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Der traditionelle Adventskalender

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 14. Dez 2018 21:31

14. Vor, in, auf und um die Burg herum

Nach einem kurzen Abstecher nach Shikoku machen wir jetzt einen kurzen Abstecher nach Chugoku, das ist der westlichste Teil der Hauptinsel Honshû. Wir fahren aber nicht nach Hiroshima oder Okayama, das kann ja jeder (schließlich hält da der Shinkansen), sondern auf die Japanmeerseite. Wir besuchen die Präfektur Shimane und fahren in die Hauptstadt Matsue. Diese liegt zwar nicht am Japanmeer, aber trotzdem sehr schön am Shinji-ko, einem der größten japanischen Seen.

Wir sind aber nicht wegen des Sees hier, sondern wegen der Burg. Die Burg ist allerdings wegen des Sees hier, von daher wären wir ohne den See auch nicht hier. Aber zur Burg: Diese wurde 1607 gebaut und ist heute noch im Original erhalten, also zumindest der Hauptturm.

14a_vor der Burg.jpg


Wir schleichen aber nicht nur um die Burg herum, sondern gehen auch hinein. Wie die meisten Burgen gibt es im Inneren ein Museum, das die Geschichte der Burg zeigt und alte Elemente der Burg. Dazu gehören die alten Dachverzierungen, die wie große Fische aussehen. Diesen Fabeltieren wurde nachgesagt, dass sie Regel fallen lassen und Wasser produzieren können. Deshalb wurden sie oft auf die Dächer von Burgen oder Tempel und Schreinen gesetzt, um vor Feuer zu schützen. Das werden die alten Ausgaben, die heute im Museum stehen, aber vermutlich nicht mehr machen.

14b_in der Burg.jpg


Dann gibt es natürlich auch Überbleibsel der Samurai, die früher die Burg beherrschten. Dabei stellt man fest, wie klein die Japaner früher waren. In die Rüstungen würde ich vermutlich nicht reinpassen.

14c_auch in der Burg.jpg


Und schließlich kann man selbstverständlich immer auch in den obersten Stock steigen und sich die Gegend ansehen. Früher sah man hier über die alte Burgstadt, wo die Vasallen des Burgherren wohnten, wo Handwerker werkelten und Händler handelten. Heute ist es eine moderne japanische Stadt.

14d_auf der Burg.jpg


Auch sieht man die direkte Umgebung der Burg. Wir sehen den Kounkaku, einen Palast, der 1903 anlässlich des Besuchs des Meiji Tennô gebaut wurde. Heute ist dort das Heimatmuseum von Matsue untergebracht. Im Hintergrund sieht man auch den Shinji-ko mit einer kleinen Insel im See.

14e_um die Burg herum.jpg


Und damit schließt sich der Kreis, denn wir erinnern uns: ohne See keine Burg.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 15. Dez 2018 17:45

15. Durch Felder und Dörfer

Von Südwesten kommend erreichen wir die Präfektur Fukui. Das waren wir letztes Jahr zum ersten Mal und kommen dieses Jahr wieder. Dieses Mal setzen wir uns in der Hauptstadt Fukui in den Zug und fahren nach Ostsüdost (so mehr oder weniger). Unsere Fahrt zeigt uns, dass Fukui mehr ist als Stadt und alte Burgen, Fukui ist in erster Linie einmal ländlich geprägt, wie die meisten Präkturen auf der Japanmeerseite. So fahren wir mitten durch Reisfelder auf dem Weg zu unserem Ziel.

15a_durch Reisfelder.jpg


Schließlich steigen wir in Ichijodani aus dem Zug, der nicht mehr ist als ein kleiner Triebwaren. Aber zumindest steht unser Fahrtziel drauf, obwohl der Zug noch weiter fährt. Muss also irgendwie wichtig sein, dieses Ichijodani.

15b_mit der Bahn.jpg


Natürlich gibt es an so einem Kleinstbahnhof weder manuelle noch automatische Ticketkontrollen. Es greift das Prizip Bus: Man steigt beim Fahrer aus und zeigt entweder die Karte, die man in Fukui am Bahnhof am Automaten gekauft hat, oder bezahlt den Fahrpreis, wenn man erst später eingestiegen ist, wo es auch keine Fahrkartenautomaten mehr gibt. Einen Schaffner gibt es natürlich auch nicht. ワンマンカー One-Man-Car nennt man das Prinzip, wo der Lokführer gleichzeitig Fahrkarten kontrolliert und verkauft. Der Preis orientiert sich wie im japanischen Bus an einem Zettel, den man am Eingang zieht, auf dem eine Nummer steht. Der korrespondieren Fahrpreis wird im Zug auf einer Tafel angezeigt.

Und dann stehen wir also am Bahnhof von Ichijodani. Und als erstes stehen wir wieder in einem Reisfeld.

15c_schon wieder ein Reisfeld.jpg


Wie machen uns also auf den Weg und marschieren die Straße entlang, die vom Bahnhof Richtung Dorf führt. Wir laufen die Straße in Richtung eines Tals entlang, durch den Ort hindurch. Wir sehen auch hier die üblichen oberirdisch verlegten Stromleitungen und links und rechts Häuser, allerdings ist es hier still und friedlich und sehr grün. Von der Hektik der größeren Städte ist wenig zu spüren.

15d_durch den Ort.jpg


Schließlich lassen wir aber auch den Ort hinter uns und laufen weiter an der Straße entlang. Es hätte auch einen Bus gegeben, hier in der tiefsten Provinz fährt der aber nicht so häufig, daher können wir uns auf dem Weg noch die Gegend ansehen. So laufen wir schließlich an einem Fluss entlang, dem die Straße in Kurven folgt. Dieser ist, trotz Provinz, auf der einen Seite künstlich befestigt, wirklich natürliche Flüsse gibt es wenige in Japan, zumindest außerhalb der Berge.

15e_am Fluss entlang.jpg


Und warum laufen wir hier bei sengender Sommerhitze durch die japanischen Provinz? Das zeige ich euch morgen.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon tsunamiko » 15. Dez 2018 19:00

Watashi hat geschrieben:
Und warum laufen wir hier bei sengender Sommerhitze durch die japanischen Provinz? Das zeige ich euch morgen.



zum glück nicht nur um die adventzeit für deine treuen fans zu verkürzen.....
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon gernobono » 15. Dez 2018 21:56

Watashi hat geschrieben:Wie machen uns also auf den Weg und marschieren die Straße entlang, die vom Bahnhof Richtung Dorf führt. Wir laufen die Straße in Richtung eines Tals entlang, durch den Ort hindurch. Wir sehen auch hier die üblichen oberirdisch verlegten Stromleitungen und links und rechts Häuser, allerdings ist es hier still und friedlich und sehr grün. Von der Hektik der größeren Städte ist wenig zu spüren.


Als nichtjapanischer Tourist ist man dort wohl ähnlich selten wie ein ipponzeoi in der makuuchi :wink:
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 16. Dez 2018 19:46

16. Ichijodani - jetzt aber richtig

Nachdem wir schon durchs moderne Ichijodani marschiert sind, kommen wir da an, wo wir wirklich hin wollen: ins historische Ichijodani. Die Stadt ist eine Besonderheit, weil es die einzige Burgstadt ist, deren Grundriss unverändert aus der Zeit vor dem 17. Jahrhunder stammt. Viel mehr als der Grundriss hat allerdings auch nicht überlebt.

Ichijodani war der Sitz des Asakura Clans, der hier die Sengoku-Zeit ("Zeit der streitenden Reiche") über herrschte. Zur Zeit der Reichseinigung standen die Asakura dann aber auf der falschen Seite, der des untergehenden Ashikaga-Shogunats. Das führte dazu, dass die Burg von Ichijodani 1573 von Oda Nobunaga, dem ersten Reichseiniger, belagert und schließlich mit der gesamten Stadt bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Für die Asakura eine Katastrophe, für die moderne Archäologie ein Glücksfall: Die niedergebrannten Holzteile blieben im Boden erhalten, wurden von Erde überdeckt und überdauerten so die Jahrhunderte. Erst gegen Ende der 1960ern Jahre wurden die Überreste zufällig gefunden und mit den Ausgrabungen begonnen. Und schließlich wurde nicht nur ausgegraben, sondern auch wieder aufgebaut. Und so kann man durch einen Teil einer Burgstadt aus dem 16. Jahrhundert wandern.

16a_Ichijodani Straße.jpg


Das ist insofern besonders, dass alle anderen Burgstädt im Laufe der Tokugawa-Zeit ab 1600 umgebaut und weiterentwickelt wurde. Nur in Ichijodani ist die Zeit stehen geblieben.

Neben Straßen kann man auch verschiedene Gebäude betreten. So wurde die Residenz einer Samurai-Familie wiederaufgebaut und wir können ganz entspannt über den Hof schlendern.

16b_Innenhof Residenz.jpg


Und wir können der "Familie" beim Leben zusehen. Hier wurde gekocht, gespielt und gelebt.

16c_Innenraum Residenz.jpg


Natürlich mussten auch die Samurai und Bürger im 16. Jahrhundert einkaufen gehen. Selbstversorgertum war schon länger nicht mehr überlich. Und so kann man in Ichijodani auch eine Ladenstraße besuchen.

16d_Geschäftsstraße.jpg


Und man kann auch den Händlern und Handwerkern bei der Arbeit zusehen. Diese hatten im Eingangsbereich ihre Geschäfte und dahinter oder daneben den Raum zum Leben. Viel Raum zum Leben war es allerdings nicht.

16e_Innenraum Geschäft.jpg


Und so kann man am Ende irgendwie auch froh sein, dass man nicht im 16. Jahrhundert, sondern heute lebt. Sonst wäre ich auch nie nach Ichijodani gekommen.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon tainosen » 17. Dez 2018 11:09

Watashi hat geschrieben:Und warum laufen wir hier bei sengender Sommerhitze durch die japanischen Provinz? Das zeige ich euch morgen.


Für sengende Sommerhitze sieht die Natur außerordentlich knackig grün aus. :shock:
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Jakusotsu » 17. Dez 2018 13:53

tainosen hat geschrieben:Für sengende Sommerhitze sieht die Natur außerordentlich knackig grün aus. :shock:

Blühende Landschaften.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 17. Dez 2018 18:56

17. Einmal Bucht mit allem, bitte

Heute machen wir unseren auch schon fast traditionellen Abstecher auf die kleinere Insel Sado und machen etwas total Touristisches. Wir fahren nach Yajima-Kyojima, eine kleine Bucht mit einer kleinen Insel, die einfach alles hat, was der Tourist in Sado so braucht. Zuerst natürlich einen blauen Himmel, Wasser und eine gute Aussicht.

17a_YajimaKyojima.jpg


Dann gibt es eine rote Brücke, ein paar pitoreske japanische Kiefern und die klassischen Fassboote, die man auf Sado kennt. Mit so einem sind wir auch schon gefahren.

17b_einfach alles.jpg


Heute jedoch machen wir etwas anderes: Wir folgen dem Weg, der einmal um das ganze Ensemble führt, so dass wir uns alles von verschiedenen Perspektiven ansehen kann. So kann man über die rote Brücke zu der kleinen Insel laufen und die Fassbootfahrer von oben betrachen. Oder sich am dem satten Grün (trotz Sommerhitze) erfreuen. Die japanische Natur hat sich offenbar auf die warmen Sommer eingestellt und schafft es trotzdem, nicht so auszusehen, wie der Rasen meiner Mutter in diesem Sommer (Stichwort: sehr, sehr braun).

17c_ja wo laufen sie den hin.jpg


Die satte Natur kann man von der anderen Seite besonders gut sehen, wenn man auf die umliegenden bewaldeten Hügel sieht. Und der Himmel ist blau und die Sonne lacht dazu. Auf Sado ist es im Sommer auch nicht ganz so heiß wie im Rest von Japan.

17d_die andere Seite.jpg


Und wenn man genug von der kleinen Bucht und ihren typischen japanischen/typisch Sado-mäßigen Sehenswürdigkeiten hat und einfach was Unverfällschtes möchte, braucht man sich zurück am Eingang nur in die andere Richtung zu drehen und hat einen Panoramablick auf das offene Meer. Denn Sado ist ja schließlich eine Insel.

17e_mehr Meer.jpg


Und wenn ihr jetzt wirklich, wirklich genug von all dem Tourismus habt, sehen wir uns morgen was absolut nicht Touristisches hier auf Sado an.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 18. Dez 2018 21:53

18. Ogawa - ein kleiner Ort

Wie versprochen kommen wir heute zu etwas, was vielleicht noch kein ausländischer Tourist je zuvor gesehen hat. Naja, vielleicht doch, auf die gleiche Art, wie ich dort gelandet bin, aber der Ort, den wir heute besuchen, steht in keinem Reiseführer und auf keiner Website für Touristen. Wir besuchen ein wirklich kleines Fischerdorf auf Sado, das zu Ogawa gehört. Der einzige Grund, warum ich dort hingelaufen bin, ist, dass es direkt unterhalb des Hotels lag, in dem wir auf Sado übernachtet haben, und man bequem zu Fuß dorthin laufen konnte.

Vom Hotelgelände konnte man hinunter blicken und schon fast den gesamten Ort oder eher Ortsteil mit einem Blick erfassen. OK, hinten geht es noch etwas um die Kurve weiter.

18a_Ogawa.jpg


Der Ort ist nicht nur klein, es hat auch kleine Straßen und noch kleinere Gassen. Ich bin mir nicht sicher, welche noch für PKW zu befahren sind, ich bin nur froh, dass das Navi unseres Mietwagens nie auf die Idee kam, hier herunter fahren zu wollen.

18b_Kleine Straßen.jpg


Dazu muss man wissen, dass japanische Navis offenbar nicht viel von "Bitte wenden" halten, sondern lieber versuchen über obskure Nebenstraßen und durch kleinste Siedlungen hindurch einen Weg zu finden, die Richtung ohne Wenden zu wechseln. Wenn man aus Versehen an seinem Ziel vorbeifährt, sollte man sich warm anziehen. Bei einigen Straßen habe ich gebetet, dass mir nichts entgegen kommt (nicht mal ein Fußgänger oder ein Haustier).

Das Dorf hat auch einen kleinen Hafen. Hier liegen kleine Boote, die tatsächlich nicht als Ausflugsboote genutzt werden, sondern den Bewohnern dienen. Wie gesagt, kein Tourismus hier.

18c_kleiner Hafen.jpg


Und zu einem wirklich kleinen Ort gehört auch eine wirklich kleine Feuerwache. Und eine Berufsfeuerwehr haben die natürlich auch nicht, alles Freiwillige.

18d_Kleine Feuerwache.jpg


Außerdem hat unser wirklich kleiner Ort auch einen passenden wirklich kleinen Schrein. Dieser steht zwischen Ort und Meer auf einem Felsen und ist so klein, dass man schon danach suchen muss.

18e_Kleiner Schrein.jpg


Ogawa heißt auch noch übersetzt "kleiner Fluss". Eigentlich ist Ogawa aber größer als nur dieser eine Teil. Und rechtlich ist seit 2004 ohnehin ganz Sado eine einzige Stadt (mit gut 54.000 Einwohnern und 855 qkm), auch in Japan gibt es regelmäßig Fusionen zwischen Ortschaften und anderen Gebietskörperschaften, aber dieser kleine Ort ist definitiv nicht Reiseziel vieler Ausländer.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Jakusotsu » 19. Dez 2018 07:49

Watashi hat geschrieben:Ogawa heißt auch noch übersetzt "kleiner Fluss".

O heißt klein? Das ist mir neu. Wahrscheinlich muss man bei der Aussprache auf die richtige Lautmalung des Kanjis achten.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon gernobono » 19. Dez 2018 08:57

Jakusotsu hat geschrieben:
Watashi hat geschrieben:Ogawa heißt auch noch übersetzt "kleiner Fluss".

O heißt klein? Das ist mir neu. Wahrscheinlich muss man bei der Aussprache auf die richtige Lautmalung des Kanjis achten.


kurzes "o"

guckst du https://en.wikipedia.org/wiki/Ogawa
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Jakusotsu » 19. Dez 2018 09:57

Also kurzes O = klein, und langes O = groß? Die spinnen, die Japaner...
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 19. Dez 2018 20:36

Jakusotsu hat geschrieben:Also kurzes O = klein, und langes O = groß? Die spinnen, die Japaner...


So ist es. Es sind aber unterschiedliche Kanji:

小川 - Ogawa mit kurzem "o" ("kleiner Fluss"); kann man aber auch Kogawa oder Shōsen lesen

大川 - Ōgawa mit langem "o" ("großer Fluss"); auch Ōkawa oder Daisen
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 19. Dez 2018 20:59

19. Ein Tempel in Tōkyō

Nach diesem kurzen Abstecher in die japanische Sprache zurück zu unserer Reise mit einem kurzen Abstecher in die japanische Hauptstadt. Also: Auf nach Tōkyō!

In Tōkyō fahren wir in den Bezirk Setagaya. Das ist im Südwesten der Stadt und nicht gerade im Zentrum. Und warum fahren wir hier durch die Gegend? Wir wollen uns einen Tempel ansehen. Wir laufen durch ein Wohngebiet, an der Tempelmauer entlang und stehen schließlich vor dem dem Eingang. Ein durchaus schöner Eingang, aber deshalb die lange Fahrt?

19a_Eingang.jpg


Wir gehen weiter und gehen unter grünen Bäumen entlang. Wir hören die sommerlichen Zikarden und nähern uns den Gebäuden. Als erstes treffen wir jedoch auf einen Löwen, der uns ansieht. Naja, ist natürlich nur ein Wachlöwe auf einem Weihrauchgefäß.

19b_Tempel im Grünen.jpg


Als nächstes sehen wir eine Pagode. Nicht die größte Pagode, die wir je gesehen haben, aber eine schön gestaltete, mit Holzschnitzerein an den Außenseiten.

19c_Pagode.jpg


Dann gibt es besonders große Jizō-Statuen. Jizō ist ein buddhistischer Bodhisattva, der in Japan besonders wichtig ist. Jizō begleitet die Seelen in die Unterwelt und ist insbesondere der Schutzgott der Kinder. Als solcher ist er insbesondere für den Schutz von Kindern verantwortlich, die sterben. Er ist oft an den roten Lätzchen zu erkennen.

19d_Jizo.jpg


Schließlich laufen wir über den Tempelfriedhof, der auch begrünt und sehr friedlich ist.

19e_Friedhof.jpg


Aber ist das wirklich der Grund, warum wir in die Tōkyōter Peripherie gefahren sind? Irgendein Tempel? Natürlich nicht. Aber das zeige ich euch morgen.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 20. Dez 2018 21:46

20. Nun aber...

OK, warum noch mal stehen wir jetzt in Setagaya und besuchen diesen Tempel? Es ist ja ein schöner Tempel, ein großes Tempelgelände, viele interessante Nebengebäude etc., aber irgendwas fehlt noch.

Wir gehen zu einem relativ kleinen Nebengebäude und wenn man links neben diesen kleinen Tempel sieht, kann man es vielleicht schon erahnen. Und auch sonst ist es ein wirklich schönes Nebengebäude.

20a_nun aber.jpg


Und wer es noch nicht erkannt hat: der Gotokuji, der Tempel, den wir gerade besuchen, gilt als der Ursprungsort der Maneki-neko, der Winkenden Katze, die in vielen japanischen (und chinesischen) Geschäften als Glücksbringer im Fenster steht. Es gibt noch andere Tempel und Schreine, die sich als Ursprung der Maneki-neko bezeichnen, der Gotokuji ist jedoch der bekannteste.

Die Ursprungsgeschichte der Maneki-neko (Gotokuji-Version) geht wie folgt: Als der Gotokuji nicht mehr als eine Hütte am Straßenrand war, hatte der Priester Schwierigkeiten, den Unterhalt sicherzustellen. Er hatte jedoch eine weiße Katze, die er sehr liebte und für die er trotz Geldmangel immer sorgte. Eines Tages kam nun der Herr von Hikone auf dem Rückweg von der Falkenjagd am Gotokuji vorbei. Als er auf Höhe des Tempels war, sah er die Katze, die ihn zu sich heranwinkte. Er folgte ihr und schaffte es gerade noch, im Tempel Unterschlupf zu finden, bevor ein gewaltiger Gewittersturm über dem Land losbrach. Aus Dankbarkeit spendete er dem Tempel mit der winkenden Katze eine große Geldsumme. Da die Katze dem Tempel Glück gebracht hatte, wurde sie nach ihrem Tod dort eingeschreint und bis heute als Shobyo Kannon verehrt. In der Folge begannen viele Menschen, um die Erfüllung ihrer Wünsche zu beten und zum Dank kleine (oder größere) Katzenstatuen dort aufzustellen.

Und das tun sie heute noch. Entsprechend sieht die Gegend um den Katzentempel auch aus.

20b_Manekineko.jpg


Und jetzt, wo wir wissen, worauf wir achten müssen, sind die Katzen plötzlich überall. Vor der Tempelverwaltung unübersehbar...

20c_große Katze.jpg


als Schnitzerei an der Pagode, die wir gestern gesehen haben...

20d_Katze an Pagode.jpg


und natürlich auch auf den ema, den Holztafeln, die am Tempel aufgehängt und mit Wünschen für die Zukunft beschriftet werden.

20e_Ema mit Katze.jpg


Auch wenn ema wörtlich übersetzt "Pferdebild" heißt.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 21. Dez 2018 20:40

21. Hirosaki-jo im Herbst

Es gibt viele Dinge, die typisch japanisch sind, wie Kirschblüten im Frühling und buntes Laub im Herbst, Tempel, Schreine, Burgen oder Gärten. Heute kombinieren wir ein paar dieser Dinge und bekommen eine sehr bekömmliche Mischung.

Unser Weg führt uns nach Norden ans Ende von Honshu in die Stadt Hirosaki, Präfektur Aomori (das sind die mit den Äpfeln). Hier gibt es eine Burg oder zumindest einige einzelne Teile einer alten Burg. Und die werden wir uns im Herbst mit Laub und allem drum und dran ansehen.

Wir betreten die Burg durch eines der alten Außentore, das Nordtor. Diese Eingänge gehen häufig um die Ecke, um es Angreifern zu erschweren, die Burg im Sturm zu nehmen.

21a_Außentor.jpg


Das alte Burggelände ist heute ein öffentlicher Park. Wir können uns also alles ansehen. So kann man über den alten Burggraben laufen und im Herbst die beeindruckend gefärbten Bäume sehen. Deshalb haben alle japanischen Sehenswürdigkeiten, die was auf sich halten, nicht nur Kirschbäume (und die gibt es hier auch in großen Mengen), sondern auch japanischen Ahorn.

21b_Burggraben.jpg


Auf dem Burggelände gibt es auch einen kleinen japanischen Garten mit Teich und Felsen. Und natürlich mit dem passenden Herbstlaub.

21c_Park.jpg


Und dann sehen wir den alten Hauptturm. Dieser stammt aus dem 19. Jahrhundert, noch aus der Edo-Zeit, ist aber nicht unbedingt der älteste im Lande. Als er gebaut wurde, hatte er aber noch seine ursprüngliche Funktion, konnte ja keiner wissen, dass keine 50 später Japan ganz anders aussehen würde. Oh, und habe ich schon auf die Herbstlaubfärbung hingewiesen?

21d_Burg.jpg


Die Burganlage gibt es insgesamt auch nicht erst seit dem 19. Jahrhundert, sondern seit der Frühphase der Edo-Zeit, Anfang des 17. Jahrhunderts. Und da gibt es immer noch eine Menge zu erforschen.

21e_immer weiter.jpg


Und morgen geht es dann noch weiter nach Norden und in den Schnee.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 22. Dez 2018 21:08

22. Durch den Schnee

Nach Tohoku im Herbst machen wir heute Hokkaido im Winter und das bedeutet: Schnee. Das hat ja bei uns bisher nicht ganz so geklappt, aber in Hokkaido fällt der bisher noch ziemlich zuverlässig.

Wir fahren mit dem Zug von Sapporo eine Viertelstunde zur Station Shinrin-koen und laufen von dort durch die verschneite Gegend. Wir kommen in den Nopporo Shinrin Koen, einen Naturpark, der im Winter vor allem viel natürlichen Schnee zu bieten hat. Auf dem Weg sehen wir über die Bäume hinaus den Hokkaido Centennial Memorial Tower, der zur Feier des ersten Jahrhunderts von Hokkaido im Jahre 1970 erbaut wurde.

22a_Hokkaido Centennial Memorial Tower.jpg


Hokkaido wurde nämlich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts systematisch von den Japanern besiedelt. Bis dahin war die nördlichste Insel mit den Kurilen und Sachalin als Ezochi ("Land der Ezo") bekannt und nur die südlichste Spitze wurde vom japanischen Clan der Matsumae regiert. Erst nach der Meiji Restauration 1868 wurden Pläne zur Besiedlung der ganzen Insel, auch in Hinblick auf eine befürchtete weitere Ausdehnung des russischen Reichs nach Osten, gemacht und der Name Hokkaido (Nord-Meer-Provinz) für die nördlichste Hauptinsel geschaffen. Dazu wurde eine eigene Entwicklungsbehörde geschaffen, das Kaitaku-shi.

Heute ist von diesen Anfängen nicht mehr viel zu sehen. Um die Geschichte aber nicht komplett verschwinden zu lassen, gibt es ein Freilichtmuseum, Kaitaku no mura. Und da wollen wir gerade hin.

Den Eingang (und das Verwaltungsgebäude) bildet das ehemalige Bahnhofsgebäude von Sapporo, das von 1908 bis 1952 im Zentrum der Stadt seinen Dienst leistete.

22b_Kaitaku no mura.jpg


Im Winter gibt es auf dem Gelände aber auch mehr als nur Häuser im Schnee zu sehen. Gleich hinter dem Eingang findet man einen wirklich großen Schneemann und ein Iglu.

22c_Schneespaß.jpg


Rechts vom Iglu sieht man noch den Teil eines kleinen Hangs. Hier kann man mit einem traditionellen Holzschlitten runterrodeln, um auch das mal auszuprobieren.

22d_kleiner Schlitten.jpg


Und weil das Gelände relativ groß ist, gibt es im Winter am Wochenende (und während de Schneefests) auch noch die Möglichkeit, eine Rundfahrt mit einem großen Pferdeschlitten zu machen.

22e_großer Schlitten.jpg


Und morgen starte ich hier eine neue Tradition für den Adventskalender.
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon gernobono » 23. Dez 2018 13:04

Watashi hat geschrieben:Und morgen starte ich hier eine neue Tradition für den Adventskalender.


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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon Watashi » 23. Dez 2018 17:01

23. Eine traditionelle Hütte

Kaitaku no mura ist ein wirklich großes Freilichtmuseum mit mehr als 50 Gebäuden. Da wäre es ja eine Verschwendung, das in einem oder zwei Tagen abzuhandeln. Deshalb hier die neueste Tradition im Sumoforum-Adventskalender: Ein Ausflug über das Gelände von Kaitaku no mura, um uns verschiedene historische Gebäude aus Hokkaido anzusehen und etwas über ihre Hintergründe und Geschichte zu erfahren. Keine Sorge, ich habe nicht zu allen Gebäuden genug Fotos und Geschichten, aber es ist genug, um mir die nächsten Jahre zu reichen.

Einen kleinen Vorgeschmack bekommen wir, wenn wir eine der Straßen hinunter blicken, die zum Bereich "Stadt" gehört. Hier ist noch viel Potenzial.

23a_Straße im Schnee.jpg


Das Museum ist in verschiedene Bereiche geteilt: Stadt, Fischerdorf, Bauerndorf und Bergdorf, jeweils mit passenden Gebäuden. Der kurze Blick die Stadtstraße hinunter soll dann auch genug sein, heute wollen wir so ziemlich ans Ende des Geländes, in die hinterste Ecke des Bergdorfs. Hier sehen wir im Wald, tief unter Schnee, eine kleine Hütte.

23b_tief im Schnee.jpg


Zu der Hütte führt ein soweit geräuter Weg, dass wir dorthin kommen. Und so stehen wir schließlich vor der Hütte, die aus der Nähe auch nicht wirklich größer wirkt.

23c_Siedlerhütte.jpg


Innen sieht man einen Raum, der nur mit Matten auf dem Lehmboden ausgelegt ist, keine Tatami und schon gar kein Teppich. Die Wände sehen ganz entschieden undicht aus, die einzige Wärmequelle und Kochstelle ist ein offenes Feuer in der Mitte.

23d_einladenes Inneres.jpg


Das ganze ist die erste Behausung der Siedler, die von der Zentralregierung nach Hokkaido geschickt wurden. Diese Hütten wurden bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts (!) gebaut und genutzt. Mein erster Gedanke war, dass die Siedler sich diese bauten, um den ersten Sommer zu überstehen und dann in etwas Festeres umzuziehen. Dann habe ich gelernt, dass die Siedler vier bis fünf Jahre in einer solchen Hütte verbrachten, bevor sie in etwas Festeres umzogen. Das sind vier bis fünf Winter in Hokkaido in einer undichten, engen und vermutlich übelst verrauchten Hütte.

Die Siedler wurden geschickt und erhielten das entsprechende Land, das sie bestellen sollten, als Anreiz. Bis dieses Land genug Ertrag für eine richtige Behausung abwarf, dauerte das aber. Viele Siedler mussten gerade zu Beginn ihr Einkommen auch noch durch andere Aktivitäten aufbessern wie beispielsweise die Holzkohleproduktion. Den Kohlemeiler konnte ich im Winter aber nicht besichtigen. Der Weg war abgesperrt.

Und so bleibt und nur das Bild von der Siedlerhütte vom Beginn: kleine Hütte tief verschneit. Und dort wohnte tatsächlich eine ganze Siedlerfamilie.

23e_wer will so wohnen.jpg


Also: Wer möchte jetzt einziehen?
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Re: Der traditionelle Adventskalender

Beitragvon tsunamiko » 23. Dez 2018 17:21

tja...so ist das mit den guten alten zeiten...bei genauem hinschauen waren sie dann doch nicht so gut..
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