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Das Wort der Woche

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

19. Depaato, suupaa, kombini - Einkaufsstätten in Japan

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:15

In Japan gibt es einen Haufen Geschäfte und es wäre ja langweilig, wenn nicht jede Art ihren eigenen Begriff hätte:

店 mise ist der normale japanische Begriff für „Laden, Geschäft“; das wird vor allem für normale, kleinere Geschäfte benutzt wie man sie überall finden kann.

Die meisten Geschäftsarten haben allerdings Namen, die aus dem Englischen stammen (und somit in katakana geschrieben werden). Ohne Hilfe ist die Herkunft teilweise aber schwer zu entdecken:

デパート depaato kommt vom englischen department store und bezeichnet somit die japanischen Kaufhäuser. Man darf aber nicht den Fehler machen und sich das typisch japanische Kaufhaus wie Karstadt vorstellen (obwohl es auch solche gibt). Die großen bekannten Kaufhausketten wie Mitsukoshi, Takashimaya oder Isetan ähneln eher dem KaDeWe oder den Galeries Lafayette in Paris mit Nobelklamotten und hochklassigen Waren (und unglaublichen Fressabteilungen). Der Begriff heißt eigentlich デパートメントストア depaatomento s(u)toa, da das aber unhandlich ist, benutzt man in aller Regel die Abkürzung depaato.
百貨店 hyakka-ten (wörtlich 'Hundertwarenlanden') ist der reinjapanische Begriff für Kaufhaus, mit depaato kommt man aber normalerweise immer aus (nur japanischsprachige Schilder sagen manchmal hyakka-ten, deshalb ist es praktisch, wenn man die Kanji erkennen kann).

スーパー suupaa kommt von supermarket und ist auch eine Abkürzung, da スーパーマーケット suupaa maaketto etwas lang ist. Es bezeichnet normale Supermärkte, ähnlich wie in Deutschland (tendenziell aber eher kleiner, Japan hat wenig Platz), mit der kleinen Ausnahme, dass sie oft längere Öffnungszeiten haben und es sogar 24 Stunden-Supermärkte gibt.

コンビニ kombini ist die Kurzform von コンビニエンスストア kombiniens(u) s(u)toa, convenience store. Das sind kleine Läden, die alles Lebensnotwenige haben, von Lebensmitteln über Zeitschriften zu Schreibwaren. Keine große Auswahl, aber dafür haben sie lange Öffnungszeiten, in den Großstädten in der Regel 24 Stunden. Etwa wie manche Tankstellenläden in Deutschland, nur viel praktischer, bequemer (convenient) gelegen und mit mehr Angebot. Auch gibt es sie in Großstädten fast an jeder Ecke, so dass man eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit was zu essen bekommen kann.

Diese Begriffe zeigen eine Tendenz der japanischen Sprache. Viele Begriffe, die aus dem Englischen übernommen werden, sind nach der katakana-Umschrift sehr lang und unhandlich, da es außer dem „n“ keine einzelnen Konsonanten gibt (vor b,p,m wird n wie m gesprochen, so wie in kombini, das in katakana 'konbini' geschrieben wird). Deshalb werden sie so lange abgekürzt bis ein englischkundiger Ausländer nur noch mit Glück die Herkunft erkennt.

Natürlich gibt es auch Begriffe wie Bäckerei oder Blumenladen. Diese werden in der Regel gebildet, indem an den Begriff für das, was verkauft wird, die Silbe -屋 -ya (für –laden) drangehängt wird.
Also:
パン屋 pan-ya (pan = Brot), also Bäckerei,
花屋 hana-ya, Blumenladen, Florist.
Watashi
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20. O-kyaku-sama - der Kunde ist König

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:16

御客様(お客さま) O-kyaku-sama heißt so etwas wie „der/die ehrenwerte Herr/Frau Kunde/in“, wenn man es wörtlich übersetzen will.

御-(お-) O- (bei anderen Worten auch manchmal GO-) ist ein Höflichkeitspräfix, das eine besondere Höflichkeit des Satzes anzeigt (oft auch einfach in Hiragana geschrieben), im Deutschen wird es oft mit „der ehrenwerte…“ übersetzt (das klingt oft allerdings oft sehr unglücklich, finde ich),

客 KYAKU bedeutet „Kunde, Gast“,

-様(-さま) -sama ist die Höflichkeitsform von
-さん -san, was Herr/Frau … bedeutet.

O-kyaku-sama ist also eine sehr höfliche (ehrerbietige) Form für „Kunde“, die i. d. R. von Ladenbesitzern und Angestellten verwendet wird.
Von sich selbst als Kunden würde man allerdings niemals so sprechen! (Ehrerbietigkeit ist immer anderen vorbehalten.)

Die wahre Bedeutung von „Der Kunde ist König“ kennt man erst, wenn man einmal in Japan war . Selbst die Bedienung im kombini ist immer noch freundlich – und das auch mitten in der Nacht und die Kassiererinnen im suupaa entschuldigen sich, wenn man steht, weil vor einem zwei andere Kunden waren, und das auch, wenn alle Kassen besetzt sind.
Natürlich sind vieles „nur“ Floskeln, aber mir ist eine freundliche Floskel lieber als ein unfreundliches Gebrummel (wie es leider zuweilen hier im Supermarkt ist, kommt mir jedenfalls so vor). Jedenfalls ist mein größter Kulturschock immer beim Zurückkommen aus Japan an der Supermarktkasse.
Watashi
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21. Irasshaimase – Kommen Sie (herein)!

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:16

Betritt man ein japanisches Geschäft, wird man oft mit einem (oftmals ziemlich lauten) „Irasshaimase!“ begrüßt. Auch wenn man nur durch den Supermarkt geht, kann es passieren, dass unversehens hinter einem ein Angestellter auftaucht und „Irasshaimase!“ ruft/sagt. Manchmal wird das soweit getrieben, dass es einem zuweilen auf die Nerven gehen kann.

いらっしゃいませ! „Irasshaimase!“ ist also eine der netten (nett-gemeinten) Floskeln, die ich schon letzte Woche angesprochen habe.

Es kommt von dem Verb

いらっしゃる irassharu, was der ehrerbietige Ausdruck für „kommen/gehen“ oder „sein“ ist (das entspringt der echten Höflichkeitssprache),

-ます -masu ist die normale, standardhöfliche Verbform (vgl. shimasu) und

-せ -se statt -す -su zeigt die Befehlsform an;

„Irasshaimase!“ heißt also „Kommen sie (herein)!“ oder so etwas.

Man muss das nicht unbedingt kennen/erkennen, es soll hier vor allem als Beispiel für eine ganze Reihe von Floskeln dienen und gehört zu einem echten japanischen Einkaufserlebnis einfach dazu.
Watashi
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22. jido hambai-ki – (Verkaufs-)Automaten

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:16

Japan mag das Land der Aufgehenden Sonne sein oder das Land des Lächelns; es ist aber auf jeden Fall das Land der Automaten!

自 JI selbst; 動 DŌ Bewegung -> 自動 jidō automatisch

販 HAN verkaufen; 売 BAI verkaufen -> 販売 hambai verkaufen, Verkauf (Überraschung!)

機 KI Maschine

自動販売機 jidō hambai-ki ist also eine automatische Verkaufsmaschine; auf gut Deutsch also ein (Verkaufs-)Automat. Als Abkürzung wird übrigens auch
自販機 jihan-ki verwendet.

Automaten gibt es in Japan überall und für (fast) alles. Nicht nur Zigarettenautomaten wie bei uns (in Japan auch diese deutlich häufiger) oder ein gutes Duzend Fahrkartenautomaten im Shinjuku Bahnhof an nur einem Eingang, sondern auch Automaten für Fotoutensilien oder Blumen. Nur die immer wieder gern zitierten Automaten für gebrauchte Unterhosen habe ich noch nicht gefunden, ich bin wohl in den falschen Gegenden unterwegs.
Was einem allerdings wohl am meisten ins Auge fällt, sind Getränkeautomaten; in Großstädten gibt es sie an jeder Ecke – und nicht nur einzelne, sondern oftmals in Großgruppen. In Tōkyō habe ich mal 13 Getränkeautomaten nebeneinander gesehen. Bei 20-25 Getränken (teilweise warm und kalt) pro Automat ist das eine nicht zu unterschätzende Auswahl. In Kleinstädten gibt es sie nur an jeder dritten Ecke und auch mal alleine, aber der nächste ist nie besonders weit. Irgendwann ist man so weit, dass einen kein Getränkeautomat mehr schocken kann. Ich bin mal einen bergigen Wanderpfad entlang marschiert, kam auf eine Lichtung und sah einen kleinen, hölzernen Unterstand und – einen Getränkeautomaten. Auch die Tatsache, dass es auf den ersten Blick weder eine erkennbare Stromzufuhr noch eine sinnvolle Möglichkeit, die Getränke nachzufüllen, gab, hat mich nicht weiter irritiert (beides ließ sich dann aber doch noch entdecken). Merke also, wo auch immer du hinkommst, die Getränkeindustrie war schon da!
Watashi
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23. Resutoran - Restaurant

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:17

Nachdem wir im Mai unser Geld beim Shopping ausgegeben haben, wollen wir uns im Juni etwas ausruhen und etwas Essbares suchen (und mehr Geld ausgeben). Deshalb setze ich als Oberthema für Juni

レストラン res(u)toran – Restaurant an.

Wie man unschwer sieht ist res(u)toran ein Lehnwort. Deshalb schreibt man es auch in katakana.

Ursprünglich wurde das Lehnwort nur für Restaurants westlichen Stils verwendet, ist inzwischen aber auch weit darüber hinaus gebräuchlich. Es gibt aber auch andere Begriffe für Läden, wo man etwas essen kann:

料理店 ryōri-ten (wörtlich Essens-Geschäft); Oberbegriff,

食堂 shokudō – kann Restaurant, aber auch Speiseraum o. ä. heißen (wird in der Uni auch für die Mensa benutzt),

料亭 ryōtei – ein Restaurant in der Regel für japanisches Essen,

居酒屋 izakaya – verkauft auch Speisen, ist aber vor allem eine Kneipe (zaka ist das Sake-Kanji, bedeutet also alkoholische Getränke),

und dann kann man auch Restaurants wie andere Geschäfte mit angehängtem -屋 -ya bilden, z. B. ラーメン屋 Raamen-ya für ein Nudelsuppengeschäft,

… (und vieles mehr, denn sonst wäre Japanisch ja eine einfache Sprache, nicht wahr?)

Zum Einstieg ist res(u)toran aber sicherlich ausreichend.
Watashi
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24. …o onegai shimas(u)/…o kudasai - Ich hätte gerne…

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:17

Vor dem erfolgreichen Essen im Restaurant steht die erfolgreiche Bestellung. Diese kann man relativ einfach aufgeben, ohne viel Japanisch zu können.

Entweder:

…を o ist die Akkusativpartikel, die anzeigt, was man haben möchte,

御-/お- o- ist das Höflichkeitspräfix,

願い negai kommt von dem Verb 願う negau, was „möchten, wollen, wünschen“ heißt,

します shimas(u) bedeutet „tun, machen“;

…をお願いします …(w)o o-negai shimas(u) bedeutet also „Ich möchte gerne…“ und kann sowohl im Restaurant als auch beim Shopping zum Bestellen benutzt werden.

Oder:

…を (w)o wie gehabt,

下さい kudasai ist die Aufforderungsform von dem Verb 下さる kudasaru, das ist die Höflichkeitsform für „jemand gibt mir“;

…を下さい …(w)o kudasai bedeutet also „Bitte geben Sie mir…“ und ist alternativ zu obiger Form anwendbar. Es gibt dabei keine zu bevorzugende Form, beide sind OK.

Vor das を (w)o kann man das gewünschte Gericht etc. setzen. Man muss nur hoffen, dass die Bedienung nicht noch was nachfragt...
Watashi
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25. Sushi, Sashimi & Co. - alles Fisch oder was?

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:18

Nachdem wir jetzt wissen, wie wir bestellen, sollten wir auch lernen, was wir bestellen können. Deshalb diese Woche eine ganz kleine Auswahl von in Japan immer wieder gern gefundenen und gegessenen Gerichten, sozusagen einmal die Speisekarte rauf und runter (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit). Falls jemand sich besonders dafür interessiert, sind alle weiteren Erläuterungen und Ergänzungen immer gern gesehen.

Abteilung „Roher Fisch“:
寿司(すし) sushi, bei uns wohl als das japanischste aller Lebensmittel empfunden; gibt es in zwei Arten:
握り寿司 nigiri sushi (ein Reisball mit Fisch, Fischeiern, aber auch Fleisch etc. oben drauf)
巻き寿司 maki sushi (in Seetang eingerollter Reis mit einem Stück Fisch oder Gemüse in der Mitte)

刺身 sashimi, der echte rohe Fisch sozusagen (nämlich nur dünne Scheiben rohen Fischs ohne Sushireis oder ähnlichem)

Abteilung „Nudelsuppe“:
ラーメン raamen (dünne, helle Nudeln, Suppe, die Fleisch, Seetang oder ähnliches enthält), in verschiedenen Suppen:
味噌ラーメン miso raamen (mit Suppe auf Miso-Basis, das ist eine Sojabohnenpaste)
醤油ラーメン shōyu raamen (mit Suppe auf Sojasoßenbasis)
塩味ラーメン shio-aji raamen o.ä. (mit Suppe mit Salzgeschmack)
豚骨ラーメン tonkotsu raamen (mit Suppe aus Schweineknochen);

うどん udon (dicke, helle Nudeln, in der Regel in Suppe), oft mit verschiedenen Sachen dazu:
かけうどん kake udon (nur Frühlingszwiebeln, sonst solo)
天ぷらうどん tempura udon (mit in Backteig frittierter Garnele/Gemüse)
肉うどん niku udon (mit dünnen Scheiben gekochtem Fleisch)
カレーうどん karee udon (mit Curry-Suppe);

そば soba (dünne, oft leicht graue Buchweizennudeln), oft in Suppe ähnlich udon, aber auch gekühlt mit extra Soße etc.

Abteilung „Selbstgekochtes“ (am Tisch vom Kunden selbst zuzubereiten):
焼肉 yakiniku (dünne Scheiben Fleisch (niku), aber auch Fisch oder Gemüse, die man am Tisch auf einem Grill selbst brät (yaku))
しゃぶしゃぶ shabushabu (dünne Scheiben Fleisch, Gemüse, Fisch, Tofu etc., die in Wasser am Tisch gekocht werden)
すき焼き sukiyaki (dünne Scheiben Fleisch, Gemüse, Fisch, Tofu etc., die in einer speziellen Suppe gekocht werden)
お好み焼き okonomiyaki (wörtlich: Gebratenes nach eigenem Geschmack; ein Gemisch aus Fleisch, Eiern, Käse, Gemüse etc., das man erst vermengt und dann auf einer heißen Platte brät)

und tausend andere Gerichte…
Watashi
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26. kore, sore, are - dies hier, das da, das dort (hinten)

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:19

Auch wenn ich versucht habe, ein paar Dinge vorzustellen, die man in japanischen Restaurants bestellen kann, ist es natürlich nicht möglich, eine Liste von allem aufzustellen, was man so bekommen kann. Zum Glück kommen Restaurants in Japan dem unkundigen Ausländer da allerdings entgegen (nein, in der Regel gibt es keine englischen Speisekarten, das nur in Ausnahmefällen):
Vor den meisten Restaurants gibt es Schaukästen mit Plastikmustern (so genannte サンプル sampuru, von engl. sample) des Essens, das in dem Laden angeboten wird. Man kann sich also im Zweifelsfall die Bedienung unter den Arm klemmen,vor den Laden schleppen und auf das zeigen, was man haben will. Um das zu vereinfachen lernen wir heute:

これ kore; das bedeutet „das hier (bei mir)“

それ sore; „das dort (bei Ihnen)“

あれ are; „das dort hinten“ (also von beiden etwas entfernt).

Wenn man also auf so ein sampuru zeigt, kann man sagen:

これをお願いします。 Kore (w)o o-negai shimas(u). (Ich hätte gerne das hier.), wenn es näher bei einem selbst ist als bei der Bedienung.

それをお願いします。 Sore (w)o o-negai shimas(u). (Ich hätte gerne das da bei Ihnen.), wenn es deutlich näher bei der Bedieung ist, als bei einem selbst.

あれをお願いします。 Are (w)o o-negai shimas(u). (Ich hätte gerne das dort hinten.), wenn es etwas entfernt oder etwa gleichweit von beiden entfernt ist.

Selbstverständlich kann man alle Sätze auch mit …を下さい …(w)o kudasai bilden, auch beschränkt sich die Anwendung natürlich nicht auf Essen in Restaurants. Es kann auch beim Einkaufen etc. nützlich sein.
Watashi
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27. s(u)poots(u) - Sport

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:19

Dieser Monat beschäftigt sich weniger mit einem Reisethema als mit etwas, dass im Zusammenhang mit Sumo ja auch nicht ganz unwichtig ist:

スポーツ s(u)poots(u) – Sport…
… ist ganz offensichtlich wieder ein Lehnwort und wird damit auch mit katakana geschrieben.

Will man ein japanisches Wort verwenden, kann man
運動 undō sagen, das bedeutet allerdings eher (sportliche) Bewegung im Allgemeinen;

運 UN kann „tragen“, „vorwärts kommen“, aber auch „Glück“ bedeuten (wobei letzteres sicherlich bei der Bildung von undō wohl nicht im Vordergrund stand),
動 DŌ ist „Bewegung“ im Allgemeinen (also auch von Autos etc.).

Wenn man von Sportarten oder ähnlichem spricht, trifft s(u)poots(u) allerdings eher den Punkt.

So kann man fragen:
スポーツをしますか? S(u)poots(u) (w)o shimas(u) ka? (Treiben Sie Sport?)

- はい、相撲をします。 Hai, sumō (w)o shimas(u). (Ja, ich mache Sumo.)

PS: Für jemanden wie mich, der im Fernsehen mit Vorliebe Sportsendungen sieht, gibt es in Japan rein mengenmäßig eine Menge zu sehen. Leider ist Sumo jedoch nicht die Nr. 1 unter den Sportarten in Japan und auch Fußball ist trotz eines allgemeinen Aufschwungs seit Einführung der J-League wohl nicht an der Spitze. Nein, für einen Europäer eher unverständlicherweise ist der Lieblingssport des Durchschnittjapaners wohl immer noch…
…野球 yakyū - Baseball.
野 YA ist Feld
球 KYŪ ist Ball, also in etwa „Feldball“.

Zwar ist auch Baseball in den letzten Jahren unter Druck geraten, aber trotzdem kann man in Tōkyō in der Woche etwa 6-10 Spiele aus dem japanischen Profibaseball sehen (und das bei nur 12 Teams). Dazu kommen Übertragungen aus der amerikanischen MLB (zumindest im Satellitenfernsehen), wo einige Japaner spielen, einige Universitätsspiele und zwei Mal im Jahr die gesamten Oberschulmeisterschaften (fast 2 Wochen lang live!).
Zum Glück gibt es aber eben vom Sumo auch alle basho live im Fernsehen. Im normalen NHK-Fernsehen gibt es i. d. R. zumindest die Makuuchi, oft auch noch die Jūryō, im Satellitenfernsehen sogar auch eine Reihe Makushita-Kämpfe (etwa ab 2 Uhr). Dazu kommen Zusammenfassungen in den wichtigsten Sportsendungen am Abend etc. Also im Vergleich mit Deutschland doch recht vorteilhaft.
Watashi
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28. taiikukan - Sporthalle

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:20

Das heutige Wort der Woche kennt der geneigte Sumofan natürlich. Denn schließlich findet das Nagoya basho gerade in der Achi-ken taiikukan statt. Heute gehen wir also folgendem Begriff nach:

体育館 taiikukan – Sporthalle.

体 TAI oder karada (wenn es allein steht) ist der „Körper“,
育 IKU bedeutet „erziehen, großziehen“,
zusammen bedeutet 体育 taiiku somit „körperliche Erziehung“, also so was wie Sport(unterricht);
in Japan gibt es sogar einen Tag des Sports (体育の日 taiiku no hi) als offiziellen Feiertag im Oktober, wo an den Schulen etc. große Sportfeste stattfinden (überhaupt hat Japan deutlich mehr Feiertage als Deutschland)

館 KAN ist die „Halle“,
womit 体育館 taiikukan dann die Halle für körperliche Erziehung wäre, also die Sporthalle oder Turnhalle.

Das Nagoya basho findet also schlicht in einer Sporthalle statt.

Und für denjenigen, der sich fragt, was der Rest des Namens bedeutet:

愛知県 Aichi-ken ist die Präfektur, deren Hauptstadt Nagoya ist (dabei ist 愛知 Aichi der Name und -県 –ken die Präfekturbezeichnung),
愛知県体育館 Aichi-ken taiikukan ist also die „Sporthalle der Präfektur Aichi“ (also: „Aichi Prefectural Gymnasium“)

Übrigens: Das haru basho findet zwar im „Osaka Prefectural Gymnasium“ statt, die japanische Übersetzung ist aber nicht ganz gleich:

大阪府立体育会館 Ōsaka-furitsu taiiku kaikan;

大阪府 Ōsaka-fu ist die Präfektur Ōsaka, da diese aber von der Stadt Ōsaka bestimmt wird, wird der Begriff –府 -fu (Stadtpräfektur, sonst nur noch für die Präfektur Kyōto) verwendet anstatt von –県 –ken (wie für Aichi-ken und die meisten anderen Präfekturen)
府立 furitsu bedeutet „der (Stadt)Präfektur gehörend“,

体育 taiiku wie oben,

会 KAI bedeutet „treffen“,
館 KAN ist wieder „Halle“;
会館 kaikan zusammen ist es also die „Halle zum Treffen“ oder einfach wieder nur „Halle“ oder „Saal“

und damit: „Halle zum Treffen für Sport, die der (Stadt)Präfektur Ōsaka gehört“ (OK, Osaka Prefectural Gymnasium klingt irgendwie schon schöner)
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29. senshu - Spieler, undo-ka - Sportler

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:20

Nachdem wir jetzt wissen, was wir betreiben und wo wir es machen, klären wir heute die philosophische Frage: Wer sind wie eigentlich? Also die Frage nach dem japanischen Wort für Spieler oder Sportler.

Sportler allgemein kann
スポーツマン s(u)poots(u)man (von engl.: sportsman) oder
運動家 undō-ka heißen.

運動 undō ist sportliche Bewegung (s. 27.),
-家 -ka ist wörtlich das „Haus“, wird aber auch für die Bezeichnung von Menschen benutzt.

Will man von den Spielern oder Sportlern einer bestimmten Sportart sprechen, gibt es für die japanischen Sportarten i.d.R. eigene Worte wie
相撲取り sumōtori oder 力士 rikishi beim Sumō oder
柔道家 jūdō-ka beim Jūdō (-ka wird hier wie oben verwendet)

Bei den Spielern der meisten (insb. westlichen) Sportarten nimmt man
選手 senshu – wie z.B. ゴルフ選手 gor(u)f(u) senshu (Golfspieler), 野球選手 yakyū senshu (Baseballspieler) etc.

選 SEN bedeutet „wählen, aussuchen“
手 SHU, te ist die „Hand“ (hier aber auch wieder als Bezeichnung für Menschen);
選手 senshu ist also die „ausgewählte Hand“, der „ausgewählte Mensch“ für eine bestimmte Sportart; man kann aber jeden so nennen, der eine Sportart betreibt, auch wenn er/sie sich nicht benimmt, aber ob er/sie dazu auserwählt wäre (so wie ich im Moment im Tippspiel).
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30. taikai - Turnier

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:21

Erst einmal ein grosses SUMIMASEN an meine Stammleser, weil ich diese Woche so ewig spaet dran bin (nur 6 Tage). Es ist nicht so einfach in der japanischen Provinz ein Internet-Cafe zu finden (in Kanazawa - fast eine halbe Million Einwohner - wird es sicherlich irgendwo eines geben, aber ich habe es nicht gefunden).

Also, auf geht es:

Beim Sumō heißen die Turniere 場所 basho, das wissen wir ja, aber wie schon bei der Bezeichnung der Sportler ist das nicht die normale Bezeichnung für (sportliche) Turniere aller Art. Vielmehr spricht man in der Regel von
大会 taikai – Turnier.
(Das hat natürlich nichts mit 千代大海 Chiyotaikai zu tun.)

大 TAI, DAI, ō bedeutet „groß“ (das gleiche Zeichen wie in 大相撲 Ōzumō),
会 KAI ist „treffen“,
大会 taikai ist also das „große Treffen“, beim Sport also in der Regel ein Turnier.

So werden beispielsweise die Olympischen Spiele von Tōkyō als
東京オリンピック大会 Tōkyō orinpikku taikai bezeichnet.

Es muss aber nicht unbedingt im Zusammenhang mit Sport benutzt werden. Auch Redewettbewerbe oder ähnliches können unter den Begriff taikai fallen.
Des Weiteren muss das Treffen nicht immer kompetitiven Charakter haben. Auch Konferenzen oder ähnliches können unter taikai laufen (so sie denn groß genug sind).

Übrigens: 場所 basho bedeutet eigentlich nur „Ort, Stelle, Platz“ oder ähnliches, aber das ist hier wahrscheinlich auch allgemein bekannt.
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31. s(u)paik(u), shooto, s(u)tamen, gatts(u) poozu – klingt

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:22

Heute werden wir uns am Beispiel von ein paar Sportwörtern ansehen, was in Japan so aus englischen oder englischartigen Worten werden kann. Das Japanische kennt verschiedene Möglichkeiten, mit Lehnwörtern umzugehen:

1. Das Wort wird in katakana übertragen, aber ansonsten weitgehend unverändert gelassen:
スパイク s(u)paik(u) – Spike (unter dem Schuh)

2. Das Wort ist nach der Übertragung in katakana zu lang und wird deshalb radikal gekürzt:
ショート shooto – Shortstop (Position im Baseball) [oder Kurzschluss (short circuit)]

3. Das Wort ist zu lang, es besteht aus zwei Originalwörtern und wird nicht einfach nur gekürzt, sondern es werden von beiden Wörtern die ersten beiden katakana-Silben zusammengesetzt:
スタメン s(u)tamen (von sutaatingu membaa) – die Spieler eines Teams, die bei Spielbeginn auf dem Platz stehen (starting member, im Englischen ist allerdings eher starters üblich)

4. Es gibt kein solches Wort im Englischen, es wird im Japanischen erfunden, sieht aber Englisch aus (bevor ihr lacht, das deutsche „Handy“ ist auch nicht radikal anders):
ガッツポーズ gatts(u) poozu (?guts pose?) – Spieler streckt nach einem gelungenen Spielzug etc. einen oder beide Arme zum Jubeln in die Luft (ein solches Wort sucht man im Englisch-Wörterbuch allerdings umsonst);
diese Art von Worten wird als
和製英語 wasei eigo bezeichnet
和 WA steht für Japan
製 SEI ist hergestellt
和製 wasei bedeutet also „in Japan hergestellt“

英 EI steht für England
語 GO bedeutet Sprache
英語 eigo ist also Englisch

和製英語 wasei eigo ist somit „in Japan hergestelltes Englisch“.
Watashi
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32. kotsu – Verkehr

Beitragvon Watashi » 31. Okt 2005 14:22

Heute gibt es gleich zwei Worte zum Preis von einem (weil ich ja auch diese Woche schon wieder spät dran bin). Ich hoffe, ich bin ab diesem Sonntag wieder pünktlich.

Da ich gerade durch Japan gereist bin, gibt es diesem Monat etwas zum Thema
交通 kōtsū – Verkehr.

交 KŌ bedeutet „mischen, austauschen“
通 TSŪ ist „pendeln, verkehren, gehen; Straße“;
交通 kōtsū als kleinster gemeinsamer Nenner beider Kanji ist damit „Verkehr, Transport“ im allgemeinen Sinne.

Ein anderes Wort für Verkehr ist
通行 tsūkō im Sinne von „passieren, hindurchgehen“;

通 TSŪ wie oben
行 KŌ ist „gehen“.

通行 tsūkō wird für viele Begriffe im Straßenverkehr benötigt:

通行規則 tsūkō kisoku – Verkehrsregeln
一方通行 ippō tsūkō – Einbahnstraße

Für Japan ist vor allem wichtig zu wissen, dass auf den Straßen
左側通行 sasoku tsūkō – Linksverkehr gilt;

左 SA, hidari ist „links“
側 SOKU, gawa ist die „Seite“.

Man sollte aber auch
右側通行 usoku tsūkō – Rechtsverkehr kennen
(右 U, migi ist logischerweise „rechts“),

da in manchen Bahnhöfen und U-Bahnstationen nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite gelaufen werden soll (nicht, dass sich da jeder dran hält; es hilft aber, wenn man zumindest weiß kann, auf welche Seite bevorzugt gelaufen werden sollte; außerdem fühle ich mich viel besser, wenn ich weiß, dass ICH richtig gehe).
Watashi
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33. Densha, tetsudo; – die Bahn kommt (pünktlich)

Beitragvon Watashi » 20. Nov 2005 11:04

Willkommen zurück Freunde und Fans des Wortes der Woche. Nach der technisch bedingten Zwangspause versuche ich jetzt wieder jede Woche ein (oder mehrere) japanische Worte vorzustellen. Bitte verzeiht im Voraus, wenn ich mal wieder hinterher hänge, aber ich bin voller guter Vorsätze.

Da ja nun einige Wochen kein Wort der Woche gelaufen ist, ist es hoffentlich OK, dass ich heute etwas mehr schreibe. Wir steigen da ein, wo wir gestoppt wurden und widmen uns heute (und in den nächsten Wochen) dem Öffentlichen Personen (Nah) Verkehr.
Während die Deutschen furchtbar (gerne) Auto fahren, läuft in Japan viel mehr Verkehr mit Bahnen, Bussen oder U-Bahnen. Das hat ganz praktische Gründe, denn wenn die Millionen Pendler, die täglich nach Tōkyō müssen, mit dem Auto kämen, würden sie wahrscheinlich den ganzen Tag im Stau stehen, anstatt zu arbeiten (Auto fahren in Tōkyō ist so schon eine Strafe).

Der wichtigste Teil des japanischen Verkehrs ist aller Wahrscheinlichkeit nach:
電車 densha – die Bahn, der Zug;
DEN bedeutet elektrisch
SHA ist der Wagen,
die Bahn ist also wörtlich der „Elektrowagen“ (daraus lässt sich sehen, dass Dieselloks eher nicht so häufig sind), das kann sowohl die normale Eisenbahn betreffen als auch S-Bahnen.

Die Eisenbahn(gesellschaft) ist:
鉄道 tetsudō;
TETSU - Eisen
– der Weg; also der Eisenweg (da die Schienen aus Eisen sind, wie im Deutschen: Eisenbahn).
Die bekannteste Eisenbahngesellschaft ist natürlich die ehemalige Staatsbahn JR (Japan Railways), die heute eigentlich aus 6 Regionalgesellschaften besteht (Hokkaidō, Ost, Tōkai, West, Shikoku, Kyūshū). Die Unterschiede merkt man aber als normaler Kunde weniger.

JR betreibt auch den
新幹線 Shinkansen, den ersten Hochgeschwindigkeitszug der Welt (erste Strecke Tōkyō-Ōsaka zur Olympiade 1964);
SHIN - neu
KAN - Stamm
SEN –Strecke ; also die „Neue Stammstrecke“ (?!) oder so.
Weil die japanischen Bahnen Schmalspurweite haben (aus England übernommen) und Hochgeschwindigkeitszüge darauf nicht fahren können, mussten für den Shinkansen völlig neue Trassen gebaut werden. Daher neue Strecke. Das hat auch den Vorteil, dass Unfälle auf Nahverkehrsstrecken sich nicht auf die Shinkansen auswirken.
Im Moment gibt es Shinkansen im Bereich von JR Ost, Tōkai, West und seit neuestem auch auf Kyūshū. Besonders JR Tōkai besteht überwiegend nur aus dem Tōkaidō-Shinkansen von Tōkyō nach Ōsaka und ist deshalb die profitabelste JR-Gesellschaft, da der Nahverkehr auch in Japan eher unprofitabel ist.

Neben den JR-Gesellschaften gibt es aber auch noch einen Haufen Privatbahnen, die nur bestimmte Strecken befahren, allein am Bahnhof Shinjuku (in Tōkyō) fahren neben JR Ost noch Keiō, Odakyū, Seibu und zwei U-Bahngesellschaften (im Großraum Tōkyō sind es mindestens 7 Privatbahnen plus U-Bahn).
Japanische Züge sind im Vergleich zu deutschen vor allem pünktlich (obwohl ältere Japaner sagen, dass sie in der guten alten Zeit noch viel pünktlicher waren). Wenn man drei Minuten Verspätung hat, entschuldigt sich der Zugführer für jede der drei Minuten (mehrfach). (Soviel zum Thema „Drei Minuten sind zuviel“.)
In den Ballungsgebieten (also vor allem Tōkyō, Ōsaka) fahren die Züge auch deutlich häufiger als in Deutschland. Auf der Chūō-sen (Linie, die Pendler von Westen nach Tōkyō bringt), in deren Nähe ich mal gewohnt habe, fuhr zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr morgens die Züge im 2 Minuten-Takt (da fallen auch eventuelle Verspätungen nicht wirklich auf). Hier gibt es dann auch die Männer mit den weißen Handschuhen, die Passagiere in die ohnehin überfüllten Züge quetschen (ich habe es vorgezogen, 20 Minuten und 10 Züge zu warten, ehe ich mich am äußersten Ende hineingezwängt habe).
Die Yamanote-sen (Ringlinie in Tōkyō) fährt tagsüber nie seltener als alle fünf Minuten. Deshalb schaut man in Tōkyō eigentlich nur auf den Fahrplan, um festzustellen, wann die erste und wann die letzte Bahn fährt (das sollte man wissen, da zwischen etwa 0.00 Uhr und 4.30 Uhr eine Lücke ist).

Ich könnte noch eine Ewigkeit weiter schreiben (ich bin ein Fan japanischer Bahnen), aber ich denke zum Einstieg reicht das erstmal. Also dann bis nächste Woche.
Zuletzt geändert von Watashi am 27. Nov 2005 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
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34. bas(u) – Bus

Beitragvon Watashi » 27. Nov 2005 11:02

Während das Zugsystem oder die U-Bahn zumindest in Tōkyō und Ōsaka auch für Ausländer nach einer kurzen Einführung gut zu benutzen sind, stellt das Bussystem deutlich größere Ansprüche an den Passagier.
Sprachlich ist es erst einmal kein großes Problem:
バス bas(u) – Bus ist schließlich ein Lehnwort aus dem Englischen.

Aber schon Bushaltestelle kommt leider nicht von bus stop, sondern ist gemischt:
バス停 bas(u)-tei (Kurzform von バス停留所 bas(u) teiryū-jo).
TEI bedeutet erstaunlicherweise „anhalten“,
RYŪ bedeutet, hm, auch „anhalten“,
JO, SHO ist der „Platz“ (gleiches Kanji wie in baSHO).

Busse dienen in der Regel der Passagierbeförderung zwischen den Bahnhöfen, die nicht durch Zugverbindung direkt zu erreichen sind, und in Innenstädten und anderen Gegenden, die keine Bahnhöfe haben. Leider ist die Versorgung mit lateinischen Buchstaben beim Bussystem nicht sehr ausgeprägt (OK, in Kyōto ist im Bus eine Anzeige, die zuweilen die nächste Haltestelle auch auf Englisch anzeigt, aber in der Tōkyōter Gegend ist dem nicht immer so).

Es gibt Busse mit Einheitsfahrpreis, die meisten anderen funktionieren aber nicht so einfach. Dort steigt man hinten ein und nimmt ein
整理券 seiri-ken, ein Ticket mit einer Nummer drauf.
SEI heißt „vorbereiten, in Ordnung bringen“,
RI „Grund, Prinzip“, zusammen heißt seiri dann „aufräumen, in Ordnung bringen“
KEN ist das „Ticket“, die „Fahrkarte“; seiri-ken ist also das „Ordnungsticket“, das den Fahrpreis regelt;
vorne hat der Bus eine Anzeige mit den Nummern der seiri-ken und den jeweils aktuellen Fahrpreisen für jede Nummer, die mit der gefahrenen Strecke langsam (oder auch schneller) ansteigen. Beim Aussteigen wirft man dann seiri-ken und den gerade bei seiner Nummer angezeigten Fahrpreis beim Fahrer in eine Box, bevor man vorne aussteigt. (Jetzt muss man nur noch wissen, an welcher Haltestelle man aussteigen muss.)

Neben den Nahverkehrsbussen in bahnhoffreien Zonen gibt es auch noch
高速バス kōsoku bas(u) – Überlandbusse, die statt der nationalen Zugverbindungen (etwa den Shinkansen, aber auf weit mehr Strecken) benutzt werden können.
– hoch,
SOKU – Geschwindigkeit; also „Hochgeschwindigkeitsbusse“, die die Autobahnen benutzen. Diese brauchen deutlich länger als die Shinkansen, sind allerdings auch deutlich billiger und es gibt auch welche, die über Nacht fahren, so dass man eine Übernachtung sparen kann (das hat mich aber bisher noch nicht genug überzeugt, um mir das wirklich anzutun). Bei den Überlandbussen muss man in der Regel vorbestellen, insbesondere bei beliebten Strecken.

Insgesamt ist das Bussystem in Japan sicherlich nicht gerade schlecht ausgebaut, für Ausländer aber oft etwas (sehr) verwirrend. In Kyōto beispielsweise hat man aber kaum eine andere Wahl, da es keine S-Bahnen und nur zwei bedingt praktische U-Bahnlinien gibt.
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35. chikatets(u) – die U-Bahn

Beitragvon Watashi » 4. Dez 2005 09:36

Obwohl jetzt schon Dezember und damit ein neuer Monat ist, bleibe ich noch eine Woche beim Thema Verkehr (durch die Unterbrechung haben sich meine Planungen etwas verschoben). Ich hoffe, dass ist OK.

Nachdem wir schon Bahn und Bus gefahren sind, fehlt nur noch ein Trip in der U-Bahn, um den ÖP(N)V zu vervollständigen. U-Bahnen gibt es dabei nur in den größten Städten, also etwa Tōkyō, Ōsaka oder Nagoya.

U-Bahn heißt 地下鉄 chikatets(u)
CHI - „Erde, Grund, Boden“
KA – „unten, unterhalb“
TETSU – „Eisen“ (wie in tetsudō, s. Eisenbahn);
地下鉄 chikatets(u) ist also das „Eisen, das unter der Erde ist“, übertragen also die „Untergrundbahn“.

Die meisten U-Bahnen werden von den Städten betrieben (beispielsweise Ōsaka, Kyōto), in Tōkyō gibt es eine städtische und eine privat betriebene U-Bahn. Die städtische ist die
都営地下鉄 toei chikatets(u);
TO – „Hauptstadtpräfektur“ (Präfekturbezeichnung, die nur für Tōkyō benutzt wird)
EI – „durchführen, planen, veranstalten“, also die „U-Bahn, die von der Präfektur Tōkyō betrieben wird“.
Die private hieß lange Eidan chikatets(u) (Eidan - der Betreiber), wurde aber vor ein paar Jahren umbenannt und heißt jetzt:
メトロ Metro, das ist leichter zu merken, ansonsten hat sich aber nichts verändert.
In Tōkyō muss man wegen der zwei Betreiber darauf achten, ob man von der städtischen U-Bahn zur Metro wechselt oder umgekehrt, weil dann der Fahrpreis steigt. Der Umstieg ist aber prinzipiell in der Regel problemlos möglich (die Systeme sind nicht baulich völlig getrennt).

Ein anderes Problem hat man in Kyōto: Immer, wenn man anfing zu buddeln, stieß man auf historisch wertvolle Gebäude (der Fluch von über 1000 Jahren Hauptstadt; ähnlich in Rom oder Athen), weshalb Kyōto bis heute nur zwei U-Bahnen hat (eine in Nord-Süd-Richtung und eine von Westen nach Osten). Diese sind aber für Touristen relativ nutzlos, weil die bekannten Touristen-Highlights eher in den Ecken der Stadt liegen, so dass man Bus fahren muss. Dem Straßenverkehr in Kyōto tut die beinahe U-Bahnlosigkeit auch nicht wirklich gut, so dass man für die Busstrecken auch noch etwas Zeit einplanen sollte.
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36. shukujits(u) – Feiertage (für Japan)

Beitragvon Watashi » 11. Dez 2005 12:29

Da bei uns ja in den nächsten Wochen eine Reihe von Feiertagen anstehen, sollten wir uns doch einmal ansehen, was Japan an Feiertagen zu bieten hat:

Feiertag allgemein ist
祝日 shukujits(u);
SHUKU – feiern, gratulieren (auch als 祝する shuk(u) suru – „feiern“ zu verwenden)
JITSU, hi – Tag.

Die staatlichen Feiertage sind
国民の祝日 kokumin no shukujits(u);
KOKU – Land
MIN – Nation, Volk;
国民 kokumin bedeutet auch Nation, Volk;
国民の祝日 kokumin no shukujits(u) sind also die nationalen Feiertage, die in ganz Japan frei sind. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Läden aber an Feiertagen geöffnet, so dass sie sich hervorragend zum Einkaufen eignen.

Nun haben die meisten sicherlich schon gehört, dass japanische Arbeitnehmer relativ wenig Urlaub haben und den auch nicht ganz nehmen. Aber dafür haben sie 14 (!) Feiertage (nur die Kaufhausangestellten etc. haben wohl verloren):

元日 ganjits(u) – Neujahr (1.1.)
成人の日 seijin no hi – Tag der Jugend (2. Montag im Januar)
建国記念の日 kenkoku ki’nen no hi – Tag der Staatsgründung (11.2.)
春分の日 shunbun no hi – Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche (ungefähr 21.3.)
みどりの日 midori no hi – der grüne Tag (29.4.)
憲法記念日 kempō ki’nen-bi – Verfassungstag (3.5.)
こどもの日 kodomo no hi – Tag der Kinder (5.5.)
海の日 umi no hi – Tag des Meeres (3. Montag im Juli)
敬老の日 keirō no hi – Tag des Respekts vor den Alten (3. Montag im September)
秋分の日 shūbun no hi – Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche (ungefähr 23.9.)
体育の日 taiiku no hi – Tag des Sports (2. Montag im Oktober)
文化の日 bunka no hi – Tag der Kultur (3.11.)
勤労の日 kinrō kansha no hi – Tag des Dankes an die Arbeit (?) (23.11.)
天皇誕生日 tennō tanjō-bi – Tennō-Geburtstag (23.12.)

Und das Schöne daran ist, fällt ein Tag auf einen Sonntag, ist der folgende Montag frei, damit der Feiertag auch nicht vergessen wird. Deshalb wurden einige Tage inzwischen fest auf Montage gelegt (früher hatten fast alle Feiertage feste Daten).

Bevor man nach Japan reist, sollte man sich vorher informieren, welche Feiertage eventuell in die Zeit fallen, weil beispielsweise kleinere Postämter dann geschlossen sind. Außerdem haben viele Museen montags geschlossen, außer, wenn der Montag auf einen Feiertag fällt, dann ist der folgende Dienstag geschlossen. Darüber sollte man sich tunlichst vorher informieren (glaubt mir).
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37. Golden Week – die „Goldene Woche“

Beitragvon Watashi » 18. Dez 2005 11:09

Letzte Woche haben wir uns die Feiertage in Japan angesehen. Dem aufmerksamen Leser mag dabei aufgefallen sein, dass es eine gewisse Häufung Ende April Anfang Mai gibt (29.4., 3.5., 5.5.). Und da die Japaner praktisch veranlagt sind, werden Tage zwischen zwei Feiertagen, wie der 4.5., auch frei gemacht. Das nennt man dann

休日 kyūjitsu – freier Tag (kein nationaler Feiertag, aber trotzdem frei);
kyū – frei, Pause, Urlaub, ausruhen,
jitsu – Tag.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wird der 4.5. ab 2007 aber auch eine echter Feiertag; der 29.4. wird 昭和の日 Shōwa no hi – der Shōwa-Tag, weil es früher des Geburtstag des Shōwa-Tennō war (Vorgänger und Vater des jetzigen Tennō) und der 4.5. wird みどりの日 midori no hi – der grüne Tag.

Und wenn ohnehin schon drei Tage in der Woche frei sind, machen manche Unternehmen oder Angestellte die restlichen Tage der Woche auch frei und mit einem oder zwei Sonntagen entsteht so
連休 renkyū - eine Reihe von freien Tagen;
ren – miteinander verbunden, aufeinander folgen (wie in 連勝 renshō – Siege in Folge),
kyū – frei etc. wie oben.
Das funktioniert wie bei den Brückentagen in Deutschland.

In dieser einen Woche ist ganz Japan auf den Beinen (ganz Japan? – nein, eine kleine Gruppe unglücklicher Kaufhausangestellter, Supermarktkassierer etc. muss doch arbeiten) und reist durchs Land.
Das Ganze wird als
ゴールデンウィーク Gooruden Wiiku – Golden Week („Goldene Woche“) bezeichnet und als Ausländer mit etwas Zeit sollte man sich gut überlegen, ob man versucht, ebenfalls durchs Land zu reisen, da die meisten Shinkansen, Flugzeuge und Hotelzimmer ewig im Voraus ausgebucht sind oder die Preise dramatisch ansteigen.

Alle paar Jahre kann es jetzt auch vorkommen, dass im Herbst der Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche und der Tag des Respekts vor den Alten in eine Woche fallen (da beide nicht auf ein Datum festgelegt sind). Dann kann von Sonntag (ohnehin frei) über Montag (Feiertag), Dienstag (freier Tag, da eingeklemmt) und Mittwoch (wieder Feiertag) noch eine Reihe freier Tage entstehen, die auch als
秋のゴールデンウィーク aki no gooruden wiiku – Golden Week des Herbstes;
aki – Herbst,
no – Partikel, die Zugehörigkeit anzeigt (Genitiv),
ゴールデンウィーク gooruden wiiku – Golden Week,
bezeichnet wird. Das nächste (und aufgrund einer Gesetzesänderung erste) Mal wird dies 2009 der Fall sein.
Watashi
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38. merii k(u)risumas(u) – Frohe Weihnachten

Beitragvon Watashi » 23. Dez 2005 12:44

Dieses Mal etwas zu früh, dafür nächstes Mal zu spät (erst ab 5.1.), tut mir leid, aber zwischendurch bin ich im Urlaub ;-).

Bei uns ist diese Woche Weihnachten, das ist kaum zu übersehen. Da Weihnachten aber nun entschieden christlichen Ursprungs ist, hat es sich in Japan nicht ganz so verbreitet wie bei uns, zumal nur etwa 1 % der Japaner Christen sind.

クリスマス k(u)risumas(u) kommt vom englischen „Christmas“, also
メリークリスマス merii k(u)risumas(u) ! – Merry Christmas! oder Frohe Weihnachten!

Weihnachten wird in Japan kaum gefeiert, aber das, was passiert, hat seine japanischen Eigenheiten:
- So gibt es in den Städten, Kaufhäusern oder Unis etc. durchaus Weihnachtsdekorationen, da Weihnachten jedoch zu nah an Neujahr liegt, was das wichtigste Familienfest in Japan ist, muss die Weihnachtsdeko ziemlich früh weichen. So wird sie in der Regel am 25. Dezember (also eigentlich zum Beginn der Weihnachtstage) abgenommen. Selbst an der Uni, an der ich studiert habe, obwohl das eine „christliche“ Universität war.
- Des Weiteren gilt Weihnachten vielen Japanern als „Fest der Liebe“ im wahrsten Sinne des Wortes, das man mit dem Freund/Freundin oder Ehepartner verbringt. Als Familienfest hingegen ist es eher unbedeutend.
- Japanische Kaufhäuser lassen sich nie eine Möglichkeit entgehen, einen Sonderverkauf mit Sonderangeboten zu machen.
セール seeru – Sonderverkauf kommt auch aus dem Englischen von „sale“.
So gibt es neben Neujahrs-Sales, Valentins-Sales, Frühlings-Sales, Golden Week-Sales, … eben auch „Christmas-Sales“.
- Bei einer Umfrage über religiöse Gebräuche in Japan wurde herausgefunden, dass der häufigste angeblich der „Weihnachtskuchen“ ist.
クリスマスケーキ k(u)risumas(u) keeki – Christmas cake oder Weihnachtskuchen,
das ist ein Sahne- oder Buttercremetorte mit Erdbeeren und Schokolade. Das hat zwar für die Japaner nicht wirklich einen religiösen Hintergrund, aber wer’s mag…

Und nun Freunde, Fans und versehentlich Leser des Wortes der Woche beschließe ich mein erstes Jahr und hoffe, euch alle im neuen Jahr wieder begrüßen zu dürfen, wenn wir weitermachen mit
39. shōgatsu - Neujahr.
Watashi
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