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Das Wort der Woche

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

55. ha, o, de… – Partikel (klein, aber gemein)

Beitragvon Watashi » 14. Mai 2006 19:51

Mir fällt keine sinnvolle Ausrede ein, warum ich so hänge, also versuche ich es gar nicht erst. Hier erst einmal die beiden letzten Wörter aus dem April, der Rest folgt in den nächsten Tagen.

Wenn wir uns unseren Beispielssatz ansehen, kennen wir jetzt die meisten Teile schon:

私は家で熱い紅茶を飲んで、ケーキを食べている。
Watashi ha(sprich: wa) uchi de atsui kōcha (w)o nonde, keeki (w)o tabete iru.
Ich trinke gerade heißen Schwarzen Tee und esse Kuchen.

watashi – ich
uchi – (zu) Hause
紅茶 kōcha – Schwarzer Tee
ケーキ keeki – Kuchen…
…sind Nomen (davon hatten wir ja schon eine Menge).

飲む nomu – trinken
食べる taberu – essen…
…sind Verben.

熱い atsui – heiß…
…ist ein Adjektiv.

Man könnte also meinen, dass wir so gut wie durch sind. Aber erstens gibt es leider noch eine Reihe anderer Wortarten, die ich hier nicht vorstelle (Adverbien, Nominaladjektive, Adnominalia,…) und zweitens stehen zwischen den bekannten Teilen noch kleine, unscheinbare Silben, die noch nicht erklärt wurden.

ha (sprich: wa)
de
(w)o (in der Folge nur o)…
…sind Partikel und das Herzstück der japanischen Grammatik.

Partikel stehen hinter fast allen Nomen, können aber nach Verben, Adjektiven und allem, was sonst noch so in der japanischen Sprache vorkommt, folgen. Sie zeigen den Fall (also Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), das Thema oder eine Satzverbindung (z.B. weil, obwohl etc.) an.

Eine der häufigsten Partikel ist
ha (sprich: wa), sie zeigt das Thema des Satzes an,
in 私は watashi ha bin „ich“ das Thema des Satzes

ga ist der Nominativ, es wird oft durch は ha ersetzt, ist aber (leider) nicht überflüssig
(w)o ist der Akkusativ (also was man nimmt, was man isst…, ケーキを食べる keeki o taberu – Kuchen essen)
de ist der Dativ, die Art und Weise oder der Ort, wo etwas stattfindet (hier also: 家で uchi de – zu Hause)
ni ist der Ort, wo man hingeht (z.B. 家に uchi ni – nach Hause)
から kara ist der Ort, wo man losgeht („ab“) etc. (z.B. 家から uchi kara – von zu Hause)
no ist der Genitiv (z.B. 相撲のファン sumō no fan – Fan des Sumo, Sumofan)

Es gibt noch einige andere Partikel, aber für einen Überblick sollte es reichen ;-).
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56. Nan des(u) ka? – Was ist das?...

Beitragvon Watashi » 14. Mai 2006 19:55

…oder Fragen für Anfänger.

Bisher haben wir überwiegend Aussagesätze behandelt, aber ab und zu hat man ja auch mal eine Frage (erzählt man sich). Deshalb hier die Grundlagen der Fragenbildung im Japanischen.

Fragen sind im Japanischen sehr einfach zu erkennen, sie enden normalerweise auf
か ka – die Fragepartikel (in der höflichkeitsleeren Sprache eher nicht, aber das soll uns jetzt nicht interessieren).
Man kann die Fragepartikel einfach an Aussagesätze hängen und eine Frage daraus machen.

相撲のファンです。 Sumō no fan des(u). – Ich bin ein Sumofan.
相撲のファンですか? Sumō no fan des(u) ka? – Bist du ein Sumofan?

田中さんです。 Tanaka-san des(u). – Das ist Herr Tanaka.
田中さんですか? Tanaka-san des(u) ka? – Ist das Herr Tanaka? oder Sind Sie Herr Tanaka?

Will man fragen, was das ist, braucht man noch
nan oder nani – was? wie viel? etc.

何ですか? Nan des(u) ka? – Was ist das? ist also auch leicht gebildet.
何を食べていますか? Nani o tabete imas(u) ka? – Was essen Sie gerade?
今何時ですか? Ima nan-ji des(u) ka? – Wie spät ist es jetzt?

Will man die Fragen allerdings höflichkeitsleer stellen, lässt man die Fragepartikel in der Regel weg und zeigt die Frage durch Heben der Stimme am Ende des Satzes an:

何? Nani? (Stimme: na↑ni)– Was (ist das)?
何を食べている? Nani o tabete iru? (Stimme: hoch auf ru) – Was isst du gerade?
今何時? Ima nan-ji? (Stimme hoch auf ji) – Wie spät ist es jetzt?

Natürlich gibt es noch weitere Fragewörter:
なぜ?どうして?なんで? naze? dōshite? nande? –wieso? weshalb? warum? (なんで食べていますか? Nande tabete imas(u) ka? – Warum essen Sie?)
どこ? doko? – wo? (どこで食べていますか? Doko de tabete imas(u) ka? – Wo essen Sie?
どう? dō? – wie? (どうですか? Dō des(u) ka? – Wie ist das?
dare? – wer? (誰ですか? Dare des(u) ka? – Wer ist das?)

Das sollte für den Einstieg reichen.
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57. hazukashii – peinlich (peinlich, peinlich…)

Beitragvon Watashi » 28. Mai 2006 20:04

Nachdem wir ja nun ins erste Untergeschoss der japanischen Grammatik hinab gestiegen sind (ich will nicht von Niederungen sprechen, denn es gibt noch viel übleres), will ich diesen Monat ein paar Adjektive vorstellen. Dabei werden wir auch gleich feststellen, dass es in der japanischen Sprache viele Worte gibt, die irgendwie ähnlich sind.

Anfangen tue ich mit
恥ずかしい hazukashii – beschämend, peinlich (ist es z.B., dass ich diesen Monat mit meinem Wort der Woche nicht vorankomme).

Das ist immer ganz praktisch, weil einem als Ausländer früher oder später immer irgendetwas passiert, was eindeutig in diese Kategorie fällt. In so einer Situation ist es immer vorteilhaft ein wenig Japanisch zu können und sei es nur:
すみません。恥ずかしいです。Sumimasen. Hazukashii des(u). – „Tut mir leid. Das ist mir peinlich.“

Damit zeigt man zumindest, dass man Interesse an Japan hat und der Sprung ins Fettnäpfchen nicht geschah, weil einem die japanischen Gebräuche egal wären. In der Regel freuen sich Japaner immer, wenn man etwas Japanisch kann und die Situation ist nicht mehr so schlimm.

Ein einfaches
すみません。 Sumimasen. – „Tut mir leid.“
tut es in der Regel aber auch erst mal.
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58. muzukashii – schwierig

Beitragvon Watashi » 28. Mai 2006 20:07

Als nächstes tauschen wir nur die erste Silbe aus und erhalten das nächste Adjektiv, das ab und an hilfreich sein kann:

難しい muzukashii – schwierig.

Schwierig ist z.B. die japanische Sprache (beispielsweise ein Haufen Adjektive, die alle auf -しい -shii enden). Viele Japaner hören gerne, dass ihre Sprache schwierig zu lernen ist. Wird man also nach der japanischen Sprache gefragt, antwortet man beispielsweise:
難しいです。 Muzukashii des(u). – „Sie ist schwierig.“ oder „Es ist schwierig.“

Im Japanischen tauscht man natürlich mehr als nur eine Silbe, sondern auch das kanji und hier auch die hiragana, die man nach dem kanji noch schreiben muss (hier also nur -しい -shii anstatt von -ずかしい -zukashii).

Diese zusätzlichen hiragana bezeichnet man als
送り仮名 okuri-gana.
送り- okuri- von 送る okuru - begleiten
仮名 kana, gana – Silbenschrift;
also die Silbenzeichen, die die kanji begleiten, um ein ganzes Wort zu erzeugen, diese treten auch bei Verben immer auf (wie das -る -ru in 送る okuru).
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Beitragvon Marionoumi » 1. Jun 2006 16:16

Im Umgang mit Japanern sollte man allerdings auch bedenken, dass Japaner oft "muzukashii" sagen, wenn sie nein meinen.

Warum sagen sie nicht einfach 'nein'? Nun, es ist in Japan unhoeflich sich direkt auszudruecken -- ganz besonders wenn die Zustimmung erwartet wird.

Z.B. "Koennte ich naechste Woche einmal vorbeischauen?", "Koennte ich mir das Buch ausleihen?" etc...

"muzukashii desu."

Vom westlichen Standpunkt aus, koennte es so verstanden werden, "dass es obwohl schwierig, moeglich sei", im Japanischen ist das allerdings ein absolutes 'nein'.


*nur eine kleine ergaenzung
Marionoumi
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Beitragvon Heikotoriki » 6. Jun 2006 09:49

Beim Test-Länderspiel Deutschland gegen Japan wurde ja auch die japanische Nationalhymne gespielt. Der Reporter sagte, dass der Text ein altes japanisches Gedicht sei.

Wäre es möglich, den übersetzten Text hier hereinzustellen?

Oder hatten wir das schon?

Danke!

Heiko

Gefunden habe ich das hier:

http://web-japan.org/kidsweb/foreign/germany/de_national.html

Und jetzt habe ich doch noch was gefunden.

Offiziell gehißt am 08.08.1854. Weiß mit roter Sonnenscheibe. Banner mit Sonnen- oder Mondscheiben haben in Japan eine jahrhundertelange Tradition; schon im Nihongi, einer der aeltesten Chroniken, ist von solchen Flaggen im Jahr 697 n. Chr. die Rede. Weiß symbolisiert Rechtschaffenheit, Rot Mut.

Nationalhymne: Auf der Grundlage der Gedichtsammlung "Kokin-Waka-Shu" des Kaisers Diago (898 - 930) entstand der Text der Hymne. Die Melodie stammt von Hiromori Hayashi (1831-1896), in der heutigen Fassung von Franz Eckert (1852 - 1926); am 12.08.1893 als Nationalhymne anerkannt.

uebersetzter Text der 1. Strophe: "Bis zum Fels der Steine geworden, / uebergruent von Mossgeflecht, tausend, abertausend Jahre bluehe, / Kaiserliches Reich!"
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59. tsuzuku – Fortsetzung folgt, es wird fortgesetzt

Beitragvon Watashi » 18. Mär 2007 12:04

Auf Anregung einer einzelnen Dame (danke, Susi), habe ich mich entschlossen, es noch einmal mit dem Wort der Woche zu versuchen. Es ist also kein Fehler, dass dieser Thread plötzlich wieder Zulauf hat. Ich hoffe, das stört niemanden allzu sehr.

Da dies das erste posting nach einer laaangen Pause (für die ich keine sinnvolle Ausrede habe) ist, soll das erste Wort passenderweise

続く tsuzuku – es wird fortgesetzt, es geht weiter; andauern, fortgesetzt werden
sein.

Einigen ist das vielleicht schon einmal bei mehrteiligen Anime oder japanischen Filmen aufgefallen. Dort wo im Deutschen „Fortsetzung folgt“ und im Englischen „to be continued“ steht, kommt im Japanischen ein freundliches 続く tsuzuku oder つづく tsuzuku (in hiragana).
Am Ende der letzten Folge steht dann
owari oder
終り owari (mit einem angehängten hiragana) oder
終わり owari (mit zwei angehängten hiragana) oder
おわり owari (in hiragana) – das Ende (aber das ist nicht das Thema)

続く tsuzuku ist sowohl die Grundform „andauern, fortgesetzt werden“ als auch die höflichkeitsleere Gegenwartsform „es wird fortgesetzt“, auch mit Zukunftsbezug in der Bedeutung „es wird fortgesetzt werden“, wie es ja auch im Deutschen vorkommt.

Würde man die standardhöfliche Form im Umgang mit Fremden, Vorgesetzten, Älteren oder so benutzten, hieße es
続きます tsuzukimas(u) – es wird fortgesetzt

Im Freundeskreis also:
場所は続く basho ga tsuzuku – das basho wird fortgesetzt (höflichkeitsleer)

Unter weniger guten Bekannten:
場所は続きます basho ga tsuzukimas(u) – das basho wird fortgesetzt (standardhöflich)
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60. natsu-jikan – Sommerzeit

Beitragvon Watashi » 25. Mär 2007 12:15

Aus aktuellem Anlass heute ein Wort, mit dem man sich in Japan (zumindest im Moment) eigentlich nicht beschäftigen muss:

夏時間 natsu-jikan – die Sommerzeit; bestehend aus:
natsu – Sommer
JI – Uhrzeit, Zeit, Stunde
KAN – Zwischenraum, Zeit
時間 jikan – also: Zeit

Als jemand, der immer Probleme mit der Zeitumstellung hat, kann ich es nur begrüßen, dass es in Japan keine Sommerzeit gibt, die Uhren bleiben das ganze Jahr unberührt (na ja, wenn nicht die Batterie leer ist). Deshalb beginnen ab heute die Makuuchi-Kämpfe ja auch nach unserer Zeit wieder deutlich später.

Neben dem japanischen Begriff gibt es auch die aus dem englischen stammenden Lehnwörter:

サマータイム samaa taimu – von summer time (britischer Begriff)
デイライト・セービング・タイム deiraito seebingu taimu – von daylight saving time (amerikanischer Begriff)

Es gab in Japan die Sommerzeit für eine kurze Zeit unter amerikanischer Besatzung ab Ende der 1940er, damals unter dem Begriff

サンマータイム sanmaa taimu – eine andere Umschrift von summer time (wird sammaa taimu gesprochen)

Dazu gab es das
夏時刻法 natsu-jikoku-hō – das Gesetz über die Sommerzeit
natsu – wieder Sommer
JI – Zeit (wie oben)
KOKU – Zeit (unter anderem)
時刻 jikoku - hier also auch Zeit
– das Gesetz

Im April 1952 schafften sich die Japaner dieses Gesetz ziemlich schnell wieder vom Hals und haben seitdem keine Sommerzeit mehr. Es wird allerdings immer mal wieder diskutiert, insbesondere, um Energie zu sparen.
Und wie immer, wenn Japan diskutiert, gibt es erst einen Test und dann eine Umfrage zum Test. In diesem Fall ist das die so genannte:

北海道サマータイム Hokkaidō samaa taimu – die Hokkaidō summer time

Hierbei werden aber nicht die Uhren umgestellt. Da Hokkaidō die nördlichste Insel Japans ist, sind die Tage im Sommer deutlich länger. Um darauf reagieren zu können, gibt es im Sommer Versuche einer Art von Sommerzeit. So können Unternehmen, Behörden oder Geschäfte ihre Öffnungs- und Arbeitszeiten um ein oder zwei Stunden verschieben. Dies betrifft aber nicht alle und die Uhr wird eben auch nicht verstellt.
Das ganze ist der Test für eine spätere Einführung der wirklichen Sommerzeit zumindest für Hokkaidō. Hokkaidō ist besonders betroffen, weil es im Sommer um 4 Uhr hell ist und um 19 Uhr wieder dunkel, man verliert also zwei Stunden Sonnenlicht, die keiner nutzen kann.
Die Antworten auf die unumgängliche Umfrage nach drei Testläufen waren überwiegend positiv, aber durchgesetzt hat die Idee sich wohl noch nicht endgültig.

PS: Wusstet ihr, dass es in Deutschland mal eine Hochsommerzeit gab (d.h. zwei Stunden Zeitverschiebung in den Sommermonaten)?
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Beitragvon Ganryu » 25. Mär 2007 12:38

Tatsächlich, hier steht's: http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerzeit - kaum zu glauben, diese Hochsommerzeit. Im übrigen fiel mir das Aufstehen heute morgen nicht leicht. 8)

Viele Grüße,

Kana-san

PS:
sammaa taimu, and the living is easy . . .
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Beitragvon Profomisakari » 25. Mär 2007 13:46

Watashi hat geschrieben:Wusstet ihr, dass es in Deutschland mal eine Hochsommerzeit gab (d.h. zwei Stunden Zeitverschiebung in den Sommermonaten)?


Ja, @Watashi, das habe ich als Kind erlebt und fand das ganz toll.
Schließlich wurde es am Abend viel später dunkel und wir durften dadurch auch viel länger draußen bleiben.

Es war aber - so dachte ich bisher - nur in der russischen Besatzungszone und müsste irgendwann zwischen 1946 und 1948 gewesen sein.

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Beitragvon Watashi » 26. Mär 2007 17:31

Profomisakari hat geschrieben:Ja, @Watashi, das habe ich als Kind erlebt und fand das ganz toll.
Schließlich wurde es am Abend viel später dunkel und wir durften dadurch auch viel länger draußen bleiben.

Es war aber - so dachte ich bisher - nur in der russischen Besatzungszone und müsste irgendwann zwischen 1946 und 1948 gewesen sein.


Wow, ich hätte ja nicht gedacht, dass sich gleich ein Zeitzeuge meldet. Wobei ich gestehen muss, dass ich nicht genau weiß, wie es im "Osten" war, in den drei westlichen Zonen soll es 1947 gewesen sein.
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61. Nihon no shima – die japanischen (Haupt)Inseln

Beitragvon Watashi » 1. Apr 2007 18:39

Als neues Oberthema nach unserem Einstieg wähle ich die Geographie Japans. Keine Sorge, es geht nicht um schwerwiegende geographische Studien, nur ein paar Grundlagen, die Japanreisende und solche, die es werden wollen, hoffentlich interessieren (alle anderen dürfen natürlich auch weiterlesen). Zum Anfang:

日本の島 Nihon no shima – die japanischen Inseln

日本 Nihon – Japan
no – Verbindung zweier Nomen (Genitiv)
shima – Insel;
wörtlich also „die Inseln Japans“ oder „die Inseln von Japan“

Nun, Japan besteht aus tausenden von Inseln und es macht sicher keinen Sinn, alle lernen zu wollen (abgesehen davon, dass ich nicht vorhabe, alle nachzuschlagen). Deshalb beschränke ich mich auf die vier Hauptinseln:

北海道 Hokkaidō
本州 Honshū
四国 Shikoku
九州 Kyūshū

Von Norden nach Süden:

北海道 Hokkaidō
HOKU ist „der Norden“
KAI ist „das Meer“
ist wörtlich „der Weg“, wurde früher aber auch für „Provinz“ benutzt
Damit ist 北海道 Hokkaidō der „Weg (oder die Provinz) am nördlichen Meer“, also die nördlichste der Hauptinseln.

本州 Honshū
HON ist „Haupt-„
SHŪ sind „die Provinzen“,
本州 Honshū sind also „die Hauptprovinzen“, was nicht weiter verwundert, da alle wichtigen Orte wie Tōkyō, Ōsaka oder Nagoya auf Honshū liegen.

四国 Shikoku
SHI heißt „vier“
KOKU ist „das Land“
四国 Shikoku sind also die „Vier Länder“, da es früher vier Länder oder Provinzen umfasste (bis heute gibt es dort vier Präfekturen).

九州 Kyūshū
KYŪ ist „neun“
SHŪ sind wieder „die Provinzen“
九州 Kyūshū sind also „die neun Provinzen“, da früher neun Provinzen oder Länder auf Kyūshū lagen (heute sind es nur noch sieben Provinzen auf Kyūshū)

Ein Sonderfall ist Okinawa, das im Süden des japanischen Inselreichs liegt, es wird oft regional zu Kyūshū gerechnet, besteht aber aus eigenen Inseln.
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Re: 61. Nihon no shima – die japanischen (Haupt)Inseln

Beitragvon Jakusotsu » 1. Apr 2007 19:02

Watashi hat geschrieben:日本 Nihon – Japan

Was ich schon immer mal fragen wollte: Ist das geläufige "Nippon" völlig falsch, und wenn ja, weshalb ist es trotzdem bei uns so verbreitet?
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Re: 61. Nihon no shima – die japanischen (Haupt)Inseln

Beitragvon Andriko » 8. Apr 2007 14:22

Jakusotsu hat geschrieben:Ist das geläufige "Nippon" völlig falsch, und wenn ja, weshalb ist es trotzdem bei uns so verbreitet?


Soweit ich weiß, gibt es im japanischen häufig mehrere Arten, ein Zeichen zu lesen und ich glaube in diesem Fall ist sowohl "Nihon" wie auch "Nippon" möglich bzw. korrekt. Aber Watashi kann dazu bestimmt Auskünfte geben, die mit mehr Wissen hinterlegt sind :)
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Beitragvon Watashi » 8. Apr 2007 19:39

Andriko hat recht, weder Nihon noch Nippon sind falsch. Ich habe aber gelernt, dass heute Nihon gebräuchlicher ist, während Nippon eher etwas altmodischer ist. Aber ich habe keine Erfahrungen darüber, ob das so stimmt.
In Texten sind ja in der Regel keine Lesungen dabei, insofern kann ich es da nicht sagen. Beim Sprechen habe ich nie so darauf geachtet, aber ich bin zumindest nie verbessert worden, wenn ich Nihon sage. Nippon ist in Japan wohl vor allem noch in bestimmten Unternehmensnamen oder ähnlichem gebräuchlich.
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62. Nihon no chiho – Regionen in Japan

Beitragvon Watashi » 8. Apr 2007 19:48

Nachdem wir die grobe Einteilung der Hauptinseln behandelt haben, wenden wir uns nun der nächsten Einteilung zu:

日本の地方 Nihon no chihō – die japanischen Regionen (hier ist eine nette Karte der Regionen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Regionen_japans.png)

日本 Nihon kennen wir, das bedeutet „Japan“
no ist die Partikel zur Verbindung zweier Nomen (Genitiv)
CHI heißt „Gegend, Boden“
ist „die Richtung“ (das ist übrigens dasselbe Zeichen wie bei 親方 oyakata am Ende, nur dort ist es die ehrerbietige Bezeichnung für eine Person)
地方 chihō ist damit „die Region“

Die Regionen sind keine verwaltungstechnischen Einheit Japans, aber spielen etwa bei der Einteilung von Unternehmen wie der JR (Japan Railways) etc. eine Rolle und sind ganz praktisch, um zu wissen, wo man hinfährt. Auch Reiseführer orientieren sich oft an den Regionen.

Jetzt können wir auf das zurückgreifen, was wir letzte Woche hatten, die vier Hauptinseln:
Hokkaidō, Shikoku und Kyūshū (incl. Okinawa) sind eigene Regionen. Nur Honshū wird auf Grund seiner Größe mehrfach unterteilt. Von Norden nach Süden:

東北 Tōhoku
関東 Kantō
中部 Chūbu
関西 Kansai (oder 近畿 Kinki)
中国 Chūgoku

東北 Tōhoku
– Osten
HOKU – Norden
東北 Tōhoku also der „Nordosten“, der Name ist selbsterklärend.

関東 Kantō
KAN – die Grenze oder Barriere
– wieder der Osten
関東 Kantō ist also „östliche der Barriere“. Die Barriere war eine Grenzanlage, die früher die zivilisierten westlichen Gebiete um die alten Hauptstädte Nara und Kyōto vom wilden Osten um das heutige Tōkyō abtrennte. Einen alten Grenzposten gibt es noch bei Hakone im Großraum Tōkyō.

中部 Chūbu
CHŪ – die Mitte
BU – der Teil
中部 Chūbu ist also der „Teil in der Mitte“, also die Region in der Mitte von Honshū. Dort liegt beispielsweise Nagoya.

関西 Kansai
KAN – wieder die Grenze
西 SAI – der Westen
関西 Kansai ist also „westlich der Barriere“, dort wo die zivilisierten, gebildeten Menschen wohnten. Die Region ist auch als
近畿 Kinki bekannt.
KIN – in der Nähe
KI – Hauptstadt, Gegend um die Hauptstadt
近畿 Kinki ist also die Region „in der Nähe der Hauptstadt“. Das bezieht sich natürlich nicht auf die heutige Hauptstadt Tōkyō, sondern auf die alten Haupstädte, erst Nara und dann vor allem Kyōto.

中国 Chūgoku
CHŪ – die Mitte
GOKU – das Land
中国 Chūgoku ist also das „Land der Mitte“, wohl weil es früher, als das Zentrum noch in Kinki lag, in der Mitte zwischen Kinki und Kyūshū lag, das damals noch deutlich wichtiger war.
Wem der Begriff „Land der Mitte“ bekannt vorkommt, ja, 中国 Chūgoku ist auch der japanische Begriff für China. Deshalb sagt man für das japanische Chūgoku eher 中国地方 Chūgoku chihō, also Region Chūgoku, um Verwechslungen zu vermeiden.
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Beitragvon Ganryu » 8. Apr 2007 20:38

Interessant finde ich, daß Japan zwar in der Landessprache "Nippon" bzw. "Nihon" genannt wird, in der westlichen, hauptsächlich angelsächsischen Welt dagegen "Japan".

Ein Blick ins Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Japan) ergibt, daß das Wort "Japan" chinesische Wurzeln hat.

Obwohl nun Japaner und Chinesen nicht unbedingt als enge Freunde angesehen werden können, war wohl der chinesische Einfluß immer vorhanden, nicht nur politisch (300 v Chr bis 780 n Chr Kontakte zu China und China als Vorbild), sondern auch wirtschaftlich (besonders der Seidenhandel in der Edo-Epoche, 17. bis 19. Jahrhundert).

Vor dem Hintergrund der wechselvollen chinesisch-japanischen Geschichte und dem ausgeprägten Nationalgefühl der Japaner erstaunt mich aber, daß man sich dort mit der Bezeichnung "Japan" offenbar arrangiert hat. Oder liege ich da falsch, Teamkollegin?

Viele Grüße,

Kana-san
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Beitragvon Jakusotsu » 8. Apr 2007 22:02

Brauchst Dir nur mal anzusehen, wie Deutschland woanders alles genannt wird...
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Beitragvon Ganryu » 8. Apr 2007 22:24

Wie denn? :shock: Und hast Du Dich damit arrangiert? :?

Viele Grüße,

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Beitragvon Watashi » 15. Apr 2007 15:06

Kana-san hat geschrieben:...
Ein Blick ins Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Japan) ergibt, daß das Wort "Japan" chinesische Wurzeln hat.
...
Vor dem Hintergrund der wechselvollen chinesisch-japanischen Geschichte und dem ausgeprägten Nationalgefühl der Japaner erstaunt mich aber, daß man sich dort mit der Bezeichnung "Japan" offenbar arrangiert hat. Oder liege ich da falsch, Teamkollegin?


Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Japaner gesteigerte Probleme mit dem Begriff "Japan" haben. Es fragt sich natürlich, ob sie das so sagen würden (also zumindest, mir gegenüber). Mich stört es nicht, dass wir im Englischen Germans sind, aber ich würde es wohl auch nicht einem Engländer gegenüber sagen, wenn es mich stören würde.

Ein Hinweis könnte sind, dass manch eine Firma in Japan heute nicht mehr unbedingt 〇〇日本 Sowieso-Nihon heißt, sondern auch 〇〇ジャパン Sowieso-Japan (sprich: Dschapan, vom englischen Japan), z.B. 不動産ジャパン Fudōsan Japan (Immobilien Japan) oder エン・ジャパン en japan (eine private Arbeitsvermittlung, glaube ich). Zum Teil sind das Tochtergesellschaften ausländischer Firmen wie ノキア・ジャパン Nokia Japan, aber nicht alle. Die Japaner scheinen sich also wirklich damit arrangiert zu haben, im Ausland Japan oder ähnlich zu sein. Wobei ich nicht weiß, ob der normale Japaner weiß, wo der Begriff herkommt...
Watashi
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