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Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Japan, Japaner und deren Sprache

Moderator: Watashi

Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 9. Dez 2017 18:28

9. Wir sitzen alle im selben Fassboot

Jetzt habt ihr mich erwischt. Ich hatte wirklich gedacht, dass ich die Fassboote von Sado schon hatte. OK, dann liefere ich das jetzt nach:

Wir fahren also zurück ans oder besser ins Japanische Meer, auf die Insel Sado. Da waren wir ja schon mehrfach, aber wohl noch nicht in Ogi (Schande auf mein Haupt). In Ogi müssen wir zum Hafen fahren, der erst einmal aussieht wie jeder andere kleine Hafen.

9a_Ogi am Hafen.jpg


Hier rotten sich jedoch merkwürdige Frauen zusammen, in traditioneller Tracht und das mitten am Tag an einem ganz normalen Arbeitstag.

9b_Frauenpower.jpg


Warum tun sie bloß so?
Die Antwort auf die Frage ist das besagte Fassboot, taraibune たらい船.
たらい tarai ist ein Waschbottich oder Zuber, eben so eine Art großes Fass
fune oder in Zusammensetzungen -bune ist ein Schiff oder Boot.
Und so sehen die Dinger dann auch aus, wie ein großes Fass oder ein Zuber, der so abgedichtet wurde, dass das Ergebnis schwimmen kann.

9c_das Fassboot.jpg


Diese Boote wurden früher von den Frauen genutzt, um an der Steilküste oder an Felsen sitzende Meerestiere einzusammeln.

9d_Frauenpower im Fassboot.jpg


Heute werden sie allerdings in erster Linie benutzt, um Touristen durch den Hafen von Ogi zu fahren und natürlich dabei zu fotografieren. Wir sind schließlich in Japan.

9e_alle in einem Boot.jpg
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Tsubame » 9. Dez 2017 19:54

Der Kirschblütengullideckel sieht glatt wie eine schön gestaltete Tsuba aus.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 10. Dez 2017 19:28

10. Ich will Kühe

Da wir nun einmal auf Sado angekommen sind, bleiben wir erst einmal auf Sado (das habt ihr jetzt davon...). Und heute wandern wir auf die Donden-Hochebene, Donden Kôgen.

Erst fahren wir so hoch, wie wir bisher auf Sado noch nicht gefahren sind, bis zum Parkplatz vor dem Donden Sansô, dem Donden Berghaus (hier kann man rasten, essen, duschen oder übernachten). Am Eingang zu unserem Wanderweg finden wir eine Karte mit zwei vielversprechenden Fotos. Und auf dem oberen sehen wir (oder würden sehen, wenn die Qualität des Fotos besser wäre) neben dem Donden Teich das Sado-Rind, eine alte und qualitativ hochwertige Rinderrasse; manche sagen, besser als Kobe-Rind.

10a_Karte mit Kühen.jpg


Na dann ist ja alles klar. Der Wegpfeiler sagt uns noch 1,3 km bis zum Donden Teich. Auf geht's.

10b_Teich da lang.jpg


Die 1,3 km ziehen sich allerdings etwas, da der Weg oftmals steil bergan geht und zum Teil etwas schwer zu finden ist. Immer den Berg rauf erscheint aber wie eine gute Idee. Also, weiter geht's.

10c_den Berg rauf.jpg


Nachdem wir gestern in Ogi auf Meereshöhe waren, steigen wir heute fast einen Kilometer höher. Während unserere Wanderung kommen wir am höchsten Punkt unserer heutigen Tour vorbei, auf 940 m. Zumindest ist der Weg nun besser zu finden.

10d_ganz oben.jpg


Und dann sehen wir ins Tal herunter, wo der Donden Teich ist. Und... keine Kühe (und das liegt nicht an der Qualität des Fotos). Eine Hütte, der Teich, eine Wiese, aber nicht eine einzige Kuh. Aber abgesehen davon, ist das ein wirklich schönes Bergpanorama, auch wenn man vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht, dass wir uns auf einer Insel in Japan befinden.

10e_keine Kühe.jpg


Und morgen sehen wir uns mal links und rechts des Weges um und genießen die Blicke über die Insel und aufs Wasser. Sonst wären wir ja fast umsonst hier rauf gestiegen.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 11. Dez 2017 20:48

11. Berge und Meer

Nachdem wir ja nun zur Donden Hochebene hinaufgestiegen sind, wollen wir doch das beste draus machen (auch ohne Kühe). Also sehen wir uns die Bergwelt von Sado an. Und hinter den Bergen erstreckt sich das Japanische Meer, Sado ist schließlich eine Insel.

11a_Berge und Meer.jpg


Und wenn wir in einem der Täler genau hinsehen, können wir die Straße sehen, über die wir von den Westküste der Insel kommend hoch gefahren sind. Und die war noch viel enger und steiler als es auf dem Foto aussieht. Die fällt definitiv in die Kategorie einmal und nie wieder.

11b_Straße mehr oder weniger.jpg


Auf dem Rückweg sehen wir dann wieder Richtung Zentralsado. Und natürlich Richtung Bucht von Ryotsu, wo die Fähre anlegt, und dem Kamo-ko, dem größten See auf Sado (auch ohne Kühe).

11c_See und Meer.jpg


Und dann kommen wir wieder beim Donden Sansô heraus. Von hier werden wieder Richtung Tiefebene starten; aber nicht mit dem Fahrrad, keine Sorge. Wir nehmen das Auto.

11d_Berghütte.jpg


Und mit dem Auto begeben wir uns dann auf den Abstieg oder die Abfahrt, dieses Mal Richtung Ostküste.

11e_Straße mehr mehr.jpg


Und das ist die bessere der beiden Straßen, die deutlich bessere.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 12. Dez 2017 21:16

12. Was ist ein Name? Was uns Silber heißt, wie es auch hieße...

Heute machen wir mal wieder was total Touristisches aus der Abteilung: Und den hatten wir wirklich noch nicht?

OK, heute geht es auf zum Jishô-ji, einem Tempel in Kyotô. Dieser ist so etwas wie das Gegenstück zum Rokuon-ji, den wir vor ein paar Jahren schon einmal besucht haben. Wer also gut aufgepasst, hat kann sich vielleicht denken, wie der Hase läuft.

Alle anderen betreten jetzt erst einmal das Tempelgelände, das einen berühmten Garten umfasst, der angeblich vom legendären Gartenbauer Sôami gestaltet wurde. In dessen Herz liegt ein Steingarten, der Ginshadan.

12a_der mit dem Garten.jpg


Daneben gibt es einen berühmten Sandhügel, den Kôgetsudai. Das bedeutet in etwa "Mondbetrachtungsplattform". Normalerweise würde man eine Plattform erwarten, von der man den Mond betrachten kann, in diesem Fall soll es aber bedeuten, dass die Plattform aussieht, wie der Mond.

12b_der mit dem Mond.jpg


Und dann kommen wir zum Herzstück, der Kannon-dô. Diese ist allerdings unter einem anderen Namen bekannt: Ginkaku, der Silberne Pavillon. OK, er ist nicht wirklich silbern, sollte aber mal in Anlehnung zum Goldenen Pavillon (der wirklich golden ist) mit Blattsilber überzogen werden. Das wurde allerdings so lange aufgeschoben, bis der ursprüngliche Erbauer verstorben war und das ganze Projekt abgesagt wurde. Trotzdem ist das Gebäude und in Erweiterung der ganze Tempel als Silberner Pavillon, Ginkaku-ji, bekannt.

12c_der mit dem Pavillon.jpg


Und wenn man sich ein bisschen Glück mitnehmen will, hinterlässt man einfach etwas (Geld).

12d_der mit dem Glück.jpg


Am Ende gehen wir ein bisschen höher und können uns das ganze Gelände als Einheit ansehen.

12e_der mit dem Aufstieg.jpg


Und morgen sage ich euch dann, warum wir hier überhaupt herumsteigen.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 13. Dez 2017 20:36

13. Hinauf, hinauf

Wir wollten (oder sollten?) ja sehen, wo uns der Weg oberhalb des Ginkaku-ji hinführt. Hinter dem Tempel erhebt sich nämlich der Daimonji-yama, auf den man relativ einfach hinaufsteigen kann. Zumindest wenn man es nicht im Sprint die Treppen rauf versucht, wie mein Bruder. Hint: "...a long flight of steps..." (Lonely Planet) kann mehr als eine Treppe sein. Dann kann der Aufstieg am Ende sehr lang werden.

Also, folgt meinem jüngeren Ich den Berg hinauf.

13a_rauf auf den Berg.jpg


Oben finden wir einen kleinen Tempel, der dem Kôbô Daishi, Japans wichtigstem buddhistischen Heiligen gewidmet ist. Hier kann man sich nach dem Aufstieg ausruhen.

13b_oben.jpg


Und ansonsten hat man von hier oben einen großartigen Blick über Kyôto. Und man kann sehen, dass Kyôto bei allen alten Tempeln, Schreinen und Palästen in erster Linie eine moderne Großstadt ist.

13c_Kyoto von oben.jpg


Und wir können einen mysteriösen Weg links unten am Berg sehen, der mit dem Namen Daimonji-yama zusammenhängt. Denn das ist nicht einfach nur ein Weg.

13d_Hinweis.jpg


Aber das erzähle ich euch morgen.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 14. Dez 2017 13:59

14. Daimonji - das große Zeichen

Heute Abend ist die Weihnachtsfeier unseres Unternehmens und komme ich dann vermutlich nicht zum Posten. Daher kommt das 14. Türchen etwas früher als üblich.

Wir haben ja gestern auf dem Daimonji-yama gestanden und uns gefragt, was der Name eigentlich bedeutet. OK, vielleicht habt ihr euch das auch nicht gefragt, ich erkläre es trotzdem.

大文字山 Daimonji-yama besteht aus:
dai bedeutet "groß"
mon ist "Satz" oder "Muster"
ji ist "Zeichen"; 文字 monji ist zusammen das "Schriftzeichen" oder der "Buchstabe"
-山 -yama hatten wir schon mehrfach, das heißt "Berg"

Der Daimonji-yama ist damit der "Berg des großen Schriftzeichens" oder auch der "Berg des Schriftzeichens Groß". In diesem Fall stimmt sogar beides.

Einmal im Jahr gibt es das Festival 五山送り火 Gozan no Okuribi am 16.08., an dem überdimensionierte Schriftzeichen auf fünf Bergen (五山 gozan) um Kyôto herum durch Feuer (火 -bi) dargestellt werden, um die Geister der Ahnen, die zu O-bon Anfang August zurückkehren, wieder zu verabschieden (送り okuri-).

Auf diesen Bergen gibt es verschiedene Schriftzeichen oder Darstellungen:

Myō/Hō 妙・法 ("wunderbarer Buddha") auf dem Matsugasaki (leider habe ich nur Myō auf dem Foto; und das auch nicht vollständig)

14a_myo.jpg


Toriigata 鳥居形 (ein Shintô-Schreintor) auf dem Toriimoto

14b_torii.jpg


Hidari Daimonji 左大文字 (das westliche Zeichen "Groß") auf dem Daihoku-San; das ist wirklich das japanische Kanji für "Groß", also unser 大
sowie rechts davon
Funagata 舟形 (in Form eines Schiffes) auf dem Nishigamo

14c_das andere daimonji.jpg


und unser Daimonji 大文字 auf dem Daimonji-yama, das auch das japanische Kanji 大 dai für "Groß" oder "großartig" darstellt (man könnte meinten, Donald Trump hätte diese Zeichen ausgesucht - Great)

14d_daimonji.jpg


Leider habe ich letzteres nur schräg von der Seite bekommen, als ich von Bekannten zu einem (vermutlich sündhaft teuren) Abendessen in einem sich drehenden Restaurant eingeladen war, von wo man alle fünf Berge sehen konnte.

Der kleine buddhistische Tempel auf dem Daimonji-yama, vor dem wir gestern gestanden haben, steht auf dem Querbalken des 大, der mysteriöse Weg ist ein Teil des rechten Schenkels des Zeichens. Auf diesen Wegen werden die Feuer aufgehäuft und angezündet, so dass die einzelnen Zeichen genau nach Zeitplan 30 Minuten lang brennen.
Wenn ihr auf der Karte genau links von der Markierung für Tag 13 schaut, könnt ihr vielleicht ein auf der Seite liegendes 大-Zeichen dort erkennen, die Spitze zeigt nach rechts, die Schenkel nach links.

PS: Ich werdet die Fotos vermutlich vergrößern müssen, um die Zeichen zu erkennen. Sorry, ich war weit weg und meine Kamera nicht die beste.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 15. Dez 2017 20:54

15. Von Bahnhöfen und Reisenden oder wie man früher in Japan Bahn gefahren ist

Heute sehen wir uns an, wie man früher in Japan mit dem Zug gefahren ist und stellen fest, dass sich am Grundprinzip, anders als an der Technik, gar nicht so viel geändert hat.

Wir besuchen zu diesem Zweck Izumo, das ist die Stadt mit dem zweitwichtigsten Schrein des Shintô. Und das ist eine Stadt, wo man eine alten Bahnhof besichtigen kann. Dieser wurde 1912 eröffnet und war bis 1990 im Dienst bis die JR Taisha Line geschlossen wurde. Die Gleise und anderen Bahnhöfe sind seitdem verschwunden, der ehemalige Bahnhof Taisha ist hingegen ein Museum.

Das Bahnhofsgebäude, wie man es heute sehen kann, ist von 1924. Damit ist es eines von nur drei Bahnhofsgebäuden aus der Taishô-Zeit (1912-1926), die noch existieren. Die anderen beiden sind Tokyo Station und Mojiko Station in Kita-Kyushu.

15a_alter Bahnhof.jpg


Im Inneren sind verschiedene historische Bahnhofeinrichtungen erhalten worden. Als erstes musste der Kunde herausfinden, wieviel sein Trip kostet, um dann ein Ticket am Schalter zu kaufen. Dafür gab es über dem Schalter eine große Tafel mit Zielen und Preisen. Solche Tafeln kann man bis heute in den Bahnhöfen finden, auch wenn man das Ticket heute aus dem Automaten zieht.

15b_alte Preistafel.jpg


Hat man sein Ticket, muss man erst einmal auf den Bahnsteig kommen. Im Gegensatz zu Deutschland, kann man nur mit einer gültigen Fahrkarte überhaupt dorthin kommen. Heute gibt es dazu in den meisten Orten Automaten, früher gab es bemannte Ticketkontrollen. Natürlich konnte man früher aber durch die Sperre hindurch gehen, da war keine Wand dahinter.

15c_alte Ticketsperre.jpg


Wenn man mit dem Zug gefahren und am Endbahnhof angekommen war, musste man selbstverständlich wieder durch eine Ticketsperre, sonst könnte man ja mit dem billigsten Ticket überall hin fahren. Stellte man aber fest, dass man ein zu billiges Ticket gekauft hat, konnte man an einem Schalter vor der Ticketsperre die Differenz des Fahrpreises entrichten, bevor man durch die Ticketsperre ging. Auch heute gibt es noch dieses Fare Adjustment, natürlich am Automaten (sieht hier noch jemand ein Muster?).

15d_altes Fare Adjustment.jpg


Inzwischen kann man den Fahrpreis auch per Prepaid-Karte bezahlen, das erspart das Suchen des korrekten Preises und das Kaufen einer Fahrkarte. Sollte das Guthaben am Zielort nicht mehr reichen, muss man aber doch wieder zum Fare Adjustment. Noch besser (aber für Ausländer eher schwierig) ist das Bezahlen per Touch mit dem Handy oder der Kreditkarte. Da fällt dann auch das Fare Adjustment weg.
Man kann aber immer noch den Fahrpreis von der Übersicht ablesen, ein passenden Ticket kaufen, durch die Ticketsperre gehen, mit dem Zug fahren und einen eventuell fehlenden Preis nachentrichten. Nur eben alles am Automaten.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 16. Dez 2017 20:31

16. Von Automaten, weißen Handschuhen und Schlagestehen oder: wie man heute in Japan Zug fährt

Nachdem wir uns gestern angesehen haben, was einen traditionellen japanischen Bahnhof ausmacht, sehen wir uns heute an, was einem in der Gegenwart so beim Zugfahren passieren kann.

Zuerst brauchen wir natürlich ein Ticket. Dieses können wir heute am Automaten kaufen; zumindest in den meisten Bahnhöfen des Landes, auf Kleinstbahnsteigen kann es auch sein, dass man es erst im Zug kauft. In Großstädten hingegen ist ein Automat nicht genug, sondern Ticketautomaten treten immer im praktischen Mehrpack auf.

16a_Tickets heute.jpg


Über diesen Automaten findet sich noch heute eine Preisübersicht. In Tokyo jedoch nicht als einfache Liste, sondern in Form eines Linienplans. Der rote hinterlegte Bahnhof mit dem großen, roten Pfeil ist der Bahnhof, auf dem wir stehen (Shinjuku), alle Preise berechnen sich von diesem Bahnhof aus. Am Automaten können wir jetzt den gewünschten Fahrpreis auswählen und ein, zwei oder drei Tickets auf einen Schlag kaufen. Wir können aber auch eine Prepaid-Karte (bei JR East die Suica) kaufen oder aufladen, wenn wir nicht jedes Mal eine neues Ticket kaufen wollen. Inzwischen sind diese Karten auch für die unterschiedlichen Systeme kompatibel, mit der JR East Suica kann man also auch U-Bahn oder eine der Privatbahnen fahren (sowie an den Getränkeautomaten im Bahnhof oder in vielen Convenience Stores bezahlen).

16b_Automaten heute.jpg


Die Automaten sind ungemein praktisch, sie nehmen alle gängigen japanischen Geldscheine und wechseln auch in Scheine, so dass man auch ein 160 Yen Ticket mit einem 10000 Yen Schein zahlen kann, ohne 9840 Yen in Kleingeld zurück zu bekommen. Das bekommen meine Freunde von der Deutschen Bahn oftmals nicht so hin.

Dann gehen wir durch die automatische Ticketsperre und auf den Bahnsteig. Hier gibt es Markierungen auf dem Boden, an denen man sich aufstellen muss. Das funktioniert normalerweise auch sehr gut, nur wenn zur Rush Hour die Züge schon brechend voll ankommen, versuchen sich die Hintenstehenden doch noch irgendwie in den Wagen zu quetschen. Von ordentlichen Schlangen ist dann nicht mehr so viel zu sehen.

16c_einer geht noch rein.jpg


Und wenn man glaubt, es geht keiner mehr rein, gibt es ja noch die Mitarbeiter mit den weißen Handschuhen, die dafür sorgen, dass die Türen doch noch irgendwie schließen.

16d_und bist du nicht willig.jpg


Die hatten wir vor Jahren auch schon einmal im Adventskalender.

Ganz anders geht es auf den Shikansenbahnsteigen zu. Da nicht mehr Tickets verkauft werden als Reisende im Zug Plätze finden, wird hier ordentliches Schlangestehen erwartet. Dafür gibt es auch ordentliche Markierungen auf dem Boden. Aufgrund der hohen Frequenz, mit der die Züge starten, gibt es sogar zwei Schlangen: rot für den nächsten Zug und grün für den übernächsten. Ist der nächste Zug abgefahren, wechselt die grüne Schlange in die rote Markierung und bei grün stellen sich die Fahrgäste für den überübernächsten Zug auf.

16e_oder ganz gesittet.jpg


Zumindest bei den nicht-reservierten Sitzplätzen. Bei den reservierten wie auf dem Foto ist das eigentlich nicht nötig. Schließlich sind die Shinkansen pünktlich und es gibt keinen Grund, deutlich früher am Bahnsteig zu stehen (außer man will seinen Koffer loswerden, ohne ihn in die Gepäckablage über dem Sitz zu wuchten).
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 17. Dez 2017 20:29

17. Auf, auf, hinauf

Erinnert ihr euch noch an Shimonoseki, die Stadt am Ende von Honshû, die Stadt mit dem Kugelfisch? Oder an Moji, die Stadt am Anfang von Kyûshû? Heute sehen wir uns das mal von oben an.

Dazu fahren wir zum Hinoyama, einem Berg am Rande der Meerenge, am Rande von Shimonoseki. Hier gibt es eine Seilbahn, mit der man hinauf zum Hinoyama Park fahren kann, ganz bequem und ohne große Anstregung.

17a_da rauf.jpg


Schon in der Seilbahn können wir auf die Kanmon Meerenge und die gleichnamige Brücke schauen. Wir sehen auch die Gondel, die uns entgegen kommt. Leider sehen wir auch schon, dass die Sicht heute nicht die beste ist, aber man kann ja nicht alles haben.

17b_da drin.jpg


Oben angekommen werden wir erst einmal von etwas grimmig drein schauenden Steinfiguren begrüßt. Was will uns der Park damit sagen? Naja, so leicht werden sie uns jedenfall nicht los.

17c_da angekommen.jpg


Wir gehen also zum Aussichtspunkt und sehen über den Zugang zur Kanmon Meerenge. Links von diesem Bild beginnt der offene Pazifik. Oder man biegt nach links an der Küste von Honshû entlang oder rechts Richtung Kyûshû ab.

17d_da rüber.jpg


Zum Schluss sehen wir wieder Richtung Kanmon Brücke. Hier sehen wir verschiedene Orte, die wir in der Vergangenheit schon gesehen haben:
die Kanmon Brücke
den Eingang zum Fußgängertunnel sowie die Stadt Moji
den Karato Fischmarkt und den Hafen von Moji, wo die Fähre abfährt

17e_da drüber.jpg
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Tsubame » 18. Dez 2017 12:32

Warum ist das Jacket des eines Personals auf dem Bahnsteig an der linken, hinteren Seite hoch hochgestellt? (Bilder 16c und 16d)
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 18. Dez 2017 19:56

Tsubame hat geschrieben:Warum ist das Jacket des eines Personals auf dem Bahnsteig an der linken, hinteren Seite hoch hochgestellt? (Bilder 16c und 16d)


Da steckt das Funkgerät drunter, mit dem er mit seinen Kollegen kommuniziert. Von da läuft ein Kabel zum Mikrofon, das oben an der Uniform festgesteckt wird, wie bei dem Kollegen auf dem Foto zu sehen.

16f_außer Konkurrenz.jpg


Das Mikrofon in seiner Hand dient hingegen dazu, die Ansagen auf dem Bahnsteig zu machen.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 18. Dez 2017 20:19

18. Vor langer langer Zeit in Dazaifu

Die Stadt Dazaifu (die mit dem Tenman-gû) war ursprünglich mehr als nur ein Exilort für unliebsame Bürger von Kyôto. Zwischen 673 und etwa 1100 war Dazaifu das Regierungszentrum von Nord-Kyûshû, oder Tsukushi, wie es damals bekannt war. Dieser Landstrich galt als besonders invasionsgefährdet (und das lange vor den Mongoleninvasionen des 13. Jahrhunderts) und musste daher besonders geschützt und verwaltet werden.

Für das Verwalten war Dazaifu zuständig, das nicht direkt an der Küste und damit im Invasionsterritorium lag, sondern etwas zurückgesetzt. Hier gab es das große Verwaltungszentrum, das von zwei Burgen beschützt wurde. Hier war auch ein Zentrum der Diplomatie, da ausländische Gesandschaften in der Regel über Kyûshû nach Japan einreisten. Mit der zunehmenden Zentralisierung der japanischen Regierung in Kyôto verlor Dazaifu jedoch langsam an Bedeutung.

Leider ist davon heute nicht mehr richtig viel übrig. Man kann zum Platz des ehemaligen Verwaltungszentrums gehen, dort sind aber nur noch einzelne Umrisse zu erkennen. Aber allein an den Grundrissen kann man erkennen, dass dieser Gebäudekomplex früher riesig gewesen sein muss.

18a_Dazaifu.jpg


Heute erinnern allerdings erst einmal vor allem einige Gedenksteine an das, was einmal hier gestanden hat. Stehen tut an dieser Stelle sonst nicht mehr viel. Außer Touristen, natürlich.

18b_außer Steinen nicht viel los.jpg


Man kann aber über das ganze Gelände laufen und an den unterschiedlichen Grundrissen und Fundamenten erkennen, dass der Komplex aus einer ganzen Reihe von Gebäuden bestand.

18c_ein paar Fundamente.jpg


Dabei haben sich bei einzelnen Gebäuden die Fundamente der alten Säulen, im Endeffekt also einzelne Steine erhalten. Allein sind die vielleicht nicht so beeindruckend, wenn man aber bedenkt, dass sie im 1. Jahrtausend n. Chr. entstanden sind, werden die kleinen Reste doch wieder irgendwie spannender.

18d_und ein paar mehr Steine.jpg


Insgesamt gibt es natürlich beeindruckendere Ruinen in Japan. Von der historischen Bedeutung her ist der Verwaltungskomplex von Dazaifu allerdings etwas ganz Besonderes.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 19. Dez 2017 20:25

19. Zwei zum Preis von einem (oder eigentlich kostenfrei)

Wir bleiben in Dazaifu und gehen nur ein Stück nach Osten. Hier gibt es einen sehr alten Tempel, den Kanzeon-ji. Dieser wurde in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. gegründet. Damals war er einer der drei wichigsten Tempel des Landes.

Leider hatten die Gebäude nicht so richtig viel Glück mit den landesüblichen Naturkatastrophen. Nach zwei Bränden, einem Taifun und einem "normalen" Sturm war von dem Tempel im 17. Jahrhundert nicht mehr so richtig viel übrig. Die Lehnsherren von Fukuoka, die Familie Kuroda, stiftete dann eine neue Goldene Halle (die heute auch nicht mehr steht) und eine Lehrhalle. In Ermangelung anderer Gebäude ist das heute die Haupthalle des Tempels.

19a_Kanzeon-ji.jpg


Eines hat aber seit der Nara-Zeit (710-794) überlebt: Die große Tempelglocke. Damit ist sie eine der ältesten Glocken Japans und wird dementsprechend gut geschützt durch einen Maschendrahtzaun und hängt nicht einfach in der Gegend herum.

19b_Tempelglocke.jpg


Wenn man aber nah genug herangeht, kann man die Glocke doch in voller Größe und Schönheit und natürlich Alter bewundern.

19c_sehr alte Tempelglocke.jpg


Die heutige Haupthalle ist aber nicht das einzige, was vom einstigen Großtempel Kanzeon-ji übrig geblieben ist. Daneben steht ein kleinerer Tempel, der Kaidan-in. Dieser war bis 1703 ein Teil des Kanzeon-ji und wurde nach einer umfassenden Restaurierung im 17. Jahrhundert als eigenständiger Tempel ausgegliedert. Architektonisch sieht man auf jeden Fall eine Verwandtschaft mit dem großen Bruder.

19d_Kaidan-in.jpg


Und dann verlassen wir das Tempelgelände und wenden uns wieder der heutigen Welt zu. Beim Gehen blicken wir aber noch einmal zurück und können ein bisschen erahnen, wie groß das Tempelgelände einmal war. Und das ist nur der Kaidan-in.

19e_auf dem Weg.jpg
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 20. Dez 2017 21:51

20. Es war einmal ein Klo

Letztes Jahr haben wir uns die japanische Badekultur angesehen, jetzt wechseln wir vom Badezimmer aufs Klo. In Japan sind diese beiden Räume in der Regel getrennt, wenn es platzmäßig irgendwie geht. Bei meiner Wohnung damals konnte man zwar die Klotür kaum noch zubekommen, aber es war getrennt vom Bad.

Japaner hatten schon in der Jungsteinzeit erste Kanalisationen, vermutlich mit Toilettenanlagen. Das sollte uns nicht überraschen, schließlich haben wir die Japaner ja als sehr reinliches Volk kennen gelernt. Erste Wasserklosetts gab es in der Nara-Zeit, das war allerdings eher eine Rinne mit Wasser, über die man sich bei Bedürfnis einfach hockte (das habe ich im 21. Jahrhundert in Shanghai am Busbahnhof tatsächlich auch angetroffen).

Der einfache Bauer oder kleine Stadtbewohner konnte sich den Luxus eines Wasserklosetts aber nicht leisten. Ähnlich wie sein mitteleuropäisches Gegenstück hatte er ein Klohäuschen im Garten, wo man auch bei Wind und Wetter hingehen musste.

20a_alte Klokabine.jpg


Und hier gab es auch kein fließendes Wasser, sondern ein (un)freundliches Plumpsklo.

20b_altes Klos.jpg


Reichere Japaner hingegen konnten es sich leisten, das Klo in ihren Häusern zu integrieren. Das ganze sah dann schicker aus, war im Endeffekt aber auch so eine Hocktoilette, wo der Bedürftige sich erleichtern konnte. Ist natürlich viel schicker, für westliche Ausländer aber immer noch nicht das Nonplusultra.

20c_feudales Klo.jpg


Es gab aber auch schon frühe Urinale. Interessanterweise wurden diese durchaus auch von Frauen benutzt, die unter ihren Kimonos keine Unterwäsche trugen und so die Röcke einfach hochrafften und sich ans Urinal stellen konnten.

20d_altes Pissoir.jpg


Die meisten Toiletten heute haben mit diesen frühen Versionen nicht mehr so viel zu tun. Es gibt aber insbesondere bei öffentlichen Toiletten immer noch diese Hockversion, auf die man sich nicht setzen kann, sondern darüber balancieren muss. Meistens hat man aber auch ein westliches Klo zur Auswahl. In Privathaushalten sich Sitztoiletten inzwischen so üblich, dass viele Kinder, wenn sie in der Grundschule zum ersten Mal vor der klassischen japanischen Hocktoilette stehen, nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Und in vielen Schulen gibt es keine Sitztoilette zur Auswahl. Dafür gibt es extra Bilderbücher "Kann ich in der Schule aufs Klo gehen?"

Natürlich haben all diese Toiletten heute einen Wasseranschluss, so dass man nach erledigtem Geschäft die Überreste wegspülen kann. Alle, bis auf dieses Klo, das ich 2006 auf dem Bahnhof in der Stadt Iga gefunden habe.

20e_altes Klo.jpg


Und morgen sehen wir uns an, wie ein wirklich modernes japanisches Klo aussieht.
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 21. Dez 2017 21:28

21. Oh Klo, oh Klo, wie hast du dich verändert

Gestern haben wir gesehen, wie der traditionelle Japaner sein Geschäft verrichtet, heute sehen wir uns an, wie der moderne Japaner dabei vorgeht. Wie schon gesagt, sind die meisten Toiletten in Japan heute Sitztoiletten. Das heißt im Prinzip sind sie aufgebaut wie unsere Klos: Schüssel, Brille, Deckel, Spülung. Das häufigste Modell ist aber ein Washlet, ein Toilettensitz plus...

21a_modernes Klo.jpg


Wenn man sich hinsetzt, merkt man aber schon den Unterschied: der Toilettensitz ist beheizt. Das ist für viele Ausländer erst einmal merkwürdig, so als ob der Vorgänger gerade aufgestanden wäre, hat man sich aber erst daran gewöhnt, ist es wirklich angenehm.

Richtig spannend wird es aber erst, wenn man neben das Klo sieht, entweder direkt am Toilettensitz angebracht oder in die Wand neben dem Klo. Dort ist ein Bedienfeld, leider in der Regel mit japanischer Beschriftung. Zur besseren Erklärung habe ich das mal entsprechend übersetzt.

21b_moderne Bedienung beschriftet.jpg


Das Klo macht nämlich so ziemlich alles, es wäscht den Hintern oder die Vorderseite, trocknet mit heißer Luft, hat einen Luftabzug zur Geruchsminimierung und massiert das Gesäß. Das alles kann man natürlich auch einstellen, die Stärke, die Position des Wasserstrahls, den Modus.

Früher erzählte man sich unter Ausländern immer die Geschichten von anderen Ausländern, die ausprobieren wollten, was all die Knöpfe so machen, und dabei vom Kopf bis zum Gürtel klatschnass wurden. Heute gibt es meistens Drucksensoren, die verhindern, dass der Wasserstrahl auslöst, ohne dass jemand auf der Klobrille sitzt. Vorher hat es meine Mutter allerdings geschafft, im Kaufhaus Mitsukoshi den Fußboden unter Wasser zu setzen, weil sie schnell genug aus dem Weg gesprungen ist, als sie vor dem Klo stehend alle möglichen Knöpfe auf der Suche nach der Spülung drückte.
Hint: Die Klospülung ist häufig tatsächlich nicht im Bedienfeld, sondern direkt an der Toilette oder am Spülkasten. Bei der Version auf dem Bild ist der Knopf oben auf dem Bedienfeld (und offenbar hatten sie vergessen, das entsprechend zu beschriften).

Und nachdem wir jetzt schon alles für Sauberkeit und Geruchsarmut getan haben, bleiben nur noch die Geräusche, wenn man so auf dem Klo sitzt. Vielen Japanerinnen insbesondere ist das unangenehm. Früher wurde deshalb oft während der gesamten Sitzung das Wasser laufen gelassen, um die Geräusche zu übertönen. Aus Umweltgründen war die Lösung aber nicht nachhaltig. Daher gibt es heute die 音姫 otohime, die Ton-Prinzessin. Diese klingt wie eine japanische Göttin (die aber 乙姫 geschrieben wird) und ist ein Gerät, das während des Klogangs Geräusche macht, meistens das Laufen von Wasser. Einfach die Hand davor halten und es plätschert los.

21c_moderne oto-hime.jpg


Bei meinem letzten Tokyo Aufenthalt hat sich die Toilette im Hotel aber nicht mit diesen Funktionen begnügt. Wenn ich das Klo betreten habe, ging automatisch der Deckel der Toilette auf. Wenn ich mich hingesetzt habe, spülte sie kurz, um alles zu säubern. Wenn ich aufgestanden bin, spülte sie automatisch kräftig zur Entsorgung. Und dann klappte der Deckel wieder zu. OK, Männer hätten ein Knöpfchen drücken müssen, um auch die Klobrille anzuheben. Aber sonst hat das Klo alles allein gemacht. Nur sch..... musste ich noch selbst.

21d_modernstes Klo.jpg
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Jakusotsu » 22. Dez 2017 09:44

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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Konosato » 22. Dez 2017 11:52

Bei meinem Aufenthalt in Tokio für den Natsu Basho 2017 habe ich auch den beheizten Toilettensitz erlebt, eher eine unangenehme Sache für mich und ich habe mich ja zurück gehalten um einen diesen Knöpfe zu betätigen 8)
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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon tsunamiko » 22. Dez 2017 13:26

sehr interessant, aber welcher ist der alarmknopf?? du erinnerst dich?
...there are so many different ways that lead to the gods
so many ways that lead to enlightment


but only one way that leads to the next gucci boutique...........


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Re: Ein tatsächlich pünktlicher Adventskalender

Beitragvon Watashi » 22. Dez 2017 20:18

22. Ein Spaziergang in der Sonne

Der Adventskalender geht auf die Zielgerade, das Wetter in Deutschland eher nicht. Deshalb habe ich für die nächsten beiden Tage etwas mit viel Sonne herausgesucht. Wer das also nicht sehen möchte, der lese nun nicht weiter.

Wir fahren kurz vor Ende in die Präfektur Ôsaka, in die Stadt Sakai. Hier wollen wir eines der größten seiner Art besichtigen. So stehen wir schließlich vor einem abgesperrten Bereich mit einem torii und einem großen bewaldeten Hügel dahinter.

22a_wo sind wir.jpg


So richtig schlau wird man aus dem Aufbau nicht, also versuchen wir mal, ob wir nicht noch einen anderen Blickwinkel finden können. Ist heiß in Japan, deshalb sollte man aber auf keinen Fall das Trinken vergessen. Und langsam gehen.

22b_auf gehts.jpg


Wir gehen durch Wohngebiete, einen kleinen Park und immer wieder sehen wir diesen Hügel. Mit dem Wald. Wir kommen aber nie wirklich nah ran.

22c_immer wieder dieser Hügel.jpg


Bis wir schließlich auf der anderen Seite rauskommen und zumindest einen direkten Blick auf den Wassergraben werfen können, der unseren mysteriösen Hügel umgibt. Näher ran dürfen wir aber wieder nicht. Auf den Hügel rauf? Nicht vorgesehen.

22d_wieder der Hügel.jpg


Und warum ist das so? Eine Luftaufnahme, die dem neugierigen Touristen zeigt, was er verpasst, gibt uns Auskunft: Das ist das größte kofun (Hügelgrab) in Japan, nach Fläche vielleicht sogar das größte Grab der Welt, wenn man umgebende Baumreihen und Wassergräben mitzählt.
Der Hügel allein ist etwa 500m lang und 300m breit, mit Wassergräben sind es in der Länge sogar 840m. Das Grab ist 35m hoch und umfasst eine Fläche von mehr als 100.000qm, mit allem drum und dran sind es dann an die 460.000qm.

22e_des Rätsels Lösung.jpg


Das Grab ist vermutlich das Grab des Nintoku Tennô, was auch erklärt, warum wir da nicht drauf dürfen. Alle Tennô-Gräber, egal ob groß oder klein, innerstädtisch oder auf irgendeiner Insel, werden vom Kaiserlichen Hofamt mit Argusaugen bewacht und sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Uns bleibt also nur der Spaziergang rund um das Grab. Aber wenigstens ist das Wetter gut.
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