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Adventskalender???

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2019 21:11

Du, Watashi, es ist der 5. Dezember.

- Ja...

Der 5. DEZEMBER!

- :shock: :( :oops:

:Rettung

- Dann lass uns mal schnell anfangen...
Watashi
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2019 21:21

1. Ein Burgtor in Ehren...

OK, dann schulde ich euch wohl fünf Türchen im Adventskalender. Da ich arbeitsbedingt etwas im Stress bin, werde ich die fünf Türchen zu einem Thema gestalten: der Burg von Obi. Obi? Das ist eine alte Burgstadt in Miyazaki. Miyazaki? Wir erinnern uns, das ist die Präfektur im Südwesten von Kyushu, die wir als allerletztes in Japan gesehen haben. In Obi waren wir aber noch nicht. Das sollten wir ändern.

Wir stehen also am Eingang zur Burg, dem Hauptburgtor (Otemon).

1a_Otemon.jpg


Leider ist das kein Originalburgtor mehr, sondern ein Nachbau von 1978. Es wurde aber unter wissenschaftlicher Leitung erbaut. Es wurden eigens vier hundertjährige Bäume in Obi gefällt, um das Tor möglichst historisch aussehen zu lassen. Und so kann man heute hinter dem Tor eine breite Treppe hinaufsteigen, wie es sie sonst auch in anderen Teilen Japans gibt.

1b_hinein_hinauf.jpg


Und von oben hat man auch einen guten Blick auf den Innenraum des Tors und kann sehen, dass der Weg einen Knick macht, um eventuellen Angreifern keine freie Bahn zu liefern.

1c_und oben.jpg
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2019 21:28

2. Der alte Hauptturm

Wir orientieren uns in die Richtung, in die der "alte Hauptturm" zu finden sein soll. Beim Anblick des moosbewachsenen Aufstiegs hätten uns vielleicht Zweifel kommen können, aber ein Hauptturm kann ja nicht so schwer zu finden sein.

2a_alte Treppe.jpg


Kann er doch. Oben angekommen sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht.

2b_Wald.jpg


Also doch kein Hauptturm. Schade. Dieser ist aber nicht erst den Wirren nach der Öffnung des Landes zum Opfer gefallen wie so vieles andere, sondern wurde binnen 25 Jahren dreimal (1662, 1680 und 1686) von Erdbeben zerstört. Danach hatte der Hausherr genug und versetzte seine Residenz an eine andere Stelle. Ob es dadurch weniger Erdbeben gab oder der neue Turm vielleicht erdbebensicherer war, weiß ich allerdings nicht. Über den alten Hauptturm wuchs jedenfalls Gras - und Bäume.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2019 21:35

3. Jetzt aber Burg

OK, neuer Versuch, dieses Mal marschieren wir Richtung "matsu no maru" (maru sind die Türme), dem Hauptgebäude. Vor uns ist eine lange Treppe, an deren Ende wir schon ein Gebäude ausmachen können. Das ist doch schon mal sehr vielversprechend.

3a_rauf in die gute Stube.jpg


Oben angekommen stehen wir vor einer Rekonstruktion eines Wohngebäudes, wie man sie in vielen japanischen Burgen finden konnte.

3b_hinein hinein.jpg


Die Fürsten wohnten nämlich in der Regel nicht im Hauptturm, sondern in einem Wohngebäude auf den Burggelände. Der Hauptturm diente vor allem militärischen Zwecken. Das galt auch für den neuen Hauptturm, der im 17. Jahrhundert gebaut wurde. Auf dem Gelände ist heute allerdings eine Schule.

Und in der Burg sehen wir die vielen kleinen und größeren Räume, die durch Schiebetüren verbunden waren. So konnte man sie auch wie eine großen Raum benutzen und es konnte im Sommer ein Luftzug entstehen, der wenigstens etwas kühlte.

3c_viel gute Stube.jpg


Und dafür war ich selbst heute noch dankbar. Originalgetreue Burgen haben nämlich keine Klimaanlage.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2019 21:39

In der Burg finden wir auch etwas, was es nicht überall gibt. Vielleicht erkennt ihr ja, was es ist:

Oben findet sich ein kleines Haus in dem großen Haus:

4a_oben.jpg


In diesem kleinen Haus im großen Haus gibt es ein Loch unter dem Boden, in dem eine Schüssel steht:

4b_innen.jpg


Und unter dem kleinen Haus im großen Haus, hinter der Schüssel unter dem Boden befindet sich ein offener Kamin:

4c_unten.jpg


Also, was hat der Fürst hier so gemacht?
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2019 21:47

5. Mit Glück

Wir haben ja schon verschiedentlich gesehen, dass so ziemlich alles in Ostasien Glück bringen kann. Es gibt glücksbringende Amulette, glücksbringende Steine, die man werfen muss, glücksbringende Rituale, glücksbringende Geldstücke oder glücksbringendes Wasser. Jetzt besuchen wir noch einen glücksbringenden Ort auf dem alten Burggebiet in Obi. Das wird einem zumindest multilingual (Japanisch, Englisch, Koreanisch und Chinesisch) angekündigt.

5a_Glücksplatz.jpg


Also habe ich mich natürlich sofort da hingestellt.

5b_ich warte.jpg


Wie also konnte ich den Anfang des Adventskalenders verschlafen?
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 6. Dez 2019 21:50

6. Die (nicht) hängenden Gärten von Ichijodani

Erinnert ihr euch noch an Ichijodani? Das ist die alte Burgstadt, die im 16. Jahrhundert zertstört wurde, deren Grundrisse dann im Boden konserviert wurden und die schießlich im 20. Jahrhundert wiederentdeckt und zum Teil wieder aufgebaut wurde; für den geneigten Touristen, der bis ins ländliche Fukui fährt, um sich das anzusehen. Ob das nun wirklich so viele sind, weiß ich nicht, im Hochsommer war der Besuch jedenfalls eher spärlich.

Sei es drum, jedenfalls sind wir wieder in Ichijodani und können von unserem neuen Standpunkt den wiederaufgebauten Bereich von oben sehen. Da können wir auch gut sehen, dass das wirklich nur ein kleiner Teil ist. Da ist also noch einiges zum Ausgraben übrig.

6a_Ichijodani wieder.jpg


Und für uns ist auch noch einiges zum Ansehen übrig. Wir stehen nämlich nicht nur hier oben, um einen Blick über die Häuser werfen zu können, auch wenn die Ausblicke auch nicht schlecht sind.

Auf der Anhöhe, auf der wir jetzt stehen, gibt es nämlich auch noch was zu sehen. In Ichijodani haben nicht nur die Grundrisse der alten Burgstadt überlebt, sondern auch die Fundamente von den Anwesen der besseren Samurai-Gesellschaft, aber eben nicht nur von den Häusern, sondern auch die Reste der alten Landschaftsgärten aus dem 16. Jahrhundert. Natürlich nicht komplett, aber man bekommt schon einen Eindruck, wie die Gärten früher ausgesehen haben könnten.

6b_Garten der erste.jpg


Ich würde sagen, gar nicht schlecht. Besonders die schattenspendenden Bäume sind bei den üblichen Temperaturen im Sommer sehr zu befürworten. Und ganz schön dauerhaft so ein Samurai-Garten.

Es gibt auch nicht nur den einen Garten, von dem man sich noch einen Eindruck verschaffen kann, sondern auch noch die Überreste weiterer Gartenanlagen. Man sieht, wie wichtig die Gestaltung mit Felsen war; und natürlich trägt auch das dazu bei, dass diese Ecken erhalten geblieben sind.

6c_Garten der zweite.jpg


Bei diesem Beispiel kann man auf einer Zeichnung auch erkennen, dass es eben nur ein kleiner Rand des ehemaligen Gartens ist. Leider kann ich aber nicht ganz nachvollziehen, welcher Rand es ist.

6d_Garten der zweite früher.jpg


Und da aller guten Dinge drei sind, gibt es noch einen weiteren Garten, dessen (wenn auch kleiner) Rest erhalten geblieben ist. Ich vermute allerdings, dass zumindest der Zulauf irgendwann wieder restauriert worden ist.

6e_Garten der dritte.jpg


Insgesamt bekommt man jedenfalls schon einen Eindruck, was den Gartenbauern und ihren Kunden vor über 400 Jahren wichtig war.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon tsunamiko » 7. Dez 2019 18:22

Ich mag japanische burgen. Auch wenn sie nicht immer alt sind. Danke für die schönen bilder
...there are so many different ways that lead to the gods
so many ways that lead to enlightment


but only one way that leads to the next gucci boutique...........


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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 7. Dez 2019 20:36

7. Auf zum Tempel

Wir bleiben noch dieses Wochenende in der Präfektur Fukui und sehen uns den wichtigsten Tempel der Gegend an: den Eiheiji. Oder vollständiger Daihonzan Eiheiji 大本山永平寺. Japanische Tempel haben nämlich in der Regel nicht nur den Eigennamen, den man normalerweise benutzt (wie Eiheiji), sondern auch einen Bergnamen, selbst wenn sie in einem Tal stehen. Methaphorisch sind nämlich die Tempel Berge. Manchmal haben sie auch noch Spitznamen. So wird ein Tempel in Kyoto allgemein Koke-dera ("Moostempel") genannt, obwohl er formal Kōinzan Saihō-ji heißt.

Wir wollen also zum (Daihonzan) Eiheiji. Dieser hat nicht nur einen Bergnamen, sondern steht auch an einem Berg. Und wir stehen jetzt am Eingang und sehen noch nicht so richtig viel von dem Tempel (oder von dem Berg).

7a_auf dem Weg.jpg


Wir gehen aber an einem Gebäude vorbei, das offenbar so etwas wie ein Wohnhaus der Mönche ist. Zumindest steht ein Mönch davor, der... auf seinem Handy spielt? Oder doch tiefgründige Schriften liest?

7b_auf dem richtigen Weg.jpg


Zumindest sind wir offenbar auf dem richtigen Weg.

Nachdem wir um die Ecke gebogen sind, steigen wir unsere ersten Stufen zur Empfangshalle hinauf. Hier werden die Touristen empfangen, egal ob wie wir nur für den Tag oder auch mit Tempelübernachtung und Zen-Meditation.

7c_auf dem weiteren Weg.jpg


Es gibt eine kurze Einleitung zum Tempel und seiner Geschichte und den Gebäuden (auf Japanisch). Der Tempel wurde 1244 von Dogen, einem buddhistischen Gelehrten, gegründet, der 1228 die Soto Schule des Zen Buddhismus aus China nach Japan brachte. Seit seinem Tod wird seine Asche auch hier im Tempel verwahrt.

Die Halle selbst ist aber auch sehr interessant, mit einer Decke, die in einzelne Fächer unterteilt und mit Szenen aus der Natur bemalt ist.

7d_angekommen.jpg


Außerdem gibt es ein Schild mit Besuchsregeln (auf Japanisch). Unter anderem soll man keine Mönche fotografieren. Ups...

Morgen sehen wir uns dann den Tempel an. Und keine Mönche mehr, versprochen.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 7. Dez 2019 20:40

Oh, und die Auflösung für die Frage von Türchen Nr. 4, was es mit dem kleinen Haus im großen Haus auf sich hat:

Es ist eine Indoor-Schwitzhütte.

4d_aha.jpg


Kann man auch mal machen. Macht auch durchaus Sinn, im Winter kann es nämlich auch kalt werden.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon gernobono » 7. Dez 2019 22:47

vielen dank für den adventkalender
der zweitbeste nach meinem niederegger-adventkalender mit seinen 32 türchen
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 8. Dez 2019 19:02

8. Im Tempel

Nachdem wir ja gestern bis in die Empfangshalle des Eiheiji gekommen sind, sehen wir uns heute den Tempel selbst an. Dieser besteht aus einer Reihe von Gebäuden, von denen man sich einen Teil ansehen kann. Ein anderer Teil, wie die privaten Räumlichkeiten der Mönche, ihre sanitären Anlagen oder Gebetsräume sind nicht zugänglich. Und einiges kann man sich zwar ansehen, aber aufgrund des "Keine Mönchsfotos"-Gebots leider nur sehr begrenzt fotografieren. Aber der Rest reicht auch für ein volles Türchen.

Wir stehen also jetzt am Eingang zum Tempelbezirk. Der Tempel hat mehrere Ebenen von Bereichen, die von Gebäuden umschlossen sind und wie kleine Gärten gestaltet sind. Und wir stehen jetzt unten am Berg, metaphorisch wie geografisch.

8a_drin.jpg


Wir müssen jetzt also irgendwie den Berg raufkommen. Dafür gibt es an den Seiten der "Gärten" langgezogene überdachte Treppen. Und die müssen wir jetzt rauf. Viel Spaß!

8b_rauf.jpg


Oben gibt es verschiedene Gebäude, die für unterschiedliche Zeremonieren genutzt werden. Bei einem Seitengebäude lief gerade eine Zeremonie, Glocken wurden geschlagen, Mönche beteten, es war schon interessant, aber leider off limits für Fotos. Also musste ich warten, bis auch der letzte Mönch den Raum verlassen hatte. Aber auch so, machen diese Zeremonialräume einiges her.

8c_innen.jpg


Etwas unterhalb dieses Nebengebäudes findet sich die Haupthalle. Schön zentral und von daher schwer zu übersehen. Von außen ist das mit den Fotos ja auch nicht so problematisch.

8d_unten.jpg


In der Haupthalle fand gleich die nächste Zeremonie statt: Eine sehr große Zeremonie mit duzenden von Mönchen, die etwas rezitierten und dabei durcheinandern liefen. Es wurden Klangstäbe geschlagen und Glöckchen geläutet. Ich weiß jetzt nicht, ob die das jeden Tag machen oder ob ich einfach Glück hatte, es war auf jeden Fall beeindruckend.

Da durfte man als Tourist auch ganz problemlos dabei stehen und zusehen. Ich wollte eigentlich vorsichtig außen herum schleichen, um nicht zu stören, wurde aber explizit aufgefordert, mich zu den anderen Besuchern zu stellen (von denen ich angenommen habe, dass sie zumindest etwas näher am Buddhismus waren als ich). Am Ende wurden dann alle Besucher in zwei Reihen gestellt und konnten von den Mönchen gesegnet werden. Da habe ich mich aber gedrückt, weil ich keine Ahnung hatte, was ich machen musste. Und fotografieren konnte ich natürlich nicht...

Und so habe ich nur ein eingeschränktes Foto vom Inneren der Halle, da es unmöglich war, diese ohne Mönche zu bekommen.

8e_oben.jpg


Zumindest habe ich es geschafft, keine weiteren Mönche zu fotografieren. Am Ende des Rundgangs gab es dann noch ein paar Informationen, wie ein Video über den Koch des Tempels. Der liegt voll im Trend, weil er vegan kocht. Eigentlich hätten die Japaner bei der Übernahme des Buddhismus auch zumindest Vegetarier werden müssen, aber japanisches Essen ohne Meerestiere konnten sie sich dann doch nicht vorstellen. Deshalb sind buddhistische Tempel bis heute die einzigen, die konsequent auf tierische Produkte im Essen verzichten, der Rest isst eher pragmatisch.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 9. Dez 2019 21:20

9. Unser jährliches gusuku gibt uns heute

Und wie fast jedes Jahr machen wir uns jetzt auf nach Okinawa und sehen uns eine alte Burgruine an. Ihr glaubt doch nicht, dass ich euch ohne gehen lasse (wobei ich danach nur noch eine weitere habe, wenn ich das richtig im Kopf habe).

Unser heutiges Ziel: Chinen-jo, die Burg von Chinen (oder das, was davon übrig geblieben ist). Chinen-jo ist eine der ältesten Burgen auf Okinawa, aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Das genaue Baujahr ist allerdings unbekannt. Sie gehört auch nicht zum Weltkulturerbe wie die größeren Schwestern, die wir uns schon angesehen haben, aber davon lassen wir uns ja nicht aufhalten. Immerhin wurde sie etwa bis zur Wende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert tatsächlich noch als Wachhaus oder Schule genutzt.

Die ersten Überreste, die wir sehen, sind allerdings eher schwer zuzuordnen. Sie sind von tropischen Pflanzen überwachsen und sind wohl von einem Wohngebäude außerhalb der Burgmauern. Hier war eher keine Schule mehr.

9a_kaum zu erkennen.jpg


Wenn wir weitergehen, treffen wir aber auf etwas, das viel einfacher als ehemalige Burg zu identifizieren ist. Die Mauern sind dabei, wie bei anderen Burgen auf Okinawa auch gesehen, geschwungen und ziemlich glatt. Wobei die Burg sicherlich nicht einfach so erhalten geblieben ist, sondern immer wieder instand gesetzt wurde.

9b_besser.jpg


Das kann man an anderen Stellen besser sehen. Aus der Nähe erkennt man, dass die Mauern nach all der Zeit nicht so schön glatt oben sind, sondern viele Steine herausgebrochen sind und die Mauern in Teilen zusammengebrochen sind. Es gibt auch immer wieder blaue Bauplanen.

9c_näher.jpg


Oder Netze, die Steine vom Herunterfallen bewahren sollen. Insgesamt ist hier noch einiges an Aufräum- und Aufbauarbeiten zu tun, wenn die Burg wieder in einen besseren Zustand versetzt werden soll.

9d_viel zu tun.jpg


Daran wird aber auch gearbeitet. An einer Ecke war ein Bauarbeiter, der an den Steinen der alten Mauern arbeitete. Ich war mir nicht sicher, ob man den einfach fotografieren sollte, schließlich macht er ja nur seinen Job und ist kein Darsteller. Aber ich glaube, er hatte nichts dagegen.

9e_packen wir es an.jpg
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 10. Dez 2019 22:06

10. Hinter der alten Burg geht's weiter

Geht man von Chinen-jo nicht direkt zum Parkplatz zurück, sondern folgt dem Weg, landet man erst einmal in einem subtropischen Urwald. Botanik ist jetzt nicht so meine Stärke, aber die Bäume und Pflanzen kannte ich aus Deutschland dann doch eher nicht.

10a_Urwald.jpg


Inzwischen habe ich in Singapur gelernt, dass das eigentlich zwei Pflanzen sind: eine Wirtspflanze innen und eine Schmarozerpflanze außen. Die Schmarozer setzen sich auf die Äste des Wirts und fangen an, ihre eigenen Wurzeln Richtung Erde zu strecken. Das ist das, was wie viele kleine Stämme aussieht. Irgendwann nimmt die Schmarozerpflanze der Wirtspflanze Licht und Luft und dann stirbt letztere. Das Leben ist selbst im Pflanzenreich hart.

Vom Weg aus kann man immer kleiner werdenden Wegen folgen und findet viele kleine Altäre und Bauten in der Natur. Diese stammen von der alten Naturreligion auf Okinawa, die es zum Teil noch gibt. Das ist nicht dasselbe wie der Shinto im Rest des Landes, Okinawa ist an dieser Stelle etwas eigen. Jedenfalls steht hier mitten im Urwald eine kleine Gebetsstätte.

10b_Glück I.jpg


Und es geht noch kleiner. Nur noch ein Mini-Altar auf einer Bodenplatte und fertig. Trotzdem wird hier vermutlich schon länger gebetet, es braucht also nicht immer eine ganze Kirche oder Tempel.

10c_Glück II.jpg


Dann geht es weiter den Berg rauf. Der Weg wird dabei nicht größer oder besser, aber wir sind ja gut zu Fuß. Hier merkt man auch, dass Okinawa in einer anderen Klimazone liegt als der Rest des Landes. Solche Urwälder gibt es hier in den Subtropen, auf den japanischen Hauptinseln aber eher nicht. Nicht mal im wärmeren Süden.

10d_durch den Urwald.jpg


Am Ende des Weges stehen wir vor einer beeindruckenden Steilwand. Natürlich ist dieser Ort auch besonders wichtig in religiöser Hinsicht. Angeblich ist hier ein Lord von Chinen begraben, auf jeden Fall wird hier aber auch noch kräftig gebetet. Den Mini-Altar sieht man kaum vor der Wand, aber es kommen offenbar wirklich Leute bis hierher in der Wald, wenn man nach den Münzen geht, die hier abgelegt wurden.

10e_Glück III.jpg


Und morgen steigen wir wieder runter und nehmen einen anderen Weg.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 11. Dez 2019 21:43

11. Und wieder runter

Nachdem wir ja nun mühsam hochmarschiert sind, sehen wir, dass der Weg nicht an der Wand mit dem Schrein endet, sondern tatsächlich an der anderen Seite wieder runter geht. Warum sollten wir also denselben Weg wieder zurückgehen, wenn wir auch noch etwas anderes sehen können? OK, eine Karte haben wir jetzt nicht dabei und Wegweiser gibt es auch keine mehr (bis hierher gab es tatsächlich noch welche), aber irgendwo wird der Weg schon hinführen. Auch wenn einem bei dem "Weg" zum Teil schon Zweifel kommen, ob man da wirklich runter will.

11a_das nennen die Weg.jpg


Aber so ein Marsch durch den Urwald hat ja auch was für sich. Der Weg war zuweilen zwar wirklich steil, aber ich habe es überlebt.

Und dann kann man auf dem Weg auch noch allerlei interessante Pflanzenwelt sehen. Neben den Bäumen, die wir schon gesehen haben, gibt es Palmen, große Farne und auch sonst noch so einiges, was man in Mitteleuropa, aber auch auf den japanischen Hauptinseln, nicht sehen kann. Und manche Pflanzen kann ich gar nicht zuordnen. Ist das eine Pflanze mit vielen Farben oder viele Pflanzen mit einzelnen Farben?

11b_das nenne ich farbenfroh.jpg


Und dann öffnet sich der Wald plötzlich und wir stehen auf einer kleinen Ebene. In der Mitte stehen Palmen in Reih und Glied, Soll das so etwas wie eine Palmenplantage sein? Oder ist das so semi-natürlich? Es gibt zumindest menschlichen Einfluss, die Äste zwischen den Palmen haben sich wohl nicht von selbst sorgfältig gestapelt.

11c_Landwirtschaft oder.jpg


Etwas weiter wird es deutlicher: Hier betreibt offenbar jemand Landwirtschaft. Oder soll das die japanische Antwort auf den Schrebergarten sein? Jedenfalls ist das nicht viel mehr Feld als auf dem Foto zu sehen ist.

11d_Landwirtschaft.jpg


In Japan gibt es Felder an den unmöglichsten Ecken. In der Stadt, in der ich ein Jahr lang gewohnt habe, gab es unvermittelt mitten zwischen den Häusern einzelne Parzellen, auf denen Kiwis angebaut wurden. Und das war ein Vorort von Tokyo mit mehr als 190.000 Einwohnern. Es gibt sogar Mitaka Kiwi Wein und Mitaka Kiwi Fruit Beer. Keine Ahnung warum, aber Mitaka produziert die meisten Kiwi von ganz Tokyo (was vermutlich nicht weiter schwierig ist).

Warum also nicht ein Mini-Feld irgendwo im semi-nirgendwo auf Okinawa?

Und hier haben wir dann auch einen Ausblick auf Weihnachten. Ich bin kein Botaniker, das sieht für mich aber ganz nach Weihnachtsstern aus:

11e_es weihnachtet sehr.jpg


Und am Ende bin ich tatsächlich wieder an der Burgruine von Chinen angekommen und konnte zu meinem Mietwagen zurück, ohne mich massiv zu verlaufen.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon gernobono » 12. Dez 2019 10:09

Watashi hat geschrieben:Und hier haben wir dann auch einen Ausblick auf Weihnachten. Ich bin kein Botaniker, das sieht für mich aber ganz nach Weihnachtsstern aus:


Denke das ist kein Weihnachtsstern.
Der Weihnachtsstern bekommt seine roten Blätter nur, wenn er in einem dunklen raum steht.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Jakusotsu » 12. Dez 2019 14:05

Ich habe das Foto einer ausstudierten Biologin gezeigt, und die meinte, dass es sich durchaus um die Wildform unseres überzüchteten Ziergewächses namens Weihnachtsstern handeln könnte. (Mir persönlich sind die Grünblätter zu zackig und abgesetzt, aber was weiß ich schon...)

Charakteristisch für derlei Wolfsmilchgewächse sei das Vorhandensein von Milchsaft, aber dafür müsste Anke nochmal handgreiflich werden.

Nachtrag: Der Artikel bei Wikipedia legt nahe, dass die Vermutung Euphorbia pulcherrima zutrifft.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » 12. Dez 2019 21:42

12. Und wieder rauf

Wir verlassen die wohltemperierten Breiten von Okinawa und machen uns in den hohen Norden auf. OK, nicht den allerhöchsten Norden, aber zumindest kommen wir bis Sapporo, Hauptstadt der nördlichsten Präfektur und Hauptinsel Hokkaido. Und hier ist tiefster Winter, also besuchen wir doch was Wintersportliches.

Wir fahren zum Okurayama (das ist der mit dem Wintersportmuseum) und sehen uns die hiesige Sprungschanze an. Hier gibt es seit 1932 eine Skisprungschanze, begründet unter dem Namen 大倉シャンツェ, Ōkura-shantse (von deutsch: Schanze). 1952 wurde sie neu gebaut, 1969/70 umgebaut, um 1972 bei den Olympischen Spielen eingesetzt zu werden. Heute ist sie auch als Ōkurayama Ski Jump Stadium (大倉山ジャンプ競技場 Ōkurayama Janpu Kyōgijō) bekannt.

Von unten kann man sehen, wie hoch das ganze ist. Respekt, wenn man da nur mit Skiern hinunterfährt und springt.

12a_von unten.jpg


Und wir sehen, dass es links der Schanze einen Sessellift gibt. Zumindest müssen wir heute also nicht auf den Berg hinauflaufen. Also, rein in den Sessellift, rauf auf den Berg. Ich hoffe, ihr seid schwindelfrei. Und zieht euch warm an, es zieht ziemlich auf dem Weg nach oben, aber wie heißt es so schön: Wer Aussicht will, muss leiden.

12b_nach oben.jpg


Und oben (und auf dem Weg nach oben) haben wir wirklich eine tolle Aussicht über die Sprungschanze, aber auch über die Stadt Sapporo.

12c_von oben.jpg


Und wenn einem dann doch zu kalt wird, kann man sich ins Schanzenhaus flüchten. Da ist es jetzt auch nicht kuschelig warm, aber zumindest windgeschützt. Außerdem muss man auch nicht auf seinen Ausblick verzichten, sondern kann sich die Stadt ganz entspannt durch eine Glasscheibe hindurch ansehen. So kann man in der Ferne zum Beispiel den Sapporo Dome erkennen, das große überdachte Baseball-/Fußballstadion der Stadt. Und man erkennt, dass auch hier im hohen Norden eine Großstadt eine Großstadt ist, mit Häusermeer und Hochhäusern. Schließlich hat Sapporo mehr als eine Million Einwohner.

12d_im Oben.jpg


Schließlich starten wir wieder nach unter.

12e_nach unten.jpg


Natürlich nicht links über die Sprungschanze, sondern rechts mit dem Sessellift.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Konosato » Gestern 16:59

Ah!! Sapporo, 1972, die XI Olympishe Winterspielen, für uns Schweizer die schönsten Erinnerungen. Bernhard Russi gewinnt die Abfaht vor Roland Collombin aber besonders „Maite“ Marie-Theres Nadig, 17 jährig, bleibt für die Ewigkeit in unseren Herzen mit zweimal Gold, sie gewann Abfahrt und Riesenslalom vor der scheinbar unschlagbare Österreicherin Annemarie Pröll.

Jetzt wussten die Japaner, dass irgendwo in Europa ein Staat namens Switzerland existiert, ein Staat der nicht nur Uhren, Käse und Schokolade produziert, sondern auch gute Skisportler hat :mrgreen:

Herzlichen Dank für den Kalender Anke.
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Re: Adventskalender???

Beitragvon Watashi » Gestern 21:44

13. So ließ es sich leben

Wie letztes Jahr schon angedroht, werden wir auch dieses Jahr wieder das Kaitaku no mura, das Freilichtmuseum in Sapporo besuchen, in dem die Geschichte Hokkaidos seit der systematischen Besiedlung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erzählt und in Gebäuden gezeigt wird. Letztes Jahr hatten wir eine Siedlerhütte, in der die armen Siedler im Hinterland die ersten Jahre verbrachten. Heute sehen wir uns das Gegenteil an: Die Gebäude einer Familie, die an der Ostküste in Otaru von der Heringsfischerei lebte. Und das offenbar nicht schlecht.

13a_hier wohnt das Geld.jpg


Heute ist Heringsfischerei kein einträgliches Geschäft mehr, weil die Heringsschwärme inzwischen nicht mehr in der Nähe von Hokkaido vorbeiziehen. Im 19. Jahrhundert hingegen konnte man damit reich werden. Otaru war damals die größte Stadt auf Hokkaido. Irgendwann löste Steinkohle die Heringe ab und Otaru war immer noch die größte Stadt auf Hokkaido. Dann wurde sie von der Hauptstadt Sapporo überflügelt und die Industrie wanderte dorthin ab. Heute ist Otaru eine Schlafstadt für Sapporo und bei Touristen beliebt.

Als die Familie Aoyama 1859 von Yamagata hierher zog, war Otaru gerade auf dem aufsteigenden Ast. Die Familie war dabei mehr im Heringsfischereimanagement denn wirklich selbst in der Heringsfischerei tätig. Das sorgte dann auch für einen durchaus angenehmen Lebensstil. Das Haus sah nicht nur von außen groß aus, sondern das Innere ist großzügig gestaltet, zum Teil mit einem Obergeschoss versehen und mit hohen Decken über dem Wohnbereich.

13b_so wohnt das Geld.jpg


Wenn man sich das Anwesen auf dem ersten Bild ansieht, stellt man fest, dass hier nicht nur das Wohnhaus steht, sondern auch diverse Nebengebäude. Diese dienen als Speicher und Aufbewahrungsort für viele unterschiedliche Zwecke. Die ganz wichtigen Waren und Besitztümer waren dabei durch dicke Türen geschützt und in Steinhäusern untergebracht.

13c_gut geschützt.jpg


Das muss man sich auch leisten können. Die normalen Häuser waren komplett aus Holz und ohne zusätzlichen Speicher.

An anderer Stelle werden die Reisstrohballen gestapelt. Diese erkennt der geneigte Sumo-Freund vielleicht: Der Reis wird in so genannten 俵 tawara aufbewahrt. Das sind die tawara, die im dohyo eingelassen sind. Nicht umsonst heißt 土俵 dohyo wörtlich so etwas wie "Erde (und) Reisstrohballen".

13d_gut versorgt.jpg


Verhungert sind die Aoyamas also vermutlich auch nicht. Und schließlich kann man auch das Handwerkszeug ihrer Zunft sehen: Im letzten Speicher werden Netze, Gewichte, Taue und alles mögliche für die Fischerei aufbewahrt.

13e_Petri heil.jpg


Dieses Ensemble gehört in Kaitaku no mura zum Bereich Fischerdorf (auch wenn es eigentlich eher aus einer Fischerstadt ist). Morgen gehen wir dann mal in die Stadt, wenn ich keine Gegenstimmen höre.
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