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Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 1. Dez 2012 18:07

Liebe Forumsgemeinde,

wieder schreiben wir den 1. Dezember und wieder gibt es den beliebten (?) Japan-Adventskalender. Dieses Mal ist mir kein geniales oder weniger geniales Oberthema eingefallen, also suche ich einfach aus meinen Fotos Sachen raus, die wir noch nicht hatten. Ein eventuelles Vorkommen von Sumo-Bezügen ist wie immer rein zufällig, ein minimales Interesse an Japan also durchaus von Vorteil.

Fragen und Kommentare sind wie immer willkommen. Ich werde nach bestem Wissen und Gewissen antworten.

Die entsprechende Karte findet ihr hier.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 1. Dez 2012 18:22

Als erstes fahren wir soweit nach Norden wie nie zuvor, in die Hauptstadt der (flächenmäßig) größten Präfektur Hokkaidō. Hier und in der Umgebung werden wir die nächsten Tage verbringen, also zieht euch warm an.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war Hokkaido vor allem eine nicht weiter erschlossene Einöde. Das sollte sich nach der Meiji-Restauration von 1868 ändern und so wurde Sapporo im Jahr 1869 gegründet, um die Erschließung von Hokkaidō zu fördern und einen Verwaltungssitz im Innern der Insel zu haben. Die ältesten Gebäude stammen daher zwangsläufig "nur" aus dem 19. Jahrhundert.

Eines der bekanntesten ist der Uhrenturm, der auch das älteste noch existierende Gebäude der Stadt ist. Früher Teil der Exerzierhalle der landwirtschaftlichen Universität diente er auch als Bibliothek und ist heute eine Touristenattraktion mit kleinem Museum. Der Turm wurde 1878 gebaut und steht heute zwischen vielen modernen Gebäude.

1 Sapporo Uhrenturm.jpg


Und wie sich das für die Wahrzeichen japanischer Städte und überhaupt alle Touristenattraktionen in Japan gehört, gibt es auch die passende Plattform, um sich angemessen davor fotografieren zu lassen. Dazu gehört auch ein Freiwilliger als Fotograf und eine ziemlich lange Schlange an Fotografierwilligen. Deshalb gibt es kein Foto von mir vor dem Turm, weil mir schon kalt war, als ich ankam.

1 Sapporo Uhrenturm Fotoplattform.jpg


Die Uhr im Uhrenturm wurde 1881 installiert und wurde aus den USA, aus Boston importiert. Seitdem zeigt sie ohne Unterbrechung die Zeit an. Und das, obwohl der Turm im Jahre 1906 auf seinen jetzigen Platz umgesetzt wurde.

1 Sapporo Uhrwerk.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Hana-ichi » 1. Dez 2012 22:26

Watashi hat geschrieben:Liebe Forumsgemeinde,

wieder schreiben wir den 1. Dezember und wieder gibt es den beliebten (?) Japan-Adventskalender...




(?) = ( :!: )

:riesenfreu

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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 2. Dez 2012 18:45

2. Sapporo Snow Festival

Zur Feier des ersten richtigen Schnees in Marburg bleiben wir in Sapporo und sehen uns das jährliche Sapporo Snow Festival an. Dieses findet seit den 1950 jedes Jahr im Februar in der Stadtmitte von Sapporo statt. Es begann damit, dass lokale Schüler einige Schneeskulpturen im Odori Park bauten. Auch heute gibt es noch eine Sektion (am Ende der Festmeile), in der Schüler oder sonstige Bürger ihre Entwürfe präsentieren können.

2 Schneefest Bürgersektion.jpg


Wirklich groß geworden ist das Schneefest in Sapporo aber erst mit dem Einsatz der Selbstverteidigungsstreitkräfte ab 1955, was deutlich größere und beeindruckendere Schneefiguren ermöglichte. Die Soldaten bauen die größten Statuen und die Logistikeinheiten schaffen den notwendigen Schnee heran, der in Sapporo nicht immer in ausreichender Menge vorhanden ist. Heute gibt es riesige Schneeskulpturen, die in der Regel von den großen japanischen Mediengruppen gesponsert werden. So gibt es beispielsweise traditionelle japanische Gebäude ganz in Schnee wie die Burg von Aizu-Wakamatsu (Präfektur Fukushima).

2 Schneefest Burg.jpg


Es gibt aber auch Gastländer, die ihm Schnee mitspielen dürfen. Letztes Jahr war das Indien mit dem Taj Mahal. Der indische Botschafter kam zu Eröffnung. Und keine Angst, die Inder mussten nicht selbst basteln, das Schnee-Taj-Mahal wurde von den Japanern zur Verfügung gestellt.

2 Schneefest Taj Mahal.jpg


Neben Schneefiguren gibt es zuweilen aber auch Eisskulpturen wie eine Darstellung des National Palace Museum in Taipei. Das sieht in Eis übrigens fast beeidruckender aus als im Original, da ist es nämlich ziemlich bunt.

2 Schneefest Palastmuseum Taipei.jpg


Das Schneefest dauert eine Woche, danach wird die weiße Pracht wieder entfernt. Und im nächsten Jahr gibt es wieder neue und andere Schnee- und Eisskupturen.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon gernobono » 3. Dez 2012 09:12

vielen dank für den wieder sehr schönen adventkalender, anke

:applaus
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 3. Dez 2012 19:38

3. Otaru

In der Nähe von Sapporo an der Westküste von Hokkaidō liegt Otaru. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde fast der gesamte Handel der Insel über diese Stadt abgewickelt, weil sie nahe an Sachalin liegt und dies einer der Haupthandelspartner war. Von 1905 an gehörte der Südteil Sachalins sogar zu Japan. Und da dieser Handel so wichtig war, wurde in Otaru der Haupthafen von Hokkaido gebaut, über den auch der restliche Handel abgewickelt wurde.
Aus der Zeit stammt ein alter Kanal, an dem große Warenhäuser liegen, die früher für den Handel existentiell waren.

3 Otaru Kanal.jpg


Die ganze Stadt war sehr wohlhabend und so gab es viele Geschäfte, in denen man alles bekam, was der moderne Japaner damals brauchte. Otaru war die größte Stadt auf Hokkaido und wurde erst in den 1950ern von Sapporo überholt. Jede Bank von Bedeutung hatte eine repräsentative Filiale in der Stadt. Sogar die Zentralbank Bank of Japan verlegte 1906 ihre Hokkaido-Zentrale von Hakodate nach Otaru, nicht in die Hauptstadt Sapporo. Die Straße, wo die Banken lagen, wurde auch als Wall Street des Nordens bezeichnet.

3 BoJ Otaru branch.jpg


Leider endete die gute Zeit mit dem Kalten Krieg. Der Handel mit dem nunmehr sowjetischen Sachalin endete und der pazifische Handel gewann an Bedeutung, so dass der Haupthafen von Hokkaido an die Ostküste nach Muroran verlegt wurde. Zudem brach mit dem Verschwinden der Heringsschwärme Anfang der 1950er auch noch das zweite Standbein der Fischerei weg. Und so ist Otaru heute eine kleine Hafenstadt mit vielen Touristen, die sich die alten Gebäude ansehen. In vielen sind heute Museen, Cafes, Restaurants und Touristenläden.

3 Otaru Shop.jpg


Und die ehemalige Filiale der Bank of Japan ist ein Musuem. Dort gibt es Informationen zur Geschichte des Geldes und der Bank of Japan. Und man kann in einen alten Tresor hineingehen, wo ein Block (leider nicht echten) Geldes liegt, der genau Größe und Gewicht von 100 Mio Yen (etwa 1 Mio Euro) widerspiegelt. Und der ist gar nicht mal so leicht (etwa 10 kg).

3 100 Mio Yen.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2012 19:54

4. Es war einmal eine Fähre

Heute verlassen wir Hokkaido erst einmal. Dazu müssen wir die Tsugaru Straße über- oder unterqueren. Die Meerenge ist dabei wirklich nicht besondern breit, man kann die andere Seite bei halbwegs gutem Wetter sehen. Sie ist allerdings zu breit für eine ordentliche Brücke und zudem sehr tief, so dass man nicht einfach Brückenpfeiler aufstellen kann.

4 Blick über die Tsugaro Straße.jpg


Heutzutage kann man ganz bequem mit dem Zug durch einen Tunnel (oder natürlich mit dem Flugzeug) unterwegs sein, ohne seinen Sitzplatz verlassen zu müssen. Bis 1988 hingegen war die Zugoption nur mit zwischenzeitlicher Fährfahrt machbar, bei dem die Passagiere die Züge am Bahnhof/Hafen verlassen mussten und auf die Fähre umstiegen, während der Zug in den Bauch der Fähre gefahren wurde.

4 Fährinneres.jpg


Aus Sicherheitsgründen und um die Zeit zu verkürzen, wurde schon direkt nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1946 mit ersten Sondierungen für eine Tunnelverbindung begonnen. Bis zur Eröffnung des Tunnels 1988 wurde die Meeresstraße jedoch weiterhin nur mit Fähren bedient. Die Eisenbahnfähren wurden nach Öffnung des Tunnels außer Betrieb gestellt und heute dient ein Teil nur noch als Museumsschiff.

4 Fähre Tsugaru Kaikyo.jpg


Und das einzige, was heute noch an die alte Eisenbahnfähre erinnert, ist die Tatsache, dass die Bahnhöfe von Hakodate und Aomori Sackbahnhöfe sind (und daher Shinkansen-ungeeignet) und die Schienen danach im Nichts enden.

4 Aomori Bahnhof.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 5. Dez 2012 20:05

5. Hirosaki - Neputa matsuri, ein Sommerfestival

In Aomori waren wir schon einmal. Hier haben wir das große Nebuta matsuri, eines der bekannten Sommerfestivals in Tohoku, angesehen. Dieses ist aber nicht das einzige Festival im Nordosten Japans.
Keine 50 km südlich von Aomori liegt die Stadt Hirosaki. Diese hat knapp 200000 Einwohner, eine historische Burg, einige Tempel, ein paar Gebäude aus der Meiji-Zeit (1868-1912) und im Frühjahr viele schöne Kirschblüten. Aber wir sind ja im Sommer und wegen des großen Festivals hier. Dieses heißt Neputa matsuri (nicht zu verwechseln mit Nebuta matsuri, s.o.) und auch hier werden große, beleuchtete Festwagen durch die Straßen gefahren. Diese sind aber nicht die plastischen Darstellungen wie in Aomori, sondern haben fächerförmige Aufbauten. Diese haben zwei Seiten und werden während der Parade gedreht.

Auf der einen Seite findet sich das Bild japanischer Dämonen...

5 Neputa hinten.jpg


... auf der Gegenseite ist dafür eine schöne Frau abgebildet.

5 Neputa vorne.jpg


Der Umzug wird von einer riesigen Trommel angeführt, auf der die Trommler sitzen und den musikalischen Klangteppich untermalen. Dieser Klangteppich hat dazu geführt, dass das Neputa Festival zusammen mit dem Nebuta Festival zu den 100 Klanglandschaften Japans gehört, die 1996 vom Umweltministerium ausgewählt wurden.

5 Neputa Trommler.jpg


Und manchmal findet man auch Festwagen, die etwas anders sind, aber die sind in der Minderheit.

5 Neputa mal anders.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 6. Dez 2012 20:30

6. Kakunodate - Samurai, Kirschen und die Verbindung

Wir bleiben erst einmal in Tohoku (dem Nordosten der Hauptinsel Honshu) und fahren weiter nach Süden in die Präfektur Akita nach Kakunodate. Das ist heute zwar keine eigene Stadt mehr, hat aber wenigstens einen eigenen Bahnhof auf der Strecke des Akita Shinkansen.

Kakunodate hat zwei grundsätzliche Highlights für Touristen: eine Straße mit alten Samuraihäusern und einen Fluss voller Zierkirschen. Das heißt, dass die Touristenmenge zur Kirschblütenzeit exorbitant ansteigt. Sonst ist es in der Stadt eher ruhig und friedlich und der Fluss fließt weitgehend unbehelligt seiner Wege. Das kann aber für den geneigten Touristen auch sehr interessant sein.

6 Kirschbaum.jpg


Außerdem bleiben einem ja immer die alten und sehr gut erhaltenen Samuraihäuser in einer schönen Umgebung. Die Samurai, die so hoch im Norden leben mussten, hatten zumindest nette Gärten und Häuser. Zudem gibt es ein paar Tempel. Deshalb nennt sich Kakunodate auch das "Kleine Kyoto", auch wenn das vielleicht ein bisschen hoch gegriffen ist.

6 Kakunodate Samuraihäuser.jpg


Außerdem gibt es die üblichen kleinen Museen, unter anderem über die lokalen Handwerksspezialitäten. Und die Handwerker in Kakunodate wussten, was die Samurai mochten und was sie aus den vielen Kirschen sinnvolles machen konnten: Eine Spezialität der Stadt sind Handarbeiten aus Kirschbaumrinde. Diese wird zur Verzierung von vielem verwendet, von Tischen bis zu Kästen.

6 Kirschbaumrindenmuseum.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 7. Dez 2012 20:46

7. Morioka - darf's ein bisschen mehr sein

In Morioka waren wir schon einmal und haben uns die Steichbrechende Kirsche angesehen. Aber wo wir schon in der Gegend sind, können wir ja noch einmal einen kurzen Abstecher in die Stadt machen.

Nun ist Morioka nicht gerade ein Touristenmekka, aber auch hier gibt es einiges zu entdecken, wenn man weiß, wo man suchen muss. So gibt es das eine oder andere mehr oder weniger historische Gebäude. Einige sind sogar noch "im Dienst".

Das trifft auf die Burg leider nicht mehr zu. Der Burgherr brauchte 36 Jahre, um die Burg aufzubauen, die Meiji-Restauration nur drei Jahre, um sie restlos abzubauen. Heute gibt es nur noch einen großen Park und ein paar periphäre Gebäude sowie eine nette Brücke, Naka-no-hashi. Und die kann man auch noch benutzen.

7 Morioka-jo Brücke.jpg


Hinter der Brücke beginnt ein älterer Teil der Stadt, dort gibt es Gebäude, die zumindest aus dem 19. Jahrhundert stammen. Damals galten Backsteinbauten als der letzte Schrei der Architektur und total modern und westlich. Bis heute sind diese Gebäude in Japan beliebte Touristenziele. Die Hamburger Speicherstadt muss für Japaner unglaublich toll sein. In Morioka hat sich die lokale Morioka Bank ein solches Backsteingebäude gegönnt, in dem sich bis zum heutigen Tag eine Filiale der Iwate Bank befindet. Das Gebäude selbst ist heute ein designiertes Wichtiges Kulturgut Japans.

7 Iwate Ginko.jpg


Und nicht nur die Bank ist immer noch in Betrieb. Ein paar Ecken weiter findet sich eine Feuerwache, die noch älter ist. Das Gebäude stammt von Anfang des 19. Jahrhunderts und war damals eine Feuerwache und ist es heute immer noch.

7 Feuerwache.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 8. Dez 2012 18:34

8. Zuihoden - ein Grabmal in Sendai

Wir reisen weiter nach Süden und fahren nach Sendai. Diese Stadt hatte letztes Jahr unter dem Tsunami zu leiden, unter anderem erwischte es den Flughafen. Doch nicht nur Naturkatastrophen haben es der Stadt schwer gemacht, im Zweiten Weltkrieg wurde das Stadtzentrum auch stark bombadiert.
Dabei wurde ein berühmtes Grabmal zerstört, die Zuihoden, das Grabmal des bekannten daimyo Date Masamune. Da das aber zu den wichtigen historischen Gebäuden der Stadt und Präfektur zählte, wurde es hinterher originalgetreu wieder aufgebaut. Und so kann man sich den Komplex heute wieder ansehen.

Date Masamune war daimyo (Provinzherr) von Sendai. Er hatte in der Kindheit ein Auge verloren und wurde deshalb auch als "einäugiger Drache" bekannt. Als er mit dem Lehen um Sendai belohnt wurde, war Sendai noch ein kleines Fischerdorf und so verdankt ihm die heutige Millionenstadt Sendai ihre Grundlagen. Und das kann man ja schon mal mit einem ordentlichen Grabmal feiern.

Wir sind zur Zeit eines wichtigen Festes in Sendai (das wir uns in späteren Jahren vielleicht mal ansehen), deshalb ist das Grabmal sogar noch extra gut geschmückt. Schon am Eingang empfangen uns die Dekorationen.

8 Zuihoden Eingang.jpg


Wir steigen höher und stehen vor der Grabhalle. Leider versteckt auch diese sich vor uns hinter geschmückten Bambusstangen.

8 Zuihoden etwas schwer zu sehen.jpg


Und so kann man auf den ersten Blick nicht sehen, was sie von vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Japan unterscheidet: Farbe. Japanische Tempel und Schreine sind ja sonst oft eher zurückhaltend dekoriert. Ab der Momoyama-Zeit (etwa 1570 bis 1603) bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts war man mit Farbe und Dekor jedoch deutlich großzügiger und das sieht man auch an der Zuihoden, ursprünglich von 1637.

8 Zuihoden wirklich farbig.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 9. Dez 2012 19:11

9. Kawagoe - Mehr Edo als Edo

Etwa 40 km nördlich von Tokyo ist die kleine Stadt Kawagoe. OK, sie hat fast 350000 Einwohner, aber im Vergleich zu Tokyo kommt sie einem sehr klein vor.

In Kawagoe haben sich in der Innenstadt einige alte Straßenzüge, Gebäude und Tempel erhalten, die aus der Edo-Zeit stammen. Hier hat sich ein bisschen der Charme einer Zeit erhalten, der in Tokyo (also dem ehemaligen Edo) kaum noch zu finden ist. Deshalb nennt sich Kawagoe, vielleicht ein wenig hochtrabend, auch "Klein-Edo".

In Klein-Edo gibt es eine Reihe von alten Gebäuden im Speicher-Stil, mit dicken Wänden und stabilen Dächern. Diese dienen als Shops und Restaurants, damit der geneigte Tourist sein Geld auch an den Mann/die Frau bringen kann.

9 Kawagoe kura.jpg


Ein HIghlight der Stadt ist der Glockenturm, von dem früher nach Feuern Ausschau gehalten wurde und im Notfall per großer Glocke die Bewohner alarmiert wurden. In den dicht bebauten japanischen Städten, in denen die meisten Häuser aus Holz und Papier bestanden, waren Feuer eine große Bedrohung. Deshalb gab es früh gut funktionierende Feuerwehren und Feuerausgucke.

9 Kawagoe Glockenturm.jpg


In Kawagoe findet sich auch der Tempel Kita-in, ein wichtiger Tempel der Tendai-Sekte. Sekte bedeutet hier nicht unbedingt etwas negatives, sondern steht nur für eine buddhistische Strömung von vielen. Der Kita-in ist auch dafür bekannt, dass seine heutige Haupthalle früher ein Teil der Burg von Edo war. Aber auch die Hallen, die original zum Tempel gehören, sind ganz nett.

9 Kawagoe Kitain.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Jakusotsu » 9. Dez 2012 20:02

Watashi hat geschrieben:Deshalb gab es früh gut funktionierende Feuerwehren und Feuerausgucke.

Ausgücke - keine Pluräle ohne Umläute. 8)
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Mikadofuji » 10. Dez 2012 08:28

Jakusotsu hat geschrieben:Ausgücke - keine Pluräle ohne Umläute. 8)


Der war gut :D.

@Watashi
Wieder ein interessanter Weihnachtskalender. Danke.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 10. Dez 2012 20:42

10. Japans Sport Nr. 1 - nein diesmal nicht Sumo

Wir alle kennen (offensichtlich) eine sehr japanische Sportart. Aber egal wie sehr wir Sumo mögen, den Rang als Sportart Nr. 1 in Japan hat es nicht. Diese Ehre gehört seit Jahrzehnten dem Baseball. Das ist dieses Spiel, das entfernt an das schöne Spiel Brennball erinnert, das der eine oder andere aus dem Sportunterricht kennt. Nur komplizierter. Und die japanische Variante unterscheidet sich in den Details auch noch von der US-amerikanischen, um es dem unbedarften Europäer noch schwerer zu machen.

Wer sich trotzdem nicht abschrecken lässt, hat in Tokyo die Möglichkeit, in der Innenstadt gleich zwei unterschiedliche Sportstätten und zwei unterschiedliche Teams zu besuchen: die Yomiuri Giants im Tokyo Dome und die Tokyo Yakult Swallows im Jingu Kyujo. Und wem das nicht reicht, der kann in den Nachbarstädten noch die Yokohama DeNA Baystars (aka das schlechteste Team, das es zurzeit gibt), die Seibu Lions oder die Chiba Lotte Marines besuchen.

Wir bleiben aber in Tokyo und sehen uns den Jingu Kyujo, das klassische Freiluft-Stadion, an. Ähnlich wie auch Fußball ist Baseball ursprünglich ein Freiluftsport, auch wenn es inzwischen in Japan sechs überdachte Stadien gibt. Stimmungsvoller ist es aber ohne Dach, mit richtigem Rasen.

10 Jingu kyujo.jpg


Im Jingu Kyujo sind die Tokyo Yakult Swallows zu Hause. Diese haben den strategischen Vorteil, dass sie das kleinere, weniger erfolgreiche und weniger beliebte Team sind, weshalb die Tickets billiger und einfacher zu bekommen sind. Für den Baseballeinsteiger reicht das völlig aus. Auch so kann man einen netten Eindruck in eine neue Sportart bekommen, bei der viele Leute auf dem Feld herumstehen und nur einer konsequent arbeiten (werfen) muss.

10 Baseball.jpg


Und man bekommt einen schönen Eindruck von den merkwürdigen Traditionen der japanischen Baseballfans. So feuert normalerweise nur die Seite ihr Team an, das gerade im Angriff (sprich: am Schlagen) ist. Die andere Seite ist praktisch ruhig, nur wenn der Verteidigung (Werfer und Spieler auf dem Feld) eine besonders gute Aktion gelingt, feiern ihre Fans laut, aber kurz.
Und dann haben die Fans jedes Teams ihre eigenen Rituale. Bei den Swallows holen die Fans, wenn das Team einen Punkt macht, ihre bunten Plastikregenschirme heraus und schwingen diese im Gleichtakt.

10 Jingu Regenschirme.jpg


PS: Ich liebe japanischen Baseball.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Schnappamawashi » 12. Dez 2012 06:54

Jakusotsu hat geschrieben:
Watashi hat geschrieben:Deshalb gab es früh gut funktionierende Feuerwehren und Feuerausgucke.

Ausgücke - keine Pluräle ohne Umläute. 8)


Bei uns im Schwäbischen nennt sich eine Tüte "Gucke"
nur, da verstehe ich den Sinn nicht :wink:

Gruß
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 12. Dez 2012 13:00

11. Ein bisschen Sumo (ein ganz kleines bisschen)

Entschuldigt bitte die unverzeihliche Verspätung des 11. Türchens. Ich bin erst heute nach Mitternacht nach Hause gekommen und habe dann irgendwie nicht mehr an den Adventskalender gedacht. Ich gelobe Besserung (zumindest wenn mein Chef nicht mehr kurzfristig den ganzen Lehrstuhl abends zum Essen mit einem Trupp Studenten schleppt).

Naja, dafür nähern wir uns heute dem Sumo so weit wie lange nicht mehr im Adventskalender. Nicht nur fahren wir nach Ryogoku und laufen auf dem Weg zu unseren Ziel am Kokugikan vorbei, nein, es gibt tatsächlich noch einen kleinen Sumo-Bezug am Ende.

Wir fahren also, wie gesagt, nach Ryogoku, laufen am Kokugikan vorbei, gehen durch einen japanischen Garten (den wir uns vielleicht in kommenden Jahren auch einmal ansehen werden) und gelangen schließlich zu einem Park. Hier steht die Tokyo Memorial Hall, die dem Gedenken an die Opfer des großen Kanto Erdbebens von 1923 gewidmet ist. Die Halle wurde schon 1930 gebaut, um der über 100000 Opfer zu gedenken.

11 Tokyo Ireido.jpg


Die Halle wurde von der Präfektur Tokyo erbaut, wird aber von buddhistischen Gruppen betrieben. Sie hat also nicht nur den Charakter einer einfachen Gedenkstätte, sondern auch religiöse Bedeutung. Die Architektur erinnert daher auch an buddhistische Tempel. Der Komplex umfasst sogar eine dreistöckige Pagode.

11 Pagode.jpg


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zuständigkeit erweitert. Neben den Opfern der Erdbebenkatastrophe von 1923 wurde der Ort auch Gedenkstätte für die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Tokyo. Deshalb ist er heute auch eine Gedenkstätte für den Frieden. Ein neues Monument wurde ergänzt, das Blumenarrangements mit wechselnden Bildern zeigt. Mich hat es das Motiv Anfang des Jahres an eine Friedenstaube erinnert, aber wer weiß...

11 Friedenstaube.bmp.jpg


Um an die Zerstörungen zu erinnern, die das Erdbeben angerichtet hat, gibt es auch ein kleines Museum mit Darstellungen, Fotos und Erinnerungsstücken. Dort wird zum Beispiel auch der umfassenden internationalen Hilfe nach dem Erdbeben gedacht. Und hier habe ich auch ein Foto mit Sumo-Bezug gefunden. Das Erdbeben hat nämlich auch den alte Ryogoku Kokugikan stark beschädigt.

11 Kokugikan zerstört.jpg


PS: Und heute Abend dann Türchen Nr. 12...
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 12. Dez 2012 21:42

12. Zenkoji - Ein Tempel in Nagano

Nach zwei Tagen in der großen Stadt fahren wir in die Berge nach Nagano. Die Stadt ist im Vergleich zu Tokyo geradezu mickrig, hat aber immer fast 400.000 Einwohner. Bekannt geworden ist Nagano im Ausland vor allem als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1998, aber auch darüber hinaus gibt es etwas zu sehen.

Im Winter das Zentrum eines beliebten Skigebietes, ist das Highlight im Sommer der Tempel Zenkoji. Den Zenkoji gibt es seit dem 7. Jahrhundert, die Stadt hat sich erst sehr viel später um den Tempel herum gebildet. Der Tempel wurde gegründet, bevor es eine endgültige Differenzierung unterschiedlicher buddhistischer Strömungen in Japan gab, deshalb ist er bis heute ein überkonfessioneller Tempel.

Auf dem Weg zum Tempel muss man durch das Niomon, das Tor der Zwei Könige, wobei mit Königen nicht klassische Könige, sondern zwei Wächterstatuen gemeint sind, die böse Geister vom Tempel abhalten sollen.

12 Zenkoji Niomon.jpg


Hinter dem Niomon folgt ein zweites Tor. Kurz vor diesem zweiten Tor stehen auf der rechten Seite sechs Statuten von Bodhisattvas, buddhistischen Gelehrten, die auf die Erleuchtung verzichtet haben, um uns Normalsterblichen zu helfen. Sie sind daher für Gläubige wichtige Ansprechpartner.

12 Zenkoji Rokujizo.jpg


Hinter dem zweiten Tor kommt dann die große Haupthalle. Unterhalb der Haupthalle gibt es einen dunklen Gang, durch den der geneigte Gläubige (oder Tourist) gehen kann. Mit dunkel ist dabei absolut stockdunkel gemeint. Während man sich durch den Gang tastet, kann man auf der rechten Seite eine Art Metallgriff ertasten. Das ist der Schlüssel zur Erleuchtung. Ich bin also auf einem guten Weg.

12 Zenkoji Hondo.jpg
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 13. Dez 2012 21:05

13. Die Burg von Matsumoto - immer noch erhalten

Wir bleiben in der Präfektur Nagano und fahren mit dem Zug ein Stück weiter nach Matsumoto. Das Highlight in Matsumoto ist ohne Zweifel die immer noch gut erhaltene Burg, Matsumoto-jo. Diese sollte eigentlich nach der Meiji-Restauration und dem Ende der Samurai-Herrschaft abgerissen und der Stadtentwicklung geopfert werden, aber prominente Bürger setzten sich für die Erhaltung ein. Und so steht der beeindruckende Hauptturm bis heute und kann von außen und innen besichtigt werden.

Die Burg wird im Volksmund auch 烏城 Karasu-jo, Krähenburg, genannt, aufgrund ihres schwarzen Äußeren. Es gibt allerdings keine historische schriftliche Überlieferung zu diesem Spitznamen. Witzigerweise wurde auch die (ebenfalls außen schwarze) Burg von Okayama als 烏城 Krähenburg bezeichnet, gleiche kanji, andere Lesung: in Okayama heißt es U-jo.

13 Matsumoto-jo frontal.jpg


Die Burg von Matsumoto ist ein sogenanntes hirajiro 平城, eine Burg 城, die in der Ebene 平 steht. Daher hat sie keine natürliche Befestigung wir einen Fluss oder einen Berg. Die Erbauer mussten daher für die Abwehrmaßnahmen selbst sorgen. Der äußere Burggraben ist dann doch der Stadtentwicklung zum Opfer gefallen, der innere hingegen ist noch zu sehen.

13 Matsumoto-jo mit Graben.jpg


Die Burg von Matsumoto ist eine der wenigen, die noch im Original erhalten sind. Natürlich kann man das den Bemühungen der Bürger der Stadt zuschreiben, es gibt aber auch noch eine andere Erklärung. Im Dachgebälk der Burg befindet sich ein kleiner Shinto-Schrein, der der Göttin der 26. Nacht des Monats, Nijuroku-yashin, gewidmet ist.

13 Matsumoto-jo Dachschrein.jpg


Dazu gibt es eine klassische Volksgeschichte: In einer kalten Winternacht im Jahre 1618 erschien vor einem der Burgwächter plötzlich eine schöne Frau, die wie eine Schreindienerin gekleidet war. Sie gab der Wache einen Baumwollsack. Sie erzählte ihm, dass sie Nijuroku-yashin, die Göttin der 26. Nacht des Monats sei und dass, wenn der Burgherr einen Schrein mit 500 kg gekochten Reis für Nijuroku-yashin bauen würde, die Burg blühen und gedeihen würde und gegen Feuer und Feinde geschützt sein. Dann entschwebte sie in Richtung der Spitze des Burgturms.
Als der Burgherr am nächsten Tag diese wundersame Geschichte hörte, entschloss er sich, einen kleinen Schrein im obersten Stockwerk des Hauptturms zu bauen, wo er den Sack der Fremden einschreinte. Und am jedem 26. opferte er pflichtschuldig der Göttin...

Und es scheint funktioniert zu haben.
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Re: Best of the Rest - Noch ein Adventskalender

Beitragvon Watashi » 14. Dez 2012 21:09

14. Shimoda - Ein Tag am Meer

Nachdem wir jetzt zweimal in den Bergen der Präfektur Nagano unterwegs waren, fahren wir mal wieder ans Wasser, auf die Izu Halbinsel. Die Stadt Shimoda ist klein, aber historisch bedeutsam. 1854 erreichte Commodore Perry im Vertrag von Kanagawa die Öffnung der ersten Häfen Japans für Ausländer, das waren Hakodate und Shimoda. Deshalb gedenkt man Perrys in Shimoda ganz besonders begeistert.

14 Shimoda gedenkt.jpg


Shimoda eignete sich zur Öffnung, weil es nicht zu nah, aber auch nicht zu weit von Edo entfernt lag. Außerdem lag der Hafen geschützt in einer Bucht. Und so bekam Shimoda den Zuschlag.

14 Shimoda von oben.jpg


Der Vertrag von Kanagawa sah auch den Austausch von Generalkonsuln bis 1856 vor. Die Japaner haben das wohl nicht ganz ernst genommen und waren entsprechend irritiert, als 1856 Townsend Harris vor der Tür stand und fragte, wo er sein Konsulat eröffnen sollte. Deshalb wurde ihm kurzfristig ein Tempel in Shimoda zur Verfügung gestellt.

Der nächste diplomatische Affront war dann, dass Harris darauf bestand, den Brief seines Präsidenten den internationalen diplomatischen Gepflogenheiten entsprechend nur dem Shogun als Herrscher von Japan zu übergeben. Er brauchte nur 18 Monate, um zum Shogun vorgelassen zu werden, und weitere vier zum Abschluss eines Frieden- und Freundschaftsvertrags.

Harris war aber nicht der einzige Diplomat in Shimoda. Auch die Russen saßen mal in Shimoda und verhandelten mit den Japanern über den Zugang zum Land. Am Ende wurde 1855 der Vertrag von Shimoda abgeschlossen, der den offiziellen Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und dem Zarenreich markierte. Auch dieser wurde in einem Tempel, dem Chorakuji, abgeschlossen. Tempel in Japan waren offenbar besonders diplomatisch geeignet.

14 Shimoda Chorakuji.jpg
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