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Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 15. Dez 2012 21:12

15. Hikone - Am großen See

Japan hat viel Meer, aber nicht so viele Seen. Der größte davon ist der Biwa-See, einer der wenigen, die man auf einer Japankarte ohne Probleme erkennen kann. Am Biwa-See gibt es daher eine ganze Reihe von Orten, auch die Shinkansen-Strecke zwischen Tokyo und Osaka läuft ein Stück parallel zum See. Für Touristen besonders interessant ist dabei Hikone, hier gibt es nicht nur den See, sondern auch eine alte Burg undeinen ehemaligen daimyo-Garten.

Die Burg, Hikone-jo, befindet sich auf einem Hügel in der Stadt zwischen Bahnhof und See. Man muss also ein Stückchen hinaufsteigen, um zum alten Burgturm zu kommen. Dieser ist allerdings noch im Original erhalten und somit jeden Schritt wert. Er ist daher auch ein offizieller Nationalschatz Japans.

15 Hikonejo.jpg


Wenn man sich die steilen Treppen im Turm hinaufquält (OK, leicht übertrieben), hat man von oben einen wirklich schönen Blick über den See. Wenn es diesig ist, sieht man allerdings weniger, dass es ein See ist, sondern nur sehr viel Wasser.

15 Biwako.jpg


Und falls Feuer ausbricht, gibt es eine Notleiter. Zur großen Irritation meiner Mutter ist das allerdings eine einfache Strickleiter. Ein BIld erläutert, dass man sie im Notfall an einem Pfosten festmachen und aus dem Fenster steigen soll.

Hinter der Burg hat auch der Garten des ehemaligen Burgherren überlebt, der Genkyu-en. Der Garten ist zwar "nur" ein wichtiges Kulturgut, aber natürlich auch schön anzusehen.

15 Genkyuen.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 16. Dez 2012 20:19

16. Rokuonji - Ein ganz berühmter Tempel

Heute sehen wir uns einen sehr bekannten Tempel in Kyoto an, den Rokuonji. Das sagt euch nichts? Dann wartet kurz, es wird gleich klarer. Ich konnte gar nicht glauben, dass ich den noch nicht hatte.

Der Rokuonji war erst die Villa eines einflussreichen Staatsmannes und wurde dann zum Ruhesitz eines ehemaligen Shogun, Ashikaga Yoshimitsu, der dort bis zu seinem Tod 1408 wohnte. Danach wurde das Gelände vom Sohn des Yoshimitsu in einen Zen-Tempel umgewandelt, wie vom ehemaligen Shogun gewünscht. Und bis heute ist es ein Zen-Tempel geblieben. Trotzdem vermute ich, dass viele Touristen weniger kommen, um zu beten.

Der Tempelkomplex besteht aus einer ganzen Reihe von Gebäuden. Zuerst geht man mit vielen anderen Touristen durch eine altes Eingangstor, um in den Komplex zu kommen.

16 Rokuonji Zugang.jpg


Der Tempel steht in einem schönen Garten, komplett mit japanischen Kiefern, einem Teich und Zierkirschen für das Frühjahr. Ohne die vielen Touristen wäre es bestimmt sehr friedlich. So ist es aber immer noch schön.

16 Rokuonji Garten.jpg


Den Onin-Unruhen 1467-1477 fielen die meisten Gebäude des Komplexes zum Opfer, nur der bekannteste Teil überlebt, um 1950 von einem Novizen des Tempels niedergebrannt zu werden. Aber das hat die Japaner nicht aufgehalten und sie bauten das Gebäude natürlich wieder nach Originalplänen auf. Und so kann man ihn sich heute wieder ansehen, den Tempel, der besser als Kinkakuji, der Goldene Pavillion Tempel, bekannt ist.

16 Rokuonji aka Kinkakuji.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 17. Dez 2012 20:53

17. Ryoanji - noch ein Tempel, noch ein Garten

Gleich um die Ecke vom Rokuonji befindet sich ein weiterer sehr bekannter Zen-Tempel, der Ryoanji oder der Tempel des ruhenden Drachen. Dieser ist allerdings nicht für einen Drachen bekannt, sondern für einen Garten. Damit ist ausnahmsweise nicht der übliche grüne, ordentlich beschnittene japanische Garten gemeint, obwohl der Tempelgrund natürlich auch umfassend begrünt ist und das auch nicht schlecht aussieht.

17 Ryoanji Garten.jpg


Vielmehr ist der Ryoanji für seinen trockenen Steingarten bekannt. Das ist ein Garten mit ordentlich gehakten Kieselsteinen, in denen mehrere große Felsbrocken liegen. Es gibt mehrere Theorien, was das Arrangement symbolisieren soll, ein Meer mit Felsen, Berge, die über die Wolken hinausragen und einiges mehr, aber vermutlich soll er nichts Konkretes symbolisieren, sondern einfach abstrakt auf den Betrachter wirken.

17 Ryoanji Steingarten.jpg


Betrachten soll man den Garten von einer Holzveranda am Rande des Gartens. Dabei kann man nie den gesamten Garten mit einem Blick übersehen. Und was immer auch er repräsentiert oder nicht repräsentiert, es wirkt. Selbst der eher un-zen-nige Ausländer empfindet ein Gefühl der Ruhe.

17 Ryoanji ansehen.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 18. Dez 2012 21:06

18. Ritsurin koen - Ein Park durch die Jahreszeiten

Einer meiner persönlichen Lieblingsgärten gehört nicht zu den berühmten drei (wir erinnern uns), gefällt mir persönlich aber besser als der eine oder andere dieses illustren Trios (Quartetts). Dieser weniger bekannte Garten ist der Ritsurin koen in Takamatsu auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku. Dieser hat alles, was ein japanischer Garten so braucht: Seen, Bachläufe, ein Teehaus, Zierkirschen, roten Ahorn, Wiesen, Bambus und vieles mehr. Deshalb kann man dort sehr schön den Verlauf der Jahreszeiten sehen.

Der Frühling wird in Japan von der Kirschblüte dominiert. Diese dauert zwar nur vielleicht zwei Wochen an jedem Ort, zieht sich aber über eine deutlich längere Zeit von ihrem Beginn im Süden bis zum Ende auf Hokkaido. Und weil die Kirschblüte so wichtig ist, hat jede japanische Sehenswürdigkeit, die etwas auf sich hält, die notwendigen japanischen Zierkirschen, um den Frühling standesgemäß einläuten zu können. Am Hauptsee des Ritsurin koen steht nur ein großer Baum, dieser dafür an strategisch relevanter Stelle.

18 Ritsurin im Frühjahr.jpg


Anders als in vielen europäische Parks ist das Ziel eines japanischen Gartenmeisters nicht, so lange wie möglich unterschiedliche Blüten zu zeigen, sondern den Garten der Jahreszeit entsprechend zu gestalten. Der Sommer wird daher von satten Grüntönen dominiert. Dazu gehören japanische Kiefern, Bambus, frisches Gras etc., Blüten hingegen findet man eher selten. Im Sommer sind japanische Gärten daher weniger auf die Bepflanzung, sondern mehr auch auf die anderen Gestaltungsteile konzentriert, wie besondere Felsen. Ein Beispiel im Ritsurin koen sind zwei Felsen, die aussehen sollen wie zwei Löwen, die aus dem Wasserlauf trinken.

18 Ritsurin im Sommer.jpg


Der Herbst steht im Zeichen des roten Ahorns, einer Sorte, die relativ kleine Blätter hat, die im Herbst leuchtend rot werden. Ganze Wälder sind bekannt dafür, dass sie viele Ahornbäume enthalten und ziehen im Herbst entsprechend Heerschaaren von Touristen an. Auch Ahorn dominiert nicht im Ritsurin koen, aber zeigt schon früh, wie die Jahreszeiten weiter fortschreiten.

18 Ritsurin im Herbst.jpg


Der Winter ist eher zurückhaltend. Am schönsten ist es, wenn Schnee fällt und sich über den Garten legt. Dafür fehlt mir aber der fotografische Beweis.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon gernobono » 18. Dez 2012 21:37

@watashi

ist es das erst mal, dass du auf einem foto quasi formatfüllend zu sehen bist?
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 19. Dez 2012 21:03

Über formatfüllend müssten wir noch einmal reden (mehr so halb verdeckt und nur von hinten), aber ich denke, auch dass ist das erste Mal, dass ich drauf bin. Normalerweise habe ich die Fotos ja auch selbst gemacht und dann bin ich auch nicht unbedingt drauf. Die von den Tempeln in Kyoto habe ich zum Teil von meinen Eltern geliehen (keine Panik, keine Copyright-Probleme, ich habe vorher gefragt). Außerdem soll es ja um Japan gehen.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 19. Dez 2012 21:29

19. Hiroshima - Japans erste Atomkatastrophe

Nachdem es den Japanern als zweitem Volk gelungen war, ein Atomkraftwerk in die Luft zu jagen, gab es im deutschen Fernsehen einen Kommentator, der behauptete, das wäre besonders schwer für die Japaner, weil sie keine Erfahrung mit Atomkatastrophen hätten. Die Menschen in Hiroshima (und Nagasaki) mögen das etwas anders sehen, wobei man natürlich darüber streiten kann, ob Atombomben zu den Katastrophen zählen. Wie dem auch sei, die Japaner haben es immer geschafft gleichzeitig pro-Atomkraft und anti-Atombombe zu sein.

Der Anti-Atombomben-Teil ist dabei natürlich in großen Teilen historisch bedingt. Als einzige Nation, die Atombombenabwürfe im Krieg erlebt hat, sehen es viele Japaner als Aufgabe, gegen diese Form der Kriegsführung zu sein. Es ist vermutlich unmöglich, Bürgermeister von Hiroshima zu werden, ohne absolut und ohne Frage gegen Atombomben (und inzwischen auch tendenziell Atomkraft) zu sein.

Um die Atombomben und das daraus entstandene Leid nicht zu vergessen, gibt es in Hiroshima den Friedenspark an einer Stelle, die sehr nahe dem Hypozentrum lag und deshalb fast vollständig vernichtet wurde. Das wohl bekannteste Zeichen ist der so genannte Atombombendom, die ehemalige Industrial Promotion Hall. Dieses Gebäude wurde in seinem halb zerstörten Zustand erhalten und dient heute als Mahnmal für den Frieden.

19 Atombombendome bei Tag.jpg


Daneben gibt es im Peace Park aber auch noch weitere Mahnmale und das Atombombenmuseum. Das vielleicht bekanntest Denkmal ist das Children's Peace Monument. Dieses steht für die Kinder, die durch den Atombombenabwurf getötet wurden.

19 Children's Memorial.jpg


Es ist vor allem dafür bekannt für seine viele Ketten aus bunten Origami-Kranichen, die von Schulen aus dem ganzen Land nach Hiroshima geschickt werden. Früher lagen diese am Fuß des Denkmals, heute sind sie darum herum aufgebaut. Diese Tradition geht auf die Geschichte von Sasaki Sadako zurück, die zwei war als Hiroshima zerstört wurde. Zehn Jahre später entwickelte sie Leukämie, vermutlich aufgrund der Strahlenexposition. In Japan gibt es eine Erzählung, dass jemand, der 1000 Papierkraniche falten kann, von den Göttern einen Wunsch gewährt bekämen. Also fing sie an zu falten. Es gibt unterschiedliche Versionen, ob sie dieses Ziel erreichte, auf jeden Fall starb sie aber noch 1955 an Leukämie. Und in Erinnerung an dieses Mädchen schicken bis heute japanische Schulen und andere Friedensverbände ihre Papierkraniche nach Hiroshima.

19 Kraniche.jpg


Außerdem brennt auf dem Gelände eine ewige Flamme, die man aber am ehesten bei Nacht sehen (aber nur schwer fotografieren) kann. Ansonsten werden bei Nacht alle wichtigen Denkmäler angestrahlt und so erhebt sich auch nachts die mahnende Silouette des Atombombendoms über dem Friedenspark

19 Atombombendome bei Nacht.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 20. Dez 2012 21:08

20. Rurikoji in Yamaguchi - Ein Tempel mit Pagode

Wir fahren von Hiroshima aus ein Stückchen weiter in die Präfektur Yamaguchi in die Präfekturhauptstadt, die praktischerweise auch Yamaguchi heißt. So richtig viel gibt es hier vielleicht nicht, aber zumindest gibt es einen netten Tempel, den Rurikoji. Dieser steht in einem schönen grünen Garten und die Haupthalle sieht auch ganz nett aus.

20 Rurikoji.jpg


Nun fährt man aber nicht in erster Linie dieser Halle wegen nach Yamaguchi. Vielmehr sieht man über die Bäume schon das, was am Rurikoji wirklich besonders ist: die große fünfstöckige Pagode.

20 Rurikoji Pagode erster Blick.jpg


Diese ist von 1442 (nach etwa 40 Jahren Planung) und damit die 10. älteste in Japan, über 30m groß und steht taktisch klug an einem Teich, so dass man die ganze Pagode von vorne sehen kann und auch noch eine schöne Umgebung mitgeliefert bekommt.

20 Rurikoji Pagode.jpg


Die Pagode gehört übrigens zu den drei schönsten fünfstöckigen Pagoden Japans. Und weil diese Pagode so bedeutend ist, gibt es auch noch ein kleines Museum daneben, in der es Modelle und Fotos sämtlicher fünfstöckiger Pagoden in Japan gibt.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 22. Dez 2012 10:00

21. Von Honshu nach Kyushu

Und wieder einen Tag verpasst. Sorry. Und dieses Mal habe ich nicht einmal eine gute oder wenigstens schlechte Ausrede. Ich kann nur um Nachsicht bitten und das Versäumte so schnell wie möglich nachholen.

Heute (also eigentlich gestern) verlassen wir die größte Hauptinsel Honshu und begeben uns auf die südlichste Hauptinsel Kyushu. Wir nehmen aber nicht den Zug, kein Auto oder Bus, wir fliegen auch nicht, nein, wir laufen einfach hinüber. Zwischen Shimonoseki am Ende von Honshu und Moji auf der anderen Seite der Kanmon Meeresenge gibt es nämlich einen Tunnel, der heute Fußgängern dient, um trockenen Fußes vom einen Ufer zu anderen zu kommen. Und während die Autos oben über die Kanmon Brücke fahren, laufen wir ganz bequem von der Präfektur Yamaguchi in die Präfektur Fukuoka. Die Präfekturgrenze ist sogar eindeutig zu finden.

21 Moji zu Fuß.jpg


Auf der anderen Seite kommen wir in der Stadt Moji, im Stadtteil Mojiko (dem "Hafen von Moji"), heraus. Hier ist der Retrobezirk von Mojiko. Retro bezieht sich hier auf die alten Gebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts, man findet also wieder das eine oder andere Bachsteinhaus. Im Mittelpunkt steht der alte, aber immer noch benutzte Bahnhof von Mojiko, der früher der Beginn der Eisenbahn auf Kyushu war, da die Passagiere bis Shimonoseki fuhren, dann auf eine Fähre wechselten und auf der anderen Seite mit einem neuen Zug weiterfuhren. Anders als zwischen Hakodate und Aomori wurden die Züge hier nicht mit genommen, sondern drehten am Ende der Insel einfach um.
In Mojiko Retro gibt es eine ganze Reihe von alten Gebäuden. Und dazwischen steht die International Friendship Library, die sich grundsätzlich gut ins Stadtbild einfügt.

21 Moji Retro.jpg


Sie ist allerdings von 1995 und wurde extra ins Stadtbild eingefügt. Der japanische Denkmalschutz hat da offenbar etwas andere Vorstellungen von Stadtbilderhaltung.

Neben den klassischen oder auf klassisch gemachten Gebäuden gibt es aber auch moderne Gebäude. So gibt es in der Stadt auf ein freundliches Hochhaus, wo man drauf darf.

21 Moji modern.jpg


Leider sieht man bei diesigem Wetter nicht wirklich viel. Das lasse ich also hier.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 22. Dez 2012 19:45

22. Komyozenji - Wenn ein Steingarten nicht genug ist

Wir bleiben auf Kyushu und fahren (wiedern) nach Dazaifu. Dieses Mal kommen wir nicht wegen eines Shinto-Schreins, sondern wegen eines buddhistischen Tempels. Der Komyozenji ist nicht weit vom Tenmangu entfernt und ist ein Zentempel aus dem 13. Jahrhundert. Er diente den Verwaltern des Tenmangu, des Shinto-Schreins, als Haustempel.

22 Komyozenji.jpg


Die Leute kommen aber weniger des Tempelgebäudes wegen als vielmehr wegen der zwei sehr schönen und unterschiedlichen Steingärten. Es ist der einzige Tempel mit trockenen Steingärten, sogenannten 枯山水 karesansui, in Kyushu.

Vor dem Tempel ist ein klassischer Steingarten wie wir ihn schon am Ryoanji gesehen haben. Dieser ist nicht so groß, aber trotzdem schön. Die Steine sollen hier das japanische Zeichen für Licht, 光, bilden, das das erste Zeichen im Tempelnamen Komyozenji ist. Auffällig ist auch, dass der Hintergrund anders gestaltet ist als am Ryoanji. Der Hintergrund wird von japanischen Gartenbauern bei der Erstellung mit beachtet. Beim Ryoanji war es eine Mauer, hinter der man nur Bäume sah, hier ist die Mauer niedriger und man sieht die umgebende Stadt. Diese sah sicherlich vor hunderten von Jahren anders aus, aber zumindest heute wirkt der Garten dadurch anders.

22 Komyozenji Frontgarten.jpg


Hinter dem Tempel ist ein weiterer Steingarten, auch hier ohne Wasser. Jedoch sind die Steine, die natürlich wieder ordentlich geharkt sind, von Bäumen und Moosflächen durchbrochen. Dadurch bekommt der Garten einen anderen Ausdruck. Die grünen Moosflächen sollen Land und Inseln darstellen, während der Sand für das Meer steht. Der Garten bildet also eine Inselwelt ab.

22 Komyozenji Hintergarten.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon tainosen » 23. Dez 2012 10:26

Watashi hat geschrieben:Sie ist allerdings von 1995 und wurde extra ins Stadtbild eingefügt. Der japanische Denkmalschutz hat da offenbar etwas andere Vorstellungen von Stadtbilderhaltung.
Neben den klassischen oder auf klassisch gemachten Gebäuden gibt es aber auch moderne Gebäude.


Du bist die Fachfrau in Sachen Japanisch und Japan. Aber mal im Ernst, ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Japan eine Denkmalschutzbehörde gibt, die ggf. ernsthaft Einfluß auf die Entwicklung von Stadtbildern nimmt.
Den Fall, dass in historischen Gärten keine Wohnhäuser errichtet werden dürfen, klammere ich mal aus.
Auf Grund der bekannten Zwänge (Platzmangel) und damit einhergehende utopische Grundstückspreise wird aneinandergebaut, was eben geht.

Ansonsten liebe Anke - ich kenne keinen besseren Adventskalender :Chinese .
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Schnappamawashi » 23. Dez 2012 16:07

Ganz ehrlich !!!
ich glaube nicht, dass es mehr als 10 Japaner gibt, die sich in ihrem eigenen Land besser auskennen als du.
Also, wenn jemand Fragen zu Japan hat (Geographie, Geschichte, Politik, Kultur....), der ist sehr gut beraten, wenn er dich fragt.
Einfach Phänomenal.

Gruß
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 23. Dez 2012 21:52

23. Japan von oben

Ich habe mich von der Diskussion um den Platz in Japan inspirieren lassen und so sehen wir uns heute Japan von oben an. Wir befinden uns im Landeanflug auf den internationalen Flughafen von Narita. Dieser liegt nicht etwa in der Präfektur Tokyo, sondern in der westlich davon gelegenen Präfektur Chiba. Diese ist deutlich ländlicher geprägt als Tokyo. Wenn man von oben auf das Land schaut, sieht man eher kleinere Orte und erstaunlicherweise auch viele Felder.

Japan von oben.jpg


Auffällig ist, dass die Felder in Japan relativ klein sind. Das durchschnittliche Feld außerhalb von Hokkaido hat etwa 1 ha, auf Hokkaido immerhin 4 ha. Ich habe mal eine japanische Freundin mit zu mir nach Hause genommen und sie meinte, das sei ja wie auf Hokkaido, weil wir auf dem Weg durch ländliche Gebiete mit für japanische Verhältnisse schon relativ großen Feldern gefahren sind (für Deutschland waren sie eher mittel bis klein). Deshalb sehen ländliche Gegenden in Japan noch viel fragmentierter aus als vergleichbare Ecken in Deutschland.

Felder von oben.jpg


Die Leute in Chiba haben also deutlich mehr Platz als in Tokyo. Sie können es sich leisten, zu ihren Häusern zum Teil richtige Gärten zu haben. Auch sind die Häuser deutlich größer als sie Richtung Tokyo Innenstadt dann sind. Dafür nehmen die Leute aber lange Pendelstrecken auf sich. Ein Kommilitone an der Uni in Japan pendelte fvier bis ünf Mal die Woche 2,5 Stunden hin und wieder 2,5 Stunden zurück. Dafür können sich die Menschen in Chiba aber auch den puren Luxus gönnen, bis hin zu richtigen Golfplätzen.

Golfplatz von oben.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Jakusotsu » 24. Dez 2012 08:30

Watashi hat geschrieben:Dieser liegt nicht etwa in der Präfektur Tokyo, sondern in der westlich davon gelegenen Präfektur Chiba.

"Westlich" nur dann, wenn man seinen Kompass nach dem Dohyo ausrichtet. 8)
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 24. Dez 2012 17:58

24. Back to the beginning - "Weihnachtsbaum" in Sapporo

Um meine beliebte Links-Rechts-Schwäche, die offenbar auch eine West-Ost-Schwäche beinhaltet, zu umgehen, kehren wir am Ende in den Norden zurück (Norden und Süden verwechsele ich seltener). Wie sind wieder in Sapporo, wo wir unsere diesjährige Reise begonnen haben, und wandern noch einmal über das Schneefest, dieses Mal am Abend. Dann werden die Schneefiguren angestrahlt und die Stimmung ändert sich ein wenig. Außerdem ist es irgendwann nicht mehr so voll wie am Tage. Ein Beispiel für die Schneefiguren war dieses Jahr das Schneeaquarium, das bei Nacht fast noch besser aussah als bei Tage.

24 Schneeaquarium bei Nacht.jpg


Auch interessant sind die Eisfiguen, allen voran das National Palace Museum aus Taiwan, da das Eis von innen/hinten beleuchtet werden können. Das kann dann auch mehrfarbig erfolgen.

24 Palastmuseum bei Nacht.jpg


Und an der Eisfläche, auf der der geneigte Besucher auch seine Runden ziehen kann, findet man einen durchaus stimmungsvollen Weihnachtsbaum. Das einzige "Problem" ist, dass das Schneefest Anfang Februar stattfindet. Aber man muss in Japan die Weihnachtsbäume eben feiern wie sie auffallen.

24 Weihnachtbaum - beinahe.jpg
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