
博士 hakushi oder hakase – Doktor machen
HAKU – weit, breit
SHI – wie oben
博士 hakushi oder hakase (ist der gebräuchlichere Begriff, meine ich) ist also jemand, der sich breites Wissen angeeignet hat (zumindest kann man es sich so merken).

An der Kursuniversität macht man einen
短期大学士 tanki daigaku-shi – einen Kursuniversitätsabschluss oder einen Mini-Bachelor oder so.

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Jakusotsu
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Re: 73. sotsugyo – der Abschluss

Beitrag von Jakusotsu »

Watashi hat geschrieben:SOTSU – Schul-/Universitätsabschluss (oder gemeiner Soldat)
:shock: Was diese beiden Begriffe miteinander zu tun haben sollen, dafür reicht meine nicht-japanische Fantasie nicht aus... Jedenfalls vielen Dank für diese Erkenntnis. 8)
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